Ihr habt den Garten neu angelegt, den Rasen sorgfältig eingesät, regelmäßig gegossen und gedüngt. Und dann, meist im Spätsommer, tauchen sie auf: gelbliche Flecken, die größer werden und nach ein paar Wochen strohbraun sind. Mehr Wasser hilft nicht. Nachsäen auch nicht, weil die neuen Halme genauso schnell wieder eingehen.
Wenn euch das bekannt vorkommt, lohnt sich ein Blick unter die Grasnarbe, bevor ihr weiter gießt.

Der Test, der zwei Minuten dauert
Nehmt euch eine der braunen Stellen vor und zieht vorsichtig an den Halmen. Wenn sich die Grasnarbe wie ein loser Teppich abheben lässt und darunter nur nackte Erde liegt, fehlen die Wurzeln. Und die verschwinden nicht durch Trockenheit.
Grabt an derselben Stelle ein Stück Boden etwa zehn Zentimeter tief aus. Findet ihr dort weiße, fingerdicke Larven mit braunem Kopf und sechs Beinen, die sich in einer typischen C-Form zusammenrollen, habt ihr Engerlinge. Es sind die Larven verschiedener Käferarten, unter anderem von Mai-, Juni-, Rosen- und Gartenlaubkäfer, und sie ernähren sich genau von dem, was eurem Rasen fehlt: den Wurzeln.
Ein zweiter Hinweis kommt von oben. Wenn Krähen, Elstern oder Stare den Rasen aufhacken oder ihr morgens frische Wühlspuren findet, suchen die Tiere nach genau diesen Larven. Die Vögel richten dabei zusätzlichen Schaden an, sind aber im Grunde ein kostenloses Frühwarnsystem.
Was ihr dagegen tun könnt
Chemische Mittel gegen Bodenlarven sind im Hausgarten kaum noch verfügbar, und in einem Garten, in dem Kinder spielen oder ein Hund über die Fläche rennt, sind sie ohnehin keine attraktive Option.
Der biologische Weg funktioniert über Fadenwürmer. nematoden gegen engerlinge sind mikroskopisch kleine Nützlinge, die im Boden ohnehin vorkommen und dort gezielt Käferlarven befallen. Sie dringen in die Larve ein, geben ein Bakterium ab und beenden so deren Entwicklung. Für Menschen, Haustiere, Bienen und Regenwürmer sind sie unbedenklich, überdosieren könnt ihr sie praktisch nicht.
Für Engerlinge wird üblicherweise die Art Heterorhabditis bacteriophora verwendet. Die arbeitet ab einer Bodentemperatur von rund zwölf Grad Celsius, was das Zeitfenster mehr oder weniger auf die warme Jahreshälfte festlegt.
Drei Dinge, an denen es meistens scheitert
Nematoden sind lebende Tiere, und genau daran denken viele nicht.
Die Bodentemperatur. Nicht die Lufttemperatur zählt, sondern die im Wurzelbereich. Ein einfaches Bodenthermometer kostet ein paar Euro und verhindert, dass ihr die Behandlung bei zu kaltem Boden umsonst macht.
Die Feuchtigkeit. Wässert die Fläche vor dem Ausbringen gründlich und haltet sie danach zwei bis fünf Wochen feucht. Trocknet die obere Bodenschicht durch, überleben die Nematoden nicht. Das ist der mit Abstand häufigste Fehler.
Das Sonnenlicht. Fadenwürmer vertragen kein UV-Licht. Bringt sie früh morgens, abends oder an einem bewölkten Tag aus, nicht in der Mittagssonne.
Das Ausbringen selbst ist simpel: Trägersubstanz in Wasser auflösen, umrühren und mit der Gießkanne gleichmäßig verteilen. Feine Siebe lasst ihr besser weg, sonst bleiben die Nematoden darin hängen.
Danach: Geduld und Nachsaat
Rechnet mit zwei bis drei Wochen, bis sich etwas tut, und plant eine zweite Anwendung ein, wenn der Befall stark war. Der kaputte Rasen kommt nicht von selbst zurück, kahle Stellen müsst ihr nachsäen, sobald keine Larven mehr aktiv sind.
Damit es gar nicht erst so weit kommt, hilft ein simpler Grundsatz: Ein dichter Rasen mit tief reichenden Wurzeln steckt Larvenfraß deutlich besser weg als eine kurz geschorene, ausgehungerte Fläche. Schnitthöhen um vier bis fünf Zentimeter, seltener aber durchdringend wässern statt täglich ein bisschen, und im Frühjahr sowie Frühherbst düngen. Das ist weniger Aufwand, als es klingt, und erspart euch im nächsten August womöglich die ganze Aktion.
