"Gastarbeiter" für Pferdemist

Hier geht es darum den Pferdemist möglich schnell zu verkleinern.
Anna
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"Gastarbeiter" für Pferdemist

Beitrag von Anna » Mi 27. Jun 2012, 16:36

Hallo zusammen,
heute kam meine Wurmlieferung bzw. die "Gastarbeiter" ;) , denn ich wohne in der Schweiz. Die Truppe soll mir helfen, den Pferdemist unserer zwei Pferde zu verarbeiten.

Ich habe ganz viel gelesen und im Internet gesucht, bin aber nicht ganz sicher, ob ich alles richtig mache.

Habe vor ca. zwei Wochen eine Fläche von 1,5 x 4m angelegt. Unten drunter eine Schicht altes Heu und darauf ca. 30 cm Pferdeäppel. Aber immer die frischen, ohne Einstreu und mit einem Geovlies abgedeckt.

Gestern stellte ich Heissrotte fest. Ich entfernte das Vlies, lockerte den Mist und goss 10 Liter Wasser drauf. Später sank die Temperatur.(Habe aber noch kein Termometer)

Vorhin habe ich die 2000 sehr agilen Würmer, die anscheinend die weite Reise gut überstanden haben, auf den sonnenbeschienen Mist gegeben. Sie verschwanden sofort in den Tiefen.

Und jetzt kommen mir Fragen....... oder ich bin zu begriffsstutzig :D

1. Muss ich jetzt zwei Wochen warten, bis ich neuen Mist aufbringen kann? Und wie viel darf ich? Bis zu welcher Höhe?

2. Sind 2000 Würmer überhaupt genug für die Fläche?

3. Wie wird sich das ganze im optimalsten Fall entwickeln zeitlich gesehen....also bis es Humus ist?

Eine Genehmigung habe ich nicht und glaube auch nicht, dass ich hier eine bekomme. Es ist einfach nur ein Versuch, den ich machen möchte. Wir sind aber auch nicht in einem Wasserschutzgebiet und wenn ich sehe, wie viel und wie oft hier rund herum die Bauern ihre Gülle auf die Wiesen fahren, dann ist das, was ich hier mache ein "Mäusefurz".

Falls mein Versuch gelingt, würde ich versuchen, die Behörden zu überzeugen. Im Moment muss ich hoffen: Wo kein Kläger, da kein Richter!

Ich würde mich über ein paar Tips freuen.

Grüsse von Anna
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Re: "Gastarbeiter" für Pferdemist

Beitrag von Wurmmann » Fr 29. Jun 2012, 00:49

Hallo Anna,
wenn Du in Deutschland wohnen würdest, könnten wir das sicher genehmigen lassen. In der Schweiz kenne ich mich leider nciht aus.

Zu Deinen Fragen:

Nie mehr als 2-3cm neuen Mist auftragen. dafür aber gerne merhmals wöchentlich.

Für Deine 6m² sollten mindestens 6000 Würmer eingesetzt werden, damit diese sich optimal vermehren. Im nächsten Jahr hast Du dann genügend. Mit nur 2000 wirst Du auf dieser Fläche sehr viel länger benötigen.

Bei richtigem Besatz (siehe oben) hast Du Humus meist nach 12-15 Monaten. Reiner Wurmhumus dauert 24 Monate. Das erste Jahr ist die Ernte nicht so gut, da sich die Würmer erst vermehren müssen.

Bei weiteren Fragen kann ich Dich gerne beraten. Schick mir dazu gerne eine email.

VG,
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Re: "Gastarbeiter" für Pferdemist

Beitrag von Flomax » Fr 29. Jun 2012, 09:10

Hallo Anna,

herzlich Willkommen im Forum.

Wurmmann, unser absoluter Experte für die Pferdemist-Vermikultur, hat ja schon ausführlich auf Deine Fragen geantwortet.

Was ich noch hinzufügen möchte bezieht sich auf den Versuchsstatus Deiner Vermikultur. Du kannst durchaus dem Rat von Wurmmann folgen und Deinen Wurmbesatz um 6000 Würmer aufstocken, denn die 2.000 Stück sind einfach zu wenig um auf dieser großen Fläche effektiv arbeiten zu können. Es dauert mit Sicherheit zwei bis drei Jahre bis sich bei Dir die Wurmpopulation an die Größe des Misthaufens, ausgehend von den derzeit 2.000 Stück und der Misthaufengröße von 1,5 x 4 m, angepasst hat!

Doch bevor Du in weitere Würmer investierst, mußt Du auf jeden Fall noch den Misthaufen nach unten und zur Seite gegen die Freßfeinde der Würmer (Blindschleichen, Maulwürfe und Spitzmäuse) sichern. Ansonsten kann es passieren daß Deine Wurmpopulation nie wächst, und im schlimmsten Fall sogar zurück geht!

Ein Geo-/Kompostvlies gegen die Freßfeinde von oben (Vögel) hast Du ja bereits.

Der Schutz zur Seite und nach unten kann mit einem speziellen Geotextil, mit Lochblechen, mit Hochlochziegelsteinen oder mit einem engmaschigen, kunststoffummantelten Drahtgitter realisiert werden.

Gruß
Flomax
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Re: "Gastarbeiter" für Pferdemist

Beitrag von Anna » Mo 2. Jul 2012, 09:15

Vielen herzlichen Dank für die Antworten und Tips. :)

Mein Mist wird einfach immer wieder heiss (40°C), obwohl es doch nur so eine flache Schicht ist und von unten durch die dicke Lage alten Heus belüftet sein sollte. Und ich habe den Eindruck, die Würmer sind entweder geflüchtet, gestorben oder gefressen worden. Gestern habe ich keinen einzigen gefunden :(

Das ist frustrierend. Ehe ich jetzt noch mal Würmer in passender Anzahl kaufe, möchte ich den Platz wirklich optimal einrichten. Neben den aufgezählten Frassfeinden, haben wir auch noch einen dicken fetten Igel hier. Sein Schlafplatz war bisher immer unterm Vlies in den gelagerten Heuresten. Landleben pur :)

Wie vermeide ich denn die Heissrotte? Oder soll ich die nun einfach mal ablaufen lassen und dann Würmer neu einsetzen?

Ich würde bei Erfolg versuchen, die Wurmkompostierung genehmigen zu lassen. Leider habe ich schon beim Genehmigungsverfahren unseres Stalles so viele Hürden überwinden müssen und Einblick in die äusserst strengen und kleinlichen gesetzlichen Auflagen bekommen, dass mir davor graut!!!

Andererseits würde eine Genehmigung evtl. auch einen Weg für viele Pferdebesitzer eröffnet. Es ist ja so, dass ich teures Futter vorne in die Pferde "stecke" (100 kg Heu kosten hier 32,- Euro) . Das kommt dann nach 24 Std. hinten wieder raus. Den Mist muss ich in die Biogasanlage bringen lassen, was pro Tonne umgerechnet 60,- Euro kostet, plus Trasnportkosten. Wenn ich Dünger für die Weiden benötige, kann ich den von der Biogasanlage kaufen. Im Prinzip kaufe ich meinen eigenen Mist......

Möchte jetzt nicht gleich das Handtuch werfen und bin dankbar für Hilfe.

Viele Grüsse von Anna
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Re: "Gastarbeiter" für Pferdemist

Beitrag von Wurmmann » Mo 2. Jul 2012, 21:31

Hallo Anna,
ruf mich doch mal bitte an. Das geht in diesem kompliziertem Fall schneller :)
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Re: "Gastarbeiter" für Pferdemist

Beitrag von Flomax » Di 3. Jul 2012, 13:28

Hallo Anna,

das ist sehr interessant was Dir in der Schweiz zur Genehmigung Deines Stalles alles aufgebrummt wird. Vor allem was das alles kostet! Dein Mist ist doch quasi "Brennstoff" für die Biogasanlage, warum mußt Du dann für die Entsorgung Deines Mist auch noch bezahlen? Na ja - in der Schweiz sind die Umweltgesetze und -verordnungen einfach immer etwas strenger als sonstwo!

So heiß ist Deine Rotte auch wieder nicht. Unter optimalen Bedingungen wird der Mist bis zu 70°C heiß.

Aber wenn bereits eine dünne Schicht, nicht zerkleinerter/gehäckselter Mist in die Heißrotte verfällt, dann kann man davon ausgehen, daß der Anteil an Stickstoffverbindungen (Grünpflanzen, Ammoniakverbindungen aus dem Urin, etc. ppp.) in Deinem Mist sehr hoch ist. Eine erste Gegenmaßnahme wäre das Untermischen von trockenem, kohlenstoffreichen Material wie trockener Heckenschnitt, Holzhäckselgut, Sägemehl oder altes/vergammeltes Stroh , damit das C-N-Verhältnis etwas besser wird. Mit ausreichender Belüftung und einem ausgewogenen C-N-Verhältnis sollte die Heißrotte dann vermieden werden - theoretisch! :-)

Wenn Du aber immer sehr viel sogenannten Tiefenstallmist hast, also Stallmist der sehr stark mit Urin durchtränkt ist, und sehr wenig Material zum Beimischen hast, dann empfiehlt es sich vielleicht sogar eine Vorbehandlung des Mistes durch eine gezielt eingeleitete Heißrotte durchzuführen. Und erst wenn diese durchlaufen ist, den Mist auf den Vermikompost zu geben. So mache ich es derzeit mit meinem Kaninchenmist auch, und der ist wenn auch nicht in der Menge auf jeden Fall aber in der Zusammensetzung mit Pferdemist vergleichbar.

Im Prinzip machst Du alles schon sehr gut. Einzigst die Erfahrung mit der Kompostierung fehlt dir noch etwas, aber hier wächst Dein Erfahrungsschatz ja tagtäglich an! :-)

Ich würde die Genehmigung für die Vermikompostierung des Pferdemistes auch erst einholen wenn ich sicher wäre, daß ich den Prozess im Griff habe.

Daß so etwas grundsätzlich funktioniert, dafür gibt es jede Menge Beispiele - frag nur mal Jasper/Wurmmann. Jetzt mußt Du nur die Vemikompostierung auf Dich und die Verhältnisse an Deinem Stall anpassen. Und das ist ein Lernprozess den Du mit Sicherheit meisten wirst, auch wenn er etwas langwierig sein kann.

Weiterhin viel Spaß beim Austüfteln - und halt uns auf dem laufenden!

Gruß
Flomax
Anna
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Re: "Gastarbeiter" für Pferdemist

Beitrag von Anna » Fr 6. Jul 2012, 09:10

Hallo zusammen und vorab: Vielen Dank für die Tips!

@Jasper: Telefonat hat ja nicht funktioniert. Ich probiere es noch mal.....obwohl....

@Flomax......die Hinweise von dir mir nun schon sehr weiter helfen.

Auf meinem Kompost liegen rein Pferdeäppel, ohne Urin, weil ich nicht einstreue. Eine Zeit lang habe ich eingestreut und der Stall wurde als Klo benutzt. Jetzt liegen weiche Matten im Stall und sie urinieren brav in den Sandauslauf :)

Ich habe aber noch einen Haufen der alten Einstreu. Vor allem Hanf und das werde ich dann mal untermischen, denn ich füttere kein Stroh und in den Heuresten könnten Samen von unerwünschten Wiesenpflanzen enthalten sein. Ampfer etc., die auf keinen Fall auf die Weide gelangen dürfen.

Von dem C-N Verhältnis habe ich auch gelesen und meine, in reinen Pferdeäppeln wäre es eigentlich optimal?

Übrigens habe ich dann doch noch ein paar Würmer entdeckt und zwar einige stramme agile Exemplare. Sie sitzen in den Randbereichen, wo es anscheinend nicht so heiss ist. Wenn der Rest dann nur noch lau ist, werden sie auch dort wieder arbeiten, nehme ich an. Mit neuen Würmern warte ich noch etwas. Wenn ich sehe, dass die jetzigen weiter mittig im Kompost sitzen, bekommen sie dann Gesellschaft.

Im Moment landet der frische Mist in einem Container, wo es ordentlich heiss rottet. Das Material könnte ich dann für die nächsten Schichten benutzen.

Unser Hufpfleger meinte gestern, dass er in seinem Mist, der auf Beton lagert, tausende Würmer hat! Ich bin echt neidisch geworden :D Aber Geduld....das kriege ich auch hin! Ich bin hartnäckig :)

Mit der Biogasanlage musste ich einen Hofdüngerabnahmevertrag machen und der Behörde zusenden. Eigentlich müssten wir der Behörde Nachweise schicken, dass wir den Mist auch dort abgeliefert haben.....eigentlich. :)X

Gerne berichte ich weiterhin und hoffe, dass ich auch mal Erfolg vermelden kann :)

Viele Grüsse von Anna
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Re: "Gastarbeiter" für Pferdemist

Beitrag von Anna » Do 12. Jul 2012, 17:48

So, der Mist hat sich abgekühlt und ich finde immer mehr Würmer auch in der Mitte des Mistes. :D

Jetzt wird's Zeit, eine neue Truppe Würmer zu bestellen und ein zu setzen und dann sollte es richtig los gehen ;)

Viele Grüsse aus der (zur Zeit fast herbstlichkühlen :)= ) Schweiz von Anna

P.S.: Werde weiterhin Bericht erstatten!
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Re: "Gastarbeiter" für Pferdemist

Beitrag von Flomax » Fr 13. Jul 2012, 07:26

Hallo Anna,

viel wärmer ist es hier in Deutschland (Saarland) auch nicht.

Aber bleib dran und berichte. Die meisten Pferdemistentsorger die hier im Forum aufgetaucht sind, haben
ihre Fragen gestellt und sind nie wieder aufgetaucht. Was natürlich ihr gutes Recht ist. Hier ist uns keiner Rechenschaft schuldig. .

Aber das Forum lebt nun mal vom Feedback und dem Erfahrungsaustausch. Wir brauchen neben Jasper dringend noch einen Experten mit eigener Erfahrung in der Pferdemistentsorgung mittels Wurmbeet!

Weiterhin gutes Gelingen und viel Spaß bei der Mistumwandlung!! :-)

Gruß
Flomax
Anna
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Re: "Gastarbeiter" für Pferdemist

Beitrag von Anna » So 15. Jul 2012, 15:33

Hallo Flomax,
das ist wirklich schade, wenn nicht weiter berichtet wird, damit andere davon profitieren können. Vielleicht wurden die Wurmbeete auch wieder aufgegeben.....

Ich werde mich bemühen, regelmässig zu berichten. Foto könnte ich auch mal rein stellen. Für mich ist das auch ein "Nachschlagewerk", wann ich was wie gemacht habe und so kann ich die Ergebnisse nachvollziehen.

Schlisslich sehe ich mich doch schon, wie ich mit dem Humus die Weide dünge und das Gras üppig spriesst :D

Leider fehlt mir der Platz, um sämtlichen Mist um zu wandeln, aber kommt Zeit kommt Rat ;) und auch mein kleiner Feldversuch wird Erkenntnisse bringen.

Bisher habe ich noch nichts am Mistbeet verändert. Erst müssen die neuen "Mitarbeiter" eingesetzt werden.

Viele Grüsse von Anna
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