Bokashi geeignet für mein Vorhaben?

Bokashi: Das kompostieren mit effektiven Mikroorganismen (EM)
Anni
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Bokashi geeignet für mein Vorhaben?

Beitrag von Anni » Mi 5. Dez 2012, 19:15

Moin moin zusammen,

ich bin schon eine Weile am überlegen, zusätzliche zur Wurmfarm, mir einen Bokashieimer zuzulegen, für alles was die Judels besser nicht fressen sollten oder mögen.
Ich habe bisher nirgends so recht rauslesen können, ob es überhaupt Dinge gibt, die nicht in den Bokashi dürfen. Konkret würde ich dort solche Abfälle wie Zwiebeln, Lauch, etc. Käserinde :? , vielleicht mal das ein oder andere vertrocknete Blatt einer Zimmerpflanze reintun. Gerne würde ich da auch mal Überreste der Mahlzeiten rein tun, also "fertige Gerichte". Eine bunt gemischte Reis- oder Nudelpfanne fällt bei den Würmern ja weg wegen Gewürze etc., aber verarbeitet ein Bokashi das?

Sollte das alles kein Problem sein, kommt die nächste Frage: :?:
Ich lese immer davon, dass man den Eimer in relativ kurzer Zeit voll hat und dann eben ca 3 Wochen stehen lässt. Da ja nun aber der Großteil der Abfälle in der Wurmfarm landet, bleibt für den Bokashi wohl eher wenig über und er wird sich entsprechend langsam füllen. Wie wirkt sich das auf die Prozesse innen drin aus?

Und wenn auch das kein Problem darstellen sollte, die nächste Frage: :oops:
Wie lange kann man den vollen Bokashi lagern? Also ohne ihn mit Erde zu vermischen? Oder ist das gar nicht zu empfehlen und man muss ihn ab einem bestimmten Zeitpunkt immer "ernten"?

Und weil ich grade so schön im Fragenrausch bin gleich noch eine: :)=
Ich habe das bisher nun so verstanden, dass der Bokashi am Ende ja noch sehr strukturreich ist, man liest oft Sauerkraut. Hat man dann beim Vermischen mit Erde lauter "Klumpen" in der Erde oder gar eine halbe Zwiebel oder zersetzt sich das doch so weit, dass man später nicht mehr erkennt was mal rein getan wurde und das untergemischt dann gar nicht mehr zu spühren bzw. sehen ist?

LG
Anni
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Re: Bokashi geeignet für mein Vorhaben?

Beitrag von Kurt Walter Lau » Mi 5. Dez 2012, 21:01

Hallo Anni,
ich würde keine Fleisch- und Wurstreste, Knochen, Därme, Häute usw., also tierische "Abfall"-Produkte, in den Bokashieimer geben. Der fermentative Ablauf durch die Effektiven Mikroorganismen ist ein anderer als bei vegetarischen Materialien. Außerdem hätten beispielsweise Ratten im Garten ihre Freude daran. Alles Pflanzliche ist grundsätzlich erlaubt und erwünscht, ob roh, leicht angegammelt ohne Schimmelbefall und natürlich auch gekocht, geschmort, fritiert, gebraten usw. Salziges, gewürztes, saures, scharfes, sogar sehr scharfes Essenresteallerlei stellt überhaupt gar kein Problem dar. Die Mikros auf und in den Bokashiflocken "lieben" die Abwechslung in der "Küche".

Die Mikros "freuen" sich auch schon über weniger Futter, so lange das Material gut zusammengepresst und gewissenhaft per Deckel vor allzu viel Luftsauerstoff verschont bleibt. Besser ist es natürlich, den Eimer zügig zu füllen und diesen Mikrokulturen-Bio-Brutreaktor dann ein paar Wochen warm und in Ruhe zu halten.

Das fertige Eimerbokashi kann man, wenn sich nicht aus Unachtsamkeit an irgend einer Stelle Schimmel gebildet haben sollte (schlechte Durchmischung mit den Flocken, zu viel Luftsauerstoff, zu kalt gestellt), für viele Monate schadlos anaerob stehen lassen und dann immer noch mit guten bis sehr gutem Erfolg verwenden. Ich habe in meinem Versuchslabor solche Eimer schon drei Jahre stehen gehabt.

Wie schon betont, ist das Durchmischen
a) der Küchenabfälle mit den Bokashiflocken und
b) des fertigen Küchen- oder Eimerbokashis mit Erde sehr wichtig für den Erolg auf dem Beet.

Zünftige Gartenfreunde mischen natürlich mit der Hand, manche auch ohne "Einmal"-Handschuhe oder mit einem geeigneten Handwerkzeug. Der eine oder andere Klumpen in den Pflanzreihen stellt aber grundsätzlich auch kein Problem dar.

Die Struktur ist nach der Fermentation im Kücheneimer noch gut zu erkennen, aber sobald das Material, vier oder fünf Tage gut mit Erde vermischt und abgedeckt (!), in den Pflanzreihen oder -Löchern verweilt hat, kann man kaum noch etwas erkennen. Das Edaphon (Gesamtheit des Bodenlebens), allen voran unsere "Untermieter" die geschätzten Regenwürmer, haben dann alles transformiert und für die Kulturpflanzen "lecker" aufbereitet.

Tut es einfach! :)

Mit mikrobiellen Grüßen,
Kurt Walter
Anni
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Re: Bokashi geeignet für mein Vorhaben?

Beitrag von Anni » Mi 5. Dez 2012, 21:39

Danke für die ausführliche Antwort! (danke)

Hmm, ich bin wegen der Fleischreste noch unsicher. Eigentlich wird doch grade damit so viel für Bokashi geworben. Da solche Reste nur sehr selten bei uns anfallen ist es jetzt aber nicht besonders wichtig.

Ich habe ja leider keinen Garten, nur Balkon mit entsprechenden Kästen und Kübeln. Zur Mischung mit Erde würde ich einfach eine große Wanne auf den Balkon oder in den Keller stellen. Muss die dann abgedeckt werden?

Jetzt frag ich mich, ob ich dann in Wurmkompost und Bokashi untergehe,da ich ja nur begrenzten Platz auf dem Balkon habe um das ganze zu verwerten. Aber wenn die Lagerung kein Problem ist. :)

Aber ich werde wohl erst im Frühjahr mit dem Erstversuch starten, dann kann der Emer nach draußen und ich kann erstmal die Geruchsbelästigung austesten.

LG
Anni
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Re: Bokashi geeignet für mein Vorhaben?

Beitrag von hobbygaertner » Do 6. Dez 2012, 22:54

Hallo Anni,

ich persönlich kann Dir empfehlen, auch Fleischreste - also wirklich alles, was in der Küche anfällt - mit in den Bokashi-Eimer zu geben. Allerdings solltest Du dann unbedingt beachten, nicht nur das, was Du nicht den Würmern direkt geben magst, sondern einen ausgeglichenen Mix in den Bokashi-Eimer zu geben. Ich will es 'mal so sagen: entweder, oder. Nicht selektiv das Eine Denen, das Andere den Anderen. Dann funktioniert es.

Zu Deiner Frage: Ja, Du hast auch später genau die Teile zu 'verbuddeln', die Du in den Bokashi-Eimer gibst. Also auch halbe Zwiebeln. Und - nicht zu vernachlässigen - reine Knochen - wenn Du alles aus der Küche in den Eimer gibst. (ich hole sie vorab per Sieb heraus und ziehe sie durch die Knochenmühle) Es ist schlicht ein gänzlich anderer Prozeß. Die Würmer mit ihren Mikros verarbeiten das Material. Sie wandeln es vollständig, weil sie es verdauen. Die "EMn" verwandeln nur bestimmte Inhaltsstoffe. (der einfachste und noch für fast jeden verständliche Fall ist Sauerkraut, darum wird es so oft angeführt; aber auch Hefen haben ihren Anteil (über den 'Umweg' Alkohol), die Grundstruktur der Zellen aber bleibt weitestgehend erhalten. Du hast in dem Endprodukt bspw. Enzyme und andere 'Vitalstoffe', die sonst nie dort 'entstehen' würden, aber an der Grundstruktur des Materials wird, wie gesagt, sehr wenig verändert. Es "verrottet" nicht, es wandelt sich. Das ist ein Vorteil des Bokashis, aber - was die Erwartung betrifft - auch ein Nachteil.

Nochmals:
zu Deiner ersten Frage: genau so verfahre ich - erfolgreich *

zu Deiner zweiten Frage: hat Herr Lau schon beantwortet. Und ergänzend: ich würde nicht selektieren zwischen Würmern und EMn. Entweder, oder. Aber, selbst wenn Du nur gelegentlich nachfüllst: bei einem entsprechenden Verfahren - sprich Luftabschluß! - ganz ganz wichtig - kannst Du auch nach Wochen "nachfüllen".

zu Deiner dritten Frage: Herr Lau hat geantwortet. Zum Thema "vererden" - nehmt das bitte nicht so genau! Ich schreibe in den nächsten Tagen dazu noch meine Meinung/Erfahrung. Was oben steht, paßt schon.

zu Deiner vierten Frage: ja, das Bokashi ist genau so, wie Du es versenkt hast (es hat nur eine andere Farbe und riecht anders - angenehmer...). Du siehst jedes Blatt, jede Zimmerpflanze, jedes Teil. Daher empfehle ich (obwohl es sehr sehr anstrengend und idealistisch ist) das Zerkleinern der Abfälle vor dem Versenken im Bokashi-Eimer. Das lohnt sich! Gerade, wenn man keinen Garten hat, sondern das Zeugs später nur für den Balkon oder gar die Zimmertpflanzen braucht. Ist eine Erfahrung.

Viele liebe Grüße erstmal
Hobbygaertner

* Edit: (gerade gelesen): Käserinde geht aber 'mal garnicht - das ist Sonderabfall!
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Re: Bokashi geeignet für mein Vorhaben?

Beitrag von Nelfine » Mo 2. Feb 2015, 12:10

Inwiefern soll Käserinde sonderabfall sein? :?
Ich würde das nicht so verallgemeinern. Parrafin und Wachs würde ich nicht zu Sondermüll zählen, das einzige was ich zu bedenken hätte wären die Konservierungsstoffe die in manchen Fällen aufgetragen ist. Zusätzlich ist zu unterscheiden ob die Rede von "Normalem Käse" und "Bio Käse" ist. Ich denke Bio-Käserinde ist im Bokashi unbedenklich. :)

liebe Grüße
Nelfine
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Re: Bokashi geeignet für mein Vorhaben?

Beitrag von Sabienchen » Mi 11. Feb 2015, 11:28

Das mit der Käserinde verstehe ich auch nicht. Ist doch völlig organisch... :?
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Re: Bokashi geeignet für mein Vorhaben?

Beitrag von Pfiffikus » Mi 11. Feb 2015, 12:38

Sabienchen hat geschrieben:Das mit der Käserinde verstehe ich auch nicht. Ist doch völlig organisch... :?
Völlig organisch - das ist erstmal noch kein Synonym für "ungiftig".

Andererseits sehe ich das Wort "Sonderabfall" als eine maßlose Übertreibung an, wenn es auf Käserinde bezogen wird.


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der allenfalls das Problem der angelockten Nagetiere als Gefahr ansehen würde
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Re: Bokashi geeignet für mein Vorhaben?

Beitrag von dynamind » Fr 13. Feb 2015, 00:34

Stört das Salz in Speiseresten nicht später im Kompost und vor allem auch die Würmer?
Das wird von den Mikroorganismen doch auch eher nicht umgewandelt, oder doch?
Irgendwann wird es natürlich ausgespült...
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Re: Bokashi geeignet für mein Vorhaben?

Beitrag von Pfiffikus » Fr 13. Feb 2015, 14:34

dynamind hat geschrieben:Stört das Salz in Speiseresten nicht später im Kompost und vor allem auch die Würmer?
Das ist vor allem eine Frage der Konzentration. Sofern zwischen den anderen Speiseresten ein wenig gesalzene Käserinde ist, dürfte es nur schwach konzentriert sein.

Würdest Du (irgendwo in einer Großküche angefallene) große Mengen dieser Käserinde in einem Batzen verfüttern, würde ich diesen Persilschein nicht mehr so unterschreiben.

dynamind hat geschrieben:Das wird von den Mikroorganismen doch auch eher nicht umgewandelt, oder doch?
Eine Umwandlung erfolgt nicht.



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der den Würmern nur durch Stellen mit mit größerer Salzkonzentration den Weg versperren kann
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Re: Bokashi geeignet für mein Vorhaben?

Beitrag von Trulllla » So 24. Feb 2019, 18:46

Pfiffikus hat geschrieben:
Fr 13. Feb 2015, 14:34
dynamind hat geschrieben:Stört das Salz in Speiseresten nicht später im Kompost und vor allem auch die Würmer?
Das ist vor allem eine Frage der Konzentration. Sofern zwischen den anderen Speiseresten ein wenig gesalzene Käserinde ist, dürfte es nur schwach konzentriert sein.
Ich hätte die gleiche Frage wegen Süßem gehabt (in diesem Fall ein abgelaufenes Müsli), aber nachdem ich das hier gelesen habe denke ich, es darf wohl rein. Oder hat hier jemand was dagegen? ;)
Ich mache nämlich gerade meinen ersten "SoneArt Bokashi"-Versuch, allerdings mit Brottrunk anstatt EM.
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