terra preta

Terra Preta mithilfe von Pflanzenkohle herzustellen ist ganz leicht
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dynamind
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Re: terra preta

Beitrag von dynamind »

Würmlidreck hat geschrieben:Hallo
Ich Interessiere mich auch für dieses Thema ohne Bokashi. Was und wie viel akzeptieren die Würmli um die Schwarze Erde zu erhalten?
Gruss
Werner
Was sollen die Würmer akzeptieren?

Nach meinem Verständnis von Terra-Preta sind Zusätze mit Mikroporen wichtig. Das ist aber eher eine Preisfrage als eine Frage der Akzeptanz. Pyrolisierte Kohle wird glaube ich eher sehr teuer verkauft - Aktivkohle ist sowieso teuer - aber Holzkohle kann man sich leisten. Ob aus der Mischung dann aber Terra-Preta wird ist auch wieder fraglich, auch weil "funktionierende" Terra-Preta in einer ganz anderen Klimazone zur Anwendung kommt.
Aber der Holzkohlezusatz könnte ein Rückzugsraum für unsere mikrobakteriellen Freunde sein und dadurch durchaus zur Bodenverbesserung beitragen und vielleicht die positiven Effekte unserer mikrobiologisch sehr aktiven Wurmerde stabil halten.
In der Wikipedia steht zu Terra Preta und Holzkohle auch:
Die Erzeugung neuer Terra preta zur Ertragssteigerung lateritischer Böden in den Tropen scheitert zur Zeit allerdings daran, dass es bisher nicht möglich war, die damals verwendeten Techniken zu reproduzieren.[7] Die alleinige Hinzufügung von Holzkohle hatte nicht die gleichen dauerhaften positiven Folgen, wenn sie auch durchaus substantiell zur Bodenverbesserung beitrug.[8]
Die Holzkohle könnte man aber evtl.auch ins fertige Wurm-Produkt einbringen - die muss meiner Meinung nach nicht von den Würmern gefressen werden um sich mit Mikroben zu besiedeln (ich glaube diese Diskussion hatten wir mal hier, oder?).
Würmlidreck
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Re: terra preta

Beitrag von Würmlidreck »

Hallo dynamind

Ja die Zutaten sind teuer, ist gut wenn die Grillzeit kommt, da bleibt auch mehr Kohle über…
Bin gespannt auf die Akzeptanz zur Kohle. Sie bekommen derzeit Jahresbedingt ein bisschen mehr Asche aus der Zentralheizung.
So werde ich mich wie jeder andere heranwagen müssen was geht und was nicht.
hobbygaertner
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Re: terra preta

Beitrag von hobbygaertner »

dynamind hat geschrieben: Die Holzkohle könnte man aber evtl.auch ins fertige Wurm-Produkt einbringen - die muss meiner Meinung nach nicht von den Würmern gefressen werden um sich mit Mikroben zu besiedeln (ich glaube diese Diskussion hatten wir mal hier, oder?).
Hallo,

ich will eine solche Diskussion nicht (wieder) anstoßen, so es sie gegeben hat. Aber kann mir jemand erklären, warum die Würmer Kohle fressen sollten? Ich kann mir das immer nicht so recht vorstellen, wenn ich das irgendwo lese.

Viele Grüße
Hobbygaertner
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Re: terra preta

Beitrag von Wurmmann »

Also wenn die Kohle so fein ist wie die meiste Bio Kohle die ich für Terra Preta Produkte bekomme, fressen Regenwürmer die auch ohne Probleme. In einem Wurm cafe habe ich schon mehrere Kilo Feinkohle verfüttert!
hobbygaertner
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Re: terra preta

Beitrag von hobbygaertner »

Ja, das finde ich ja so erstaunlich. Ober ist es so, daß die Würmer einfach alles "durchnudeln", was sie vorfinden?

In jedem Fall müßten dann doch diese Humuskomplexe anders sein als die ohne Holzkohle, oder? Zumindest habe ich das bisher so verstanden, daß an dieser Stelle die Würmer einen recht entscheidenden Beitrag zum Entstehen leisten.

Interessant wäre ja, einmal "normalen" Wurmhumus und "+Holzkohle" mikroskopisch zu vergleichen. Oder sieht man schon so einen deutlichen Unterschied?
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Re: terra preta

Beitrag von Wurmmann »

Interessant wäre ja, einmal "normalen" Wurmhumus und "+Holzkohle" mikroskopisch zu vergleichen. Oder sieht man schon so einen deutlichen Unterschied?
Genau das ist mein Ziel. Ich möchte das aber in einem richtigen Institut machen lassen, so dass man das Ergebnis nachher auch gut erkennen kann. Aber die Zeit fehlt...
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dynamind
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Re: terra preta

Beitrag von dynamind »

Ich erinnere mich zwar nicht mehr an die Details der Diskussion, aber ich bin (vermutlich immer noch) skeptisch, dass es einen Unterschied macht ob die Kohle durch den Wurmagen geht oder nicht.
Ich würde sogar denken, dass sehr feine Kohle und vor allem Asche nicht den gewünschten Effekt bringen nämlich einen sicheren und klimastabilen Rückzugsraum für Mikroorganismen zu schaffen die sich ja in den Mikroporen ansiedeln (hat Asche eigentlich überhaupt Mikroporen?).

Zur Kohle die den Würmern durch den Magen geht. Ich denke die Mikroorganismen die es nur oder überwiegend IM Wurm gibt brauchen auch genau diesen Wurm-Symbionten um zu gedeihen und vor allem das Klima im Wurmmagen das sicher anders ist als das Klima in einem Kohlebrocken - vor allem wenn dieser den Magen wieder verlassen hat. Obwohl die Aussicht da etwas vom Wurmmagenklima vermehren zu können ganz attraktiv erscheint.

Also mir erschliesst sich da der Sinn trotzdem nicht so ganz.
Die originale Terra Preta Erde scheint die Eigenschaft zu haben auch in den für Landwirtschaft extrem schlechten klimatischen Bedingungen des Amazonasgebietes ein für die Bodenkultur gesundes Klima erhalten zu können bzw. auch die klimatischen Vorteile (die es ja auch gibt) nutzen zu können ohne unter den Nachteilen (z.B. Ausschwemmung) zu leiden. Für Terra Preta in UNSEREN Breiten fehlen da vermutlich leider die klimatischen Vorraussetzungen - dazu gibt es glaube ich (leider) auch Untersuchungen und es sind vermutlich auch ganz andere Mikroorganismen im Spiel (die vermutlich unseren Winter nicht überleben würden).

Aber...es schadet sicher nicht ein bisschen Kohle in die Wurmerde einzuarbeiten. Wenn es um den Erhalt des Mikroklimas geht spricht meiner Meinung nach auch nichts dafür die Kohle in die (fast) fertige Erde kurz vor der Ernte einzubringen und sie ausserhalb der Würmer besiedeln zu lassen - vielleicht ist das Endprodukt ja mikrobiologisch stabiler als ohne Kohle. Das könnte man sicher unter Laborbedingungen auch gut testen...
Würmlidreck
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Re: terra preta

Beitrag von Würmlidreck »

Ich stimme dir zu das wir für die Pflanzen nicht so tolles Klima haben wie im Amazonas. Die Unterschiede sind dort um ein vielfaches höher da der Boden ohne TP nur in den ober 7 cm was an Nahrung bietet. Bei uns ist es aber trotzdem kein Nachteil. Es gibt bereits viele in DE, Ö, CH wo es in grossen Mengen herstellen. Da machen die auch nicht Halt und lassen es mal Patentieren…

Wenn Ihr mal ne weile Zeit habt kann ich diesen Beitrag empfehlen
https://www.youtube.com/watch?v=MI9ilBp_iSU
nebst dem bereitstellen von Nährstoffen, Mikroben usw. hat die Kohle einen Vorteil für solche die an einer viel befahren Strasse leben, es speichert auch die Schadstoffe.

Gruss

Werner
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dynamind
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Re: terra preta

Beitrag von dynamind »

Hier gibts auch noch eine sehr interessante Diskussion über Terra Preta.
http://nichtidentisches.wordpress.com/2 ... rsprechen/
Der Artikel am Anfang ist etwas polemisch aber weiter unten in der Diskussion mischen sich einige Fachleute ein die auch interessante Links liefern.

Ich zitiere hier mal Kommentare die ich sehr interessant fand (die ersten sind von einem Mitarbeiter des Institut für Bakteriologie & Mykologie – VmF Uni Leipzig)
Wir arbeiten seit 2 Jahren intensiv in der Terra Preta Forschung und konnten nachweisen, dass durch den Zusatz von Holzkohle in die Kompostierung die Kohlenstoff- und Stickstoffeffizienz wesentlich verbessert werden kann! Während ohne Kohle bei einer professionellen Kompostierung rund 50% des Kohlenstoffs in Form von CO2 verloren gehen, können diese Verluste nur durch den Zusatz von Holzkohle auf 20% reduziert werden! Dasselbe gilt für Stickstoff. Wir erkennen daher in dieser Technologie eine riesige Chance!
Hendrik
Es ist sehr gut, daß Sie die Problematik der Holzkohlegewinnung ansprechen, dennoch ist es zu kurz gedacht mittels berechtigter Kritik an Einzelkomponenten das Gesamtkonzept der Terra Preta zu kritisieren.

Es gibt wie oben genannt auch andere Methoden Holzkohle zu produzieren wie z.B. der Pyrolyse von abgenutzten Autoreifen etc.

Sicher, viele von Ihnen genannten Punkte klingen auf den ersten Blick trivial.

Dünge dein Feld und du bekommst mehr Wachstum – ich denke die Beobachtung ist nach etlichen tausend Jahren Ackerbau schon oft gemacht worden.

Jedoch sind die Tiefergehenden Zusammenhänge leider noch nicht wirklich gut durchschaut, die Humusbildung ist eine enorm komplexe Thematik. So wird zum Beispiel bei der aeroben Kompostierung sehr viel Material schlichtweg “veratmet” und auch die für die Humusbildung wichtigen Huminsäuren im hohen 90% Bereich. Bei der anaeroben Fermentation hingegen nicht. Sie sollten sich da wirklich mal in die wissenschaftliche Fachliteratur einlesen, es steckt mehr dahinter als die meisten Hobbygärtner überhaupt erahnen können.

Unser Institut für Bakteriologie & Mykologie – VmF Uni Leipzig forscht derzeit z.B. an der Thematik: Wie die Ureinwohner mit der Herstellung ihrer TP Infektionsketten durchbrechen konnten. (Mensch-Feld-Feldfrucht-Mensch usw.)
Richtig angestellt funktioniert dies sogar mit primitivsten Methoden. Ins Detail möchte ich jedoch noch nicht gehen, da die Ergebnisse noch ge-peer-viewed werden müssen.
Also durchaus interessant und es scheint sich auf jedem Fall zu lohnen Holzkohle in den Kompost einzubringen. Das wohl auch nicht nur um die Besiedelung mit Mikroorganismen zu begünstigen sondern vor allem auch um die Humusbildung zu fördern und weil der Stickstoff gebunden wird.

Und das hier spricht für Fermentation (mit EM oder eben mit "normaler" Sauerkrauttechnik). War mir auch nicht bekannt:
Zur meiner Aussage über die Huminsäuren mag ich noch ergänzen, daß es sich auf Lignine bezog die in der Fermentation besser überleben als während der Kompostierung (Denn Pilze können nur Lignine abbauen, die aber brauchen i.d.R. Sauerstoff um sich gegen Bakterien behaupten zu können) Aus den Ligninen werden dann Huminsäuren gebildet eben welche für die Humusbildung sehr förderlich sind.
Und hier noch ein interessanter Absatz:
Was nun die Herstellung von Terrapreta angeht:
Es gibt die “Rundgespräche der Kommission für Ökologie” der bay. Akademie der Wissenschaften. In Band 35, “Humus in Böden” wird unter anderem nachgewiesen, dass für eine erfolgreiche Humusbildung Eisenoxide von wesentlicher Bedeutung sind. Auch ist inzwischen aus Untersuchungen bekannt, das Lignin nicht die Rolle bei der Humusproduktion spielt, wie ursprünglich angenommen. Die Holzkohle unterliegt ebenso dem Abbau wie auch Humus auch. Erst die Bindung an Eisenoxide oder Tonminerale schützen den Humus und in besonderem Maße pyrogenen Kohlenstoff vor Abbau. Die Konsequenz daraus dürfte sein, dass Holzkohle nur fein gemahlen angewandt werden sollte.

Ziel und Zweck für die Landwirtschaft muß werden, dauerhaft die Fruchtbarkeit zu erhalten. Erreicht werden kann dies durch:
1. Erosionsvermeidung,
2. Dauerhafte Erhöhung des Humusgehaltes
Man bekommt wohl bei Herstellern von Holzkohle auch die kleinen Bruchstücke für billiges Geld...da könnte man als experimentierfreudiger Gärtner ja vielleicht die Mengen an Kohle bekommen die man bräuchte um das Beet aufzumöbeln (ohne teure Baumarktholzkohle)..kennt jemand einen Holzkohlerzeuger der seinen Bruchabfall loswerden will? :P

Bei Terra Preta Infos muss man aber wirklich auf die Quellen achten. Die sehr euphorischen Artikel sind meistens von Leuten die ihre natürlich funktionierende Terra Preta Produkte verkaufen wollen ...
hobbygaertner
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Re: terra preta

Beitrag von hobbygaertner »

Hallo Dynamind,

JETZT hast Du mich aber (ganz sicher unwissentlich) provoziert :)

Das wird ein längerer Text...

Eigentlich gehört es hier garnicht so wirklich hin. Und eigentlich ist es eine ganz andere Welt. Und weiter eigentlich ist es hier auch viel zu ausführlich. Mag es ein Admin (von mir aus gerne) wieder löschen oder unter "sonstiges" verschieben. Aber, am Ende hängt ja doch alles irgendwie zusammen...

Das Thema Holz-Bio-was-auch-immer-Kohle wird m.E. hinlänglich (und bewußt forciert) überbewertet. Ich will diesen - persönlichen! - Verdacht noch nicht zu laut äußern, aber mir kommt es vor, als haben sich hier zwei Nischenhersteller perfekt getroffen. Die EM-Produzenten und die Kohlehersteller.

Terra-Preta ist in den letzten zwei Jahren ein modisches Schlagwort geworden. Davor hat es ein kümmerliches Randdasein gefristet. Obwohl natürlich die ursprüngliche Erkenntnis etwas unglaublich spannendes und womöglich wichtiges beinhaltet. Aber, kaum jemanden hat es interessiert. Bis irgendwer dahinter kam, daß eben Milchsäurebakterien und Holzkohle einen wichtigen Part spielen. Nicht nur - darüber wird ja (zum Glück) immer noch geforscht. Aber das waren die beiden greifbaren Hauptakteure.

Ich möchte hier keine Linkarie veranstalten. Daher erst einmal meine ganz persönliche Einstellung zum Thema Holzkohle. Das habe ich in meinem Blog vor einiger Zeit veröffentlicht. Hier kein Link, sondern der Text:
"Biokohle - Technikfolgenabschätzung

Ganz ehrlich, als vor ca. eineinhalb Jahren die Idee für dieses Projekt in mir reifte, hätte ich nicht gedacht, daß ich an diesen Punkt gelange. Nicht beim Thema Garten, Acker und Boden. Und ich habe auch überlegt, ob es passend ist, neben dem Zusammentragen von Informationen, was derzeit immer noch primäres Ziel von terra perma ist - auch eine persönliche Meinung - zum jetzigen Zeitpunkt - hier einfließen zu lassen. Doch es läßt mir keine Ruhe mehr.

Terra-Preta oder Anthrohumox, als künstliches Substrat zur Bodenstabilisierung, letzendlich Bodenverbesserung und Katalysator für Humusaufbau, ist gerade im letzten Jahr vollends im Mainstream angekommen. Zahlreiche private und inzwischen auch öffentliche Versuche wurden begonnen. Allenortes Grundlagenforschung. Das ist gut so. Und die Brücke zur letzendlich steuernden Politik wurde ebenfalls schnell geschlagen. Das Einbringen von nicht bzw. schwer abbaubarem Kohlenstoff ist eine Kohlenstoffsenke, wichtig bei der heutigen Klimadiskussion. Doch zu welchem Preis?

Die Rolle der milchsauren Fermantation, also der Beitrag der "EM-Fraktion", wird immer wieder hinterfragt. Es wird, zumindest im privaten Bereich, bemängelt, daß ebendiese Hersteller immer nur teils erstaunliche Aussagen treffen, aber dies nie wissenschaftlich belegbar unterfüttern. Diese Kritik ist m.E. berechtigt und wichtig. Jedoch, die zweite "große" Fraktion wird praktisch nie hinterfragt. Existierende Proleme werden scheinar verdrängt. Das ist eben die Biokohle. Das Potential der "Kohlenstoffbindung" wird immer wieder in den Vordergrund gebracht. Doch die Praktikabilität fehlt hier und es wird stillschweigend hingenommen. Warum ist das so?

Wenn man sich dazu entschließt, einen künstlichen Humus aufzubauen, ihn mit Massen von verkohltem Pflanzenmaterial generiert, warum wird gerade hier nicht die Sinnhaftigkeit hinterfragt? Das beginnt bereits im Kleinen. Private Versuche stehen immer wieder vor dem Problem der Materialbeschaffung. Häufigste Quelle ist dann die Grillkohle. Es gibt 'zig Anleitungen, diese zu zerkleinern. Doch, wo bleibt hier der Sinn? Nach Wikipedia-Statistik kommen 98 % der in D angebotenen Grillkohle nicht aus dem eigenen Land. Der größte Teil kommt aus Südamerika, gefolgt von Polen - und sicherlich demnächst auch aus Rumänien. Wald wird für den Wohlstand abgeholzt. Wo ist belegt, daß eine äquivalente Fläche wieder aufgeforstet wird? Entschließt man sich für andere Rohstoffquellen, wird es noch bedenklicher. Kleingärtner und auch Landwirte experimentieren mit der eigenen Biokohleherstellung. Doch welche Gefahren bestehen hier? Ein technologisch möglicherweise nicht ausgereifter und erst Recht nicht kontrollierter Prozeß ist die Folge. Wer weiß denn schon, wieviele Schadstoffe, die zweifelsohne bei einer unsachgemäßen Verkohlung entstehen können, mit bester Absicht und unwissend in den Boden gelangen? All das "Bio" im Garten oder auf dem Acker ist damit praktisch hinfällig. Schlimmsten Falls wird der Boden zum Problemfall.

Im Großen ist das Problem hingegen ein anderes. Praktisch alle derzeitigen öffentlichen Versuche beziehen zumindest einen Großteil der Biokohle aus Rumänien. Mangels Alternative (!). Dort wird dafür europäischer Urwald abgeholzt. Im Dienste der Wissenschaft. Das ist perfide. Und das Problem wird ebenfalls schnell klar.

Grundlagenforschung zum Thema Terra-Preta beginnt bei der Holzkohle. Das wissen fast alle Beteiligten. Doch der Drang nach schnellen Ergebnissen läßt derart schräge Situationen zu. Es ist allgemein anerkannt, daß noch viele Grundlagenerkenntnisse bzgl. Biokohleerzeugung fehlen. Aber das ist ein industrieller Prozeß, mit gierigen Unternehmern im Hintergrund; kein begärtnern von schnell vorzeigbaren grünen Landschaften. Und eben dafür gibt es leider keine öffentlichen Mittel. Ein meines Erachtens sehr schwerwiegender und grundlegender Fehler.

Letzendlich möchte man mit der Biokohleerzeugung regionale, vor allem aber nicht zentrale, Stoffkreisläufe erzeugen. Aber man bedient sich derzeit entweder eines nicht wieder zu reparierenden "Ausweich-Stofftransportes" oder eines ebenfalls nicht bzw. sehr schwer wieder zu reparierenden (Gift-)Risikos. Ganz schön schräg bei all der guten und richtigen Zielsetzung der Terra-Preta-Erforschung. Dabei wäre es doch so einfach. Warum kann man nicht einen Bruchteil der öffentlichen Fördergelder bspw. in Laborkosten für die Untersuchung der dezentral (auch im Kleinstmaßstab) erzeugten Biokohle geben? Niemand, ob nun Kleingärtner oder Landwirt, hat Interesse, einen ungenügenden Herstellungsprozeß für Biokohle zu entwickeln bzw. anzuwenden. Man wird weiter optimieren, wenn man denn weiß, daß man es muß. Eben mit sonst nicht gemachten, weil teuren, Analysen. Und im Großen ginge es ebenfalls. Warum nicht einen Teil der Fördergelder der heimischen Industrie geben, damit auch hierzulande in nennenswerter Menge Biokohle unter kleinindustriellen Bedingungen hergestellt werden kann. DAS wäre für mich Nachhaltigkeit. Aber keinesfalls das Abholzen von südamerikanischen oder mitteleuropäischen Urwäldern. Und das im Dienste der Ökowissenschaften."
Dann vielleicht etwas Erklärendes für Neueinsteiger. Bio-Kohle heißt es nicht, wie wir es von unserem Bio-Gemüse kennen. Bio heißt hier "nur", daß die Kohle aus organischen Stoffen hergestellt wurde. Ganz egal, was das Ausgangsmaterial einmal war. Hauptsache, es konnte der organischen Chemie zugeordnet werden. Soviel zum Begriff. Was oft in die Richtung 'Kohle für Terra-Preta' geht, ist durch das Pyrolyseverfahren hergestellt. Dieses Verfahren ist inzwischen schon erforscht und auch in der Wirkung nachgewiesen. Durch Pyrolyse erhält man großporige (bzw. größerporige) Holzkohle, als durch andere Verfahren. (Zwischeneinwurf: daher auch meine skeptische Frage nach den Kohlekrümeln, die die Würmer angeblich verspeisen.) Die wichtigen Bakterien siedeln sich in den Poren der Kohle an. (weiterer Zwischeneinwurf: EM/milchsaure Vergärung = alle anderen vertreibenden Bakterien vs. aerobe humusbildende Bakterien - diesen Widerspruch konnte noch niemand erklären!)

Soweit, so gut. Aber! Mir erscheint es zumindest im Ansatz so, daß hier auch nur ganz profane wirtschaftliche Interessen eine wichtige Rolle spielen. Wie komme ich darauf? Nun, es geistert in diversen Foren (hier wohl noch nicht) ein Hersteller von Pyrolyseöfen und auch "Bio"-Kohle herum, der sich sehr intensiv mit EM, Kohle und - inzwischen - auch Würmern beschäftigt. Seine Ausführungen dazu sind wohl durchaus ernst gemeint und teils auch sehr interessant. Aber, ich bin immer skeptisch, wenn jemand etwas behauptet, was nicht auch erläutert oder gar nachgewiesen werden kann. Zusätzlich kommt hinzu, daß es hier - mein Eindruck - nur um Absatz geht. Ich hatte nämlich genau diesen Hersteller vor zwei Jahren angeschrieben - weil er explizit darauf hingewiesen hatte, daß er Tests unterstützen möchte - ob ich denn etwas Kohle für meine Tests bekommen könnte. Ich hatte nicht gebettelt und hatte offen gelassen, ob ich's bezahlen soll oder nicht. Ich habe beschrieben, was ich vor habe und habe angefragt, weil es ja auch explizit angeboten wurde. Nun, meine bescheidenen Quadratmeter-Beet-Versuche sind natürlich uninteressant gegenüber pauschalen Anfragen. Daher habe ich wohl auch nie eine Antwort erhalten. Auch keine Absage. Ich grolle deswegen nicht. Ich empfinde es nur ein wenig befremdlich, daß der Typ durch diverse EM-Foren düst und von Würmern erzählt, die seine Kohle essen. (DAS war auch das Motiv meiner Ausgangsfrage. Ich kann es mir immer noch nicht recht vorstellen).

Zurück. Also. Kohlekrümel bekommt man ganz einfach. So habe ich es am Ende (am Anfang) gemacht. Ich habe eine Köhlerei in BY gefunden, die mir einen Sack "Kohleschrott" geschickt hat. Nebenbei habe ich auch noch einen hervorragenden Sack Grillkohle bestellt. Und ganz nebenbei habe ich nach der Bestellung erfahren, daß es sich um eine caritative Einrichtung handelt. Aber selbst der "Schrottsack" war noch zu grob für meine Versuche. Das wußten aber die Abesender nicht. Doch, immerhin.

Für billiges Geld bekommt man inzwischen die kleine Holzkohle nicht mehr! Das hat sich herumgesprochen. Daher mein Tip für experimentierfreudige - ähm - Hobbygaertner: ganz normale Grillkohle kaufen und aussieben. Wenn man billig kauft, ist da ja ohnehin sehr viel "Mist" enthalten. Inzwischen ärgert mich das nicht mehr. Ich siebe es aus und freue mich, daß ich wieder neue "Wurmkohle" habe und die nicht kaufen muß.

Hach, heute mag ich nicht mehr schreiben. Womöglich geht das Ganze hier auch zu weit an den Würmern vorbei. Wenn's interessiert, geht es morgen od. übermorgen weiter. Mich würden erst einmal die Rückmeldungen interessieren.

Danke.

P.S.: Ich möchte damit KEINES FALLS eine mglw. ausufernde Diskussion lostreten! Ich wollt's halt einfach 'mal passend loswerden. Ich wünsche mir, daß es hier - auch mit diesen Themen -, praktisch, sachlich (wie üblich in diesem Forum) weitergeht. Darum wünsche ich mir sehr, daß die weiter oben angesprochene Neugier auf reale biologische (mikroskopische) Untersuchungen des Wurmhumus' trotz Zeitproblemen irgendwann in Angriff genommen werden kann. Denn ganz genau das ist es, was mir dieses Forum so symphatisch macht. Praxis, Berichte, Erkenntnisse, Erfahrungen. Keine endlosen und womöglich "Glauens-"Diskussionen.

In diesem Sinne
Viele Grüße
Hobbygaertner
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