Die Wurmkiste streikt

Warum stocken Wurmkisten nach 2-5 Jahren manchmal?

Der Anruf klingt immer gleich: „Ich habe seit etwa 3 Jahren eine Wurmkiste und es lief alles gut, aber seit ein paar Wochen wollen die Würmer nicht mehr so richtig. Jetzt habe ich mal reingeschaut und es sind nur noch wenige da. Was kann ich tun?“

Es kommt immer mal wieder vor: Die Wurmkiste läuft rund und scheint alles zu schlucken. Aber dann läuft es auf einmal nicht mehr. Der Abbau der Bioabfälle stockt und die Kompostwürmer werden immer dünner und weniger agil. Aber Anstatt blass und krank auszusehen, sind die Würmer rot bis dunkelrot.  Der Wurmhumus roch immer erdig, aber in letzter Zeit zunehmend säuerlich.

Dendros

Dendros

Und dann recht plötzlich (innerhalb 1-5 Wochen) beginnt die Kiste zu „kippen“ und es kommt zunehmend zu Schimmel an den Abfällen und zur Fäulnis und dem damit verbundenden Gerüchen. Letztendlich versuchen ein paar der Würmer die Kiste zu verlassen, aber das ist nur die Spitze des Eisberges. Spätestens jetzt sollte man handeln, denn wenn man genauer hinsieht, fehlen bereits viele der fleißigen Kompostwürmer. Die verbleibenden Tiere sind dünn, rot und schlaff. Das Clitellum (also die helle Verdickung im ersten Drittel des Wurmes) ist bei den meisten verschwunden; Sie sind nicht (mehr) geschlechtsreif und haben schon seit ein paar Wochen nicht mehr für Nachwuchs gesorgt.

Was ist mit der Wurmkiste passiert?

Es gibt ein paar Gründe die zuerst in Frage kommen; Manchmal versauert die Wurmfarm, manchmal ist das Futter zu viel oder zu einseitig, und manchmal wird der Besitzer etwas zu experimentierfreudig. Aber keiner dieser Gründe hat genau all diese Symptome: Dunkelrote, aber schlaffe und dünne Kompostwürmer (Eisenia fetida und Dendrobena veneta), ohne Clitellum und ein genereller Schwund an Würmern ohne das eine große Flucht stattfand.

Der Schimmel zeigt, dass der Ablauf in der Kiste durch die Abwesenheit von Würmern nicht mehr hinterherkommt.

Eine genaue Untersuchung kann die Befürchtung meist bestätigen: Wenn das Substrat untersucht wird, werden eine paar geschlüpfte Kokons, aber kaum volle gefunden. Auch werden keine jungen Würmer gefunden. Alle Würmer sind zwar sehr klein und dünn, aber nicht rosa und fast durchsichtig. Es sieht alles so aus als ob es schon länger Probleme beim Nachwuchs gab.

Wurm Kokons

Wurm Kokons

Die Lösung

Es liegt fast immer an fehlenden Mineralien. Im Komposthaufen oder in der Natur haben die Würmer die Möglichkeit Spurenelemente und andere Mineralien direkt aus dem Erdreich zu holen. Besonders Kalk, aber langfristig auch Spurenelemente, wie Magnesium, Eisen, Phosphor und Kalium sind für das Wohlbefinden und die gesunde Fortpflanzung der Würmer notwendig. In der Natur würden sich Kompostwürmer nur für wenige Wochen in einer so hohen Dichte wie in der Wurmkiste leben. (In einem Wurm Cafe was mit 2kG Abfall in der Woche beschickt wird, kann immerhin eine Population von bis zu 12,000 Exemplaren aufrecht erhalten werden.)

In der Wurmfarm ist das Futterangebot sehr reichhaltig, aber einige Spurenelemente kommen einfach zu kurz. So gibt es nicht genügend Mineralien um diese 12,000 Exemplare alle gesund zu halten und die Fortpflanzung zu fördern.

Wahrscheinlich wurde in dieser Wurmfarm bereits Kalk zugeführt, da das Problem sonst bereits früher entstanden wäre und durch die Versäuerung auch andere Probleme entstanden wären. Aber andere Mineralien fehlen. Diese müssen regelmäßig zugeführt werden. Dies kann in Gaben von mineralischer Erde aus dem Garten passieren. Aber achten Sie darauf, keine Störenfriede mit in die Wurmkiste zu verschleppen. Ausgeschlossen ist Erde aus Waldstücken (zu niedriger pH Wert), Erde aus gekauften Blumentöpfen (zu salzig) und Komposterde aus dem Baumarkt (zu salzig und zu viele „falschen“ Bakterien).

WurmfutterDie Kombination von zerriebenen Eierschalen und Urgesteinsmehl hat sich als sehr gut bewiesen. Einfacher und preiswerter ist jedoch die Gabe von speziellem Wurm Mineral Mix. Dies sind Pellets mit einem Mineralmix und Protein für die Würmer. Nur wenn gewisse Mineralien wie Kalk, Magnesium und andere Spurenelemente in genügender Menge vorkommen, kann die Wurmkiste nachhaltig laufen.

Mineralien Mischung?

In der Natur sind Kompostwürmer sehr gesellig und äusserst vermehrungsfreudig. Beide Aspekte werden in der Wurmkiste genutzt und gefördert, so dass sich die Population einer Wurmkiste alle 3 Monaten verdreifachen kann. Diese ganze Wachstum bedarf aber vieler Mineralien und Proteine. In der Natur haben die Würmer ein weiteres Gebiet zur Verfügung um Mineralien von Steinen zu lösen. Ausserdem ist die Dichte an Regenwürmern im Komposthaufen etwas geringer als in einer gut laufenden Wurmkiste. Um eine Wurmkiste dauerhaft zu halten, muss also eine Mineralien Quelle gegeben sein. Auch wenn sich Probleme durch mangelnde Mineralien (dünne Würmer, sehr rot oder sehr blass, schlaff) erst sehr spät zeigen. Es vergehen Wochen, manchmal Monate bis es sich bemerkbar macht, das etwas fehlt. So kommt es, dass der Zusammenhang zwischen den Mineral Pellets und dem Wohlergehen der Kompostwürmer oft übersehen wird (Mehr dazu in Kompost aus der Kiste, dem Wurmkisten Buch).

Übrigens:  Ja, wir verkaufen den Mineral Mix auch. Daher die Werbung. Aber wir haben auch viel darüber nachgedacht. Unser Mineral Mix wurde in über 15 Jahren Arbeit immer wieder verfeinert und wird nur durch uns vertrieben. Der enthaltene Ton ist wichtig für die Ton-Humus-Komplexe. Der Feinkies hilft den Würmern bei der Verdauung und der Kalk gleicht den pH Wert an und hilft Wurm Kokons zu bilden. Protein aus 3 Quellen hilft beim Zellbau der Würmer und die Salze sind wichtig in der nassen Umgebung der Wurmkiste. Die Pellets sind trocken gepresst und können auch genutz werden, um die Feuchtigkeit in der Wurmkiste zu regulieren.2 Kg der Mineral Pellets reichen etwa 18 Monate und sind bei einem Kilopreis ab 2,50 € sehr preiswert. Soviel der Transparenz halber vorweg, bevor wir erklären was passiert, wenn die Mineralien wieder da sind.

Das Problem zu lösen ist recht einfach, solange die Kiste nicht völlig gekippt ist. Entfernen Sie Stellen die auffällig riechen. Dort sollten keine Würmern zu finden sein. Jetzt streuen Sie eine halbe Handvoll der Mineral Pellets und/oder 3 EL Urgesteinsmehl auf die Oberfläche. Sollte das Substrat etwas trocken sein, können Sie es jetzt etwas besprühen. Danach vermischen Sie die oberen 3 cm der Oberfläche, so dass die Pellets fast ganz vergraben sind.

Was passiert mit der Wurmkiste jetzt?

Bei regelmäßiger Gabe von Mineralien erholt sich die Population langsam. Die Würmer werden wieder geschlechtsreif (das Clitellum bildet sich zurück), fetter und agiler. Sie tauchen schneller ab wenn man den Deckel entfernt.

Jetzt ist es wichtig, die Menge die gefüttert wird, genau zu beobachten. Denken Sie daran, dass es etwa 10 Tage dauert, bis ein Salatblatt soweit von Bakterien vorbearbeitet wurde, dass es ein Kompostwurm  angehen kann. Also füttern Sie kleine Mengen, aber sehr regelmäßig. Erhöhen Sie die Menge langsam (etwa 40% alle 8 Wochen) bis Sie zu den ursprünglichen Menge Würmer angekommen sind.

Wurmkiste mit Kompostwuermern

Wurmkiste mit Kompostwürmern

Sie können den Vorgang auch etwa beschleunigen indem Sie Ihre Wurmkiste mit 500 Kompostwürmern boosten. Die frischen Kompostwürmer bringen „gute“ Bakterien mit und sind größtenteils bereits geschlechtsreif. Obwohl die Lieferung von uns bereits futter mitbringt, sollte man schon am Tag des Würmer Bestellens etwas mehr Gemüse in die Wurmkiste legen als sonst. Immerhin dauert es etwa 10 Tage bis die Würmer es verwerten können…

Bei Fragen rund um dieses Thema besucht doch unser Kompost-Forum. Einen aktuellen Thread zu diesem Thema findet ihr hier.

SiegelÜbrigens: Bei Wurmwelten bekommen Sie ein exklusives Wurmfutter, welches nur für uns hergestellt wird und auf die genauen Bedürfnisse der Würmer zugeschnitten ist.

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