Noch zu retten?

Gibt es Probleme in der Wurmfarm? Möchtest Du Deine Can-o-Worms verbessern oder Dein Wurm Cafe säubern? Hier gibt es Tips und Fragen auf häufige Antworten!
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Evelyn
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Noch zu retten?

Beitrag von Evelyn » Sa 22. Jul 2017, 07:42

Hallo liebe Community,

gleich mal ein Geständnis vorneweg: Ich hab vermutlich so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. (cry)

Fürs bessere Verständnis die Kurzfassung meiner Wurmkisten-Geschichte:
Seit Mitte Juni bin ich stolze Besitzerin einer Wurm-Holzkiste. (wt) Sie steht frei, keine direkte Sonneneinstrahlung, Raumtemperatur (bei mir in der Wohnung) zwischen 20° und 28°C.

Ich habe die Kiste nach Anleitung eingerichtet (Kokosfaser mit Wasser getränkt, mit Kartonage gemischt, Würmer dazu). Die ersten 3 Tage gab es ein paar einzelne Flüchtige unter den Würmchen. Laut Infoblatt aber normal, wegen dem "Reisestress" beim Versenden.

Und dann hab ich schon den ersten Fehler gemacht: Ich ernähre mich hauptsächlich von Obst, Gemüse und Eiern. Entsprechend viel Biomüll fällt bei mir an. Also alles auf einmal in die Kiste rein. Außerdem Haare vom Bürsten, alte (mitunter gefärbte) Eierschalen. Alles in allem wohl einfach zu viel. Jedenfalls kam der Rotteprozess nicht so recht in Schwung.

Später habe ich auch noch Galiamelonenkerne und Paprikakerne mit reingeschmissen, ohne zu bedenken, dass die ja keimen werden und außerdem scharf sind. (wall) Die gekeimten Pflänzchen darf ich jetzt immer alle einzeln ausrupfen. Die Kokosmatte, die ein Keimen eventuell verhindert hätte, ist bereits nach einer Woche aufgefressen gewesen.

Damit nicht genug. Nein, ich musste auch noch Bananenschalen und Zwiebelschalen mit reinschmeissen. Die habe ich mittlerweile wieder entfernt, nachdem ich den Infozettel nochmal zu Rate gezogen habe. Dort steht ja ausdrücklich, dass Bananenschalen nicht gut sind. Wegen dieser (entschuldigung) Drecksdinger hatte ich dann zwischenzeitlich auch noch eine Fruchtfliegenplage am Hals. Der bin ich aber dank Fruchtfliegenfallen wieder einigermaßen Herr geworden. Also verzichte ich künftig lieber auf die gelben Früchte. Da hat man nur Ärger damit. :)=

Alle 1-2 Wochen habe ich ne Hand voll Wurmfutterpalletts dazu. Zwischendurch immer wieder mal die Erde mit ner Sprühflasche angefeuchtet.

Es lief 3 Wochen auch alles einigermaßen gut. Aber seit einigen Tagen haben die Würmer wieder angefangen nachts regelmäßig abzuhauen. Das unerfreuliche Ergebnis sind in der Wohnung verteilte Wurmleichen, die man dann steif und vertrocknet am nächsten Tag aufsammeln kann.

Ich hab alles untersucht: Feuchtigkeit, pH-Wert (liegt zwischen 7 und 8), die Essensreste untermischen... Vielleicht hätte ich das nicht tun dürfen? Darf man die Erde "umrühren"? Oder schreckt das die Würmer zu sehr auf?

Mittlerweile habe ich Kokosmatten nachgekauft und die Erde wieder abgedeckt, damit sie nicht komplett austrocknet. Da die Würmer so auf Fluchtkurs sind, habe ich mir im Moment nicht anders zu helfen gewusst, als die Kiste offen zu lassen und mit Licht die Würmer in die Erde zurückzudrängen. Auch habe ich die Erde mit Wasser nochmal grundsätzlich getränkt, um sicher zu gehen, dass es wirklich nicht am Feuchtigkeitsmangel liegt. Denn seit etwa drei Tagen wollen die Würmer unbedingt weg aus der Kiste. Sobald ich das Licht ausmache, krabbeln sie hervor und wollen die Kiste verlassen.

Sonstige eventuell relevante Info:
Seit Ende Juni habe ich einen neuen Kühlschrank, der etwas stärker vibriert als der alte, was unter Umständen auch über den Boden übertragen wird. Er steht etwa 3 Meter von der Kiste entfernt im Nebenraum (Küche), ohne Tür dazwischen, ist nur eine Nische im Raum mit eingebauter Küche. Kann das die Würmer zusätzlich zur Flucht bewegen? Wenn ja, was kann ich dagegen unternehmen? Gibt es Unterlagen für die Holzkiste, die die Vibrationen vermindern? Oder für Kühlschränke?

Was sagt ihr dazu? Woran kann es in meinem Fall liegen, dass die Würmer abhauen wollen? Schimmel habe ich bisher noch nicht entdecken können. Die scharfen Paprikakerne? Muss ich die ganze Erde austauschen? Ich bin mit meinem Latein am Ende. Dabei wollte ich eine gute Wurmmama sein. :|

Ich bin froh über jede Anregung. (danke)
Rüdiger
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Re: Noch zu retten?

Beitrag von Rüdiger » Sa 22. Jul 2017, 09:43

Hallo Evelyn,

so viel machst du sicher nicht verkehrt. Ich fürchte halt nur das du zuviel reintust. Die Kiste ist ja noch nicht ausgewachsen. Die ersten zehn bis zwölf Wochen läuft die nur mit beschränkter Leistung. Vielleicht tust du da erstmal eine kleine Pause machen.

Die Vibrationen können schon einen Effekt auf die Wurmkiste haben. Der Kühlschrank brummt ja aber nicht die ganze Zeit.

Banane und Paprika kannst du unbesorgt reintun. Mit den Fruchtfliegen musst du halt gucken, dass st aber mehr ein generelles Problem. Das eingraben der Futterstoffe hilft da schon oft, die Sache etwas zu entschärfen.

Bananen füttere ich in größeren Mengen im Wurmkomposter im Garten. Das sind immer wieder überreife Bananen beim Einzelhändler im Bioabfall. Die Waschbären klauben dann nachts das Fruchtfleisch raus, aber die Schalen bleiben übrig und die Würmer fressen die gerne, da bilden sich richtige Nester unter den Schalenresten.

Freundliche Grüße
Rüdiger
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Re: Noch zu retten?

Beitrag von Evelyn » So 23. Jul 2017, 07:37

Hallo Rüdiger,

vielen Dank für deine schnelle Antwort. Und danke, dass du mir Mut machst. Jetzt hege ich die Hoffnung, dass es doch noch was wird.

Wahrscheinlich hast du recht. Ich werde den Würmchen mal eine Pause gönnen. Außerdem wohne ich direkt neben dem Wald und werde da mal einen Eimer von Waldboden mit untermischen um das Bodenleben in meiner Kiste mal etwas anzukurbeln.

Mittlerweile (ich weiß, sowas sollte man vorher machen, aber ich war schon immer ein Trial-and-Error-Mensch ^^") habe ich auch die anderen Forenbeiträge durchgelesen und mich weiter informiert. Ich vermute mal, dass ich für mehr Durchlüftung sorgen muss, sprich die Erde öfter mal etwas bewegen, damit Sauerstoff reinkommt und evtl. auch etwas beimischen, um größere Poren zu ermöglichen. Die meisten nehmen dieses Streu für Tierkäfige. Da hab ich als Zero Wastler das Problem, dass ich da nur in Plastik verpackte Ware kriegen würde. Kennt da jemand Alternativen dazu? Irgendetwas das man Müllfrei und im besten Falle kostenlos irgendwoher bekommt? Würde es auch reichen, wenn ich einfach ein paar Hand voll Sand mit untermische? Aus dem Rasenbau ist mir bekannt, dass damit für bessere Durchlüftung gesorgt werden kann. Aber Sand ist sauer. Mischt man da als Ausgleich dann Kalk mitunter?

Das mit den Bananen ist ok. Aber ich werde trotzdem keine mehr rein tun, weil ich sie einfach als Hauptschuldige für die Fruchtfliegenplage entdeckt hab.

Wegen dem Kühlschrank möcht ich ohnehin mal schaun, ob ich nicht eine Lärmreduzierende Möglichkeit finde. Abgesehen von den Bodenvibrationen stört mich das Gebrumme sowieso auch selbst.

Falls dir, lieber Rüdiger, oder auch allen anderen, die das hier lesen, noch etwas einfällt, bitte gerne schreiben. Ich freue mich wie gesagt über alle Tipps und Ideen.

Liebe Grüße,
Evelyn
Rüdiger
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Re: Noch zu retten?

Beitrag von Rüdiger » So 23. Jul 2017, 09:17

So nebenbei, vielleicht ist was mit deinem Kühlschrank auch nicht in Ordnung. Wenn der neu ist und so laut brummt, da solltest du mal prüfen ob das nicht ein Garantie bzw. Gewährleistungsfall ist. Also ich kann meinen Kühlschrank nur mit Mühe arbeiten hören.

Bitte gönne der "Truhe" etwas Ruhe, etwas Erde kannst du dann und wann zugeben aber in moderaten Mengen. Waldboden aus Nadelwäldern kann sauer sein. Sand hingegen ist neutral bis alkalisch und enthält je nach Ursprung etwas Kalk.

Strukturreiche "Futterstoffe" kostenfrei aufzutreiben ist eigentlich kein Problem. Wellpappe kann man doch an der blauen Tonne nahezu unbegrenzt beziehen. Ich achte halt im drauf das die Pappe sauber und unbedruckt ist. Wenn die Pappe stark recycelt wurde, sieht man das oft an den kleinen "bunten" Schnipseln in der Pappe. Diese meide ich auch, denn durch die globale Wertschöpfung, landen letztlich auch die ganzen Giftstoffe bei uns Müll und später im Recycling. So werden in manchen Länder Ernterückstände von Baumwolle in die Pappe gemischt und die sind sehr stark mit Schadstoffen belastet.

Deswegen verwende ich, aber auch aus Bequemlichkeit, pelletierte Hanfschäben, dass sind Produktionsrückstände und die sind in einer Papiertüte verpackt und die lässt sich weiter verwenden.

Weiterhin kannst du Feld und Flur auch nach holzigen Stauden Ausschau halten. Goldrute, Wilde Möhre, Rainfarn, Brennnessel, etc. (nicht ganz so) kleingeschnitten, ergeben doch eine gute Luftführung im Substrat. Aber auch hier lieber regelmäßig weniger dazu geben.
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Re: Noch zu retten?

Beitrag von Evelyn » So 23. Jul 2017, 17:54

Der Kühlschrank ist schon etwas älter, habe ihn von meiner Schwester übernommen. Laut ihr und ihrem Mann ist er schon immer so laut... Aber da fällt mir schon noch was ein um zumindest die Bodenvibrationen zu reduzieren. (Z. B. Korkstücke unter die Füße o. Ä. ;)

Danke für die Alternativvorschläge! Rainfarn und Goldrute wächst bei mir en masse und auch über Brennnesselmangel kann ich nicht klagen. Kartonagen die kompostierbar sind habe ich auch zu genüge. =D

Alles klar, ich werd die nächste Zeit mal die Finger von der Kiste lassen. Ab wann ist es denn ratsam, wieder Futter zu geben? Wenn alles zu Humus verarbeitet ist? Oder darf noch ein bisschen Reste zu sehen sein?
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Re: Noch zu retten?

Beitrag von Rüdiger » Mo 24. Jul 2017, 16:49

Es sollte nur noch wenig unzersetztes Material vorhanden sein. Ggf. kann man auch die Oberfläche vorsichtig umwenden um etwas Luft hinein zu bringen. Bei der Gelegenheit lässt sich gleich etwas Strukturmaterial einbringen. Dann würde ich erstmal nur ein Drittel bis maximal die Hälfte der Oberfläche dünn mit Futter belegen und beobachten um eine passende Menge zu finden, diese wird sich mit zunehmender Population in der Kiste noch weiter steigern lassen.

Die mittlere Wurmtruhe schafft "ausgewachsen" bestimmt 5 bis 6 Liter Biomasse pro Woche. Ich würde zum Wochenende beginnen mit einem Viertel der Menge wieder zu Starten und langsam zu erhöhen, bzw. zu reduzieren wenn sich zuviel noch unverwertetes Material in der Farm befindet.

In der Truhe kannst du doch in der Mitte quer eine kleine Mulde anlegen und darauf einen "Damm" mit Abfällen aufschütten. So siehst du doch am besten wie viel Futter "verschwindet".
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Re: Noch zu retten?

Beitrag von Evelyn » Di 25. Jul 2017, 16:35

Danke für den Tipp, werde ich auf jeden Fall so ausprobieren. ;)
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Re: Noch zu retten?

Beitrag von reiner unfug » So 7. Jan 2018, 22:24

Hallo Evelyn,
wenn Du ohne Plastikabfall an Holzspäne komme willst, schnapp Dir einen Eimer und besuche einen Schreiner, Tischler, Drechsler, ein Sägewerk oder eine Schule die Werkunterricht im Stundenplan hat, die geben gerne ihre Späne ab ;-)
Gruß
Reiner
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