Laubkompost

Fragen zu Komposthaufen? Haben Sie einen Haufen Pferdemist der entsorgt werden muss?
Pfiffikus
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Re: Laubkompost

Beitrag von Pfiffikus » Di 7. Jan 2020, 23:08

So, da bin ich wieder.
freestyle hat geschrieben:
Do 2. Jan 2020, 12:18
Urin und Gülle sind nun mal nicht das Gleiche.
Urin egal ob von Mensch oder Tier kannst du gut lagern, ohne das dabei groß was passiert.
Urin, Kot, Stroh = Gülle gemischt kannst du nicht mit reinen Urin vergleichen.
das ist mir nichts Neues, obgleich Du hier das Wasser vergessen hast.
freestyle hat geschrieben:
Do 2. Jan 2020, 12:18
Gülle setzt vornehmlich vier Gase frei: Kohlenstoffdioxid , Methan , Ammoniak und Schwefelwasserstoff. Urin dageben nur Ammoniak und Kohlendioxid.
Und in der letzten Zeit ist zu beobachten, dass die Gülle eine Nachbehandlung in Biogasanlagen erhält, wobei sich das Methan als sehr nützlich heraus stellt.

freestyle hat geschrieben:
Do 2. Jan 2020, 12:18
Ein Problem ist nun einmal, dass immer mehr als die erforderliche Menge ausgebracht wird. Wie soll man deiner Meinung nach mit der zu großen Menge Gülle machen - hier bleibst du leider eine Antwort schuldig. Dieses Teil des Gülleproblems kann man nicht ignorieren.

Also müssen andere Lösungen her, die den Boden nicht in diesem Ausmaß schädigen.
Hier irrst Du.
Da bleibe ich nichts schuldig. Zwei Lösungen habe ich bereits mehrfach hier im Forum gepostet. Ich wollte nicht langweilen. Weil es hier gewünscht wurde und weil es gut passt, schreibe ich es dann doch noch einmal.
  1. Verbot des Pflanzenanbaus rein zu energiewirtschaftlichen Zwecken. Vor allem denke ich dabei an den Mais, der allein zur Verwertung in Biogasanlagen angebaut wird. Wenn mehr Futtermittel für Rind und Schwein in Deutschland angebaut wird, dann wird hier auch mehr Dünger gebraucht und muss weniger Protein aus Süd- und Nordamerika eingeführt werden. Allein diese Maßnahme würde zu einer Reduktion des Gülleüberschusses führen.
    Was wäre gegen einen Kreislauf
    Kuh --> Gülle --> Mais --> Futter --> Kuh --> Gülle --> Mais --> Futter --> Kuh --> Gülle --> Mais --> Futter --> ...
    einzuwenden? Warum sollte er unterbrochen werden, in dem man auf die Ausbringung von Gülle verzichtet?
  2. Klärung der Gülle einschließlich Denitrifikation
    Auch in Großstädten fallen wesentlich mehr Fäkalien an, als in den städtischen Grünanlagen verwertet werden könnten. Aus naheliegenden Gründen unterbleibt eine solche Verwertung vollständig. Aber in Städten finden wir Kläranlagen mit Denitrifikationsbecken. Und in der hiesigen Anlage wird schon seit Jahren Phospor aus dem Abwasser isoliert, so dass ein sehr sauberes Wasser in den Fluss abgelassen wird.

    Prinzipiell wäre es möglich, eine ähnliche Anlage neben jedem Stall zu platzieren, nur müsste eine solche Vorschrift europaweit gelten. Ansonsten würde es hiesige Landwirte ruinieren, während in den Supermärkten herkömmlich produziertes Fleisch und Geflügel aus Ungarn und Polen läge.

Das habe ich schon vor geraumer Zeit hier ins Forum geschrieben, doch es kam nicht gut an.
Pfiffikus hat geschrieben:
Sa 28. Jul 2018, 22:18
Hallo Eberhard,

prinzipiell stimme ich Dir zu, dass Gülle lieber durch Mikroben verarbeitet werden sollte, statt im Übermaß als Dünger eingesetzt zu werden. Der Einsatz von Gülle als Naturdünger in der von den Pflanzen benötigten Menge ist allerdings in jedem Falle zu begrüßen!

Forschungen sind dazu kaum noch erforderlich. Die Denitrifikation ist heute schon Stand der Technik und wird in modernen Kläranlagen eingesetzt, damit unser kommunales Abwasser nicht mit zu hohen Nitratwerten in den Vorfluter eingeleitet wird. Diese Methode hat nur einen kleinen Haken: Sie ist den Landwirten zu teuer.


Wenn wir gegen die massenweise Gülleverklappung argumentieren, müssen wir aber ehrlich bleiben, sonst machen wir uns unglaubwürdig.

...
...
...

Wenn die Nitratbelastung im Grundwasser dauerhaft gesenkt werden soll, so würde das langfristig nur gelingen können, wenn weniger Futtermittel (zum Beispiel proteinreiches Soja) aus Südamerika importiert wird, sondern die hier gehaltenen Tiere mit Futter versorgt werden, welches hier in Deutschland gewachsen ist. Dann könnte es wieder gelingen, so wie früher einen Stickstoffkreislauf zu installieren und zu schließen. Der Einsatz von Gülle in dem Maße, in dem die Feldfrüchte den Nährstoff benötigen, ist nur zu begrüßen!

Und die Denitrifikation von Gülle ist eine zweite Möglichkeit, Nitrat in signifikanten Mengen zu entsorgen.

Pfiffikus,
der hier keine Alternative schuldig blieb
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Re: Laubkompost

Beitrag von Pfiffikus » Mi 8. Jan 2020, 00:08

Glück Auf Eberhard!
Eberhard hat geschrieben:
Do 2. Jan 2020, 13:45
Nun, bei Klischees, die das Max-Planck-Institut verbreitet, reagiere ich zumindest nicht mit Totalignoranz: Feinstaub tötet
=> AMMONIAK aus Gülle verbindet sich in der Luft mit anderen Stoffen und bildet Feinstaubpartikel. Dieser Feinstaub macht (selbst in Berlin Stadtmitte) über 45 % der Gesamt-Feinstaubbelastung aus und verursacht über 15.000 Todesfälle jährlich. Der Feinstaub aus dem Verkehr macht weniger als die Hälfte aus und verursacht „nur“ 7.000 Todesfälle
Als Laie kann ich solche Zahlen selbstredend weder selber zweifelsfrei belegen noch in irgendeiner Form glaubhaft widerlegen. Man könnte es aber für möglich halten und in Handlungen berücksichtigen.
Einverstanden. Reden wir nicht mehr über die Nitratbelastung, reden wir auch mal über den Feinstaub.

Auch dieser WDR-Beitrag redet über Feinstaub und bietet dabei Klischees, die in den Achtzigern des vergangenen Jahrhunderts noch aktuell gewesen sein mögen.
"Neben dem Verkehr gehören Industrie und Kraftwerke zu den Killern in Sachen Feinstaub. Egal, ob Metallindustrie, Chemiewerke, große Raffinerien oder Kohlekraftwerke. Sie alle pusten Ruß und Abgase, aber auch giftige Schwermetalle wie Quecksilber, Blei und Arsen in die Luft."
Illustriert wird das mit Bildern, die Großkraftwerke mit riesigen weißen Wolken aus Wasserdampf zeigen. Von Ruß, der typischerweise schwarz ist, keine Spur! Können sie auch nicht zeigen. Denn die Rußfahnen, die ich persönlich noch aus früheren Jahrzehnten aus Schloten kommen sah, gehören in Deutschland längst der Vergangenheit an.
Erst neulich hatte ich Gelegenheit, ein Kraftwerk mal von innen anzusehen. Das Abgas wird da gewaschen, um es von diversen Schadstoffen, auch Stäuben, zu reinigen. Anders lassen sich die deutschen Grenzwerte gar nicht mehr erreichen!
Und nachdem ich diesen Teil des Videoclips gesehen habe und mir einen Eindruck über die Qualität der Recherche dieser Journalisten machen konnte, kam ja der Teil, der die Landwirtschaft betraf. Klar, es wurde wieder die Betonung auf Massentierhaltung gelegt. Als ob die Menge des Ammoniaks kleiner wäre, wenn dieselbe Fleischmenge in kleineren Ställen dezentral erzeugt würde???

Wenn mir schon der Vorwurf gemacht wurde, ich würde Alternativen schuldig bleiben, so gilt das für diesen Videoclip auf jeden Fall. Aber man konnte wieder mal einige Sendeminuten füllen.

Leider befindet sich kein Link zum MPI im Beitrag, so dass man keine Chance hat, die Studie des Institutes direkt einzusehen. Leider liegt uns nur dieser Verriss durch diese Videomacher vor.


Besser ist dasselbe Thema in einem anderen Clip verarbeitet worden, der darunter verlinkt war. Bei 1:15 ist vom "großflächigen und massenhaftem Düngen mit Gülle" heißt es da. (Angemessenes Düngen scheint hier OK zu sein.) Und es werden noch andere Ausbringungsarten zwechs Feinstaubvermeidung genannt. Man sieht, der WDR kann es auch besser.


Weiter: Vorgang, Wirkung und Auswirkungen des Faulens sollte man versuchen zu erfassen. Eine Kuh kann sehr wohl und klar unterscheiden, ob man ihr frisches Gras, getrocknetes Gras (Heu), fermentiertes Gras (Silage) oder faulende Pampe vorsetzt.
Wohl niemand wird einer Kuh Gülle vorsetzen!

Wer isst den faulenden Apfel, wo doch da noch wertvolle Nährstoffe drin sind?
Na die Bewohner unserer Kisten.

Kot und Urin sind recht unterschiedlich und werden schon mal getrennt ausgeschieden.
Zumindestens bei Menschen und den Säugern, die wir zur Fleischproduktion nutzen, ist das so. Bei Hühnern eher nicht.
Aber diese Exkremente werden nicht aus dem Grunde getrennt ausgeschieden, damit sie der Landwirt besser verarbeiten kann. Das hatte in der Evolution andere Ursachen.

Eine "Lagerung" wird man dann auch nicht vorzugsweise in Kannistern vornehmen, sondern den Urin möglichst zeitnah in Laub (um mal wieder am Thementitel zu kratzen), Stroh, Holz u.ä. (+ Pflanzenkohle) binden. Dort ist man schon geruchsmäßig auf einem ganz anderen Level, ein eingeleiteter Rotteprozess hat dann auch seine Wirkungen.
Ließe sich das auch in modernen Ställen realisieren? Ließe sich überhaupt Kot und Urin der Nutztiere getrennt erfassen? Bei Hühnern, Wachteln und Puten keinesfalls. Bei Schweinen, Schafen und Rindern bin ich an dieser Stelle überfragt.


weniger Belastung des Boden und des Bodenlebens, weniger Überdüngung und weniger Nährstoffauswaschung und damit Belastung des Grundwassers
Hat man so etwas schon geäußert, wenn man ein Mehr an Kompost oder Wurmhumus ausbringt? (=> gebundene Nährstoffe)
Oder macht man nicht eher Tests, ob man da nicht ohne zusätzliche Erde auskommt?
...
Kompost kann man einfach lagern. Man kann ihn auch in der vegetationsfreien Zeit ausbringen. Es ist zwar wenig sinnvoll, Nährstoffe dann auszubringen, wenn die Abnehmer Pause machen. Düngen würde man besser in das beginnende Wachstum hinein.
Aber entsorungstechnisch fände das Verstreuen von Kompost auch im Januar ziemlich sicher eine nicht so zahlreiche Kritikergemeinde.
An dieser Stelle gebe ich Dir hundertprozent Recht. Für den Kleingärtner auf jeden Fall!
Aber siehst Du eine Möglichkeit, die Exkremente in modernen Ställen getrennt zu erfassen, um sie zu Kompost zu verarbeiten?



Pfiffikus,
der in dieser Art der Verwertung noch keine praktikable Alternative für die Landwirte sieht
Eberhard
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Re: Laubkompost

Beitrag von Eberhard » Mi 8. Jan 2020, 15:36

Vorab: Wenn immer nur undifferenziert von Gülle gesprochen wird als wäre das etwas Gleichbleibendes wie eine Kochsalzlösung, was man dann lagern und so wie es bleibt ausbringen kann und nur Mengenbetrachtungen unterliegt, ist das sachlich und fachlich derart Schmalspur, dass man sich alle aufbauenden Erklärungen einfach schenken kann.
Wenn man sich nur eine biologische Kleinkläranlage betrachtet, resultiert deren wirkende Biologie primär nur aus den Darmbakterien, die über den Kot hineingelangen. Biologie steht hier verkürzt für LEBEN, da passiert etwas Laufendes. Da sind Prozesse im Gange. In der kleinen Wurmfarm macht man sich da riesig Gedanken, in einem größeren Topf dann kaum noch. Ist das intellektuell überzeugend?

Die Brühe in der Kleinkläranlage muss regelmäßig belüftet werden, damit die Anlage "läuft". Fällt die Sauerstoffzufuhr aus, kippen die Prozesse in ein Faulen. Das ist nicht nur ungewollt und ungesund, das riecht man auch schon. Das ist im ganz großen Topf Güllebecken auch nicht anders. Also statt neben jedem Stall ein Klärwerk zu bauen (bei deutscher gründlicher Bürokratie auch neben dem mit 6 Kaninchen bestückten Stall oder dem Meerschweinchengehege, ganz sicher dann auch regelmäßig TÜV- und amtsüberwacht), kann man doch anfangen, naturnäher und mit absolut bekannten Maßnahmen Prozesse zu lenken.

Gülle = Stickstoff = Nitrat ?
Erst Nitrat wird ja denitrifiziert, unter bestimmten Umständen. Im Urin und dann auch in Jauche/Gülle hat man erst einmal Harnstoff und Eiweißverbindungen, daraus dann Ammoniak bzw. Ammonium, daraus wird dann erst über Nitrit Nitrat gebildet. Man sollte schon betrachten, auf welcher Stufe eines Prozesses man steht, oder? Wenn meine Gülle mit ganz bestimmter Geruchsnote stinkt, bei Lagerung und bei Ausbringung nach ggf. Monaten, redet man da von Nitrat oder immer noch von Ammoniak? Oder vereinfachend von Stickstoff, der ja auch etwa vier Fünftel unserer Atemluft ausmacht und in jener Erscheinungsform neutral ist?
Sowie zur Wiederholung: Die Reduzierung der Gülle auf nur Stickstoff (+ P + K) ist ja fachlich auch sehr falsch.

Ein Rückblick auf die "Gottgegebenheit": Alwin Seifert schreibt in seinem Buch "Gärtnern, Ackern ohne Gift", erschienen 1971, meine Ausgabe ist von 1991 (237-250T), in der er eigene Erlebnisse und Erfahrungen aus 40 Jahren niederlegt:
Nun aber kommt Güllewirtschaft überallhin als neueste Mode, jedoch als Zwangsmethode ... "Schwemmentmistung" ist heute Trumpf; der Staat bezuschußt Stallneubauten nur, wenn Schwemmentmistung eingerichtet wird, wenn also der Mist durch Wasser in die Güllegrube gespült wird, in der er nicht verrottet, sondern verfault.

Viel schwieriger ist es noch, mit "Gülle" richtig umzugehen. Gülle ist Stalljauche, in die der ohne Einstreu gewonnene Stallmist hineingerührt ist. Die Güllewirtschaft stammt aus der Schweiz und ist stark verbreitet worden im bayrischen Allgäu, weil man mit ihr im gebirgigen Gelände Mist und Jauche mit Schlauchleitungen sehr einfach über das Grünland ausbringen kann. Einseitige Übertreibung hat vor etwa 35 Jahren in der Schweiz zu großen Sorgen geführt, weil immer weniger Käse I. Klasse ausgeführt werden konnte. Allzu primitive Form der Anwendung brachte im Allgäu weite Verbreitung der Tuberkulose, auch in der Bevölkerung; das Allgäu hatte den geringsten Anteil wehrtauglicher junger Männer in ganz Bayern! Die Güllegruben lagen als hölzerne Beschlächte im Stall selbst unter dem Mistgang (1923 sogar noch im Musterbetrieb "Spitalhof" in Kempten). Das Vieh stand unter Ammoniakdunst, es konnte nicht gesund sein.


Bewusstseinserweiternd, so ein Blick in die jüngere Geschichte ...?
Ließe sich überhaupt Kot und Urin der Nutztiere getrennt erfassen?
Früher kannte der Bauer (der mit der Mistgabel) Misthaufen und Jauchegrube. Der Mist auf dem Haufen war zwar mehr oder weniger uringetränkt, aber er stand nicht unter Wasser und somit unter Luftabschluss. In der Jauchegrube war dann nur Jauche, das war mengenmäßig eine ganz andere kleinere Nummer.
Gibt es das modern? Just vorgestern habe ich auf einem größerem Feld riesige Misthaufen (für sich) gesehen, in Anbetracht der Weiträumigkeit des Feldes, auf dem er verteilt werden soll, war es dann nicht sehr viel.
Aus eingeweihten Kreisen (man kann auch mit Bauern reden, nicht nur über sie) weiß ich, dass solche Feldhaufen nur mit abgelagertem Mist (älter als 6 Monate) errichtet werden dürfen. Breitverteilt wird das dann erst im Frühjahr im Rahmen der Feldbestellung. Das ist dann schon Naturdünger.
Wobei: Mit etwas Zugabe von normaler Erde (Alwin Seifert spricht von etwa 1:20 bis 1:30) könnte man die Ablagerung auch in gewünschte Rotte bringen.
Vor einem Vierteljahr habe ich übrigens auch schon gefrevelt und mich an den Resten eines gleichartigen Misthaufens, der vor über einem Jahr in meiner Schubkarrenreichweite errichtet wurde und wo mir der Bagger, der durchaus sauber gearbeitet hat, einige Reste übrig gelassen hat, bedient. Hier aber als Zumischung zu meinem Kompost.
Vom daran involvierten Milchkuhstall weiß ich, dass er vor etwa 15 Jahren abgebrannt ist und neu aufgebaut wurde und somit einer gewissen Moderne entsprechen dürfte.

Wenn man aber die Gülle schon hat, was in Schweineställen wahrscheinlicher sein wird, kann man wie schon mehrfach geäußert ebenfalls eine Kompostierung einleiten anstatt des Dahinfaulenlassens. Siehe auch Güllebehandlung durch Pflanzenkohle
Allerdings sollte sich auch die Politik mit angeschlossener Wissenschaft dafür interessieren - was derzeit nicht der Fall ist. Diese gibt ab 2020 eine neue Ausbringtechnik vor, für die Landwirte erheblich investieren müssen. Dieser gleichen Politik ist es aber egal, was da ausgebracht wird, egal, ob faule Pampe, Flüssigkompost oder das Filtrat aus dem stalleigenen Klärwerk. Investitionen in die letzten beiden Bereiche wären hauseigenes zusätzliches Hobby, auch finanztechnisch, und entheben selbstredend nicht von der Ausführung nach Düngemittelverordnung.
Verbot des Pflanzenanbaus rein zu energiewirtschaftlichen Zwecken ...
in der letzten Zeit ist zu beobachten, dass die Gülle eine Nachbehandlung in Biogasanlagen erhält
Die Brühe aus einer Biogasanlage ist nicht weniger problematisch als jene aus dem Güllebecken. Etwas Labor inklusive Mikrobiologie (=> Stichwort "Qualität der Recherche") wäre angemessen. Im Prinzip fault es da auch und es wird Methan abgezogen.

Wenn man sich Stimmen von Landwirten anhört, kommen da auch solche Argumente (denen ich mich nicht ignorierend verschließen kann):
1) Biogasanlage: BIO ist immer gut, regenerative Energie ist super.
Und: Biogasanlagen wurden und werden gefördert, in einem Rahmen, der es auch wirtschaftlich erst interessant macht, Feldfrüchte rein für die Biogasanlage anzubauen und somit einem Nahrungskreislauf zu entziehen. Durch die wirtschaftliche Attraktivität kann man auch höhere Pachten bezahlen (60% der Nutzfläche sind gepachtet), es findet eine Verdrängung der herkömmlichen Bauern statt, wobei die geliebteren kleineren Betriebe mehr betroffen sind. Hallo Biobauer! Wie fühlst Du Dich?
Jetzt verbiete mal, was Du kräftig förderst! Und sprich allgemein verständlich darüber.

2) Der Viehbestand in Deutschland wächst nicht, er fällt. Es sollen sogar weniger Großvieheinheiten (GVE) pro Einwohner sein als zu Zeiten des ersten Weltkrieges. Es wird allerdings mit weniger Vieh viel mehr Fleisch erzeugt. Das publizierte und gefühlte "immer mehr" wäre also differenzierter zu betrachten.
Weniger Vieh würde auch heißen, dass deren Ausscheidungen nicht unendlich gestiegen sind. Man kann aber damit arbeiten und mit Wasser ein "sehr viel" und "viel problematisch" erzeugen.

3) Die Nitratbelastung im Grundwasser ist eventuell eine andere, niedrigere, als man gemeinhin glauben mag.
In Deutschland gibt es weniger Messstellen als in solchen Flächenländern wie Dänemark oder Belgien. Dafür sind jene besonders in kritischen Gebieten angesiedelt, nach deutschem Sinn für Gefahrenabwehr. Ein Durchschnitt daraus bewirkt andere Schlussfolgerungen als ein solcher mit einer normalverteilten Messstellenverteilung.
Mit Video: Das deutsche Nitratmessnetz

4) Real hat man in der Vergangenheit eine Entlastung beim Nitratproblem festgestellt (von welchem Niveau siehe 3)). Die Nitratbelastung stieg aber signifikant dort wieder an, wo verstärkt Biogasanlagen in Betrieb genommen wurden. Die Wohltat für die Umwelt wird zur Umweltbelastung?

Schwarz oder weiß? Etwas verbieten, etwas fördern, vom Schreibtisch aus mit gehörig Ideologie und geglaubtem Sachverstand, womöglich kräftig geschoben von finanzkräftigen Interessengemeinschaften, verstärkt durch Medien, die gerne nur abschreiben und das dann noch bruchstückweise und sinnentfremdet (Beispiel: Spinat enthält sehr viel Eisen) ...
... der hier keine Alternative schuldig blieb ...
So spricht einer, der sich auskennt. Oder glaubt, dass er sich auskennt.

Ich selber bin im kreativen Zweifel, auch wenn Zweifel anstrengender ist als Glaube.
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
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Re: Laubkompost

Beitrag von Eberhard » Di 14. Jan 2020, 13:39

Bezugnehmend auf den Thementitel hier noch einige Informationen von Gerald Dunst, der als Fachmann mit praktischer Anwendung einen sehr guten Ruf genießt: Kompostierung
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
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Re: Laubkompost

Beitrag von freestyle » Di 14. Jan 2020, 21:28

Danke Eberhard - Gerald Dunst kenne ich, aber das Video kannte ich noch nicht. Ein zweites Update wurde übrigens eben hochgeladen. :-)

Hmm, gegossen haben ich meine Haufen zwischendurch schon mal. Etwas irritiert hat mich die Menge an "Sonstigen" die er in die Haufen gebracht hat. Rasenschnitt habe ich eingebracht, aber riesige Mengen hatte ich nicht mehr. Kaffeesatz hatte ich reichlich. Pflanzenkohle & Urgestein in geringer Menge.


Gruß
freestyle
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Re: Laubkompost

Beitrag von Eberhard » Di 14. Jan 2020, 22:50

Meine Erfahrung ist auch, dass Kompostmaterialien recht oft einseitig anfallen und man für ein Mischen nebenbei eine große Lagerhaltung braucht. Dazu bin ich Sammler und nehme Nachbarn Verschiedenstes ab, aber was da und wann das kommt, kann ich nicht planen, und es wird unterschiedlich sein.
Wenn ich wiederum Material zu lagern habe, fange ich doch schon mit der Kompostierung an und lasse die Zeit für mich arbeiten. So wird mein Komposthaufen nicht einmalig komplett neu gesetzt, sondern wächst nachschubbedingt von flach nach hoch. Gibt es Materialnachschub, wird das oberflächlich eingemischt, außerdem kann ich da passende Lagerbestände abbauen und einmischen. Insofern bin ich auch bewusst und gewünscht weg von Heißrotte, auch mit der Zielrichtung, den Pilzanteil im Kompost wie dann auch am Bodenleben zu erhöhen.

Urgesteinsmehl setze ich praktisch auch nicht mehr ein. Das kommt bei mir und meinen Nachbarn nicht als Ressource vor. Als Ersatz für Mineralik verwende ich Holzasche und Erde verschiedenster Form. Solche Erde ist dann durchaus der Aushub von da, wo Hausmauern wegen Trockenlegungsarbeiten freigelegt wurden, also praktisch Dreck. Manchmal auch Maulwurfshaufen von der Wiese. Nährstoffmäßig muss ich den Kompost nicht pimpen, da vertraue ich darauf, dass meine Abfallstoffe genug mitbringen.
Laut erfolgter Bodenprobe ist mein Garten überversorgt mit den gängigen Nährstoffen (ohne Messung von N). Da lege ich also nicht Wert auf "Düngung", sondern Wert auf Erhöhung des Dauerhumusgehaltes (=> Schwarzerde) und in jedem Fall auf ein vielfältigstes Bodenleben, weil diese auch die Nährstoffe binden und pflanzengerecht zurückgeben können.

Ich will also sagen: Persönliche Voraussetzungen, persönliche Zielsetzungen, das Umfeld, all das beeinflusst auch, was man selber am besten macht. Ich halte mehr davon, Wirkprinzipien zu verstehen und entsprechend eigener Gegebenheiten kreativ anzuwenden statt nur stur Rezepte abzuarbeiten.
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
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Re: Laubkompost

Beitrag von freestyle » Mi 15. Jan 2020, 22:41

Ich habe die Möglichkeit über Foodsharing regelmäßig aussortiertes Obst und Gemüse zu bekommen. Die wären für einen weitern Abnehmer dankbar. (es gibt bereits einige Landwirte etc) Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob dies wirklich möchte. Vielfalt wäre nicht immer gegeben und "Kirschen picken" ist nicht gewollt.
Vier Komposthaufen ständen zur Verfügung (Laubkompost nicht gezählt). Ob genug andere Komponenten vorhanden wären bezweifle ich.

Gruß
freestyle
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Re: Laubkompost

Beitrag von Eberhard » Do 16. Jan 2020, 12:56

regelmäßig aussortiertes Obst und Gemüse
Ein quasi kontinuierlicher Nachschub bietet einem die Möglichkeit, sich ein Rezept zu stricken.

Wenn auch aussortiert, ist solches Obst und Gemüse hinsichtlich Rotte noch frisch. Da darf man höhere Stickstoffwerte und viel Wasser erwarten.
Technisch würde ich zuerst sinnvoll zerkleinern (im Außenbereich verwende ich da gerne einen Hackstock und ein leichtes Beil), damit nicht Fäulnisinseln entstehen können. Dazu dann C-lastiges Strukturmaterial (Altlaub, Stroh, Heckenschnitt, Holzspäne bis -häcksel, Altgras u.v.a.) zur Einregulierung des C/N-Verhältnisses sowie für die innere Belüftung. Dazu etwas Mineralik und die üblichen kleinen Zutaten zur Bereicherung.
Damit hat man dann auch eine Vorstellung, was man sich für ein Mischen parallel vorhalten muss.
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
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Re: Laubkompost

Beitrag von freestyle » So 19. Jan 2020, 22:45

Gerade bei den C-lastigen Materialen bin ich mir nicht sicher, ob ich ausreichende Menge bekomme.
Holzhäcksel dürfte kein Problem sein. Nachbarn wollen demnächst einges fällen lassen (Fichte & Buche) da habe ich Bedarf angemeldet. Ungeschreddertes Laub habe ich auch noch. Alles andere eher in kleinen Mengen.

Ich werde mit den FS Leuten im Frühjahr sprechen, dies ist ein besserer Zeitpunkt zum Starten. Definitiv möchte ich kein exotisches Obst kompostieren. Da habe ich einfach kein gutes Gefühl bei.

Gruß
freestyle
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Re: Laubkompost

Beitrag von Eberhard » Mo 20. Jan 2020, 18:51

Holzhäcksel dürfte kein Problem sein
Dort sollte man aber auch die richtige Anwendung finden. Holz braucht deutlich länger für eine Rotte als angewelkte Salatblätter & Co., um so mehr, wenn da auch kompakteres und frischeres Holz dabei ist. Buche ist Hartholz, Fichte ist harzig, da darf man Zeithorizonte von zwei Jahren und deutlich mehr haben. Ich habe in den vergangenen 5 Jahren p.a. viel Fichtenreisig in die Kompostierung geführt, teilweise in der Nähe des zweistelligen Kubikmeter-Bereichs (nach Häckseln).

Das Problem, was sich auftun kann: Wenn ein Teil des Kompost längst vererdet und totalverwendet ist, ist da immer noch reichlich Holzanteil übrig. Holz braucht für seine Rotte Stickstoff. Im Boden werden die Rottebakterien sich den verfügbaren Stickstoff greifen und diesen einer Pflanzennutzung entziehen. Daneben braucht der Prozess Wasser, auch das könnte den Pflanzen im Zweifelsfall fehlen.
Also: In einem Wirtschaftsgarten, wo man "nebenbei" auch seine Erträge haben möchte, müsste man etwas zurückhaltender in der Menge sein, nur oberflächlich einbringen und am besten mit Stickstoff und Wasser nachversorgen. Sich einfach mehr Zeit geben ist auch immer richtig.

Also nach Möglichkeit nicht nur auf Holzhäcksel orientieren, sondern eben schauen nach Stroh (dürfte schwierig sein), Altlaub, altem Gras, Heckenschnitt, Heu, was nicht mehr futtertauglich ist u.ä.
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
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