Zellulose- "natürliche" alternative zu Pappe?

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Zellulose- "natürliche" alternative zu Pappe?

Beitrag von Wuseline » Di 18. Jun 2019, 09:42

Huhu
Mir stellt sich die Frage, wie der Wurm in der Natur Zellulose aufnimmt, da gibt ja schließlich niemand Pappe hinzu.

Kann man auf Pappe verzichten? Was stattdessen nutzen? Ich hätte gerne eine natürlichere Alternative.
Stroh?
Holziges Material wie Holzpellets ( die zu feinem Holzmehl bei Feuchtigkeit zerfallen) ?
Kleintierstreu?
Heu?
Blattgrün?
Stengel?

Brauchts unbedingt Pappe, was für Vorteile soll sie noch haben? Außer Flüssigkeit aufzunehmen bei Nässe.

Freu mich auf Tipps :idea:


Lg Wuseline
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Re: Zellulose- "natürliche" alternative zu Pappe?

Beitrag von Cornex » Di 18. Jun 2019, 14:13

Hi wuseline,
ich denke der vorteil von Pappe/Papier ist, dass die Cellulose schon chemisch und mechanisch aufgebrochen ist. Das sorgt dafür das sie sehr viel schneller von Mikroorganismen und Pilzen besiedelt werden kann, was es schneller für die Würmer verfügbar macht.
Ich gebe in meine große Farm manchmal Kleintierstrreu mit Kot, ich lass das aber ein paar Wochen rotten, dann können die Würmer es schneller fressen. Bei "frischem" Streu dauert es schon echt lange bis sie anfangen es zu fressen.
LG Cornex
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Re: Zellulose- "natürliche" alternative zu Pappe?

Beitrag von Wuseline » Di 18. Jun 2019, 15:27

Ich geb auch etwas mehr als halbverrotteten Kompost in meine Farm. In den Komposter gebe ich auch Kleintierstreu und Holzpellets und Wachtelmist und deren Sandbad hinein. ist dann noch genug Zellulose in dem Kompost dann noch enthalten?

Pappe ist halt so verarbeitet. Ich weiß es ist nicht schädlich. Ich würde gern ergänzend andere Zellulose Quellen mit einbringen.
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Re: Zellulose- "natürliche" alternative zu Pappe?

Beitrag von Pfiffikus » Di 18. Jun 2019, 15:28

Hallo Wuseline,
Wuseline hat geschrieben:
Di 18. Jun 2019, 09:42
Mir stellt sich die Frage, wie der Wurm in der Natur Zellulose aufnimmt, da gibt ja schließlich niemand Pappe hinzu.
hier gibt es Pflanzen, zum Teil mit Zelluloseanteil, die abgestorben am Boden liegen. Ob die Zellulose für die Würmer wirklich lebensnotwendig ist, kann ich Dir nicht sagen.

Wuseline hat geschrieben:
Di 18. Jun 2019, 09:42
Kann man auf Pappe verzichten? Was stattdessen nutzen? Ich hätte gerne eine natürlichere Alternative.
An dieser Stelle frage ich mich nach dem Sinn dieses Ersatzes. Immerhin handelt es sich bei Pappe um einen relativ naturnahen Stoff.

Betreibst Du Deine Wurmfarm, um
- Abfälle zu entsorgen,
- Wurmhumus zu erzeugen oder
- Wurmfleisch für Deine Lieblinge zu erzeugen?
Danach kann Deine Notwendigkeit eingeschätzt werden, Pappe zu substituieren, zum Beispiel mit Nussschalen.
Aber die Schalen von Walnuss und Haselnuss erscheinen mir zu schwer für Würmer zugänglich. Schalen von Erdnüssen könnten wegen ihrer Herkunft und des langen Transportes bei manchen Menschen auf Vorbehalte stoßen. Keine Ahnung, was bei Dir zutrifft.


Wuseline hat geschrieben:
Di 18. Jun 2019, 09:42
Brauchts unbedingt Pappe, was für Vorteile soll sie noch haben?
Kann sein, sie dienen nur der Aufnahme von Flüssigkeit.



Pfiffikus,
der den Würmern geschreddertes Papier aus dem Aktenvernichter reicht
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Re: Zellulose- "natürliche" alternative zu Pappe?

Beitrag von Wuseline » Di 18. Jun 2019, 15:37

Ich möchte Wurmhumus für den Gemüsegarten erzeugen.
Dazu habe ich neben den zwei normalen Komposter einen dritten aufgestellt, schön im Schatten und diesen halb gefüllt mit Kompost und gab Würmer (2000) hinein. Ich wollte nach und nach Kompost als Futter wieder zufügen. Ich gab auch Pappe zum Kompost, bin mir aber nicht sicher, ob das notwendig ist. Mineralmix bekommen sie auch. Und eine Hanfmatte.

Zudem habe ich noch eine Indoorfarm, die ja auch über den Winter arbeitet. Diesen gebe ich auch etwas Kompost, sie setzen es schneller um, aber auch Zeugs aus der Küche.

Und ergänzend habe ich noch einen Bokashi, bestückt mit Strohpellets, Frettchenkot, und alles was nicht in den komposter darf, knochen, zitrusschalen, brot etc, der wandert nach dem fermentieren ebenfalls in den Kompost, zum Wachtelmist dazu, der eben auch Holzpellets und Kleintierstreu enthält.

Ist dann im Kompost auch gut verwertbare Zellulose noch enthalten oder ist diese dann schon abgebaut? Dann bräuchte ich evtl. Nämlich nicht unbedingt noch Pappe zugeben.
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Re: Zellulose- "natürliche" alternative zu Pappe?

Beitrag von Wurmcolonia » Mi 19. Jun 2019, 09:06

Wenn die Würmer keine ausreichende Menge Zellulose bekommen, wird der Wurmhumus nicht so schön krümelig und unter Umständen sogar hart wie Beton, wenn er trocknet (ist er nass, ist er matschig).

Zitat von Wurmwelten (aus den FAQ):
https://www.wurmwelten.de/faq-1/

"Muss Kartonage gefüttert werden?

Ja, etwa ein Drittel des Futters sollte aus Karton/Pappe bestehen. Die Zellulose verbessert die Struktur des Wurmhumus und ist leicht von den Kompostwürmern zu verarbeiten.

Wir empfehlen leere Toilettenpapierrollen, Eierkartons und braune Kartonage ohne Etiketten und Klebestreifen. Sie sollte feucht und zerrissen sein. "

Einen schönen, sonnigen Tag noch mit wurmigen Grüßen
Wurmcolonia
Kompostwürmer, die kleinen Meister des Recyclings.
Otto, der Kompostwurm, erzählt von seinem Leben in der Wurmkiste auf https://wurmcolonia.blogspot.de
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Re: Zellulose- "natürliche" alternative zu Pappe?

Beitrag von Wuseline » Do 20. Jun 2019, 03:50

Was mir auffällt, die Würmer die für den Kompost.verkauft werden, steht nicht, man muss Pappe zugeben. Bei den Indoorfarmen ist das anders.

Ich vermute, das im halb fertigen Kompost aufgeschlossene Zellulose vorhanden ist und die Indoorfarm ja mehr mit Gemüse Obst gefüttert wird und es dann fehlt.

Es gibt ja noch andere Zellulosequellen, Pappe kommt so direkt nicht vor in der Natur. Ich werde mal.weiter recherchieren..und erstmal weiter Pappe geben.
Ich vermute, dass Holzpellets, die so fein zerfallen auch eine gute Zellulosequelle sein kann.
Eberhard
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Re: Zellulose- "natürliche" alternative zu Pappe?

Beitrag von Eberhard » Do 20. Jun 2019, 11:31

Zellulose und Lignin bringen den Pflanzen u.a. mechanische Festigkeit und sind somit in den meisten Pflanzenteilen vorhanden, verstärkt dann in Stielen, Stängeln, Stämmen, Wurzeln usw.
Wenn enthaltene Eiweißverbindungen (Pflanzengrün) abgebaut wurden durch Vertrocknen, Absterben usw., hat man dann auch einen erhöhten Anteil an Zellulose/Lignin, siehe Heu, Stroh, Altlaub, älterer Kohlrabi usw.
Wenn man also nicht gerade frische und wasserreiche Pflanzenteile hat, wird man überall fündig.

Abbau von Zellulose/Lignin erfolgt überwiegend durch Pilze. Die sind deutlich langsamer als z.B. Bakterien mit ihren kurzen Vermehrungsintervallen (Verdopplung in 20 Minuten). Weiter darf man daran denken, dass sich Pilze und Bakterien konträr gegenüberstehen - nicht umsonst werden viele Antibiotika (Antibakterienstoffe) aus Pilzen erzeugt - und dass Bakterien es überwiegend etwas sauerer und Pilze es etwas alkalischer mögen, also die Idealbedingungen unterscheiden sich auch hier.

Wenn man das also zusammenfasst, sind in einem räumlich sehr begrenzten System wie einer Wurmbox die Bedingungen nicht günstig für eine übliche Verrottung von Holz. Zudem werden sich durch die Fütterung Bedingungen sehr drastisch ändern (können).

Aber auch: Um an Zellulose abseits von Papier zu kommen, kann man altes angerottetes Laub, altes Gras, angegammeltes feuchtes Stroh, überschüssiges Heu oder ähnliches verwenden. Ein Griff in den gut geführten Komposthaufen, wo die Rotte schon etwas fortgeschritten ist, wäre eine weitere Möglichkeit.
Papier/Pappe ist da eher der "Städter"-Ersatz.
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
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Re: Zellulose- "natürliche" alternative zu Pappe?

Beitrag von Wuseline » Do 20. Jun 2019, 16:45

Danke für die ausführliche Erklärung. Dann lag ich mit meiner Vermutung richtig, dass Kompost eine gute mögliche Quelle sein kann. Wahrscheinlich ist der Zelluloseanteil auch abhängig der zugeführten Dinge.

Bei Heu hab ich gelesen, dass man unter Umständen Samen mit einbringen kann und es vermehrt keimt,bzw der Humus mit keimfähigen Samen belastet sein kann.

Unser Komposthaufen bekommt viel holziges Material zugeführt, mehr als die Hälfte besteht aus Wachtelmist ( feine Sägespäne mit zerfallene Holzpellets, vorgerottet schon im Stall) , plus Inhalte vom Bokashi Eimer ( fast vollständig Strohpellets /inhalte des Frettchenklo). Und sämtliches Grünzeug vom Garten mit Stängel und Wurzeln. Dazu etwas Küchenzeugs was so anfällt, auch Grasschnitt.
Wir haben zwei Komposter, so bleibt gut Zeit für die Rotte. Der Inhalt lässt nur minimal längere Grashalme raus sehen, der Rest ist schön Erde.

Die Indoorfarm kann ich besser beobachten. Ich setzte sie schon mit viel Kompost auf, wenig Kokossubstrat. Der Kompost war schneller weg gefressen als das Mineral und Wurmfutter. Ich hab jetzt zwei Mal nochmal etwas Kompost zugefügt. Kompost ist so viel schneller umgesetzt, sie nehmen deutlich größere Mengen auf. Faszinierend. Grünzeug fressen sie aber auch. Pappe wird eher wenig gefressen es ist noch so viel da vom aufsetzen ( farm erst 1,5 wo alt) , über den Kompost wird hergefallen.

Danke, dann werde ich das Material nehmen, was ich da habe, gut gerotteter Kompost und wenn der noch nicht ausreichend gerottet wäre, könnte ich immer noch auf Pappe ausweichen.
Eberhard
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Re: Zellulose- "natürliche" alternative zu Pappe?

Beitrag von Eberhard » Do 20. Jun 2019, 21:08

dann werde ich das Material nehmen, was ich da habe
Genau das entspricht auch gesunder Kreislaufwirtschaft. Schauen und verstehen, was man hat, und das passend einsetzen. Wenn man sich nicht schlüssig ist: Die Natur hat alles Sinnvolle schon vorgemacht.

Ich brauche seit längerer Zeit z.B. keinen Kalk mehr zu kaufen. Holzasche aus eigener Verbrennung hat einen Kalkanteil von etwa 30 ... 40 Prozent zzgl. weiterer Mineralien. Daneben liegt ein Haufen mit Abbruch-Kalkputz da - alte Häuser kann man abreißen, breit ziehen und dann darauf Kartoffeln pflanzen. Heute wohnt man in "Sondermüll".
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
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