Erdisieren von Abfällen ohne Würmer

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Sophie0816
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Re: Erdisieren von Abfällen ohne Würmer

Beitrag von Sophie0816 » Fr 8. Nov 2019, 17:58

Ich schaue total gerne in die Töpfe, rieche daran, befühle die Oberfläche, spüre etwas mehr in die Tiefe und nehme von dort ein wenig in die Hand, rieche wieder daran, kippe und drehe die Behälter etwas, um die Erde zu bewegen und am Rand nach unten zu schauen, wie es dort aussieht, beobachte kleine Tiere.

20191108_162157[1].jpg

Nr. 1 riecht immer noch angenehm nach Waldboden und ich werde den Inhalt bald einem anderen Behälter zuführen.

Ich weiß noch nicht so richtig, wie das in der Handhabung wird, jedoch scheint sich ein System anzudeuten, von kleinen Behältern zu großen Behältern. Was verwertet ist, wird zusammengekippt und steht zum Neuansetzen zur Verfügung. So in der Art.

Nr. 2/3/4 riechen nicht mehr sauer, jedoch noch nach 'es arbeitet darin'. Ich habe kein Wort für diesen Geruch. :)
Trockene Oberflächen hab ich etwas besprüht.

Nr. 4 hat bisher die größte Menge gehäckselter Abfälle (270 g). Alles eine schöne dunkle Masse. Es wird sehr feucht/nass unten. Deshalb habe ich alles ins Eimersystem geschüttet, mit Löcher im Boden und Auffangebene für die evtl. Flüssigkeit. Diesmal hab ich 3 Würmer gesichtet, die sehr gesund aussehen (iwe auch immer die ihr enges, heißes Balkonleben vorher überstanden haben) und naja die Kellerasseln, denen es da wahrscheinlich auch sehr gut geht.

20191108_162215[1].jpg

Die Kellerasseln machen mir etwas Sorgen, weil ich sie nachts auch mal auf dem Küchenboden erwischt habe. Ich kenne mich nicht mit ihnen aus, ob sie es evtl. auch an anderen Stellen in meiner Küche mögen könnten und sich dort lustig vermehren. Das möchte ich nicht. Deshalb bin ich noch am überlegen, ob ich sie aussiedle.

Es gibt jetzt einen Behälter Nr. 5 mit frischer Komposterde, ca. 7 cm hoch und 19 cm Durchmesser. Da werfe ich laufenden, anfallenden Kleinkram rein, nur kleingeschnitten. Wird nichts durchgemischt.

20191107_190218[1].jpg
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Re: Erdisieren von Abfällen ohne Würmer

Beitrag von Stadtfarmerin » Sa 9. Nov 2019, 17:52

Sophie, was erdisierst du eigentlich alles an Küchenabfällen? Geht das auch mit Schalen von Zitrusfrüchten? Davon fallen bei mir nämlich jetzt im Herbst/Winter viele an und ich kann sie nicht verfüttern, weder an die Meerschweinchen, noch an die Mehl- oder Kompostwürmer. Es wäre doch toll daraus Erde werden zu lassen, anstatt sie immer wegzuwerfen. Aber würde das funktionieren?

Kleinhäkseln wäre bei mir dank Standmixer kein Problem. Auch sind die Schalen Bio. Aber was ist mit Schimmel, Fruchtfliegen, Trauermücken?

Ich habe angefangen mir das verlinkte Video von dem Typen anzuschauen. Die Idee mit dem Erdisieren finde ich klasse, aber der Typ und seine Art machen mich irgendwie wahnsinnig. Konnte nicht fertig gucken.
Viele Grüße
Christina
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Re: Erdisieren von Abfällen ohne Würmer

Beitrag von Sophie0816 » Sa 9. Nov 2019, 18:22

Hallo Stadtfarmerin,
die Frage nach Fruchtfliegen und co beobachte ich auch noch. Falls nötig, würde ich sonst alles mit Vliesstücken und Gummiband abdecken.

Der Herr Pommeresche äußert sich positiv zu Zitrusfrüchten, wenn sie ungespritzt sind. Ich habs selbst noch nicht probiert.
Er hat allerdings schon ein super Bodenleben. Das schafft dann auch einiges.
Kleine Mengen ausprobieren und sehen wie es nach 3 Wochen ausschaut, wäre mein Gedanke.

Was bei mir ja nicht in den Wurmeimer geht sind Zwiebelreste und Kartoffelschalen. Die probiere ich im Kompost, auch gekochte Kartoffelschalen.

Zu Schimmel kann ich noch nichts sagen. Bisher schimmeln nur die Reste etwas, die ich in Nr. 5 nur oben drauf werfe.
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Re: Erdisieren von Abfällen ohne Würmer

Beitrag von Sophie0816 » Sa 9. Nov 2019, 18:35

Bis habe ich noch Blumenkohl, Banane, Sellerie, Apfel und Möhre gehäckselt.
Eberhard
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Re: Erdisieren von Abfällen ohne Würmer

Beitrag von Eberhard » Sa 9. Nov 2019, 23:46

Zitrusfrüchte-Schalen sind auf jeden Fall geeignet. Allerdings enthalten sie erheblich ätherische Stoffe und sollten im Verhältnis sparsam zugesetzt werden. Sie geben trotzdem ihre eigene Geruchsnote mit und beeinflussen ganz sicher die wirkenden MO.
Manchmal kann man auch ganz andere Wege gehen: Orangenschalen nicht wegwerfen – 18 Tricks für Zitrusschalen

da mich die Bokashi-Sache nie angesprochen hat
Man muss jetzt auch nicht immer die Vollfermentierung durchziehen. Diese hat ja auch eher eine konservierende Wirkung, weniger eine direkt verrottende - weswegen man anschließend vererden muss.

Wenn man seine Abfälle mit effektiven Mikroorganismen (EM) bzw. alternativ mit verfügbaren Ersatzlösungen besprüht, erzielt man stark spürbare Verschiebungen hin zur Vermeidung von Fäulnis, schlechten Gerüchen. Denn diese wirken auch schon an frischer Luft, nicht nur bei Luftabschluss. In Indien werden offiziell Müllberge in den Großstadtstraßen mit EM besprüht, was eine erhebliche Entlastung zur Folge hat.
Pflanzenkohle hat eine stark bindende Wirkung, auch das bemerkt man bei einer Rotte. Gerald Dunst (sonnenerde.at) beschreibt, dass bei Kompostierung unter Zugabe von 10-20 Prozent Pflanzenkohle der Verlust an Kohlenstoff (Abgabe als CO2) von 50 auf 20 Prozent sinkt, bei Stickstoff ist es ähnlich. Wenn weniger ausgast, sinkt auch der Geruch, zwangsläufig. Das wird bei der Blumentopfkompostierung nicht anders sein.
Blumenkohl, Banane, Sellerie, Apfel und Möhre gehäckselt
Es kann sein, dass das resultierende Substrat zu feucht ist => auspressen, Flüssigkeit bspw. dem Gießwasser zusetzen.
Wird nichts durchgemischt.
Oberflächlich einarbeiten sollte man nach Möglichkeit immer - Mikroorganismen haben keinen Fahrstuhl.
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
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Re: Erdisieren von Abfällen ohne Würmer

Beitrag von Wurmcolonia » So 10. Nov 2019, 13:56

Sophie0816 hat geschrieben:
Sa 9. Nov 2019, 18:22
Was bei mir ja nicht in den Wurmeimer geht sind Zwiebelreste und Kartoffelschalen. Die probiere ich im Kompost, auch gekochte Kartoffelschalen.
In meinen Wurmkisten fütter ich auch Zwiebelreste (nur die braunen Schalen) und rohe und gekochte Kartoffelschalen . Für die braunen Zwiebelschalen brauchen sie lang, bis sie sie verdrücken können aber nach geraumer Zeit (wie lang weiß ich nicht) sind sie ziemlich plötzlich weg. Bei den gekochten Kartoffelschalen lieben sie die Kartoffelreste unter den Schalen, die sind immer schnell weg. Die rohen Kartoffelreste dauern etwas länger und die eigentlichen Schalen brauchen ziemlich lang, bis sie verdrückt sind. Ich finde es gut, den Judels Futter zu geben, für das sie unterschiedlich lang brauchen, bis sie es verdrücken können.
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Re: Erdisieren von Abfällen ohne Würmer

Beitrag von Sophie0816 » So 10. Nov 2019, 17:24

Heute, 4-5 Tage nach Start des ersten Ansetzens mit gehäckselten Küchenabfällen, bin ich wieder sehr erstaunt, wie schnell sich doch der Geruch verändert.

Zuerst sauer, dann 'in Arbeit' und heute, 2 Tage später, schon ein Hauch von dem baldig erwartetem Waldbodengeruch.

Nr. 1/2 sind für mich nicht so interessant, weil dort nur Pflanzenreste drin waren. Nr. 1 hab ich der frischen Komposterde hinzugefügt, die auf ihren Einsatz wartet. Nr. 2 roch heute auch neutraler, so dass sie beim nächsten Schauen auch in den Startkompost kommt.

Ich konnte bisher keinen wirklichen Unterschied ausmachen, zwischen alter Komposterde mit und ohne Wurmhumuszusatz.

Nr. 3, also der erste Ansatz mit Küchenabfällen, hatte heute das erste Mal eine kleine Schimmelstelle.
Bisher reagiere ich auf alles (Nässe, saurer Geruch, Schimmel) nur mit Lüften, d.h. ich schütte die Menge in einen größeren Behälter, wo genügend Platz ist, um das Ganze mehrfach zu kreisen, wie in einem Betonmischer.

Bei Nr. 4, wo es sehr nass geworden ist, hatte ich gestern das Kondenswasser gekostet und erstaunt festgestellt, dass es mega salzig/sauer/scharf war. Weil es so nass ist, liegt nur noch ein Vlies drüber und heute zeigt sich schon, dass das gut ist und die Nässe annimmt.
Blumenkohl, Banane, Sellerie, Apfel und Möhre gehäckselt
Eberhard hat geschrieben:
Sa 9. Nov 2019, 23:46
Es kann sein, dass das resultierende Substrat zu feucht ist => auspressen, Flüssigkeit bspw. dem Gießwasser zusetzen.
Danke für den Tip Eberhard. Das werde ich das nächste Mal machen, nach dem Häckseln alles auspressen und dann erst mischen.
Überhaupt danke für deine Erfahrungen und Kommentare!
Eberhard hat geschrieben:
Sa 9. Nov 2019, 23:46
Wenn man seine Abfälle mit effektiven Mikroorganismen (EM) bzw. alternativ mit verfügbaren Ersatzlösungen besprüht, erzielt man stark spürbare Verschiebungen hin zur Vermeidung von Fäulnis, schlechten Gerüchen. (...) bei Kompostierung unter Zugabe von 10-20 Prozent Pflanzenkohle der Verlust an Kohlenstoff (Abgabe als CO2) von 50 auf 20 Prozent sinkt, bei Stickstoff ist es ähnlich. Wenn weniger ausgast, sinkt auch der Geruch, zwangsläufig. Das wird bei der Blumentopfkompostierung nicht anders sein.
Was heißt das jetzt für mich in der Anwendung? Muss ich zusätzlich eingreifen oder ist das nur für den Fall, dass mich die Gerüche stören würden?
In einem anderen Video von Herwig Pommeresche ist zu sehen, wie er auch irgendetwas zusätzlich in die Eimer streut.
Wird nichts durchgemischt.
Eberhard hat geschrieben:
Sa 9. Nov 2019, 23:46
Oberflächlich einarbeiten sollte man nach Möglichkeit immer - Mikroorganismen haben keinen Fahrstuhl.
Ist erledigt. :)

Gestern wurde Nr. 6 aufgesetzt. Zum ersten Mal mit frischer Komposterde. Die roch heute, wie auch bei den Vorgängern sauer und ich lüfte deshalb täglich.
Eberhard
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Re: Erdisieren von Abfällen ohne Würmer

Beitrag von Eberhard » So 10. Nov 2019, 21:03

Muss ich zusätzlich eingreifen
Eigentlich nicht. Bei guter Führung läuft das schon, und in der Versuchsphase möchtest Du bestimmt auch Erfahrungen sammeln.

Die Geschichte EM dient zum einen der Sicherstellung, dass die Zersetzung nicht in Fäulnis kippt, und zum anderen der kleinen Reparatur, wenn sich kleinere Probleme einstellen sollten. Kann aber auch sein, und das wäre wünschenswert, dass man nicht extra Sicherstellen oder Reparieren muss.
Hintergrund zur Mikrobenzugabe: Quorum Sensing und Komposttees

Die Geschichte Pflanzenkohle wäre jetzt auch nur zusätzlich. Diese bindet bei der Rotte Nährstoffe und senkt Verluste, womit Dein Rottegut werthaltger wird. Danach wird die Pflanzenkohle den Boden nachhaltig und langfristig verbessern, z.B. die Humusbildung im Boden fördern und zusätzlich Kohlenstoff im Boden binden. Damit hat man nicht nur ein kurzfristiges Düngen, sondern auch eine langfristig wirkende Bodenverbesserung.
Wissen über Pflanzenkohle
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
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