Bokashi- Brottrunk als Ferment, Pflanzkohle, Terra Preta

Bokashi: Das kompostieren mit effektiven Mikroorganismen (EM)
Gartenfee4711
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Bokashi- Brottrunk als Ferment, Pflanzkohle, Terra Preta

Beitrag von Gartenfee4711 » Sa 25. Aug 2018, 18:32

Liebe Bokashiexperten,
ich habe mir vor einigen Wochen Würmlis zugelegt, die fleißig arbeiten, juchu! Nun überlege ich, ob ich mir noch als 2. Alternative eine Bokashiverwertung “zulege“ (irre)
Und ich habe Fragen. Könnt ihr mir helfen bitte?
Gelesen hab ich hier schon viel Nützliches.
So z. B., dass als Ferment auch Brottrunk genommen werden kann. Funktioniert das gut?
Ziel der Bokashiproduktion wäre bei mir Terra Preta.
Jetzt stell ich mir mal vor, mein Eimer ist voll, hat ca. 2 Wochen gestanden. Natürlich wurde Pflanzkohle, Gesteinsmehl und Brottrunk ? eingebracht und der Bokashi ist soweit fertig.
Einen Kompost hab ich nicht, Erde ist fast nur Sand.
Womit mische ich den Bokashi? Doch noch Erde kaufen, wenn welche? Ich würde das gerne im Behälter mischen und vererden lassen, sodass ich dann bei Bedarf unseren großen “Sandkasten“ aufwerten kann.
Welche Behälter sund geeignet. Muss ich die abdecken?
Puh, ganz schön viele Fragen was?
Aber ihr wolltet ja, dass hier mehr los ist... (wave)
Dann her mit guten Tipps und Ratschlägen. Freu mich drauf und danke schon mal an alle Bokashianer :roll:
Die Gartenfee4711 :?:
Rüdiger
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Re: Bokashi- Brottrunk als Ferment, Pflanzkohle, Terra Preta

Beitrag von Rüdiger » So 26. Aug 2018, 07:57

Hallo Gartenfee4711,

hast du den einen Garten, mit sandigen Boden?

Ich würde von der Bokashiverarbeitung abraten. Die milchsaure Fermentation der organischen Reststoffe ist mehr nur ein Umweg in der Humifizierung.

Für langfristigen Humusaufbau solltest du auch bevorzugt holzige Bestandteile mit kompostieren, hier bringen die Milchsäurebakterien überhaupt nichts.

Holzkohle ist mehr eine Zusatzoption um den Dauerhumusgehalt schnell zu steigern.

Um Sandböden dauerhaft zu verbessern ist der Zusatz von Tonmineralen entscheidend. Hier kannst du beispielsweise Naturbentonit verwenden.

Das kannst du einfach im Drogeriemarkt als Bentonit-Ton-Katzenstreu kaufen (zum Beispiel, WINSTON Ultra-Klumpstreu, von Rossmann)

Davon bringst du je Quadratmeter 100 bis 500 g aus.

Freundliche Grüße
Rüdiger
Gartenfee4711
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Re: Bokashi- Brottrunk als Ferment, Pflanzkohle, Terra Preta

Beitrag von Gartenfee4711 » So 26. Aug 2018, 08:48

(wave) Hallo Rüdiger,
lieben Dank für die Tipps!
Das zieht mich jetzt aber etwas runter (cry) .
Ja, wir haben hier sehr sandige Böden. Bentonit Bodenaktivator und auch Wurmhumus habe ich eingearbeitet. Nun hatte ich doch echt die Hoffnung, so Stück für Stück mit dem Produkt des Wurmcafes und Bokashi/ Herstellung von Terra Preta was Tolles zu bewirken.
Du meinst, das bringt nicht viel? Ach nee!
(wall) Ich habe keinen idealen Platz für einen Kompost.
Der Garten besteht fast aus Zierpflanzen, also Stauden, Rosen, Sträucher, insektenfreundliche Pflanzen.
Ich bilde mir auch ein, dass allein die erste Behandlung mit Wurmhumus, Bentonit, Urgesteinsmehl und Spritzgaben zur Pflanzenstärkung was gebracht haben. Denn bei der Hitze und fehlendem Niederschlag hatte ich mit mehr Verlusten gerechnet. Vielleicht auch nur Wunschdenken (irre) . So, nun bin ich ratlos.
Mit der Katzenstreu ist ja ein genialer Tipp, ist wohl günstiger als das andere Zeugs.
Beste Grüsse Gartenfee4711
Eberhard
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Re: Bokashi- Brottrunk als Ferment, Pflanzkohle, Terra Preta

Beitrag von Eberhard » So 26. Aug 2018, 09:18

Gartenfee: Einen Kompost hab ich nicht
Warum nicht? Ein Thermokomposter würde nicht viel Platz benötigen, und der nimmt auch sonstige Pflanzenabfälle gerne auf.

In meinem Empfinden ist Bokashi etwas für Städter in entsprechenden Wohnungen, wo der Weg nach draußen zu weit ist, also für die Schnellentsorgung von (wenigen) Küchenabfällen. Ein Komposthaufen, der etwas bunter vom Inhalt her aufgebaut wird, nimmt das Gleiche ohne Probleme auf. Bei Sandboden kannst Du gar nicht genug Kompost haben. Als Ersatzstoff für zu kaufende Tonminerale (Zeolith, Bentonit) kannst Du Dich in Deiner Umwelt umschauen, wo es lehmige Erde gibt, die kann auch durchaus minderwertig und karg sein. Ich sammle z.B. den Aushub von Maulwurfshaufen. Die gibt es vor allem in gesunden Böden, stören aber beim Wiese- und Rasenmähen.

Daneben wäre milchsaure Fermentierung interessant zur Aufbereitung von Problemmaterialien, also von Stoffen, die man vielleicht nicht so wie sie sind auf einen Kompost geben wollte.
was Tolles zu bewirken
Nicht nur düngen, sondern auch am Boden arbeiten. Also Leben einbringen und Leben erhalten. Zum Beispiel in der Form, dass der Boden möglichst ganzjährig bedeckt ist, am besten durch Bewuchs (lebende Pflanzenwurzeln), ersatzweise Mulch.
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
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Re: Bokashi- Brottrunk als Ferment, Pflanzkohle, Terra Preta

Beitrag von Rüdiger » So 26. Aug 2018, 10:42

Ein Ziergarten mit insektenfreundlichen Pflanzen ist ja nun magerer Sandboden gar nicht die schlechteste Vorraussetzung.

Hier kannst du doch bei der Pflanzung speziell die Erde verbessern, durch Zugabe von ein wenig Ton kannst du den Boden kräftiger und mit (Wurm-) Humus nahrhafter machen soweit es erforderlich ist.

Bestehende Pflanzungen und Rasenflächen können mit Wurmtee behandelt werden.

Terra Preta ist halt eine sehr nährstoffhaltiges und damit auch salzreiches Substrat, das nach seiner Kompostierung von zersetzenden Mikroben dominiert wird.

Für den intensiven Anbau von Gemüse empfiehl sich eher in flachen Hochbeeten ein gemischtes Substrat aus zwei Teilen Sand (-boden) und ein bis zwei Teilen Kompost zu mischen und diesem Gemisch 15 bis 20 kg Tongranulat beizumischen, Gesteinsmehl und (kompostierte) Kohle optional.

Du kannst mal wegen der Bentonitverwendung auch auf der Internetseite weiter gucken.

http://naturbentonit.de

Wenn das mit deiner Wurmfarm gut klappt, kannst du doch später einfach noch eine größere im Freiland anlegen, die Würmer hast du ja dann irgendwann über. So hast du dann genügen Humus und kannst auch mehr Biomasse verwerten.
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Re: Bokashi- Brottrunk als Ferment, Pflanzkohle, Terra Preta

Beitrag von *Ces* » So 26. Aug 2018, 12:10

Hallo zusammen, ich habe nicht wirklich viel Ahnung von Bokashi und frage mich gerade warum hier eher abgeraten wird.

Ich würde den Bokashi jetzt nicht im Eimer lagern, da ja die Lebewesen (auch wenn evtl. weniger sind im Sand) doch mehr als im Eimer sind.

Die Frage ist, woraus der Bokashi besteht. Wenn viele Essensrest, Fleisch- und Milchprodukte sind, macht es ja Sinn, die eher im Eimer Stätten die Mülltonne/Kompost zu machen.

Man kann sie ja in einer Ecke des Gartens vererden lassen und bei Bedarf umsetzen.
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Re: Bokashi- Brottrunk als Ferment, Pflanzkohle, Terra Preta

Beitrag von Gartenfee4711 » So 26. Aug 2018, 12:51

(danke) Wie schön- rege Beteiligung !Klasse!!
Ich geh mal in mich, wo vielleicht doch ein Komposter stehen kann. Ne Wurmfarm draußen schließ ich aus wegen der Temperaturen, wird doch immer gesagt, dass Minusgrade und Hitze über 30 Grad tödlich sind für die Judels sind. Ja, ich bin noch am Anfang, was das Verstehen mit den Böden angeht. Warum ist Terra Preta salzig? Nährstoffreich ist mir klar, aber salzig?
Hoffe, ich bin nicht zu blöde (wall) ...
Ich habe durch Lesen über Beiträge gedacht, dass Wurmhumus und Terra P. quasi das Nonplusultra sind.
Mit Zeolith, Bentonit werd ich mich noch mal intensiver beschäftigen. Ein Knutsch an alle, die mir hier versuchen zu helfen :roll:
Die Gartenfee
Eberhard
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Re: Bokashi- Brottrunk als Ferment, Pflanzkohle, Terra Preta

Beitrag von Eberhard » So 26. Aug 2018, 16:02

Terra Preta ist halt eine sehr nährstoffhaltiges und damit auch salzreiches Substrat, das nach seiner Kompostierung von zersetzenden Mikroben dominiert wird.
Das mit dem salzreich halte ich für diskutabel.

Die richtige Terra Preta gibt es in Südamerika. Hierzulande versucht man diese nachzuahmen. Manche sagen, sie können es, anderen ist es egal, wenn die Wirkung ihres Substrates eine ähnliche ist.
Dass für die Herstellung von Terra Preta zwingend milchsaure Fermentation notwendig ist, wird zwar oft wiederholt, besonders in Deutschland, ist aber nicht wirklich richtig. Was richtig ist: Mit EM & Co. kann man ungewünschte Faulprozesse unterbinden. Wenn man also seinen Kompostierungsvorgang von der stofflichen Zusammensetzung oder vom Prozess her nicht beherrscht, kann man über EM zusätzlich sicherstellen, dass es nicht fault und stinkt.
Das wirklich Maßgebende in der Terra Preta ist die vorhandene Pflanzenkohle. Diese hat pro Gramm eine Oberfläche von (gesagt) 300 Quadratmetern. Durch ihre Hochporösigkeit bietet sie Lebensraum für aerobe und anaerobe Mikroben, sie kann Wasser speichern, und sie kann sehr gut Nährstoffe binden.
Diese Nährstoffe liegen dann nicht als wasserlösliche Salze vor, sondern sind gebunden.
Ich habe durch Lesen über Beiträge gedacht, dass Wurmhumus und Terra P. quasi das Nonplusultra sind.
Nun, was man oben drauf tut auf den Boden, ist nur die halbe Geschichte. Eben so wichtig ist, was daraus langfristig wird. Mal ein Bild: Ein Käfighuhn musst Du mit dem versorgen, was es braucht (Füttern, weil Eigenversorgung unterbunden). Eine in natürlicher Umgebung freilaufende Henne wird sich selber versorgen. Welche von beiden ist gesünder, welcher geht es besser?
Nebenbei: Beim Füttern kommt auch so etwas wie Gänsestopfleber zustande.

Das Nonplusultra für den Boden ist Humus. Den gilt es zu erhalten - das ist oft schon Herausforderung genug - oder gar vom Bodenanteil her zu erhöhen. Man muss also nicht nur dazu tun, sondern auch erhalten.
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
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Re: Bokashi- Brottrunk als Ferment, Pflanzkohle, Terra Preta

Beitrag von Rüdiger » So 26. Aug 2018, 16:52

Hier mal ein Beispiel für naturnahe Pflanzungen auf margeren und sandigen Boden. Hier bedeuten Nährstoffe, mehr nur Konkurrenz durch "Unkräuter".

Die Terra preta ist mehr was für Tomaten. Der Salzgehalt betrifft den Gehalt an löslichen Nahrstoffen. Die mögen Tomaten, Kürbise oder Mais. Basilikum oder Salat ist das bestenfalls egal. Also lieber ins intensiv bepflanze Gemüsebeet. Oder direkt ins Pflanzloch geben.
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Re: Bokashi- Brottrunk als Ferment, Pflanzkohle, Terra Preta

Beitrag von Pfiffikus » So 26. Aug 2018, 20:05

Eberhard hat geschrieben:
So 26. Aug 2018, 16:02
Nebenbei: Beim Füttern kommt auch so etwas wie Gänsestopfleber zustande.
Jetzt mal ehrlich! Jetzt übertreibst Du!

Es mag ja sein, dass die Lebern von mit Kraftfutter gefütterten Hühnern anders aussehen als die von frei laufenden Hühnern. Das will ich gar nicht in Abrede stellen.

Aber dass die Vögel bei einer freiwilligen Nahrungsaufnahme so etwas wie eine Gänsestopfleber herausbilden können, das halte ich für Quatsch, wenn es sich nicht sogar um eine gezielte Panikmache handelt. Denn wenn man die Vögel freiwillig dazu bringen könnte, sich Stopflebern anzufressen, dann könnten sich die Produzenten die tägliche manuelle und teure Prozedur des Stopfens sparen und die Tiere alleine fressen lassen. Warum wird aber trotzdem nachgestopft? Haben die Stopfleberproduzenten zu viel Geld?


Pfiffikus,
der das Stopfen absolut missbilligt und keinesfalls schönreden will
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