Blütenstände vom Maronenbaum

Fragen zu Komposthaufen? Haben Sie einen Haufen Pferdemist der entsorgt werden muss?
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Blütenstände vom Maronenbaum

Beitrag von freestyle » Di 26. Jun 2018, 22:12

Hallo zusammen,

ich habe eine Frage an die Kompostexperten. :)

Unser Maronenbaum hat gerade reichlich die langen Blüten abgeworfen. (sieht aus wie ein riesen Berg Würmer).

Frage mich, wie ich diese kompostieren kann. Womit mischen? Rasenschnitt? Gehölz?

In der Vergangenheit haben wir solche Sachen dem Nachbarn auf den Misthaufen geworfen.

Danke
Freestyle
Eberhard
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Re: Blütenstände vom Maronenbaum

Beitrag von Eberhard » Mi 27. Jun 2018, 13:15

Wie und was kompostierst Du bisher?

Klar kann man alles Organische kompostieren. Vielfalt aus Garten, Küche und Landschaft ist da immer besser als Einfalt. Prinzipiell sollte man auf ein C:N-Verhältnis von etwa 25 orientieren. C hat man in holzigen Materialien, altem (totem) Laub. N findet sich in grünen Materialien (Gras, Blätter) wie dann auch in Mist, Jauche, Urin.
Dazu eine mineralische Beimischung wie Urgesteinsmehl, aber einfache tonige Erde macht es auch schon.
Asche aus unbehandeltem Holz wie auch die Asche vom Grill darf auch dabei sein.
Eine besondere Zutat wäre feine Pflanzenkohle.
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
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Re: Blütenstände vom Maronenbaum

Beitrag von freestyle » Mi 27. Jun 2018, 18:44

Hallo Eberhard,

danke für deine Antwort. Ich habe zwei Komposthaufen, alles aus der Küche, Garten, Rasenschnitt, Gehölz. Ich kann mir Pferde bzw Rindermist aus der Nachbarschaft holen. Ggf auch kleinere Mengen Schaf- und Ziegenmist.

Laub und Hölzhäcksel habe ich immer unter vorhandenen Gehölz verteilt. Was zuviel war ging immer auf den Misthaufen eines Bekannten. Denke jedoch inzwischen es ist eine Art von "Verschwendung". Ausgangsmaterial lässt sich sicherlich besser nutzen.

Ich bin ich mir halt unsicher unter was ich die Blütenstände vom Maronenbaum einsortieren kann. Holziges Material oder doch grünes Material?

Gruß
Freestyle
Eberhard
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Re: Blütenstände vom Maronenbaum

Beitrag von Eberhard » Mi 27. Jun 2018, 20:00

Blütenstände würde ich unter Grünem einordnen, durch das Absterben gehen aber logischerweise Anteile (Eiweiße, Kohlenhydrate) verloren. Andererseits erhöhen sie die Vielfalt, zum einen in stofflicher Hinsicht, zum anderen auch bezüglich der "mitgelieferten" anhängenden Mikroben. Vielfalt ist immer gut, denn in Menschennähe gedeihen eher Einseitigkeit und Monowirtschaften. Wenn sich Eisbär und Panda rar machen, kriegt man das mit - bei vielen anderen Lebewesen achtet man nicht darauf.
Wenn Du sowieso Komposthaufen hast: Rauf damit und etwas einmischen. Alle organische Masse ist willkommen, wenn sie überwiegend pflanzlicher Herkunft ist. Meine Komposthaufen sind in Summe etwa 10 Kubikmeter in verschiedenen Stadien, da zucke ich nicht, wenn da zwei, drei Schubkarren zusätzliches Material kommen.

Denke jedoch inzwischen es ist eine Art von "Verschwendung". Ausgangsmaterial lässt sich sicherlich besser nutzen.
Mein Nachbar ist ein wertvolles Mitglied unserer Gesellschaft. Wenn er seinen Rasen mäht oder seine umfangreiche Ligusterhecke schneidet, hat er das früher entsorgt, so mit Fortfahren und teilweise kostenpflichtig. Brauchte er dann etwas Mulchmaterial unter seinen Sträuchern, hat er sich das aus einem Gartenmarkt geholt. Bei seinem Hochbeet wusste er dann nicht, wie er es am besten füllt. So bewegt man Geld und lässt andere verdienen.
Ich habe ihn regelmäßig ausgelacht deswegen, ihm aber auch die "Entsorgung" auf ganz kurzem Weg angeboten.

Ich denke, Kompost kann man gar nicht genug haben, wenn man ihn denn als Boden versteht und nicht als Dünger. Man muss nur etwas Platz haben, bspw. um plötzlich anfallende Materialien etwas lagern zu können, um es dann bei Gelegenheit mit anderen Materialien mischen zu können. Helga Wagner spricht davon, dass man etwa 10 Prozent eines Garten alleine für den Kompost vorhalten sollte.

Ein hochinteressantes Buch, leider weitgehend vergriffen:
Alwin Seifert: Gärtnern, Ackern ohne Gift (Verlag C.H.Beck München)
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
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Re: Blütenstände vom Maronenbaum

Beitrag von freestyle » Do 28. Jun 2018, 15:02

Hallo Eberhard,

danke für deine Einschätzung. Ich habe jetzt auf beide Komposthaufen eine Schicht gegeben. Der Rest wurde hinter einem Schuppen verteilt. Dort kann es gerne in Ruhe verrotten. Herbstlaub und Grasschnitt kommen da auch immer hin.

10 m³ sind eine Hausnummer. Bei mir ist noch Ausbaureserve vorhanden.

Vielfalt ist in unserem Garten zum Glück gegeben. Zumal unser Grundstück an einen Wald grenzt.
In den vor wenigen Wochen angelegten Komposthaufen habe ich Unmengen von Rosenkäfern gefunden. Neben Asseln, Würmer und jede Menge anderen Lebenwesen, die ich noch kennenlernen werde.

Was du zum Thema Humus sagst kann ich dir nur Recht geben. Kürzlich gab es hier ein Jahrhundertunwetter und Tonnen von Humus wurden von den Feldern geschwemmt.

Habe den Eindruck das Bewußtsein für die Bedeutung des Bodens bzw Humus rückt vermehrt in den Focus der Öffentlichkeit. (Buch Die Humusrevolution, Film: Humus, die vergessene Klimachance).

Die meisten meiner Nachbarn haben keinen Komposthaufen, der Misthaufen des "Kleinbauern" steht uns allen zur Verfügung. Das ist natürlich einfach und bequem. Auch wir haben diese Möglichkeit schon genutzt.

LG
Freestyle

PS Hast du noch eine Buchempfehlung für mich - sowas wie Basiswissen für Anfänger?
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Re: Blütenstände vom Maronenbaum

Beitrag von Eberhard » Fr 29. Jun 2018, 12:48

Basiswissen für Anfänger?
Ich komme zunehmend zu der Überzeugung, dass es am wichtigsten ist, mit dem Boden so zu arbeiten, dass er selber naturgemäß leben kann und sich quasi den Humus selber erzeugt, wie er das seit Jahrtausenden selber gemacht hat. Dann sind Sonderzonen wie Kompost und Wurmfarm und sonstige (organische) Düngung nur Zugaben zum Ausgleich eigener Fehler, die man trotzdem machen wird, schon weil man zielgerichtet anbauen und ernten will und da Kompromisse eingehen muss.

Wie ist das zu verstehen: Wenn man seine Katze einsperrt, muss man sie, beraubt ihrer Freiheiten, füttern. Das kann man mit billigem Zeug und Abfällen tun oder mit teurem Futter aus der Goldschüssel. Man kann zu viel Futter geben, so dass sie wie Menschen fett und krank wird, oder zu wenig. Man kann sie einseitig oder ausgewogen ernähren, wobei bei ausgewogen man wissen müsste, was neben Sattmachern alles an Mineralstoffen, Vitaminen und sonstigen Stoffen, die z.B. nötig für ein vielseitig belastbares Immunsystem sind (Sekundärstoffe), dazu gehört. Man kann sie natürlich füttern oder mit industriell zugesetzten Suchtstoffen. Da ist ein weites Feld für Fehler ... das auch in aller Breite genutzt wird.
Lässt man die Katze frei in natürlicher Umgebung laufen, kann sie sich alles selber nach Bedarf holen - die Futterintelligenz ist bei Tieren meist noch höher ausgeprägt als beim Kulturmenschen. Das Zufüttern ist dann eine entspanntere Tätigkeit.

Zurück zum Boden: Dieser ist in Verbindung mit dem Edaphon ein lebender Organismus, so er denn nicht durch den Menschen mit dessen Maßnahmen gestört oder gar getötet wird.
Guter und gesunder Boden ist in der Lage, selber Humus aufzubauen. Viele "füttern" ihren Boden mit Stallmist, Kompost, Düngern und vielem anderen. Dass dabei Humus aufgebaut wurde, können die wenigsten sagen. Die moderne Landwirtschaft wie dann auch Gartentätigkeit in ihrer Gesamtheit hat meist eher die entgegengesetzte Wirkung.

Daher würde die Erfahrungen aus folgendem Artikel als Schwerpunkt setzen wollen:
Vom Segen der Humusmehrung

Daneben kann man sich mit folgenden Themenkomplexen beschäftigen:
- Kompost. Kompostratgeber gibt es viele. Empfehlenswert sind Videos von Helga Wagner und Herwig Pommeresche: Erdisieren und mit den Händen als Grabegabel
- Pflanzenkohle und Terra Preta
- effektive Mikroorgansimen und Bokashi
- Wurmhumus und Kompostwürmer
Dies aber alles auch unter Maßgabe, nicht stur Rezepte abzuarbeiten, sondern die dahinterliegenden Wirkmechanismen zu verstehen und diese in eigenem Umfeld mit eigenen Möglichkeiten bestmöglich und kreativ zu nutzen.
Vorbeischauen kann man auch bei Horst Wagner und Marko Heckel.

Für tieferes Wissen: Bücher & Dokumente von Raoul H. France und Annie France-Harrar
Zuletzt geändert von Eberhard am Fr 29. Jun 2018, 16:47, insgesamt 1-mal geändert.
Mit freundlichem Glück Auf!
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Re: Blütenstände vom Maronenbaum

Beitrag von Trulllla » Fr 29. Jun 2018, 13:33

Danke für die Tipps!
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Re: Blütenstände vom Maronenbaum

Beitrag von freestyle » Fr 29. Jun 2018, 15:26

Hallo Eberhard,

habe gestern ein Video von Helga Wader geschaut. Über H. Pommeresche bin ich vor kurzem schon gestoßen. Beides sehr interessante Persönlichkeiten und mit Sicherheit ein riesiger Wissenschatz.

Dann werde ich mich mal weitereinlesen.

Danke nochmals
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Re: Blütenstände vom Maronenbaum

Beitrag von Eberhard » So 1. Jul 2018, 08:54

Kürzlich gab es hier ein Jahrhundertunwetter und Tonnen von Humus wurden von den Feldern geschwemmt.
Um Humus in Größenordnungen "abzubauen", braucht es kein Jahrhunderthochwasser. Da wird es nur drastisch sichtbar. Man spricht davon, dass selbst in Mitteleuropa große Flächen von Versteppung bedroht sind.

Was passiert tagtäglich? Große Flächen liegen über Monate in Schwarzbrache, sind also nach einer Ernte kahl. Der Boden ohne schützende Bodenbedeckung ist den Elementen ausgesetzt:
- Das Pflügen hat die Ordnung im Boden durcheinandergebracht. Oberflächenbewohner werden in die Tiefe versenkt, Tiefenbewohner werden hochgeholt und drastisch mit Luft und Licht überflutet. Mykorrhiza-Strukturen werden zerrissen und zerstört. Ohne lebende Pflanzenwurzeln entfällt für eine große und wesentliche Gruppe an Bodenmikroben die Nahrungsgrundlage, der Nachschub an totem organischen Material lässt auch nach => Hunger und Verarmung.
- Das (verbliebene) Bodenleben ist dem harten Oberflächenlicht ausgesetzt (UV-Strahlung). Das mögen weitaus mehr Lebewesen als nur die Würmer nicht und ziehen sich in tiefere Schichten zurück oder versetzen sich in Ruhezustände.
- Der ungeschützte oberflächliche Boden wird durch aufschlagenden Regen und Licht zerlegt. Der darüber streichende Wind, das muss kein Sturm sein, nimmt das von der Fläche, was am leichtesten ist: Humus, organische Bestandteile. In Versuchen hat man ermittelt, dass es bereits Unterschiede macht, ob man Kartoffelzeilen längs oder quer zur Hauptwindrichtung anlegt. Bei der Queranlage wird aufgewirbeltes Material stärker unmittelbar wieder abgelegt.
- Übrig bleibt an der Oberfläche der mineralische Boden, der nun durch die verlorenen organischen Bestandteile seine Bindefähigkeit verloren hat und selber durch Wind oder fließendes Wasser abgetragen werden kann.
Zuletzt geändert von Eberhard am Sa 7. Jul 2018, 07:37, insgesamt 1-mal geändert.
Mit freundlichem Glück Auf!
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Re: Blütenstände vom Maronenbaum

Beitrag von freestyle » Mo 2. Jul 2018, 19:29

Hallo Eberhard,

glaube wir haben die gleichen Reportagen gesehen. :)

Habe am Wochenende eine Landwirtin gesprochen, sie haben ein paar Rinder von daher ausschließlich Weideland, was bewusst nicht umgepflückt wird.

Jedenfalls haben ich sie gefragt, was die Landwirte in der Umgehung tun.

Kompost des regionalen Kompostwerkes wird auf die Felder ausgebracht - jedoch oftmals untergepflückt.
Querreihen wird schon länger gehandhabt.
Zwischensaaten setzen sich immer mehr durch.
Untersaaten z.B.bei Mais werden vermehrt getestet.

Nicht viel, aber ein bißchen tut sich schon. Allerdings gibt es hier auch keine Großbetriebe.

Gestern habe ich eine Ladung Heckenschnitt gekommen. Wird die Basis für einen weiteren Komposthaufen. Ob ich langfristig auf 10% - ich weiß es nicht.

Gruß
freestyle
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