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Steckbrief: Was tummelt sich da in meiner Wurmfarm?

Verfasst: Fr 1. Okt 2010, 10:28
von KrabbelPhi
Hallo zusammen,

da vor allem bei Neueinsteigern immer wieder die Frage nach unbekannten Wurmfarmuntermietern auftritt, möchte ich hier nach und nach eine Art fotografische Checkliste der "illegalen" :mrgreen: Wurmfarmbewohner erstellen. Jede in einer Wurmfarm vertretene Tiergruppe wird dabei mit mehreren Fotos porträtiert. Danach sollte eine einigermaßen treffende Zuordnung möglich sein.
Jasper wird diesen Beitrag dann so "einfrieren" (oder wie immer man das im korrekten Forumstechniker-Undeutsch nennt :D ), daß er immer ganz oben sichtbar bleibt und der Betrachter zwangsläufig darüber stolpert.

Kritik, Anregungen und Ideen von Euch sind natürlich willkommen!

Zum Beginn ein Steckbrief mit den häufigsten Vertretern zum Ausdrucken
Steckbrief-Untermieter.jpg
:
Steckbrief Untermieterd.pdf
Gibt es Wurmfarmen ohne Untermieter?

Definitiv nein!
Die Würmer sind nur das Endglied einer Nahrungskette, ohne ihre zahlreichen Hilfstruppen kann die Zersetzung der organischen Abfälle nicht reibungslos ablaufen. Wer also ernste Probleme mit den Untermietern in einer Wurmfarm hat, sollte besser die Finger von der Wurmkompostierung lassen. Speziell das aus Milben, Springschwänzen und Enchyträen bestehende Trio dürfte über kurz oder lang nahezu überall auftreten. Von den nahezu unbemerkten Bakterien, Pilzen, Protozoen und Nematoden mal ganz abgesehen.

Wohlgemerkt, hier handelt es sich ausnahmslos um die "Guten"! Nur im Team gelingt der schnelle und reibungslose Abbau unserer Küchenabfälle. Eine Wurmfarm ist keine Brutstätte für Parasiten und Krankheitserreger, sondern vielmehr ein Treffen von Spezialisten, die in ihrer eigenen Welt leben und am Menschen absolut kein Interesse haben. (Es sei denn der Betroffene wurde in einer Wurmfarm verscharrt :twisted:)

1. Milben:

Milben gehören zu den häufigsten Mitbewohnern einer Wurmfarm. Größe, Färbung und Beweglichkeit können sich bei den unterschiedlichen Arten stark voneinander unterscheiden.

Milben gehören zusammen mit den Weberknechten, den echten Spinnen, den Skorpionen und einigen anderen Gruppen zur Gruppe der Spinnentiere. Sie haben daher einen zweigeteilten Körper und acht Beine. Die Larven der Milben haben dagegen 6 Beine, das kann manchmal etwas zur Verwirrung führen. In der obersten Bodenschicht tragen Milben zusammen mit Springschwänzen, Asseln und Regenwürmern entscheidend zum Abbau von organischem Material bei, auch zerfallender Holzmulm wird von einer Unmenge von Milben besiedelt. In einem Kubikdezimeter Boden können sich zwischen 100 und 10.000 Milben befinden. Neben den Springschwänzen gehören Milben daher zu den individuenreichsten Bodenbewohnern. Flüchtlinge vertrocknen in der trockenen Luft unserer Wohungen in kürzester Zeit. Für den Menschen unangenehme Arten (Krätzmilben, Zecken etc.) halten sich in der Regel nicht im Boden auf. Man kann diese Winzlinge also ganz entspannt beobachten.
_MG_6197.jpg
Wurmzersetzung_31.jpg
Kürbisabbau_05.jpg

Enchyträen (Weißwürmer, "pottworms")

Verfasst: Fr 1. Okt 2010, 10:28
von KrabbelPhi
2. Enchyträen (Weißwürmer, Borstenwürmer, "Pottworms"):
Enchyträen_05.jpg
Enchyträen und Regenwürmer sind nahe verwandt, beide gehören zur Klasse der Gürtelwürmer (Clitellata) und bilden dort die eigene Familie der Enchyträiden. In Mitteleuropa gibt es ungefähr 200-300 Arten. Die ersten beschriebenen Arten wurden in Blumentöpfen entdeckt, für naturwissenschaftliche Neuentdeckungen sind also nicht unbedingt aufwendige Expeditionen erforderlich. Im Englischen wird diese Gruppe daher oft als „pott worms“ bezeichnet. Die zarten, durchscheinenden Würmchen werden von wenigen Millimetern bis 4 cm lang. Ihr Lebensraum sind die obersten Bodenschichten, wo sie sich von zerfallenden organischen Substanzen, Bakterien, Pilzen und Protozoen ernähren.
Enchyträen_03.jpg
Durch ihre hohe Stoffwechselaktivität beschleunigen sie die Zersetzungsprozesse im Boden und fördern die Humusbildung. Die komplette Entwicklung dauert 5-7 Wochen, als Alter wird je nach Art zwischen 100 Tage und einem ein Jahr angegeben.
Enchyträen bevorzugen einen niedrigen (sau-ren) PH-Wert, daher kommen sie vor allem in den sauren Moorböden in ungeheuren Mengen vor (bis 290.000 pro Quadratmeter). Da dieser extreme Standort von vielen Bodenorganismen gemieden wird, sind sie hier die entscheidenden Humusbildner. Im Gegensatz zu den robusten Regenwürmern tragen sie kaum zur Porenbildung und damit zur Durchlüftung im Boden bei, sie beschränken sich in erster Linie auf bereits vorhandene Hohlräume. Der rote Blutfarbstoff (Hämoglobin) fehlt völlig, dadurch erscheinen die Würmer weiß. (Frisch geschlüpfte Regenwürmer sind zwar zunächst auch durchsichtig, aber schon nach kurzer Zeit schimmert das mit Blut gefüllte rötliche Rückengefäß durch, so kann man die beiden Gruppen unterscheiden).
Jungwürmer_03.jpg
Die Art Enchytraeus albidus wird in großen Mengen als Futter für Fische und Terrariumtiere gezüchtet. Da Enchyträen sehr empfindlich auf Umweltgifte wie Pestizide reagieren werden sie häufig als Testorganismen (Bioindkatoren) eingesetzt.

Wie die Milben gehören auch die Enchyträen zu den „Guten“ in unserer Wurmfarm, ein gehäuftes Auftreten kann allerdings Anzeichen für eine Versauerung des Mediums sein. Allerdings sollte man das Auftreten von Enchyträen nicht gleich dramatisch überbewerten! Bei einem Massenauftreten in Blumentöpfen können die feinen Saugwurzeln geschädigt werden.
Enchyträen_09.jpg

Text wird erst noch erstellt!

Verfasst: Fr 1. Okt 2010, 10:28
von KrabbelPhi
3. Taufliegen:
Taufliegen-Entwicklung_03.jpg
Taufliegen-Entwicklung_07.jpg
Taufliegen-Entwicklung_23.jpg
4. Springschwänze (Collembolen):
collembolen_02.jpg
_MG_6127 .jpg

Re: Steckbrief: Was tummelt sich da in meiner Wurmfarm?

Verfasst: Fr 1. Okt 2010, 16:11
von Flomax
@KrabbalPhi

So viele Platzhalter für Fotos und Text ........ das wird ja was werden!!

Ich hab noch 13 Tage Urlaub. Um das was da kommen soll lesen zu können, brauche ich mindestens 6,5 davon!!!

Gruß
Flomax

Re: Steckbrief: Was tummelt sich da in meiner Wurmfarm?

Verfasst: Fr 1. Okt 2010, 17:25
von KrabbelPhi
Hallo Flomax,

keine Angst! Für Dich mache ich viele bunte Bilder und Sprechblasen :twisted:

LG Werner

Re: Steckbrief: Was tummelt sich da in meiner Wurmfarm?

Verfasst: Fr 1. Okt 2010, 17:56
von Flomax
@ KrabbelPhi

..... keine schlechte Idee - ein Wurmcomic!!! :-)

Das sollten wir Jasper als neuen Artikel für den Shop vorschlagen!!

Vielleicht sollte man die neue Inbetriebnahmeanleitung für Wurmfarmen so ausgestalten!!!

Gruß
Flomax

Re: Steckbrief: Was tummelt sich da in meiner Wurmfarm?

Verfasst: Sa 2. Okt 2010, 04:43
von kiko63505
Moin zusammen,

so ein wurmfarmcomic ist ne gute idee, man sollte nicht glauben wie sich ein comic regelrecht ins gehirn frisst und bleibende eindrücke hinterlässt. Wahrlich ein gedanke den man nicht ausser acht lassen sollte.

kiko

Re: Steckbrief: Was tummelt sich da in meiner Wurmfarm?

Verfasst: Sa 2. Okt 2010, 08:38
von Flomax
@kiko

...ich kenne eine Zeichnerin die das in Bilder umsetzen könnte!

Gruß
Flomax

Re: Steckbrief: Was tummelt sich da in meiner Wurmfarm?

Verfasst: So 3. Okt 2010, 14:49
von KrabbelPhi
5. Fliegenmaden

die meisten Fliegen oder vielmehr deren Larven ernähren sich von zerfallenden organischen Stoffen. Häufig sind das Kot oder Aas, aber auch andere Proteinquellen z.B. Käse. Fleisch oder Käse in der Wurmfarm zieht also Fliegen magisch an. Häufiger wird man die winzigen Maden der Taufliegen (Drosophila) entdecken, die gärendes Obst bevorzugt.

Die Graue Fleischfliege (Sarcophage carnaria) ist eine der häufigsten Fliegenarten bei uns. Sie steht auf Aas, aber davon abgesehen auch - und das ist das Interessante - auf Regenwürmer! Die Eier werden am Eingang von Regenwurmgängen oder auf den Wurmexkrementen abgelegt. Laut den Abbildungen die ich gefunden habe, gehe ich davon aus, daß es sich hier in erster Linie um die klassischen Tiefbohrer wie den Tauwurm (Lumbricus terrestris) handelt. Die schlüpfenden Fliegenlarven suchen (vermutlich geruchlich geleitet) den Regenwurm gezielt auf und dringen in der Clitellarregion in den Körper ein, wo die weitere Entwicklung stattfindet. Der Wurm verendet innerhalb weniger Tage. Ich habe leider keinerlei Informationen gefunden, ob Sarcophage carnaria auch andere Regenwurmarten befällt. Falls ja könnt sie von der Wurmfarm geruchlich angezogen werden. Das ist jetzt aber eine sehr kühne und bisher durch keinerlei Fakten gestütze Hypothese.

Auffällig bei Fliegenmaden sind die dunklen Kieferhaken aus Chitin am zugespitzten Vorderende. Mit ihnen wird die Nahrung zerkleinert. Am Hinterleibsende springen zwei dunkle Punkte ins Auge. Hierbei handelt es sich keineswegs um Augen, sondern um paarige Atemlöcher (Stigmen). Mit diesen Öffnungen steht das den Insektenkörper röhrenförmig durchziehende Tracheensystems in Verbindung mit dem Luftsauerstoff . Fliegenmaden können aber auch - ähnlich wie die Regenwürmer - Sauerstoff über die Körperoberfläche aufnehmen.
Fliegenmade.jpg
Taufliegen-Entwicklung_21.jpg

6. Dungmücken (Scatopsidae):

Die 1-2 mm kleinen, schwarzen Mücken bewegen sich meistens zu Fuß fort und entwickeln dabei ein beachtliches Tempo, Fotografieren ist daher schwierig. Außer im Dung (den ich ja nicht verfüttere, weil er in meiner Küche selten anfällt :D ) entwickeln sich die Larven dieser Familie auch im Totholz, unter Rinde und im Fallaub, also generell in zerfallenden organischen Substanzen. Vielleicht hat der eine oder andere von Euch auch schon Bekanntschaft mit dieser Gruppe gemacht.

_MG_6245-Kopie.jpg
Unbenannt-1.jpg

Re: Steckbrief: Was tummelt sich da in meiner Wurmfarm?

Verfasst: So 3. Okt 2010, 15:40
von Flomax
@ KrabbelPhi

Was ist mit den Asseln? Hast Du über die auch eine kleine Abhandlung. Ich habe einen Bekannten der ständig davon spricht, dass die Assel beim Kompostieren eine weitaus größere Rolle spielt als man ihr zugesteht!

Ich hab mich jetzt noch nicht so intensiv mit der Assel und ihrer Wirkung auf den Kompostiervorgang beschäftigt, aber könnte mein Bekannter recht haben?

Gruß
Flomax