Blumenerde selber machen – so geht’s!





Wer die perfekte Basis für seine Pflanzen auf dem Balkon, der Terrasse oder im Beet schaffen möchte, muss die entsprechende Blumenerde nicht immer kaufen, sondern kann diese ganz einfach selbst herstellen.

Das „klassische“ Rezept gibt es jedoch nicht! Vielmehr bestehen
mehrere Möglichkeiten, die „perfekte“ Blumenerde für die eigenen Ansprüche
(bzw. die des Gartens und der Pflanzen) anzumischen.

Aussaaterde für Samen und Stecklinge

Junge Sämlinge und Stecklinge gedeihen am Besten in Aussaaterde. Neben der Konsistenz dieser Erdmischung ist es unerlässlich, dass diese über eine vergleichsweise feine Struktur verfügt und gleichzeitig nährstoffarm ist. So werden die jungen Wurzeln auf dem Weg nach mehr Nährstoffen sich stark ausbreiten. Starkes Wurzelwachstum hilft uns später, die Pflanzen besser mit Nährstoffen, Wasser und Co² zu versorgen.

Sterilisation der Erde

Viele Profigärtner raten in diesem Zusammenhang auch dazu, etwaige Krankheitserreger mit Hilfe einer Sterilisation abzutöten. Hierbei reicht es aus, die Erde über einen Zeitraum von 30 bis 45 Minuten im Backofen (ca. 150 °C) zu erhitzen. „Netter Nebeneffekt“: durch die hohen Temperaturen werden unter anderem auch Unkrautsamen abgetötet.

Beliebte Erdmischungen

Garten Quadratmeter

Wer seine eigene Blumenerde herstellen möchte, kann auf verschiedene Mischverhältnisse bzw. Zutaten zurückgreifen. Für Garten Anfänger lohnt es sich meistens, eine Grunderde, sowie eine nährstoffarme Erde für Sämlinge und Kräuter. Diese Kombinationen sind besonders beliebt…:

Die Allround Erde (Blumenerde)

2 Teile Kompost, 5 Teile Gartenerde und 2 Teile Sand gemischt

Der Allrounder ist gut geeignet um die meisten Mittel- bis Starkzehrern eine längere Zeit mit Nährstoffen zu versorgen (Kompost). Die Gartenerde leiht die Struktur, während der Sand für einen guten Wasserabfluss sorgt.

Die Leichte Erde (Kräutererde)

1 Teil Kokosfasern, 1 Teil Gartenerde und 1 Teil Sand gemischt

Diese Mischung ist sehr „Mager“, das heißt es sind kaum Nährstoffe enthalten. Diese Erde eignet sich besonders, beim Einpflanzen von Pflanzen, welche kaum Nährstoffe vertragen. Wird noch etwas Kalk in Form von 0,5 Teilen Kalkschotter hinzugefügt, wird diese Mischung perfekt für mediterrane Kräuter (siehe unten).

Die Saure Erde (Azaleenerde)

2 Teile Kompost, 1 Teil Sand und 1 Teil Lauberde gemischt

Manche Pflanzen, allem voran Heid- und Moorpflanzen, mögen saure Böden. Aber auch die beliebten Azaleen und Rhododendren und fast alle Nadelhölzer bevorzugen einen Boden mit einem pH-Wert um die 4-5. (Mehr zum pH-Wert, weiter unten).

Gartenerde / Walderde

Gartenerde und/oder Walderde sind gerne verwendete Begriffe in Gartenrezepten, sorgen aber Aufgrund ihrer unklaren Definition immer wieder für Verwirrung. Hier also eine Hilfestellung: Garten und Walderde entstehen langsam und ohne großartigen Einsatz von Düngern. Zudem bringt sie einen hohen Anteil an Lehm, Ton oder Schluff mit. Diese Eigenschaften suchen wir für die neue Erde, wenn nach „Gartenerde“ gefragt wird.

Wird eine neue Erdmischung hergestellt, bringt die „Erde“ vor allem Minerale, Kohlenstoff und Ton mit, welche dem neuen Substrat Struktur geben um Pflanzen zu halten und Nährstoffe zu speichern.

Die Konsistenz der Erde

Pflanzen gedeihen besonders gut, wenn sie in einer vergleichsweise lockeren Erdmischung platziert werden. Das Substrat muss aber auch genügend feste Bestandteile haben, um der Pflanze genügend Halt zu geben. Anfängern empfehlen wir im Rahmen des Herstellungsprozesses keine Handschuhe zu tragen. Die Beschaffenheit und Lockerheit der Erde können so am besten erkannt werden. Auch kleinere Veränderungen können ertastet werden und es ist leichter die Beschaffenheit neuer Erden zu erkennen.

Aber Vorsicht! Nach dem Gärtnern werden die Hände natürlich gewaschen. Frischer Kompost, Mist, aber auch „normale“ Gartenerde enthalten Bakterien und Gerbsäuren, welche selbst die gesunde Haut auf Dauer verfärben und angreifen. Wird viel mit Erde gearbeitet, sind Handschuhe Pflicht.

Maulwurf

Übrigens: Ob ein Maulwurf diese Erde zuerst nach oben befördert hat (Maulwurfserde), macht höchsten einen Unterschied in der Konsistenz, nicht im Nährstoffgehalt der Erde.

Die richtige Erde für die richtige Pflanze

Im Rahmen der Herstellung von Blumenerde und deren Nutzung ist es natürlich auch unerlässlich, auf die besonderen Bedürfnisse der verschiedenen Pflanzen einzugehen. So brauchen prächtige Blumen, die auf dem Balkon stehen erfahrungsgemäß eine besonders nährstoffreiche Erde, also etwas mehr Kompost oder organischen Volldünger. Heimische Blumen und Kräuter jedoch bevorzugen meist magere Böden.

Wer sich unsicher darüber ist, welche Variante am besten zu den eigenen Pflanzen passt, kann durch eine kurze Google Suche (Pflanzennamen + „Nahrungsbedarf“) herausfinden, ob es sich um Schwach-, Mittel- oder Starkzehrer handelt. Je nachdem, gestalten Sie dann den Anteil bio-organischem Düngers (Kompost oder Mist), im neuen Substrat.

Bestimmte Kräutersorten
haben besondere Anforderungen

Gerade dann, wenn Sie sich dazu entschließen, mediterrane Kräuter wie Basilikum, Majoran, Estragon usw. anzubauen, ist es wichtig, die selbst hergestellte Erde entsprechend an deren Bedürfnisse anzupassen. Denn: diese brauchen bei Weitem nicht so viele Nährstoffe, wie es im Allgemeinen vermutet wird! So braucht es auch für ein optimales Ergebnis keinen Dünger. (Mehr zum Anbau von Kräutern auf kleinem Raum)

Blumenerde für Kübelpflanzen

Blumenkübel

Sollten Sie sich dazu entschließen, die Blumenerde für Ihre Kübelpflanzen selbst herzustellen, ist es wichtig, ausschließlich auf der Basis von reifem Kompost zu arbeiten. Unreifer Kompost setzt Abbaustoffe frei, wählen jungen oder besonders dafür anfälligen Pflanzen schnell schadet.

Hilfsstoffe für Erdmischungen

Sollen die Pflanzen länger in der Erde bleiben? Dann kann lohnt es sich Hilfsstoffe einzusetzen, welche es der Erde ermöglichen Nährstoffe abzugeben und zu speichern.

Hornspäne

Hornspäne bzw. Hornmehl sind ein natürlicher Dünger, welcher fast ausschließlich Stickstoff freisetzt. Das geschieht langsam und je nach Korngröße (also ob Hornspäne oder Hornmehl) über Wochen und Monate hinweg. Da Stickstoff der Nährstoff ist, welcher am meisten im Substrat benötigt wird, ist es oft viel einfacher der neuen Erde etwas Hornspäne beizumengen, als später mehr düngen zu müssen.

Wurmhumus

Wurmhumus

Wurmhumus, auch Regenwurmkot genannt, sind die Hinterlassenschaften der Regenwürmer. Dieser hochaktive Humus (wenn frisch) ist voller Mikroorganismen und Pilzen (Mykorrhiza, etc.), welche nur darauf warten, hilfreiche Symbiosen mit Pflanzenwurzeln einzugehen.

Dank der sogenannten Ton-Humus-Komplexe, sind im Wurmhumus Nährstoffe gespeichert, welche die Pflanzen besonders lange versorgen. Etwa 10% aktiver Wurmhumus reichen um diese Eigenschaften auf die gesamte neue Erde zu übertragen. Das spart Dünger und Wasser.

Wurmhumus, auch Regenwurmkot genannt, sind die Hinterlassenschaften der Regenwürmer. Dieser hochaktive Humus (wenn frisch) ist voller Mikroorganismen und Pilzen (Mykorrhiza, etc.), welche nur darauf warten, hilfreiche Symbiosen mit Pflanzenwurzeln einzugehen. Dank der sogenannten Ton-Humus-Komplexe, sind im Wurmhumus Nährstoffe gespeichert, welche die Pflanzen besonders lange versorgen. Etwa 10% aktiver Wurmhumus reichen um diese Eigenschaften auf die gesamte neue Erde zu übertragen. Das spart Dünger und Wasser.

Pflanzenkohle (Terra Preta)

Pflanzenkohle welche hergestellt wurde ohne Schwermetalle zu produzieren (Biochar) , ist ein wertvoller Hilfsstoff im Gartenbereich. Neuen Aufschwung hat diese Technik durch die Entdeckung von ähnlichen Methoden bei Urvölkern im Amazonas (Terra Preta) bekommen.

Dazu wird das neue Substrat mit 5-10% aufgeladener Pflanzenkohle vermengt. Aufgeladen, bedeutet dass ich die Pflanzenkohle bereit vorher mit Nährstoffen, vor allem Stickstoff „laden“ konnte. Dazu wird die Kohle meist mit Kompost oder ähnlichem gestreckt. Wurde man diese „Aufladen“ weglassen, würde die Pflanzenkohle der neuen Erde zuerst Nährstoffe entziehen, um diese zu speichern, bevor sie den Pflanzen wieder zur Verfügung stehen.

Tonmehl (Bentonit)

Sollten Sie sich für einen besonders lehmarmen Kompost entschieden haben, ist es hilfreich, zusätzlich Tonmehl in Form von Bentonit hinzufügen um die Wasserspeicherfähigkeit der Erde zu erhöhen. Zusätzlich zur Wasserpeicherfähigkeit, sollte (für die meisten Pflanzen) ein Minimum an Tonmineralien in der Erde zu finden sein. Das stabilisiert den Boden und hilft beim Speichern von Nährstoffen.

Kalk (Aufkalken)

Damit Pflanzen Nährstoffe überhaupt richtig aufnehmen können, muss der pH-Wert der Erde stimmen (Wie bestimme ich den pH-Wert?). Für die meisten Pflanzen liegt der ideale pH-Wert zwischen 5,5 und 7,5.

Während des Kompostprozesses versauert die Erde auf natürliche Weise. Ein Aufkalken des Komposthaufens, bzw. der reifen Komposterde mit
120 g/m² Algenkalk ist empfohlen um den Ph-Wert anzuheben, bevor diese mit eingemischt wird.

Wie bereits oben erwähnt, mögen manche Pflanzen sehr kalkhaltige oder saure Böden, in solchen Fällen kann auf die Kalkung des Kompostes ganz verzichtet werden, oder zusätzliches kalkhaltiges Gestein hinzugemischt werden. Die meisten Pflanzen bevorzugen jedoch einen neutralen Boden mit einem ph-Wert um 7.

Torf? Warum?

Immer noch ist Torf ein sehr weit verbreiteter Hilfsstoff bei Erden. Da der Torfabbau kaum nachhaltig möglich ist, werden wir hier nur Torffreie Erden vorstellen. Als Torfersatz eignen sich Holzfasern und Kokosfasern². Leider sind vor allem Kokosfasern in Form von Blöcken erhältlich und nur wenige Holzersatzstoffe. Wer’s genau wissen will, kann sich hier weiter über Torfersatz informieren.

Half diese Anleitung? Fehlt Ihnen ein Zuschlagsstoff? Im Kompost Shop haben wir alle geläufigen Kompost und Erdhilfsstoffe auf Lager…

Über den Autor:

Jasper hat Wurmwelten.de im Jahr 2006 gegründet. Nach einer Ausbildung im Kompostieren und einem Buch über Wurmkisten, widmet er sich in letzer Zeit neben dem Versandhandel, der Forschung über Regenwürmer und Komposttee.
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