Mehlwurm-Zucht

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Mehlwurm-Zucht

Beitrag von Pfiffikus » Mi 8. Mai 2019, 19:24

Hallo Leute,

wie Ihr wisst, habe ich bereits seit mehreren Jahren ein paar Kisten mit Eisenias im Keller, die ich zur Produktion von Leckerlies für meine Fische nutze. Die Würmer verputzen allerhand Abfälle und verursachen mir eigentlich keine Kosten.

Nun war ich nicht ganz mit der produzierten Menge zufrieden. Außerdem will ich gerne mal etwas Neues probieren. So habe ich mich dazu entschlossen, parallel dazu auch noch Mehlwürmer zu kultivieren. Diese fressen nicht nur Brot- und Getreideabfälle, sondern auch viele andere Abfälle aus der Küche, die ich bisher an die Kompostwürmer verfüttert habe. Nur haben die Mehlis einen entscheidenden Vorteil: Die Küchenabfälle sind bereits nach einer Woche zu einem Dünger verarbeitet, den meine Frau für die Blümchen nutzen kann. Kompostwürmer sind da viel langsamer.

Zusätzlich haben diese Tiere noch andere Vorteile.

Jetzt wollte ich Euch mal fragen, ob Euch hier im Wurmforum auch der Umgang mit Mehlwürmern interessiert. Immerhin will ich ja niemanden langweilen.


Pfiffikus,
der natürlich weiß, dass es sich hier nicht wirklich um Würmer, sondern eigentlich um Insektenlarven handelt
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Re: Mehlwurm-Zucht

Beitrag von Trulllla » Mi 8. Mai 2019, 20:00

Also lesen würde ich es gerne, aber ob ich jemals zur Mehlwurmzucht übergehe, weiß ich nicht.
Eine Woche? Das ist ja der Hammer. Aber wie stellst du sicher, dass du sie nicht im Vorratsschrank wiederfindest?
Oder willst du das und isst dann stattdessen die Mehlwürmer? Das ist ja groß im Kommen.
Wenn es gut läuft, kannst du sie auch an die Supermärkte vermarkten, wie lukrativ das ist, weiß ich allerdings nicht.
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Re: Mehlwurm-Zucht

Beitrag von Pfiffikus » Mi 8. Mai 2019, 20:20

Trulllla hat geschrieben:
Mi 8. Mai 2019, 20:00
Oder willst du das und isst dann stattdessen die Mehlwürmer? Das ist ja groß im Kommen.
So abwegig ist dieser Gedanke nicht.
Am Wochenende war hier ein Frühlingsfest. Unter den allerlei Fressbuden war auch eine, die Insekten zubereitet und zum Essen anbot. Wie zu erwarten konnte ich meine Neugier nicht bremsen. Die waren lecker! Es waren mit Sicherheit nicht die Letzten, die ich verzehrt habe.
In der Tat erwäge ich, einzelne Tiere, unter Umständen sogar alle Tiere in penibel gereinigten Gefäßen aufzuziehen und nur mit hanverlesenem, genusstauglichem Futter zu versorgen - eine Mühe, die ich mir bei den Kompostwürmern niemals geben würde. Ob diese Spezial-Sauber-Würmer dann nur für die Fische oder auch für unsere Teller genutzt werden, das wird zu gegebener Zeit noch familienintern zu klären sein.


Trulllla hat geschrieben:
Mi 8. Mai 2019, 20:00
Wenn es gut läuft, kannst du sie auch an die Supermärkte vermarkten, wie lukrativ das ist, weiß ich allerdings nicht.
Seit kurzer Zeit ist das möglich.
Bisher hatte die EU das quasi untersagt. Zulässig war nur der Verzehr von Tieren, die zuvor einer Betäubung und ordnungsgemäßen Schlachtung unterzogen wurden. Aus diesem Grunde gab es bis vor einigen Jahren nur in der Schweiz und im entfernteren Ausland solche Tiere zu essen. Inzwischen sind Insekten von dieser Regelung ausgenommen.

Ja für die besagten Würmer an der Bude - es mögen zehn oder 15 Stück gewesen sein - habe ich exorbitante 2,50€ abgedrückt!!!
Das kriege ich billiger hin, glaube ich. Auch unter den 2 Euros für die Schachtel mit eventuell 1000 Würmern werde ich wahrscheinlich drunter bleiben können, da ich meine eigene Arbeitszeit nicht mit einem Mindestlohn verrechnen muss.



Pfiffikus,
der allerdings kein Gewerbe daraus machen wird
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Re: Mehlwurm-Zucht

Beitrag von Trulllla » Mi 8. Mai 2019, 20:27

Ich habe sie schon in einem ganz normalen Supermarkt gesehen. Getrocknet, ganz oder gemahlen. als Snack. Grillen gab es auch.
Ich muss zugeben, ich bin nicht scharf drauf, aber Insekten allgemein sollen ja das Essen der Zukunft sein. Wer aus einer anderen Kultur kommt, mag es eh völlig normal finden.
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Re: Mehlwurm-Zucht

Beitrag von Pfiffikus » Fr 10. Mai 2019, 17:24

Na gut, dann gebe ich Euch hiermit mal bekannt, eine Mehlwurmfarm ist sauber, sie stinkt nicht, Mehlwürmer schreien nicht, kleben nicht, beißen nicht, stechen nicht, sind nicht eklig. Anfassen der Tiere ist für Menschen nicht das geringste Problem.
Mit anderen Worten: Wenn man saubere Gefäße verwendet, dann ist eine Mehlwurmzucht absolut Wohnzimmer- und Küchen- tauglich.

Was der Wurmfarmer wissen muss: Mehlwürmer und Mehlkäfer fressen nahezu alles, was sie zerbeißen können, einschließlich schutzlose oder schwächere Artgenossen. (Eier und Puppen dieser Käfer sind schutzlos, da sie sich nicht wehren können.) Einige Dinge sollten wir ihnen aber nicht füttern, weil sie zu matschig sind, schimmeln oder verderben könnten.
Um Mehlwürmer billig ernähren zu können, eignen sich Haferflocken und Kleie. Mehl könnte man auch nehmen, doch das wäre teurer und ist staubiger, als Kleie und Flocken. Ich habe mit im Landhandel, wo es Futter für Hühner und Karnickel gibt, zwei Kilo Kleie gekauft. Haferflocken entwende ich, wenn nötig, aus der Küche.

Wir sind also gezwungen, diese kanibalischen Tiere in den einzelnen Lebensabschnitten zu trennen. Die Stapelbox erscheint hier die Wohnung unserer Wahl zu sein.


Pfiffikus,
der mit einer kleinen 2-Euro-Schachtel Mehlwürmer aus der Zoohandlung begonnen hat
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Re: Mehlwurm-Zucht

Beitrag von Pfiffikus » Sa 11. Mai 2019, 14:40

So da hatte ich nun eine Packung Mehlwürmer gekauft, so etwa 100 Gramm. Ordentliches Gewusel war das. Als erstes hatten einige von ihnen Pech. Meine Fische durften mal probieren, ob sie Mehlwürmer mögen - ja, sie haben ihnen geschmeckt. Und genau das war eben das Glück für die anderen, in der Schachtel verbliebenen Mehlwürmer. Für die habe ich entschieden, dass sie sich alle zu fleißigen Käfern entwickeln dürfen, um mir als Elterntiere zu dienen.

Es wurde ein Plastikeimer eingerichtet, in dem der Boden mit Haferflocken bedeckt wurde. Und für ihren Flüssigkeitshaushalt wurde ihnen das obere Ende einer Gurke und eine Scheibe einer Möhre gereicht. Ein Mehlwurmparadies!


Zu meinem Erstaunen war schon nach wenigen Stunden ein Loch in die Futterstücke gefressen. Nach zwei Tagen war alles aufgefressen.
Meine Fütterungsversuche führte ich mit diversen Küchenabfällen weiter. Die Oberteile von Rettich und Möhren kommen gut bei den Mehlwürmern an. Aus dem Garten fanden die Blätter von Löwenzahn und Zitronenmelisse den Weg zu den Würmern. Und wenn in meiner Wurmfarm (Kompostwürmer) irgendwelche Keimlinge von Tomaten oder Kürbissen oder was auch immer emporkommen, sind das Leckerlies für die Mehlwürmer. Ich habe bisher keine Sachen gefunden, die verschmäht worden sind, jedoch habe ich ihnen noch keine Chilli angeboten.
Man darf allerdings von allen diesen Abfällen immer nur kleine Mengen füttern, damit sie verzehrt werden, bevor sie verderben können. In dieser Beziehung sind Mehlwürmer anspruchsvoller, als Kompostwürmer, denen auch verdorbene Pflanzenteile schmecken würden.


Für alle, die die Würmer als Futtertiere züchten wollen, ist natürlich diese Aussage besonders zu beachten:
Die selbst gezüchteten Mehlwürmer sind allemal wertvoller, als gekaufte Würmer, denn bei denen weiß man, was sie bisher fressen durften. Käufliche, kommerziell gezüchtete Würmer haben ganz sicher ihr ganzes Leben immer nur billige Abfälle wie Kleie usw. zu fressen bekommen.

Wir können unsere eigenen Mehlwürmer noch aufwerten, indem wir ihnen vor ihrer eigentlichen Verwendung nur noch vitaminreiche Pflanzenteile füttern. Dadurch lassen sich diese Vitamine mittelbar an unsere Fische oder Terrarienbewohner verabreichen.



Pfiffikus,
der sich vorgenommen hat, noch ein paar Fütterungsversuche durchzuführen
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Re: Mehlwurm-Zucht

Beitrag von Heike » So 12. Mai 2019, 20:56

Hallo Pfiffikus,

danke für Deinen Bericht! Ich bin ebenfalls sehr interessiert und habe bereits mit einer Mehlwurmzucht geliebäugelt. Ich kaufe ab und an Mehlwürmer im Zoofachhandel um sie gerade jetzt in der Brutzeit an die Gartenvögel zu verfüttern. Die gehen weg wie nix! Nach allem was ich gelesen habe ist das aber wohl auch eine recht staubige Angelegenheit, das hat mich etwas abgeschreckt. Aber mal sehen was Deine Erfahrungen sind....an die Idee mit den Würmern in der Küche musste ich mich ja auch erste gewöhnen. :-)

Herzliche Grüße und viel Freude mit den neuen Mitbewohnern, Heike
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Re: Mehlwurm-Zucht

Beitrag von Trulllla » Mo 13. Mai 2019, 09:44

Und wie vermeidet ihr den Staub? Den Behälter komplett verschließen ging ja nur, wenn man tatsächlich nur trockenes füttert, oder?
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Re: Mehlwurm-Zucht

Beitrag von Pfiffikus » Mo 13. Mai 2019, 19:33

Für mein Vorhaben musste ein geeigneter Platz gefunden werden. Die Aufstellung im Freien ist keine Option, denn da würden in den meisten Monaten des Jahres zu geringe Temperaturen herrschen. Ein zu langsamer Stoffwechsel und zu wenig Ertrag wäre die Folge gewesen.

Die meisten Räume im Keller sind nicht geheizt. Neben der Wurmzucht hätte ich dauerhaft kühle 13 bis 16 Grad, auch nicht die optimale Temperatur, die mit 23 bis 25 Grad angegeben wird.

Aber es konnte da unten ein geeigneter Raum gefunden werden, der Heizungskeller. Hier residierte bisher die Katze ganz allein und hat durch die Katzenklappe freien Ein- und Ausgang. Sie hat zwar weiterhin ihren warmen Schlafplatz auf dem Kessel. Doch es ist da noch genügend Platz für einige Plastikeimer, in denen jetzt Mehlwürmer und Käfer wohnen. Sie fühlen sich dort offenbar wohl.

Einen Versuch habe ich unternommen. Zehn Mehlwürmer wurden in einem extra Eimer umgesiedelt, der direkt auf dem handwarmen Abgasabzug des Kessels gestellt wurde. Das waren aber über 30 Grad, gemessen habe ich es nicht. Leider waren diese zehn Würmer nach wenigen Stunden tot - sehr zur Freude meiner Fische. Also übertreiben sollte man es mit der Hitze nicht.


Pfiffikus,
der froh über die Anwesenheit der Katze ist, da ich aus diesem Grunde nicht so schnell mit dem Besuch von Ratten und Mäusen rechne
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Re: Mehlwurm-Zucht

Beitrag von Pfiffikus » Di 14. Mai 2019, 22:34

Hallo Trulla,
Trulllla hat geschrieben:
Mo 13. Mai 2019, 09:44
Und wie vermeidet ihr den Staub? Den Behälter komplett verschließen ging ja nur, wenn man tatsächlich nur trockenes füttert, oder?
Das hält sich in Grenzen.

In der Tat häuten sich die Mehlwürmer hin und wieder. Die leeren Exuvien (gebrauchte Häute) sind sehr leicht und können schon von Zugluft weg gepustet werden. Doch wenn man aufpasst, passiert da wenig. Aber selbst im Wohnzimmer wäre das kaum tragisch. Kein handelsüblicher Staubsauger wäre mit diesen Fusseln überfordert, wenn man mal unvorsichtig war.
Diese Häute fallen vor allem dann an, wenn man Tiere separiert, die sich gerade von der Larve zur Puppe oder von der Puppe zum Käfer häuten. Die verfressenen Larven lassen so eine Haut nicht lange liegen - viel zu schade um die enthaltenen Nährstoffe!

Wenn Du in der Küche mit Mehl hantiert, ist das auch staubig. Aber vermeidest Du deshalb den Umgang mit Mehl? Wie auch immer - ich füttere lieber Kleie und bei den Käfern Haferflocken. Die stauben eigentlich nicht.


Ja und dann sind da noch die Ausscheidungen. Da die Würmer von mir zu großen Teilen Pflanzenteile aus dem Garten und Küchenabfälle erhalten, hat auch der Kot eine gewisse Feuchtigkeit. Den habe ich noch nicht als staubig erlebt. Mag sein, das wird staubiger, wenn die Würmer nur Trockenes bekommen würden? Keine Ahnung!


Pfiffikus,
der bei Arbeiten mit den Würmern keinen Mundschutz gegen den Staub trägt
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