Verständnisfrage Bokashi: Löcher im Eimer vs anaerob

Bokashi: Das kompostieren mit effektiven Mikroorganismen (EM)
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Verständnisfrage Bokashi: Löcher im Eimer vs anaerob

Beitrag von Trulllla » Di 5. Feb 2019, 13:42

Hi zusammen,
Ich habe eine ganz grundlegende Frage zum Bokashi:
Zum einen findet eine anaerobe milchsaure Vergärung statt, deswegen heißt es, man muss den Deckel ganz fest schließen, zum anderen haben die inneren Eimer Löcher im Boden, damit der "Tee" abgelassen werden kann. Wozu ist das, denn eigentlich müsste man ja, da anerob, froh um das Wassser sein. Ist das, damit der Druck sich nicht zu stark erhöht? Und kommt da nur "unnennenswert" Luft an den Bokashi?
Oder andersherum: kann ich den Bokashi dann auch in einem einzelnen, komplett geschlossenen Eimer machen, wenn ich ab und an den Druck rauslasse?
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Re: Verständnisfrage Bokashi: Löcher im Eimer vs anaerob

Beitrag von *Ces* » Di 5. Feb 2019, 17:00

Also ohne Ausflug die Frage mit den Löchern einzugehen...

Ich habe schon mehrfach gelesen, dass es bei Bokashi wichtig ist, dass die Feuchtigkeit da raus kommt, da er sonst auch anfängt zu stinken. Ob stinkender Bokashi trotzdem richtig fermentiert weiß ich nicht.
Bei dem ursprünglichen soll ja auch Fleisch und Fisch mit fermentiert werden. Aber auch Brot, Nudeln, Käse - also auch Sachen die die Würmer nicht bekommen.
Wenn du also Gurke und Melone im Bokashi hast, weiß ich nicht, ob es mit dem abgesetzten Wasser nicht anfängt zu riechen.

Wo sich jetzt bei mir die Frage stellt zum Bokashi:

Gehen Ratten oder anderes Ungeziefer an Bokashi ran, wenn ich den nur oben auf den Kompost lege bzw nur ein kleines Loch zum Vererden grabe?
Und was passiert mit stinkenden Bokashi? Ist der richtig fermentiert und kann auch eingegraben werden ohne das man sich Ungeziefer anlockt? Oder ist das dann eher ein Fall für die Tonne wegen den besagten Tieren?

Okay Naturwissenschaften war nicht so mein Fall - Experimente ja, aber nicht die Gründe und Ursachen.
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Re: Verständnisfrage Bokashi: Löcher im Eimer vs anaerob

Beitrag von Trulllla » Di 5. Feb 2019, 17:13

Ich habe jetzt noch mal nach Bokashi und stinken gegoogelt. Ich dachte, wenn der Bokashi stinkt, ist halt ein Fäulnisprozess in Gang gekommen und keine milchsaure Vergärung. Ist ja beides anaerob. Und in den Suchergebnissen finde ich doch tatsächlich das Bokashigut soll trocken sein!? Wie kann es dann anaerob sein? Auch wenn ich noch so viel verdichte, sind doch Poren da, in denen dann Luft ist. Und bei Rezepten für milchsaures Gemüse heißt es auch immer, dass alles Gemüse unter der Wasser (bzw.Laken-)oberfläche sein soll. Ich habe das Prinzip echt noch nicht verstanden.

Zu Fleisch und Nagern kann ich dir leider nichts sagen, *Ces*. Die Frage habe ich mir auch schon gestellt.
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Re: Verständnisfrage Bokashi: Löcher im Eimer vs anaerob

Beitrag von *Ces* » Di 5. Feb 2019, 20:26

Man soll ja auch nix verschimmeltes rein tun.

Was ist aber mit Kartoffelsalat der umgeschlagen ist oder vergorene Beeren?
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Re: Verständnisfrage Bokashi: Löcher im Eimer vs anaerob

Beitrag von Eberhard » Di 5. Feb 2019, 22:31

Man kann doch eine Anleihe bei den EM-Jüngern nehmen: Küchenabfälle fermentieren? ► Anleitung Bokashi herstellen

Ob man jetzt originales teures EM nimmt und "besondere" Kauf-Pflanzenkohle, das sei offen gelassen. Ich habe jetzt einen kleinen Versuch laufen mit einem 5-Liter-Eimerchen, wo ich die Schalen von Clementinen & Co. versenke. Statt Original-EM verwende ich eine eigene Zubereitung, und statt genannter Pflanzenkohle verwende ich ich Rohkompost, der bei mir stark holzlastig ist (Basis Fichtenreisig) und bei dem Pflanzenkohle eigener Herstellung eingemischt ist, neben Erde, Gartenabfällen, "Schmutzwasser" aus der biologischen Kläranlage, Holzasche, Kehrricht und einigem anderen.
Wie läuft es ab: Schalen in den Eimer, kurz untermischen, minimale Schicht Kompost oben drauf, von oben kräftig verdichten. Das ganze wird mit EM, also mit passenden Mikroben besprüht zur Sicherstellung der Fermentation. Notfalls Sandsack draufsetzen zum Luftabschluss nach oben (mache ich nicht). Deckel drauf.
Das Substrat ist leicht feucht, schwimmt aber nicht im Wasser. Wasser muss raus, käme bei mir auf den Kompost oder gleich in den Garten. Die Weißschimmelbildung wie im Video habe ich auch, das ganze riecht angenehm nach Zitrus und hat mit Stinken rein gar nichts zu tun. Druck, den man ablassen müsste, erkenne ich auch keinen.

Also: Es ist auch eine Frage des Mischungsverhältnisses (was wieviel womit). Macht man den Bokashi zum Abfallhaufen für alles, dann kann man auch andere Prozesse darin generieren als milchsaure Fermentation. So würde man auch andere Gerüche und ggf. andere Ergebnisse erzielen.

Bei Vergleichen mit Silage, Sauerkraut, Sauergemüse sollte man berücksichtigen, dass man wohl kaum bei den genannten Dingen Angegammeltes oder Abfälle anderer Art beimischt. Andere Stoffe in Anteilen beteiligt, andere Mikroben zusätzlich am Start mit einem Startvorsprung, das kann andere/zusätzliche Prozesse auslösen.
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
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Re: Verständnisfrage Bokashi: Löcher im Eimer vs anaerob

Beitrag von Trulllla » Mi 6. Feb 2019, 14:07

Eberhard hat geschrieben:
Di 5. Feb 2019, 22:31
Bei Vergleichen mit Silage, Sauerkraut, Sauergemüse sollte man berücksichtigen, dass man wohl kaum bei den genannten Dingen Angegammeltes oder Abfälle anderer Art beimischt. Andere Stoffe in Anteilen beteiligt, andere Mikroben zusätzlich am Start mit einem Startvorsprung, das kann andere/zusätzliche Prozesse auslösen.
Ok, ja das ist wahr! Das Video werde ich mir später zu Gemüte führen.
Wobei ich meine Frage, wie der Bokashi anearob sein kann, noch nicht beantwortet finde, denn wenn ich das Sickerwasser ablasse, kommt doch automatisch Luft nach. :?
Eberhard
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Re: Verständnisfrage Bokashi: Löcher im Eimer vs anaerob

Beitrag von Eberhard » Mi 6. Feb 2019, 19:19

Anaerobie
Es geht also genauer um Sauerstoff.
Milchsäurebakterien
Es gibt also eine Reihe von Milchsäurebakterien, die nicht gleich die Segel streichen, wenn ihnen einige Sauerstoffmoleküle begegnen. Sie bilden z.B. eigene Antioxidantien zum besseren Überleben, gewissermaßen ein Anti-Aging im Kleinen.

Ob jetzt irgendwo ein Faulen, pilzverursachte Zersetzung, Verrotten, milchsaures Fermentieren oder sonst etwas stattfindet, hängt doch davon ab, welche der beteiligten Lebensformen in bedeutsamen Mengen leben bzw. sogar in ihrer Umgebung dominieren können. Dazu gehört gerade bei Mikroorganismen das Startvolumen, die Menge "systemfeindlicher" Gegenspieler und die Nahrungsgrundlage für Stoffwechsel und damit eigene Vermehrung. Auch sollten jene anderen Lebensformen nicht gar zu reichlich auftreten, die die besprochenen Lebensformen als Futter verwerten und derart unmittelbar wieder reduzieren.

Man hat es sicher schon einmal gesehen: Ein Apfel kann auch an frischer Luft faulen.

Es ist also nicht schwarz oder weiß, sondern es kommt darauf an.
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
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Re: Verständnisfrage Bokashi: Löcher im Eimer vs anaerob

Beitrag von Trulllla » Mi 27. Feb 2019, 22:54

Ja es war wohl eher das Wort anaerob, das bei mir zur Verwirrung geführt hat. Ich dachte, es hieße quasi "unter Ausschluß von Sauerstoff" was ja aber gar nicht der Fall ist.
Aus praktischer Sicht interessant ist, dass sie in dem Video - und du auch - gar nicht nach oben hin abdichten. Außer dem Eimerdeckel halt, aber anfangs ist ja zwischen dem Bokashiansatz nach oben hin noch viel Luft vorhanden.
Eberhard hat geschrieben:
Di 5. Feb 2019, 22:31
Druck, den man ablassen müsste, erkenne ich auch keinen.
Das heißt ich kann auch einen Bokashi ansetzen und dann 3 Wochen in Urlaub fahren? Bei Zimmertemperatur, ohne Flüssigkeit abzulassen?
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Re: Verständnisfrage Bokashi: Löcher im Eimer vs anaerob

Beitrag von *Ces* » Do 28. Feb 2019, 05:38

Flüssigkeit würde ich schon ablassen.

Dann lieber den Hahn offen lassen.
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Re: Verständnisfrage Bokashi: Löcher im Eimer vs anaerob

Beitrag von Trulllla » Do 28. Feb 2019, 11:55

*Ces* hat geschrieben:
Do 28. Feb 2019, 05:38
Flüssigkeit würde ich schon ablassen.

Dann lieber den Hahn offen lassen.
Danke, aber ich habe keinen Hahn dran. Es geht ja im Grunde auch so, wenn das Wasser in den unteren Eimer tropft (bisher ist noch gar nichts gekommen), die Frage ist nur, ob dann über einen längeren Zeitraum Druck entsteht. Im Zweifelsfall stelle ich die Eier dann kühl. Hat ja noch Zeit.
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