Kompost Klos?

Fragen zu Komposthaufen? Haben Sie einen Haufen Pferdemist der entsorgt werden muss?
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Wurmmann
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Re: Kompost Klos?

Beitrag von Wurmmann »

Das klingt ja sehr interessant!
Ich habe mich vor Jahren auch schon mal ganz kurz mit dem Thema beschäftigt und meine das es da schon einige wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Thema Schadstoff vernichtung durch Würmer gibt. Diese waren durchaus positiv, WENN sie richtig angewandt wurden.
Im Herbst krame ich das mal raus und verweise darauf...
Eisbaer
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Re: Kompost Klos?

Beitrag von Eisbaer »

Dennoch wird überall recycelt. warum nicht auch auf der Komposttoilette?
Was ist der Unterschied ?? Unsere Exkremente sind nicht immer sonderlich geruchsschön - hallo schon mal im Schweinestall oder Kuhstall gewesen??? na dann .....
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Flomax
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Re: Kompost Klos?

Beitrag von Flomax »

@ Eisbär

Ganz so einfach ist die Geschichte dann doch nicht! Man kann den Umgang mit menschlichen Ausscheidungen nicht einfach am Geruch fest machen.

Menschliche Ausscheidungen sind mit weitaus mehr patogenen Keimen und coliformen Bakterien belastet wie Schweine oder Kuhfäkalien. Immerhin sind wir Allesfresser und ernähren uns immer häufiger nur von Zucker und Kohlehydraten in fast reinster Form (Mc Donalds lässt grüßen)!

Von Mist wollen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht reden, denn wir machen unser Geschäft nicht ins Stroh oder in eine ähnliche Einstreu! :-)

Bei der Komposttoilette sieht das wiederum etwas anders aus. Es gibt viele Systeme die unterschiedlich arbeiten. Das System das ich mir angeschaut habe, basiert auf einem Filter dessen Filterkuchen mit den besagten Fäkalien und mit Stroh und Holzhackschnitzel aufgebaut wird. Stroh und Holzschnitzel sorgen zum einen für den C-Gehalt der unseren Fäkalien ja gänzlich fehlt und zum anderen für Struktur und somit Luftzwischenräumen. Es findet ausschließlich aerober Abbau in dem Filter statt. Durch den Filter werden die Feststoffe zurückgehalten und kompostiert. In einer zweiten Stufe werden die durch den Filter gesickerten Flüssigkeiten behandelt. In dem konkreten Fall war das eine Sand-Schilfkläranlage. In eine mit starker Teichfolie ausgelegten Grube wird Rein- oder Quarzsand als Filtermedium gefüllt. In diesen Sand werden Schilfpflanzen eingesetzt. Durch ein Rohrsystem wird die Oberfläche mit der zu klärenden Flüssigkeit kontinuierlich berieselt. Am tiefsten Punkt des Klärtteiches sammelt sich die geklärte Flüssigkeit. Dort errichtet man einen Dom (Röhre mit Deckel) der durch den Sand bis auf die Teichfolie reicht. Dadurch ist man in der Lage die Qualität der geklärten Flüssigkeit zu kontollieren und durch eine Pumpe aus dem Dom heraus in einen Vorfluter einzuleiten.

Der Mist in der ersten Filterstufe muß irgendwann herausgenommen und entsorgt werden. Hier kommen eventuell bald unsere fleissigen Helfer zum Einsatz. Eine Nachkompostierung mittels Wurmfarm. Was danach noch an Keimen und Bakterien und sonstigen Schadstoffen im Wurmhumus vorhanden ist, das muß man dann entsprechend von einem Labor untersuchen lassen. Aber ich bin guter Dinge dass die Belastung im Wurmhumus , wenn überhaupt noch nachweisbar, auf jeden Fall sehr gering sein wird. Vielleicht sollte man damit nicht gerade die Tomaten und/oder den Salat düngen, aber für die Blumen und den Ziergarten dürfte es allemal reichen!

Aber warten wir es mal ab. Ich werde dafür auch keine klassische Wurmfarm einsetzen, sonder ein viel simpleres System.

Nach den Eisheiligen (Mitte-Ende Mai) geht hierfür meine neue Versuchreihe unter freiem Himmel in die erste Runde. Ich setzte eine Miete mit vorgerottetem "irgendwas" (in meinem Fall natürlich Kaninchenmist) einfach auf dem Naturboden auf. Dann setzte ich an einem Ende einfach ca. 3000-4000 Würmer aus meiner Indoorzucht unterstützt durch ca. 500 Exemplare von den Outdoorjungs ein, decke das ganze zwecks Schutz vor Absaufen durch Regenfälle mit einem Geotextil ab und harre der Dinge die darunter passieren werden!

Dabei interessieren mich folgende Fragestellungen:
- Wird die Wurmpopulation, ohne jeglichen Schutz von unten, die Überfälle ihrer natürlichen Fressfeinde überstehen?
- Werden sich die Würmer durch den ganzen Haufen durcharbeiten, da ihnen ja nachgesagt wird dass sie nur im Bereich zwischen 5 - 10 cm unterhalb der Oberfläche tätig sind - die Miete aber in der Mitte mindestens 50 cm Höhe haben wird!?
- Wie überwintern die Würmer in so einem "Haufen", und wie und wann und ob überhaupt es im darauffolgenden Frühjahr weiter geht?

Jetzt bin ich etwas vom Thema abgekommen, aber nur etwas - und wen meine Ausführungen gelangweilt haben, der brauch sie nicht weiter zu beachten!!!:-)

Gruß
Flomax
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Re: Kompost Klos?

Beitrag von Wurmmama »

Flomax hat geschrieben: Menschliche Ausscheidungen sind mit weitaus mehr patogenen Keimen und coliformen Bakterien belastet wie Schweine oder Kuhfäkalien. Immerhin sind wir Allesfresser und ernähren uns immer häufiger nur von Zucker und Kohlehydraten in fast reinster Form (Mc Donalds lässt grüßen)!
Wie kommst du darauf? Auch Schweine und Rinder sind - dank findiger Menschlein - nunmehr Allesfresser der schlimmsten Sorte. Das Stichwort hierbei ist Tiermehl. Fressen Schweine also Tiermehl aus einer konventionellen Fischzucht, wo natürlich auch mit Antibiotika gearbeitet wird, ist ihr Output in dieser Hinsicht nicht mit Keimen und Bakterien belastet, wohl aber - für meine Begriffe hoch - gefährlich. Darüber hinaus treten durch die konzentrierte Haltung Seuchen auf und wenn "nur" 300 Schweine in einer Mastanlage Enteritis haben, kann man sich ja ausrechnen, wieviele Milliarden Keime da zusammenkommen.
Flomax hat geschrieben: Von Mist wollen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht reden, denn wir machen unser Geschäft nicht ins Stroh oder in eine ähnliche Einstreu! :-)
Mist gehört ins Reich der "Alles ist gut" - Geschichten. In Mast- und Milchbetrieben gehts hauptsächlich um Gülle.
wurmige Grüße
Wurmmama
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Re: Kompost Klos?

Beitrag von Wurmmama »

Hier mal ein Link, ab Seite 128 gehts um Wurmkompostierung

http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?i ... 732088.pdf
wurmige Grüße
Wurmmama
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Re: Kompost Klos?

Beitrag von Eisbaer »

Hi Flomax
immer wieder toll Deine Texte zu lesen!! :D
Also Keime: ob pathogen oder nicht gibt es überall. :?
Was machst du mit Deinen Würmern im nächsten Jahr. Willst Du an der genau gleichen Stelle die Versuchsanlage wieder aufbauen ? :?:
Warum schützt DU Deine Würmer nicht vor Fressfeinden mit einem normalen Gitter auf dem Boden? :?:
Hast Du ein Lüftungsrohr eingebaut? das Ermöglicht zusätzlich Sauerstoff.
Gruß Eisbaer , der immer noch keine Tonnen hat
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Re: Kompost Klos?

Beitrag von Flomax »

@Eisbär

Danke für die Blumen - wobei ich meine Texte nicht so toll finde - orthografischerseits! :-( Ich finde im Nachhinein immer noch viele Rechtschreibfehler! :-( Aber ständig editieren mag ich auch nicht - ist ja nur ein Forum!!:-)

Die "Anlage" (eigentlich ist es ja nur ein abgedeckter Haufen) soll nicht nächstes Jahr wieder aufgebaut werden. Der Haufen soll das ganze Jahr hindurch an der selben Stelle bleiben, aber der bleibt er natürlich nicht, wenn ich vorne immer neuen Mist zugebe und hinten den Wurmhumus wegnehme, nach dem die Würmer "weiter gezogen" sind! Dann ist es, in Anlehnung an die Wüstendünen, ein "Wanderhaufen"! :-)

Gruß
Flomax, der immer noch eine Tonne übrig hat :-)
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Re: Kompost Klos?

Beitrag von Wurmbär »

Gibt es hierzu schon Neuigkeiten oder Versuche aus dem Schrebergarten?


Mir fällt dazu folgende Geschichte aus meinem Leben ein:

Sentimentale Erinnerungen .. oder .. Als ich noch klein war ….

da gab es die heute (noch) üblichen Toiletten nicht überall.
Meine Oma* :P wohnte in einem kleinen Dorf mit ca. 70 Häusern, auf einem Berg, hoch über einer Stadt und hatte bereits eine für diesen Ort sehr moderne Toilette, denn sie war nach unten hin geschlossen. Hatte man sein kleines oder großes Geschäft darauf erledigt, musste man einen Hebel nach hinten drücken, worauf sich eine Klappe öffnete und das „Geschäft“ in scheinbar unendliche Tiefen fallen ließ. Leider war es mir nie möglich, den tiefen Fall zu beobachten, da sich zwischen mir und den Fliegen, die angelockt durch das Licht aus den Tiefen der Grube nach oben flogen, ein Wettlauf entwickelte ( - es war unangenehm, wenn einem diese ins Gesicht flogen). Wobei sich der Wettlauf mit (meinem) zunehmenden Alter zu meinen Gunsten entwickelte.
Grundsätzlich war es empfehlenswert, ein größeres Geschäft zur Mittagszeit zu verrichten, denn dann waren die meisten Fliegen bei meiner Oma in der Küche und auf dem Klo ging es etwas ruhiger zu. Zur Erledigung seines Geschäftes konnte soviel Papier benutzt werden, wie man wollte, aber wehe :evil: es wurde mehr als ein halber Liter Wasser aus dem Krug benutzt… (es gab kein fließendes Wasser).

Unter dem Haus gab es eine Grube, die außerhalb des Hauses entleert werden konnte. Die breite und langgestreckte Grube war durch einen runden Dohlendeckel verschlossen und so oft ich mich auch bemühte, diesen Deckel zu öffnen, um hinter das Geheimnis der unendlichen Tiefe zu kommen … ich war zu schwach.

Zur Sommerzeit standen immer Wasser und Besen neben dem Dohlendeckel, denn wehe den Würmern, die es wagten, die Grube zu verlassen … Auch hier wurde also bereits der größte Wert auf Wurmkompostierung gelegt. :lol: Auf eventuelle Fragen, weshalb denn die Würmer da herauswollten, zog ich mir stets den Ärger meiner Oma zu … Bei Erwähnung der Garten-(auch Kompost-) und Waldwürmer jedoch ging ein Strahlen über ihr Gesicht. …

….

Anfangs war es so, dass die festen Stoffe aus der Grube regelmäßig zur Düngung des Gartens bzw. Kompostierung herausgeangelt wurden. Dies war eine Selbstverständlichkeit.
Die flüssigen Stoffe wurden zur Winterzeit mit Eispickel o.ä. gehackt und dann in gefrorenem Zustand auf die Wiesen meiner Oma gebracht. Die meisten anderen Dorfbewohner machten es ähnlich und es gab nie irgendwelche Seuchen oder Krankheiten, die darauf zurückzuführen gewesen wären.

Später wurde alles durch ein städtisches Fahrzeug entnommen/abgepumpt. Eine derartige Düngung war nicht mehr statthaft. (Vielleicht konnte sich dadurch der Kunstdünger in den Gärten durchsetzen…)

Eine Wiederentdeckung dieser (uralten) Düngung wird über kurz oder lang in neuer Form stattfinden. Da bin ich mir sicher.

Gruß
Wurmbär


*in schriftdeutscher Sprache: Großmutter
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Re: Kompost Klos?

Beitrag von KrabbelPhi »

Hallo zusammen,

Hier werden die derzeit am häufigsten verwendeteten Komposttoiletten vorgestellt, zusammen mit einem sehr umfassenden theoretischen Teil. Im Moment scheint Skandinavien auf diesem Sektor die Nase vorn zu haben.

LG Werner

P.S. Danke an Wurmbär für dieses hingebungsvolle Schwelgen in Kindheitserinnerungen.
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Wurmbär
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Re: Kompost Klos?

Beitrag von Wurmbär »

@ Werner

gern geschehen und danke für den Link ... (die meisten Toiletten sehen moderner aus als damals ... es empfiehlt sich jedoch, diese nicht bei einer Toilette ohne Außenfenster einzusetzen).

Gruß
Wurmbär

PS: der Hauptzugang war im Keller durch eine (komplett zugehängte und verbarrikatierte) Türe ...
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