Würmtee verfestigen mit Holzstreu

Themen rund ums biologische Gärtnern sind hier richtig. Auch Fragen um Wurmhumus werden hier beantwortet.
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Sedl78
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Würmtee verfestigen mit Holzstreu

Beitrag von Sedl78 » Fr 11. Mai 2018, 12:53

Hallo zusammen,

ich habe eine Idee - auch umgesetzt - und möchte um Eure Meinung bitten.

Ich habe Wurmtee mit Holzstreu (gerne für Katzenklos benutzt) "verfestigt".
Also vermischt und trocknen lassen. Dadurch habe ich ein gut lagerbares, geruchsarmes und gut zu dosierendes Substrat.
Glaubt ihr nach dem Prozess bleiben große Teile der "Bioaktivität" (>70%) nach Rehydrierung innerhalb einer Mediums (Erde) erhalten?

Danke!
Christian
Eberhard
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Re: Würmtee verfestigen mit Holzstreu

Beitrag von Eberhard » So 13. Mai 2018, 12:10

Also ... trocknen lassen
Bioaktivität ohne Wasser wird gegen Null gehen, da muss man kein großer Experte sein, um darauf zu kommen. Natürlich werden neben dem Zurückfahren des Lebens Grundlagen wie Sporen gelegt, die dann bei späteren besseren Bedingungen das Leben neu erwachen lassen. Das ist dann aber überwiegend neues Leben, Überlebende werden anteilmäßig rar sein.
Die Vermehrungsraten der einzelnen Mikroben können aber sehr unterschiedlich sein (20 Minuten bis mehrere Tage), so dass die Zusammensetzung nach der Wiederbelebung eine ganz andere sein kann und wird als bei dem ursprünglichen Wurmtee. Das muss dann nicht zwingend positiver sein.

Wenn es um Leben geht (was durchaus wünschenswert ist), so könnte man es doch erhalten über feuchte Lagerung, ggf. gezielte Fütterung. Zur Lagerung sollten sich Materialien eignen, die viele Mikrohohlräume sowie viel Oberfläche für eine Besiedelung mitbringen, Katzenstreu gehört sicher dazu wie dann auch Pflanzenkohle, Blähton, Bentonit, Zeolith.

Eigentlich sollte man es aber unmittelbar der eigentlichen Verwendung zuführen. Man produziert Kompost, Wurmhumus und weiteres doch nicht zum Lagern, sondern um das Bodenleben zu fördern und sich an den damit gesunden Pflanzen zu erfreuen. Also primär unmittelbar verwenden. Wenn man die Mikroben des Wurmtees dem Leben zuführt, muss man sie nicht gesondert am Leben erhalten oder wiederbeleben.
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
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Re: Würmtee verfestigen mit Holzstreu

Beitrag von Eberhard » Mi 16. Mai 2018, 19:34

Gefahr des schimmelns bei unzureichender Belüftung
Erdboden schimmelt auch nicht und hat dabei keine exzessive Tiefenbelüftung. Also würde da die Biologie nicht stimmen und wäre zu korrigieren.

Ansonsten muss ich rückfragen: Ist Euer Boden so armselig, dass Ihr punktgenau düngen müsst?
Laut Bodenanalyse sind in meinem Gartenboden die Hauptnährstoffe Phosphor, Kali, Magnesium und weitere überreichlich vorhanden. Also muss ich da nicht düngen, damit etwas wächst. Dieser Zustand der Überdüngung soll übrigens für einen hohen Anteil an Kleingärten zutreffen, ist also eher Normalzustand.

Zielsetzung ist eher die (Dauer)Humusmehrung. Ich möchte von den drei Prozent auf etwa 8 ... 9 Prozent kommen. Das geht nur mit einem lebenden Boden und organischer Düngung. Wenn bei organischer Düngung die Pflanzen nach Bedarf und Anforderung über Mikroben und Mykorrhiza mit den Nährstoffen versorgt werden, ist die weitere Zugabe von organischem Dünger zeitlich egal, außer eben bei deutlichem Mangel.

Daher würde ich dann auch nicht organischen Dünger in irgendeiner Form konservieren wollen, sondern relativ unmittelbar dem Boden zuführen und den Boden leben lassen, am besten auch im Winter. Einen besseren Lagerplatz gibt es nicht.
Einige Anleihen kann man sich hier holen:
Ich mache Boden gut - Vom Segen der Humusmehrung

//OT:
November (Starttermin für Chilis, Paprika und Tomaten)
Das ist aber Gewächshausanbau mit Heizung, oder?
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
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Re: Würmtee verfestigen mit Holzstreu

Beitrag von Eberhard » Do 17. Mai 2018, 08:02

wenn man Wurmhumus einlagert
Die Eingangsfrage bezieht sich auf Wurmtee. Den feinen Unterschied sollte man beachten.
Überdüngung mit Wurmzeug
In einem Kompostwurmforum ist es zwar zu erwarten, ich kann es aber nicht wirklich nachvollziehen, dass Wurmhumus und Wurmtee die einzigen und wahren Bodenverbesserer sein sollen und alles aus organischer Verwertung den Weg darüber nehmen soll.
Im Zweifelsfall vergewissert man sich die langjährig bewährte Verfahrensweise des Originals Natur. Da gibt es Sonderzonen wie eine Wurmbox mit Kompostwürmern höchst selten. In der Fläche arbeiten auch Regenwürmer, also jene Erdbewohner, die bei entsprechenden Böden und Bedingungen zu Dutzenden pro Quadratmeter vorkommen können. Schon diese nahen Verwandten werden in den allgemeinen Diskussionen praktisch total ausgeblendet, andere und ebenso wirkende Mechanismen um so mehr. Eines meiner Schlagworte, übernommen von Helga Wagner: Flächenkompost ist besser als Haufenkompost.

Überdüngung: Wenn man den Wurmhumus - vielleicht in vorhandenem Unglauben zu den Inhaltswerten des Wurmhumus - mit Urgesteinsmehl & Co. vollpumpt, trägt man vielleicht zu solchen Erscheinungen bei.
Um die Brücke zu Humus zu schlagen: Man spricht davon, dass bestimmter Boden unter bestimmten Bedingungen nur ein bestimmtes Maß an dauerhaftem Humus halten kann. Führt man also zusätzlichen Humus bzw. humusbildende Stoffe zu, wird die Mineralisation von vorhandenem Humus zunehmen und ein Fließgleichgewicht schaffen. Mineralisation heißt aber Freisetzung von Nährstoffen als Salz. Überhöhte Mineralisation heißt dann einerseits Überversorgung von Pflanzen (Zwangsernährung über Wasseraufnahme) und andererseits Auswaschung der Salze in tiefere Bodenschichten mit einer nachfolgenden Grundwasserbelastung.
Vielleicht kann man daraus ableiten, dass ein alleiniges Düngen (Zuführen), vielleicht rechenschiebergesteuert, nicht das alleinige Mittel sein kann.
Für Outdoor reichen die Sonnenstunden nicht aus.
Bei uns in Deutschland sind auch die Temperaturen der Wintermonate für Outdoor recht ungeeignet.
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
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Re: Würmtee verfestigen mit Holzstreu

Beitrag von City_Slider » So 7. Okt 2018, 12:18

Eberhard hat geschrieben:
Do 17. Mai 2018, 08:02
Mineralisation heißt aber Freisetzung von Nährstoffen als Salz. Überhöhte Mineralisation heißt dann einerseits Überversorgung von Pflanzen (Zwangsernährung über Wasseraufnahme) und andererseits Auswaschung der Salze in tiefere Bodenschichten mit einer nachfolgenden Grundwasserbelastung.
Ich darf mal kurz?

Das trifft auf Mineralische Dünger zu, aber nicht für rein Biologische Dünger wie Jauchen oder hier Wurmhumus.

*Malanmerk*...
Eberhard
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Re: Würmtee verfestigen mit Holzstreu

Beitrag von Eberhard » So 7. Okt 2018, 13:42

Gegenfrage: Wieso kann ein Wurmhumus "zu scharf" sein, wenn man ihn pur verwendet, wenn er doch eine stabile organische Bindung hätte und Nährstoffe nur nach Bedarf und Anforderung abgibt?

Der "Biologische Dünger" ist nach bspw. 5 Jahren im Boden noch da, da so ganz ohne Mineralisation?

Generationen von Bauern haben Mist auf ihre Felder gekarrt. Wer von denen kann resultierend auf Schwarzerde, also humusreichen Boden ( > 8 Prozent) verweisen?

In der Praxis ist das keine Mehrung von Humus, sondern Ersatzleistung für verbrauchten, also mineraliserten Humus.

Die Erhöhung des Humusgehaltes im Boden auf längere Sicht (=> Dauerhumus) ist eine komplexere Aufgabe als nur etwas biologischen Dünger aufzubringen.
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
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