Feuchtigkeit, Futtermenge, Schimmel, Kalk, Hanfmatte (Wurm Cafe)

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mkurz
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Feuchtigkeit, Futtermenge, Schimmel, Kalk, Hanfmatte (Wurm Cafe)

Beitrag von mkurz » Mo 15. Feb 2016, 12:55

Hallo liebe Community,

ich habe, als Anfänger, meine Wurmfarm (mit dem Wurm Cafe Set) aufgesetzt, sogar mit 2000 Würmern (bin ungeduldig). Auch wenn ich alles gut gelesen habe, bin ich in manchen Dingen doch recht unsicher. Zudem gibt es hier im Forum wie auch allgemein im Internet fast schon widersprüchliche Aussagen. Meine Fragen sind:
1. Kann das Substrat im Wurm Cafe eigentlich zu feucht werden? Zu viel Flüssigkeit wird doch gesammelt und kann abfließen.

2. Gerade jetzt in der 1. Woche habe ich den Eindruck, die Wurmfarm is zu trocken. Ich habe auch mehrere Tage den Deckel aufgelassen, mit einer Lichtquelle darüber. Ist das normal?

3. Ehrlich: wie viel Futter sollte ich hinzugeben? Die Aussagen reichen von: eine Handvoll bis "eine 2cm Schicht". Wie kann ich dies wissen?

4. Etwas weißer Schimmel bildet sich, besonders am Kaffeesatz. Ist das sehr schlimm? Ich habe ihn z. T. entfernt oder auch die Reste in die "Erde" gedrückt.

5. Ich streue etwas "Algenkalk" in die Kiste. Das ist etwa so körnig wie grober Sand. Ist das in Ordning?

6. Meine Würmer lieben anscheinend die Hanfmatte. Hmm. Wird ja gesagt, aber ich möchte doch, dass sie die Abfälle "lieben". Was kann ich tun? In, unter und manchmal auf der Matte sind sehr viele Würmer.

Lieben Dank für allen Rat und Hilfe!
Viele Grüße, Martin
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Peter_86
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Re: Feuchtigkeit, Futtermenge, Schimmel, Kalk, Hanfmatte (Wurm Cafe)

Beitrag von Peter_86 » Di 16. Feb 2016, 21:41

Hallo Martin, willkommen im Club der Wurmzüchter!

Zu deisnen Fragen:

Zitat mkurz:
1. Kann das Substrat im Wurm Cafe eigentlich zu feucht werden? Zu viel Flüssigkeit wird doch gesammelt und kann abfließen.
Das Substrat kann zu feucht werden, wenn man z. B. größere Mengen an wasserreichem Futter (viel Obst, Gurke, …) oder matschiges Futter / Mus füttert.
Da zu viel Feuchtigkeit zu Fäulnis führen kann, sollte man lieber öfter kleine Mengen füttern und/oder das Futter vorher luftig antrocknen.
Das Substrat kann auch zu feucht werden, wenn man viel Lehm/Ton (Erdreste an Gartenabfällen) in die Wurmfarm bringt.
Auch den der Wurmkomposter kühl (unter 20°C) steht und/oder eine hohe Luftfeuchtigkeit herrscht (z. B. Standort im Keller), kann das Substrat zu feucht werden.
Auch tiefere Ebenen können zu feucht werden, da fertiger Wurmhumus Wasser sehr gut speichern kann.
Wenn das Substrat zu feucht ist, sollte man saugfähiges trockenes Strukturmaterial (Papier, Pappe) und andere trockene Materialien (Mineral Mix, Kalk, etc.) einarbeiten.

Zitat mkurz:
2. Gerade jetzt in der 1. Woche habe ich den Eindruck, die Wurmfarm is zu trocken. Ich habe auch mehrere Tage den Deckel aufgelassen, mit einer Lichtquelle darüber. Ist das normal?
Ob es zu trocken ist, kannst du folgendermaßen testen: Nimm eine Handvoll Substrat ohne Würmer in die Hand und presse sie aus. Wie bei einem feuchten Schwamm sollten einige Tropfen Wasser auftreten. Ein weiteres Zeichen für „zu trocken“ ist, wenn im Auffangbehälter keine Flüssigkeit vorhanden ist.
Ist die Farm zu trocken, dann gieße ca. 500 ml abgestandenes Leitungswasser mit einer Brause von oben über die gesamte Oberfläche. Lasse überschüssiges Wasser gleich wieder durch den Ablasshahn ab.

Dass man die ersten Tage bis Wochen den Deckel aufmachen und beleuchten muss, ist normal. In den ersten 2-4 Wochen gibt es immer wieder ein paar Würmer, die sonst flüchten. Es dauert eine Weile, bis sich ein ideales mikrobielles Milieu entwickelt, das heißt am Anfang sind noch rel. wenig Bakterien u. Pilze vorhanden, die sich erst vermehren. :(
Man kann nachhelfen, indem man einige Handvoll halbfertigen Kompost aus einem Komposthaufen (der schon länger im Betrieb ist) in die Wurmfarm gibt (Nachteil: man kann unerwünschte Untermieter einschleppen z. B. Nacktschnecken). Alternativ bzw. zusätzlich zu Kompost kann man einen Kompostaktivator/ Bodenaktivator (z. B. von Triaterra) verwenden, welche auch Mikroorganismen enthalten.

Zitat mkurz:
3. Ehrlich: wie viel Futter sollte ich hinzugeben? Die Aussagen reichen von: eine Handvoll bis "eine 2cm Schicht". Wie kann ich dies wissen?
Der häufigste Fehler am Anfang ist, dass man zu viel Füttert. Zuviel Futter erkennt man daran, dass sich viel unzersetztes Futter in der Wurmfarm befindet und schimmelt.
Falls es muffig oder gar faulig reicht, ist das ein Alarmzeichen. Bei Fäulnis sollte man faulige Stellen entfernen, saugfähiges Material (trockene Pappe-/Papierstreifen) und Mineral Mix (Kalk, Urgesteinsmehl) einarbeiten und dabei das Substrat durch vorsichtiges umgraben belüften. Außerdem sollte man dann die nächsten 1-2 Wochen weniger füttern.
Wenn man zu wenig füttert, ist kaum Futter sichtbar.
Eine Sorte Futter sollte man maximal über eine Hälfte der Oberfläche verteilen (keine durchgehende Schicht über gesamte Oberfläche). Falls den Würmern dort etwas nicht gefällt, können sie noch woandershin ausweichen.

So kannst du herausfinden, ob du zu wenig fütterst:
Füttere mal alle 3-4 Tage 1 Handvoll Gemüseabfälle plus etwas Pappe/Papier an eine andere Stelle und beobachte, wie schnell es zersetzt/gefressen wird. Würmer haben keine Zähne, müssen also warten, bis Mikroorganismen und andere Tiere (Asseln, Milben, Springschwänze usw.) Strukturen aufgebrochen haben. Daher dauert es bei härteren Abfällen (z. B. Stängel, Blattstiele) länger, bis sie gutes Wurmfutter sind. Hier hilft gutes Zerkleinern (klein schneiden). Man kann Futter auch einfrieren o. mit dem Mixer zerkleinern (bricht viele Zellwände auf) und dann auftauen lassen, dann können die Würmer es direkt verwerten.
Wenn das Futter in der Farm realtiv schnell verschwindet, kannst du die Futtermenge von Woche zu Woche langsam erhöhen.
Der Futterumsatz ist auch abhängig von der Tempertur: Am meisten Futter wird umgesetzt, wenn die Temperatur bei 20-25°C liegt. Unter etwa 15°C nimmt der Umsatz von Futter deutlich ab, bei Temperaturen von knapp über 0°C nehmen die Würmer kaum noch Futter zu sich.

Zitat mkurz:
4. Etwas weißer Schimmel bildet sich, besonders am Kaffeesatz. Ist das sehr schlimm? Ich habe ihn z. T. entfernt oder auch die Reste in die "Erde" gedrückt.
Etwas Schimmel ist nicht schlimm, denn Kompostwürmer ernähren sich von Pilzhyphen. Wenn die Wurmfarm in der Wohnung steht und an manchen Stellen viel Schimmel direkt an der Oberfläche ist, würde ich den Schimmel (mit Löffel etc.) etwas unterheben, damit beim Öffnen der Wurmfarm nicht so viele Schimmelsporen in der Luft herumfliegen. Brotschimmel kann Allergien auslösen, daher wenn möglich keine Brotreste füttern. Was auch gern schimmelt, sind Himbeeren und Erdbeeren.
Nur wenn sehr viel Schimmel an der Oberfläche ist, dann ist zu viel Futter vorhanden und/oder die Wurmfarm ist zu feucht.

Zitat mkurz:
5. Ich streue etwas "Algenkalk" in die Kiste. Das ist etwa so körnig wie grober Sand. Ist das in Ordnung?
Algenkalk ist gut, da er außer Kalk/Calcium auch noch andere Mineralstoffe/Spurenelemente (z. B. Silizium, Bor, Iod) enthält. Gröbere Stückchen zerfallen mit der Zeit/lösen sich auf oder werden im Wurmdarm zerkleinert.
Kompostwürmer brauchen Kalk und Mineralstoffe für Wachstum und Vermehrung.
Kalk kann man in Form von Eierschalenpulver zuführen: Eierschalen gut trocknen, zu Pulver mahlen (z. B. Zuckermühle, Mixer) und über die Oberfläche streuen. Man kann auch Gartenkalk aus dem Baumarkt verwenden (der sollte aber keinen zusätzlichen Mineraldünger enthalten).
Außerdem kannst du auch Mineral Mix (enthält Proteine, Kalk und Spurenelemente), Urgesteinsmehl (Calcium und Spurenelemente) und Bentonit (o. andere Tonmineralien, für bodenverbessernde Ton-Humus-Komplexe) zugeben, um die Würmer mit Kalk und Mineralstoffen zu versorgen und den Wurmhumus zu verbessern.
Mineralstoffe kann man auch über Pflanzen einbringen. Manche Pflanzen reichern im besonderen Maß Mineralstoffe aus dem Boden an (Bioakkumulation). Zum Beispiel Schachtelhalm, dieser enthält viel Silizium. Man sollte möglichst abwechslungsreich füttern, da unterschiedliche Pflanzen Mineralstoffe in verschiedenen Mengen akkumulieren. Vermeiden sollte man Pflanzenabfälle, die von belasteten Böden stammen oder an der Straße gewachsen sind (Schwermetalle usw.).

Etwa 1x monatlich sollte man den pH-Wert messen, er sollte zwischen 7 (neutral) und 5 (leicht sauer) liegen. Wenn der pH-Wert eher niedrig ist, muss man mehr Kalk zugeben. Aber nicht selten viel Kalk zugeben, sondern eher öfter in kleinen Mengen. Dann schwankt der pH-Wert nicht zu stark. Wenn man saure Abfälle füttert (Kaffeesatz, Äpfel, Birnen, Kiwi, Tomate haben pH-Werte von ca. 4-4,5), sollte man etwas mehr Kalk direkt zum Futter dazugeben.


Zitat mkurz:
6. Meine Würmer lieben anscheinend die Hanfmatte. Hmm. Wird ja gesagt, aber ich möchte doch, dass sie die Abfälle "lieben". Was kann ich tun? In, unter und manchmal auf der Matte sind sehr viele Würmer.
Das ist völlig normal. Die Würmer lieben die Matte, weil es drunter schön feucht und dunkel ist. :D
Ohne die Matte würden sich weniger Würmer an der Oberfläche aufhalten, da sie vor der Trockenheit und evtl. vor dem Licht fliehen. Außerdem wird das Futter unter der Matte schneller zersetzt als ohne Abdeckung. Da sich das meiste Futter an der Oberfläche befindet, kommen die Würmer dorthin. Das Futter einzugraben bringt wenig, da dann weniger Luft drankommt und es zu Fäulnis kommen kann.
Die Matte selbst saugt Flüssigkeit auf, die von den Würmern aufgenommen wird. Wenn es feucht ist, wächst an der Unterseite der Hanfmatte oft weißer Schimmel, der von den Würmern abgeweidet wird. Der Schimmel kann dazu führen, dass die Matte relativ schnell zersetzt und abgebaut wird und in kleine Stückchen zerreißt, so dass man eine neue Matte braucht. Was dagegen hilft, ist die Unterseite der Matte mit Kalkpulver und/oder Pflanzenkohle-Pulver zu „bepudern“. Matten aus Kokosfasern halten länger als solche aus Hanffasern, da diese Fasern neben Zellulose auch relativ viel Lignin enthalten. Man muss aber unbedingt darauf achten, dass Matten unbehandelt sind (keine Pestizide o. andere Giftstoffe). Was auch geht, ist ein passend zurechtgeschnittenes Stück Kompostvlies (aus Polyethylen, Polypropylen). Eine Abdeckung muss unbedingt noch Luft durchlassen. Darum sind z. B. mehrere Lagen Zeitungspapier ungeeignet.

Wenn mal unter der Matte kaum Würmer zu sehen sind, sich dafür viele an den Seitenwänden und am Deckel aufhalten, denn dann ist meist etwas mit dem Substrat nicht in Ordnung (z. B. Fäulnis).
Die ganze Masse des oberflächlichen Humus ist durch die Körper der Regenwürmer hindurchgegangen. Man kann bezweifeln, dass es noch viele andere Tiere gibt, welche eine so bedeutende Rolle in der Geschichte der Erde gespielt haben. (Charles Darwin)
mkurz
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Re: Feuchtigkeit, Futtermenge, Schimmel, Kalk, Hanfmatte (Wurm Cafe)

Beitrag von mkurz » Mi 17. Feb 2016, 23:58

Hallo Peter,
Vielen Dank für deine Antwort, sie hilft mir.
VG Martin
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