Mehlwurm-Zucht

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kuno
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Re: Mehlwurm-Zucht

Beitrag von kuno »

Pfiffikus hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 22:03 Nun mal eine Begebenheit aus dem Garten. Hierher bringe ich gern die Zuchtschalen, um sie vorsichtig auszupusten. Exuvien und Spelzen werden von mir nirgends gebraucht und erweisen sich als hinderlich. Auch wenn der Mehlwurmkot abgesiebt werden muss, mache ich das im Garten, damit sich der entstehende Staub nicht im Garten verteilt.

Als die eine Schale einige Minuten so unbeaufsichtigt da stand, fand sich ein unerwarteter Gast ein.

Wespe01.jpg

Wespe02.jpg

Die Wespe verhielt sich artgerecht. Immerhin leben sie von anderen Insekten, die sie jagen. Diese Wespe lief zielgerichtet über die Schale mit Würmern, bis sie unter ihnen einen Kümmerling fand, der nicht viel dicker als 1mm war. Dieser wurde zielgerichtet gebissen. Es kam zu einer kurzen Balgerei, möglicherweise wurde der Stachel eingesetzt. Am Ende wurde der kleine Mehlwurm durch die Luft abtransportiert und mutmaßlich von den Schwestern verzehrt.
Nach wenigen Minuten erschien sie wieder und holte sich das nächste Tier ab.


Meine Fische erhalten nicht nur Pellets, sondern auch Lebendfutter.

Futter03.jpg


Links ist die Ernte dieses Tages aus der Mehlwurmfarm zu sehen, die Puppen, die nicht das Zuchtmaß von 18mm erreicht haben. An diesem Tag hatte meine Frau einen Blumenkasten geleert und diese Engerlinge gefunden. Es versteht sich von selbst, dass die nicht einfach so entsorgt wurden, sondern im Teich baden durften.


Pfiffikus,
der seinen Lieblingen damit eine Freude gemacht hat
Es Könnte sich um die Larven/Puppen des Rosenkäfers gehandelt haben, ein sehr schöner Käfer.
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Honeymaus03
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Re: Mehlwurm-Zucht

Beitrag von Honeymaus03 »

hallo Pfiffikus,

dein, bisher ! 26 ! seiten umfassendes, mehlwurm-tagebuch habe ich gerne gelesen. zu keinem zeitpunkt wurde es langweilig.
an dieser stelle ein fettes dankeschön für deine mühe und ausdauer, mit der du hier berichtet hast. (gut)

schon länger denke ich darüber nach, auch mal heuschrecken u. mehlwürmer zu probieren - allein schon wg dem oft erwähnten nussigen geschmack. doch um diese tierleins selbst zu züchten habe ich nicht wirklich den nerv, noch einen geeigneten platz dafür. werde mir dann doch wohl mal so nen cookie auf nem fest gönnen. bei kaufland gabs mal nen aufsteller mit verschiedenen insekten- u. gewürms-leckerlies für menschen. doch als ich den preis für so ne nur wenige gramm fassende packung gesehen hab (20 g keks mit nur 1% insekt darin für ca. 7 eus), dacht ich orschwerbleede (irre) u. habe mir den kauf verkniffen.

nun zurück zu deinem äußerst interessanten tagebuch:
da der letzte beitrag von dir im dezember war, frage ich mich wies weiterging. (fühlt sich iwie gerade so an, wie ein superspannender film, der mittendrin aufgehört hat u. man nicht weis wann/ob es eine fortsetztung gibt)

es muss ja nicht unbedingt so ausführlich, wie bisher sein.
jedoch würde mich freuen zu lesen, wenn über besondere vorkommnisse (egal ob positiv oder negativ) kuz berichtet werden würde.
auch wenn du "nur" noch einen kurzen "abschluss" (so habe ich es nun endgültigt eingerichtet, weil es so am ertragreichsten ist) schreiben würdest...

ein schönes WE wünscht
die Honeymaus

p.s.: bitte nicht als kritik auffassen; ich find das thema/tagebuch nur so ultra spannend/lehrreich) :)
es grüßt ganz lieb die
Honeymaus

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Pfiffikus
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Re: Mehlwurm-Zucht

Beitrag von Pfiffikus »

Hallo Honeymouse,
Honeymaus03 hat geschrieben: Sa 11. Nov 2023, 12:43schon länger denke ich darüber nach, auch mal heuschrecken u. mehlwürmer zu probieren - allein schon wg dem oft erwähnten nussigen geschmack. doch um diese tierleins selbst zu züchten habe ich nicht wirklich den nerv, noch einen geeigneten platz dafür.
das ist doch heute kein Hinderungsgrund mehr. Die Farmen gibt es doch inzwischen schon küchentauglich. Brauchst nur wenig Platz zwischen Toaster und Mikrowelle.

https://www.youtube.com/watch?v=Rl8EK6LvlCI



nun zurück zu deinem äußerst interessanten tagebuch:
da der letzte beitrag von dir im dezember war, frage ich mich wies weiterging. (fühlt sich iwie gerade so an, wie ein superspannender film, der mittendrin aufgehört hat u. man nicht weis wann/ob es eine fortsetztung gibt)
Herzliches Dankeschön für dieses Feedback. Dann hat es sich wohl gelohnt.

Nun ja, weitere 30 Seiten zu schreiben wäre gewiss langweilig geworden, denn es fallen täglich und wöchentlich dieselben Arbeiten an: Puppen absammeln und selektieren, Gemüse füttern und die frischen Käfer umsetzen. Alle zwei bis drei Wochen werden die Käfer von ihren Kindern getrennt usw.
Die Leser hätten wohl kaum alle zwei Wochen erfahren wollen, dass wieder einmal eine Siebung durchgeführt worden ist.

jedoch würde mich freuen zu lesen, wenn über besondere vorkommnisse (egal ob positiv oder negativ) kuz berichtet werden würde.
Ehrlich gesagt hat meine Experimentierfreude gewaltig nachgelassen, wie Du richtig bemerkt hast. Wie man die Siebungen durchführt, ohne den Keller voll zu stauben, habe ich schon beschrieben.

Einzige Neuigkeit: Die Evolution schreitet voran und wird von mir weiter vorangetrieben. Einziges Selektionskriterium ist in dieser Population die Größe. Nur die größten Puppen dürfen sich zu Käfern entwickeln, der Rest wird bestimmungsgemäß zu Fischfutter. So kann man schon mit bloßem Auge sehen, dass sich in meiner Schale wesentlich größere Mehlwürmer befinden, als man sie zu kaufen bekommt. Und ich habe auch schon sehr große Puppen gehabt.
Seit dem 1. November dürfen nur noch Puppen zu Käfern werden, die am Tag nach der Verpuppung ein Mindestmaß von 21mm erreichen.

Inzwischen habe ich mich mal mit einem studierten Biologen unterhalten. Dieser meinte, dass man diese Evolution nicht beliebig weit führen könne - in den Genen sei eine gewisse Grenze verankert. Naja, wir werden ja sehen - ich sehe noch keine Grenze.


Pfiffikus,
der Euch ansonsten nicht weiter langweilen will
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Honeymaus03
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Re: Mehlwurm-Zucht

Beitrag von Honeymaus03 »

vielen dank, Pfiffikus, für deine aufschlussreiche antwort.

ja, kann ich verstehen. du hast uns ausführlich mind. 1 kompletten zyklus, auch bildhaft, sehr schön dargebracht.
mit besondere vorkommnisse meinte ich nicht experimente, sondern falls dir (während des normalen laufenden "betriebes") etwas erwähnenswertes auffallen sollte.
könnte ja sein, daß jmd erst mit der mehlwurmzucht angefangen hat u. dein tagebuch als sowas wie ne kleine fibel ansieht - wer weis?
sollte ich mich mal doch für eine solche zucht entscheiden, würde ich dieses tagebuch auch nochmal lesen!
es grüßt ganz lieb die
Honeymaus

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Re: Mehlwurm-Zucht

Beitrag von Pfiffikus »

Nun, es gibt doch wiieder mal etwas Neues zu berichten, nämlich über ein Schnäppchen, das meine Frau im Netz ergattert hat: ein handlicher Staubsauger. Leider nicht bestimmungsgemäß zu gebrauchen. Ich habe mal versucht, Sand von den Fußmatten des Autos zu saugen, doch das Ding war zu schwach! ---> Rumpelkammer!

Habe das Gerät aber vorerst noch vor dem Recycling bewahrt. Ich verwende es ab sofort, um die Exuvien von den einzelnen Schalen abzusaugen. Was im Auto das Todschlagkriterium war, entpuppt sich bei der Mehlwurmzucht als Feature. Ich habe mit dem Gerät bisher noch keinen Mehlwurm aufgesaugt, sondern er schafft gerade so, die Exuvien abzusaugen, wenn sie nicht gerade zwischen zwei Würmern eingeklemmt sind.

Sauger1.jpg
Sauger2.jpg

Ich muss nun nicht mehr mit den Schalen in den Garten gehen, um die Dinger abzupusten (und oft genug meine Kleidung damit einzustauben), sondern kann regelmäßig absaugen. Kleie und Würmer bleiben liegen.


Pfiffikus,
der jetzt noch überlegt, wie man die nun anfallenden großen Mengen von relativ reinem Chitin nutzbringend verwerten oder vermarkten kann
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Re: Mehlwurm-Zucht

Beitrag von Pfiffikus »

Bekanntlich setze ich meine Mehlwürmer einem starken Selektionsdruck nach der Größe aus. An dieser Stelle möchte ich Euch das Resultat auch einmal bildlich zeigen.

Groeszenvergleich.jpg

Links oben seht Ihr eine Puppe in üblicher Größe. Wenn man aus der nächstbesten Tierhandlung Mehlwürmer als Futtertiere erwirbt und diese verpuppen lässt (so habe ich damals begonnen), dann entstehen Puppen dieser Größe.

Man sieht deutlich den Unterschied zu den anderen Puppen, die üblicherweise bei mir zu finden sind. Ich hatte schon Exemplare, die 24mm lang waren. Auch die Larven, die ich zum Vergleich mit in den Becher gelegt habe, könnt Ihr ja mal mit handelsüblichen Larven vergleichen.
Derzeit könnte ich mein Selektionskriterium auf 22mm erhöhen. Ich werde allerdings noch einige Wochen bei 21mm bleiben, weil ich die Anzahl der Käfer in meiner Liebesschale etwas vergrößern möchte.

Ich meine, da geht noch was. Mein Ziel ist es, dieselbe Größe zu erhalten, wie sie damals von Lena beim ESC als Requisit verwendet worden ist.
larvOhlarv.jpg



Pfiffikus,
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Re: Mehlwurm-Zucht

Beitrag von kuno »

Interessant, Deine Züchtung nach Größe.

Viel Erfolg wünsch ich Dir und dass es den Kois mundet.

Jörg
der das sehr interessant findet
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Re: Mehlwurm-Zucht

Beitrag von Pfiffikus »

kuno hat geschrieben: Sa 16. Dez 2023, 16:13 Interessant, Deine Züchtung nach Größe.
Interessant ist es zweifellos, aber es wird gefährlich - vorerst nur für missgebildete Käfer. Es kommt nicht selten vor, dass beim Schlupf der Käfer aus der Puppe etwas schief geht. Zum Beispiel können sich die Flügel und die Flügeldecken nicht ordentlich entfalten. Solche Tiere haben bei mir immer eine Chance bekommen. Sie durften zu den normal entwickelten Käfern. Ich ging davon aus, dass die Genitalien nicht von der Missbildung betroffen sind und sie deshalb ebenso wie die anderen für Nachwuchs sorgen können. Nun ja, theoretisch mag das ja richtig sein....


Praktisch habe ich neulich diese Szene beobachten müssen.

Kan1.jpg
Kan2.jpg
Kan3.jpg

Die Neuen dienten also weniger als Sexualpartner, sondern vielmehr als Proteinspender für alt eingesessene Käfer. Wer aufmerksam hin sieht, wird bemerken, dass unten in der Eierpackung noch ein weiterer Kandidat auf seine Verwendung wartet.

Wenn die Käfer noch größer werden, könnte es passieren, dass sie mal einen Happen von meinen Fingern schnappen wollen?


Pfiffikus,
der vorerst noch keine Angst, sondern nur etwas mehr Respekt vor den heran gezüchteten Monstern hat
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Re: Mehlwurm-Zucht

Beitrag von kuno »

Ja, interessant.

Laut Wikipedia neigen sowohl Mehlwürmer als auch die adulten Käfer zu Kannibalismus

https://www.tierforum.de/threads/71633/ https://de.wikipedia.org/wiki/Mehlk%C3%A4fer

Hat vermutlich auch nichts mit Futterangebot usw. zu tun, sondern scheint evolutionär bei der Spezis verankert zu sein.

Vermutlich haben bei den Vorfahren öfter mal bei schlechten Bedingungen nur die überlebt, die an ihre "Kumpels" rangegangen sind und so hat sich das vermutlich vererbt.

Ist aber nur eine Hypothese von mir, muss also nicht unbedingt stimmen.

wurmige Grüße Jörg
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Re: Mehlwurm-Zucht

Beitrag von Pfiffikus »

Ja, dass diese Art gern mal kannibalisiert, ist allgemein bekannt. Aus diesem Grunde sollte man ja die Puppen am besten täglich von den Larven absammeln. Ebenso muss man die fast fertig entwickelten Puppen konsequent von den schon fertigen Käfern trennen. Das geht mit verschiedensten Konstruktionen sogar automatisch.

Neu war mir der mangelnde Respekt der fertigen Käfer untereinander. Und dass die betroffenen Tiere keinerlei Flucht- oder Abwehrreaktion gezeigt haben. Bei Larven und Puppen habe ich beobachtet, dass sie zu zucken beginnen, wenn sie irgendwie angeknabbert oder belästigt werden. Dieser halbe Käfer hat die Attacke gelangweilt ertragen. Es scheint zu stimmen, dass Insekten keinen Schmerz empfinden können.

Darüber hinaus war ich sehr erstaunt, dass die angefressenen Käfer trotz fehlenden Hinterleibes noch eine Weile weiter leben und krabbeln können.


Pfiffikus,
der davon ausgeht, dass nur für kurze Zeit weiter leben können, da ihnen die Verdauungsorgane abhanden gekommen sind
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