Pflanzenkohle selbst Herstellen (saw)

Terra Preta mithilfe von Pflanzenkohle herzustellen ist ganz leicht
WurmSams
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Pflanzenkohle selbst Herstellen (saw)

Beitrag von WurmSams »

Hier gibt es ja einige Bastler unter uns.

Das Thema Pflanzenkohle wurmt mich seit einigen Tagen.
Ich dachte da der gute Eberhard mir schon in einem anderen Thread was dazu geschrieben hat, mach ich hier mal nen reinen Thread für die Bastler und Hobby Köhler unter uns auf.

Ich habe mir da was ganz verrücktes vorgenommen, hat geklappt wenn ich auch den versuch abbrechen mußte.
-Grundidee - Herstellung auf einem Gaskochfeld in kleinen Mengen

Versuch 1
Hab mir Gedanken gemacht wie es so geht und habe eine Konstruktion aus Dosen gemacht die man ineinander steckt.

Grundlegend ist das Ergebnis top, nur die Abgase sind nicht verbrannt und daher Probleme in Reihenfolge Rauch - Gestank - Rauchmelder...
Geht so nicht, im Kamin oder auf nem Grill ist das sicherlich etwas anderes.
Photos im Anhang.
Kleine Dose befüllen mit einem 3 mm loch im Boden
befüllen
passende Dose zum drüber stülpen.

Problem die Gase entweichen ohne Verbrennung.
Dachte mir noch eine größere Dose drüber stülpen mit 10mm loch und Hoffnung das die hitze die gase entzündet und verbrennt.
Nur sind sie zu schnell abgekühlt.

Das Resultat hab ich leider schon in der Wurmkiste verschüttet und kann es daher nicht zeigen aber grundlegend ist kohle entstanden die man locker mit den Fingern zerkleinern konnte.

Versuch 2 (in Planung)
Skizze im Anhang
3 Blumentöpfe aus Terrakotta
1 Rohr durch die Mitte wo die heißen Abgase nach oben kommen, mit verschraubungen die Töpfe vorsichtig zusammen drücken und ein paar kleine löcher an der oberen Seite des Rohres bohren damit sich die Holzgase entzünden.

Das könnte ganz gut funktionieren denke ich.

Wie macht ihr das denn bei euch, währe schön wenn sich hier ein paar Ideen zusammenfinden.

Greez
datt WurmSams
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Eberhard
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Re: Pflanzenkohle selbst Herstellen (saw)

Beitrag von Eberhard »

Herstellung auf einem Gaskochfeld
... in einer Wohnung? Klingt abenteuerlich. Für eine Pyrolyse braucht man größer 400 Grad Celsius (mehr ist besser) über einen längeren Zeitraum, und rauch- und geruchsfrei wird das auch nicht abgehen. Dafür sind heutige Wohnungen nicht wirklich geeignet.

Kleinhersteller nutzen z.B. Pyrolysekocher wie den Sampada oder den El Carbonero, draußen.

Vielleicht auch eine ganz andere Idee: Jetzt kommt die Zeit der Brauchtumsfeuer wie Osterfeuer, Walpurgisfeuer usw. Wenn man da Zugang hat, dass ein solches Feuer nicht bis zum letzten Ende abgebrannt wird, sondern in der Endphase abgelöscht wird, hätte man da neben der Holzasche einen ordentlichen Anteil an Holzkohle. Stoffkreisläufe schließen heißt auch, einfach das zu nutzen, was schon da ist. Manchmal muss man nur aufmerksam seine Umwelt betrachten.

Wem das alles handwerklich oder sonst irgendwie zuviel ist und wer auf den Spaßfaktor, selber zu "kokeln", verzichten kann , kann sich Pflanzenkohle einfach kaufen. Das Angebot hat sich in den letzten Jahren verbessert, ich habe gerade ein Angebot gesehen, wo es 20 Liter inkl. Steuer und inkl. Versand für 18,99 € gibt, größere Mengen sind dann relativ günstiger. Da würde ich kein Neutapezieren riskieren.
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
Chris Arndt
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Re: Pflanzenkohle selbst Herstellen (saw)

Beitrag von Chris Arndt »

Wie zuvor geschrieben, finde ich es auch besser Pflanzen- oder Holzkohle bei Brauchtumsfeuer, wo immer Holzkohlenreste zurückbleiben zu holen. Kürzlich habe ich die Holzasche mit hohen Anteil von Holzkohle von einer Stelle geholt, wo Weihnachtsbäume verbrannt wurden. Da sind immerhin
zehn große Eimer zusammen gekommen. Oder man kauft sich die Pflanzenkohle.
Für einen, der sich mit neuen Dingen beschäftigt wäre dass doch auch mal etwas. Ich hatte vor Jahren mal meinen Rasenschnitt mit einer Decke gut abgedeckt. Im Hochsommer hatte sich unter der Decke aus dem Rasenschnitt eine schwarze schmierige homogene Masse gebildet .Das ist mir bis jetzt
noch nie wieder gelungen. Das probiere ich diese Jahr wieder mit anderen Hilfsmitteln. Wer weiß, wozu sich die Schmiere alles verwenden lässt.
LG Chris
Eberhard
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Re: Pflanzenkohle selbst Herstellen (saw)

Beitrag von Eberhard »

Vielleicht auch interessant: Die professionelle Herstellung von Pflanzenkohle erfolgt mit Anlagen wie der PYREG-Anlage oder dem Schottdorf-Meiler.

Sowie aus einem anderen Thema (Informationszusamenführung):
Kon-Tiki – Die Demokratisierung der Pflanzenkohleproduktion
Video zur Holzkohleherstellung im Ofen
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
Wurmfried
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Re: Pflanzenkohle selbst Herstellen (saw)

Beitrag von Wurmfried »

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Zuletzt geändert von Wurmfried am Fr 2. Aug 2019, 11:15, insgesamt 1-mal geändert.
Rüdiger
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Re: Pflanzenkohle selbst Herstellen (saw)

Beitrag von Rüdiger »

Hallo Wurmfried,

du musst noch etwas an der Technik arbeiten aber sonst bist du auf einem guten Weg.

Ich habe auch so eine improvisierte "Feuerschale" mit hohem Rand, von ca. 50 Zentimetern Durchmesser.

Du machst am Boden der Schale ein kleines Feuer indem du kleinteiliges Holz am besten über kreuz aufschichtest und das anbrennst.

Wenn das richtig brennt legst du jetzt immer genügend schwaches Holz und Reisig auf. So das die Ganze Fläche bedeckt ist aber immer nur ein paar Zentimeter Höhe hat. Der Durchmesser soltte nicht größer als der ein 2 Euromünze sein, ggf. spalten, sonst dauert der Entgasungsprozess zu lange und du hast in der Mitte noch intaktes Holz.

Die Glut der unteren Schicht sorgt dafür das frisches Material sehr schnell ausgast und mit großer Flamme verbrennt, nahezu rauchfrei. Diese Flamme schirmt aber gleichzeitig die unteren Schichten vom Luftsauerstoff ab, so das die sich bildende Holzkohle nicht verbrennt.

Sobald die obere Schicht ausgegast ist und sich schon ganz leicht ein Ascheüberzug bildet, legst du wieder neu auf, je nach Holzstärke gar aller zehn Minuten bis die "Schale" voll ist. Dann löschst du mit der Gießkanne ab, der Wasserdampf " öffnet" Dann die Poren der Kohle nochmals. Du kannst die Schale ganz mit Wasser fluten.

Du hast dann sehr feine Kohle selbst feiner reisig, Tannenadeln, Hobelspänne bleiben in Strucktur als Kohle erhalten.

Freundliche Grüsse
Rüdiger
Wurmfried
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Re: Pflanzenkohle selbst Herstellen (saw)

Beitrag von Wurmfried »

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Rüdiger
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Re: Pflanzenkohle selbst Herstellen (saw)

Beitrag von Rüdiger »

Hallo Wurmfried

auch hier kannst du mal gucken, da wird es in Ton und Bild live erläutert.

https://www.youtube.com/watch?v=bO9-RBaAq3U

Komplizierter darf die "Bio-Kohlenproduktion" für den Kleingärtner gar nicht sein, sonst ist das doch wirtschaftlich kaum vertretbar.

Ich habe schon mehr als 500 Liter Kohle mit meiner kleinen Feuerschale gemacht. Wenn du ein intensiv kultiviertes "Schwarzerde-Beet" machen willst reichen ja 10 Quadratmeter meist völlig aus. Wenn man sch da an die Empfehlung von Dr. Jürgen Reckin hält brauchst du 20 Liter pro Quadratmeter bei der Neuanlage.

Viel entscheidender ist die biologische Aktivierung der Kohle. Die "Industrie" macht das teilweise mit Phosphorsäure und Ammoniumsulfat. Dem Kleingärtner wird die Kompostierung empfohlen. Bei mir "reift" die Kohle in großen Mörtelbottichen unter Wasser dem "Wurmtee" oder Kräuterjauche ab und wann zugegeben werden.

Für die "Wurmbeete" setze ich gerne fein zerkleinerte "unbehandelte" Kohle ein. Zum einen ist die Kohle als Pflanzenasche alkalisch (Kalium, Calcium), und zum anderen Bindet sie überschüssige Feuchte und Geruch etwas. Die Zugabemenge begrenze ich hier aber auf 5 Prozent.

Ich habe auch festgestellt das die Schwarzerde auch nicht von allen Pflanzen gleich gemocht wird. Basilikum toleriert die zwar, aber in einer sandigen Erde mit etwas Wurmkompost wächst er besser. Also die Universallösung ist es auch nicht.

Ich habe persönlich festgestellt, dass beim Kompostieren von Laub, eine gute Pflanzerde entsteht, die Kombiniert mit nährstoffreicherem Wurmhumus und Wurmtee in jedem Fall eine empfehlenswerte Sache ist.

Freundliche Grüße
Rüdiger
Wurmfried
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Re: Pflanzenkohle selbst Herstellen (saw)

Beitrag von Wurmfried »

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Zuletzt geändert von Wurmfried am Fr 2. Aug 2019, 11:14, insgesamt 1-mal geändert.
Rüdiger
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Re: Pflanzenkohle selbst Herstellen (saw)

Beitrag von Rüdiger »

Hallo Wurmfried,

dass ist ja total clever von dir, sich zusammen mit dem Mist, gleich noch eine kräftige Wurmpopulation zu organisieren. Du hast ja alles beisammen was man braucht und auch viel Platz.

Da kannst du mal nach dem Flachkompost von Augustin Hessing gucken, sozusagen der "Pionier" der Wurmkompostierung.

Seine "homohöpatischen" Kräuterzugaben, praktiziere ich auch. Blüten vom Löwenzahn kann man jetzt schön sammeln.

Wichtig ist halt die Würmer mit "frischem" Futter bei laune zu halten. Die hausgemachte "Pflanzenkohle" kannst du wie gesagt mit auf die "Wurmmiete" geben.

Oder du legst wie das Dr. Reckin auch in der ZDF Doku zur "Terra Preta" erläutert einfach kleine Beete in der nähe an und die Würmer wandern dann zu.

Die "gemahlene" Kohle kannst du beispielsweise auch in die Brennnessel-Jauche einrühren und die so "geruchsarm" machen. Das hat sogar jemand schon zum Patent angemeldet, habe ich gesehen. Wobei ich mich frage ob das wirklich eine "Erfindung" ist.

Auch diese Kompostextrakt, Wurmtee- und Mikrobenzubereitungen die für viel Geld angepriesen werden soltten wir alle selber machen.

Wobei ich die Erfahrung gemacht habe, dass mein Wurmkompost aus der Kiste für die "Extraktion" in Wasser besser geeignet ist. Dadurch das da nur "weiche" Sachen reinkommen und die "Wurmbearbeitung" intensiver ist, ensteht ein fast vollständig wasserlöslicher Humus.

Die Kohle zerkleinerer ich übrigens dadurch das ich auf dem Betonplatten einfach mit einem Meterscheit aus Holz das stampfe. Ganz fein kann man das mit einer "Steinmühle" aus zwei Backsteinen bekömmen, wo man das einfach zwischen zerreibt. Wenn die Kohle noch eincwenig Feuchtigkeit hat, stiebt es auch kaum.

Freundliche Grüße
Rüdiger
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