EM1 selber machen

Bokashi: Das kompostieren mit effektiven Mikroorganismen (EM)
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Ludze
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EM1 selber machen

Beitrag von Ludze » Mi 26. Okt 2016, 19:53

https://youtu.be/ezs3LX91lD8

:o Gerade im Netz gefunden und so wie es aussieht ist es recht einfach die Urlösung selber zu basteln. Hochinteressant, wie ich finde.
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Peter_86
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Re: EM1 selber machen

Beitrag von Peter_86 » Di 1. Nov 2016, 12:01

Da das Glas mit der Reis-Flüssigkeit oben nicht fest verschlossen ist, werden Mikroorganismen aus der Luft eingefangen. In der Luft kommen Milchsäurebakterien und Hefen vor (aus diesem Grund funktioniert die traditionelle Gärung z. B. bei der Herstellung von Sauerkraut, Wein u. Bier ohne dass man bewusst Bakterien/Hefen zugibt).
In der Luft können natürlich auch unerwünschte Mikroorganismen wie Schimmelpilze und Fäulnisbakterien vorkommen (eine Kontamination lässt sich aber leicht am Wachstum von Schimmelpilzflecken o. am fauligen Geruch erkennen).
Im 2. Video sieht man nicht genau, ob die später zugesetzte Milch pasteurisiert ist. Rohe Milch enthält selbst noch viele Mikroorganismen, die Gärung betreiben können. In den USA ist aber der Verkauf von Rohmilch (u. Rohmilchprodukten wie Rohmilchkäse) verboten. Daher kann man vermuten, dass es sich im Video mit großer Wahrscheinlichkeit um pasteurisierte Milch handelt. Pasteurisierte Milch würde nur als Nährstoffquelle (Laktose, Proteine) für die schon in der Flüssigkeit existierenden Mikroorganismen dienen.

Würde man dagegen ein Produkt mit lebenden Mikroorganismen wie Rohmilch, Joghurt, Kefir, Sauerkrautsaft etc. zugeben, dann würde sich die Vielfalt der Gärung betreibenden Mikroorganismen im Endprodukt wahrscheinlich noch erhöhen.
Die „Effektiven Mikroorganismen“ erhalten ja eine Vielzahl von Bakterien- u. Hefearten. Darunter sind immer 3 Gruppen*:
1.) Milchsäurebakterien (welche teilweise auch in Joghurt u. a. Milchprodukten vorkommen)
2.) Hefen (kommen z. T. auch in Kefir vor, werden bei Bier- u. Sauerteigherstellung benutzt)
3.) Nichtschwefelpurpurbakterien: werden auch „phototrophe Bakterien“ genannt, da sie Photosynthese betreiben können. Sie können sich aber bei Lichtmangel auch heterotroph (durch Abbau organischer Stoffe) ernähren. Nichtschwefelpurpurbakterien kommen im Boden, im (Süß-)Wasser und Gewässersedimenten vor, z. B. Rhodopseudomonas palustris.

* Manche EM-Lösungen enthalten zusätzlich zu den 3 oben genannten Gruppen noch Actinomyceten (Actinomycetales). Diese Bakterien kommen u. a. im Boden vor, viele bilden Myzel-artige Filamente. Einige Gattungen wie Streptomyces u. Amycolatopsis können antibiotisch wirksame Stoffe produzieren, die andere Bakterienarten abtöten können.

Das im Video erzeugte Endprodukt enthält wahrscheinlich Milchsäurebakterien und Hefen, aber höchstwahrscheinlich keine Nichtschwefelpurpurbakterien, entspricht daher höchstwahrscheinlich nicht vollständig der „EM1“-Lösung.

Um eine größere Mikroben-Vielfalt zu erreichen, könnte man zur Lösung etwas Bodensubstrat u./o. Wasser aus einem Teich zugeben.
Bei den „indigenen Mikroorganismen“ (= einheimischen Mikroorganismen) gibt es z. B. folgende Methode (stammt aus dem koreanischen „Natural Farming System“):
Eine Holzkiste mit gekochtem braunem Reis u./o. anderem Getreide (z. B. Roggenschrot) wird im Waldboden vergraben, der Inhalt wird von Boden-Mikroorganismen besiedelt. Wenn sich eine weiße, flockige Pilzschicht (kein farbiger Schimmel) gebildet hat, entnimmt man den Inhalt und kultiviert die Mikroorganismen weiter: Der Kisteninhalt wird mit unraffiniertem Zucker und Wasser vermischt und in ein luftdicht geschlossenes (Ton-)Gefäß gefüllt, wo man das Ganze ca. 2-3 Wochen gären lässt (Quellen: „Terra Preta. Die schwarze Revolution aus dem Regenwald“, Scheub, Pieplow, Schmidt, 2. Auflage 2013, oekom Verlag;
http://terrapretawiki.org/index.php?title=(IMO) ab "Wie werden IMO eingesammelt?"
http://terrapretawiki.org/index.php?tit ... organismen)

Allerdings lassen sich nicht alle in der Natur vorkommenden Mikroorganismen kultivieren. Und es besteht das Risiko, das schädliche Mikroorganismen (z. B. Fäulnisbakterien) in die Kulturlösung / das Kultursubstart gelangen. Wenn die Lösung / das Substrat einen niedrigen pH-Wert (um die 4) hat, werden aber die meisten schädlichen Mikroorganismen abgetötet. Das Risiko, das schädliche Mikroorganismen das Produkt verderben, ist daher zu Beginn am größten, wenn die Gärung noch nicht oder noch nicht vollständig einsetzt hat. In dieser Phase ist der pH-Wert noch eher im o. nahe dem neutralen Bereich, und es sich auch noch viele nicht umgesetzte Nährstoffe (z. B. Kohlenhydrate) vorhanden.
Die ganze Masse des oberflächlichen Humus ist durch die Körper der Regenwürmer hindurchgegangen. Man kann bezweifeln, dass es noch viele andere Tiere gibt, welche eine so bedeutende Rolle in der Geschichte der Erde gespielt haben. (Charles Darwin)
Ludze
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Re: EM1 selber machen

Beitrag von Ludze » Di 13. Dez 2016, 18:45

Danke Peter für die sehr informative Antwort. Ich denke, das ich erst mal mit dem gekauften EM1 arbeite und wenn das alle ist, werd ich evtl mal was eigenes in Angriff nehmen.
Trulllla
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Re: EM1 selber machen

Beitrag von Trulllla » Di 12. Jun 2018, 19:14

Bin auch interessiert:
Für die Bokashi-Herstellung, reichen da nicht die ersten zwei Gruppen, d.h. Milchsäurebakterien und Hefen? Muss es die original EM-Mischung sein?
Ich glaube diese Bokashiflocken, die es bei Wurmwelten zu kaufen gibt, sind ja auch nicht das Original, oder? Ich hätte keine Lust, das Zeug immer zuzukaufen. Wenn es so wie hier beschrieben auch Brottrunk oder Sauerkrautsaft tun, fände ich das super.
Hat jemand Erfahrung?
Eberhard
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Re: EM1 selber machen

Beitrag von Eberhard » Di 12. Jun 2018, 20:22

Ich habe keine Erfahrungen, aber einiges gelesen.
Ich würde Dich einfach in Deinem Vorhaben bestärken. Wenn man den Schwerpunkt auf milchsaure Fermentation legt (für EM gibt es viele weitere Anwendungen), dann funktioniert die ja durch die massenhafte Vermehrung der beteiligten wirkenden Mikroben, also schwerpunktmäßig der Milchsäurebakterien. Die hättest Du in den genannten Startkulturen. Etwas Backhefe ist dann auch kein Problem hinsichtlich Investition und Besorgen.

Die Photosynthesebakterien als dritte beteiligte wesentliche Mikrobengruppe sind deutlich komplexer aufgebaut und haben schon daher einen drastisch längeren Vermehrungszyklus, so dass ihr relativer Anteil über die Zeit sowieso abnehmen wird. Daher gelingt auch die erneute Vermehrung von aktiviertem EM nicht mehr wirklich.

Wenn die Startkulturen aus eigener (unaufwändiger) Herstellung kommen, dann entspricht das auch dem Gedanken des Schließens von Stoffkreisläufen. Man muss nicht alles kaufen, manchmal muss man nur die Augen richtig öffnen.
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
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Re: EM1 selber machen

Beitrag von Trulllla » Di 12. Jun 2018, 20:51

Danke, Eberhard, für deine Sichtweise. Ich bin auch eher für eine einfache, pragmatische Herangehensweise zu haben. Weniger ist manchmal mehr.
Im Moment probiere ich mich noch ausschließlich am Wurmkomposter, aber Bokashi klingt auch sehr interessant.
Ich kann mir vorstellen, dass das das nächste Projekt bei uns wird.
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