Verwertung von Plastik

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Trulllla
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Verwertung von Plastik

Beitrag von Trulllla » Mi 5. Feb 2020, 09:49

Weil es in einem anderen Beitrag schon mal Thema war:
Hier ein interessanter Kurzbeitrag der Tagesschau zum Thema Recycling von Plastik bzw. thermische Verwertung (ab Min. 1)
https://www.tagesschau.de/faktenfinder/ ... o-101.html
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Pfiffikus
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Re: Verwertung von Plastik

Beitrag von Pfiffikus » Mi 5. Feb 2020, 16:27

Trulllla hat geschrieben:
Mi 5. Feb 2020, 09:49
Hier ein interessanter Kurzbeitrag der Tagesschau zum Thema Recycling von Plastik bzw. thermische Verwertung
schon klar, in der entsprechenden Zielgruppe wird dieser Beitrag wohlwollend aufgesogen und Beifall genießen. Doch was bleibt, wenn man sich aus dieser Blase heraus begibt, von diesem Kinderniveau abhebt und die einzelnen Sätze hinterfragt?


Beginnen wir mal ganz am Ende. Mitten im Halbsatz ist der Beitrag zu Ende. Die Dame verschweigt die Alternative. Der Baumwollbeutel etwa? Mit dem Wissen um den ökologischen Fußabdruck von Baumwolle?
Oder Verpackungsverzicht? Es gibt ja inzwischen einige "Unverpackt"-Läden. Doch könnte das die Alternative für die Massen von Lebensmitteln sein, die in Supermärkten verkauft werden? Nun ja, Hauptsache, es wurde wieder einmal gegen Plastik gehetzt!

Von diesem Müll landet so gut wie gar nichts mehr auf Mülldeponien. Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass 99 Prozent dieses Mülls "verwertet" werden.
Stimmt ja auch. Es wird ja sogar im Beitrag mit Zahlen belegt. Aber "verwerten" heißt nichts anderes, als dass die Reststoffe noch irgendeinen Wert erzielen. Und das tun sie ja, selbst wenn die Asiaten nur wenige Euros je Tonne bezahlen.
Die Dame tut so, als ob "verwerten" und "Gleichwertig zu einem neuwertigen Rohgranulat" dasselbe wären. Ist es aber nicht und behauptet auch niemand.

60 Prozent unseres Mülls werden "energetisch verwertet". Das klingt erst mal gut - heißt aber nichts anderes als: Der Müll wird verbrannt.
Das klingt nicht nur gut, das ist auch tatsächlich gut!
Denn mit jeder Tonne Plastik, die verbrannt werden kann, wird mindestens eine Tonne Kohle eingespart, die nicht aus der Erde gebaggert werden muss.

Allerdings gibt es hier viele Nachteile: Erstens kann diese Energie nur einmal gewonnen werden. Zweitens wird dabei viel Kohlendioxid ausgestoßen.
Die macht gerne Witze! Natürlich kann die Energie nur einmal gewonnen werden. Energieerhaltungssatz eben. Diese Bannalität wird hier nur in reißerischer Absicht erwähnt. Einen Nachrichtenwert hat sie eigentlich nicht.

Und der andere Witz: Würde der Zement im Zementwerk mit Kohle oder Erdgas erhitzt (wäre ihr das lieber?), dann würde wohl weniger CO² entstehen?

Drittens müssen die Giftstoffe, die bei der Verbrennung von Plastik unweigerlich entstehen, aufwändig aus dem Qualm gefiltert und die danach hochgiftigen Filteranlagen in Untertagedeponien eingelagert werden.
Richtig ist, dass die Abgase in Müllverbrennungsanlagen gewaschen werden müssen, um die Feinstaubanteile einschließlich der darin enthaltenen Schwermetalle nicht in die Luft zu blasen. In modernen Kohlekraftwerken wird dasselbe gemacht. Doch auch das ist doch wieder nur eine Nebelkerze!

Wenn in einer Müllverbrennungsanlage Gifte in den Abgasen sind, dann kommen die natürlich nicht von der Verbrennung der normalen Plastiktüte aus PE, kaum vom Johgurtbecher oder solchen Plastikverpackungen. Denn da sind ja garnicht so viele Schwermetalle drin enthalten. (Sonst wären sie nicht lebensmittelecht!) Vielmehr wird dort nicht nur Plastik verbrannt, sondern in großen Mengen auch anderer Hausmüll mit allem möglichen Zeug, was die Leute in die schwarze Tonne werfen. Die Sprecherin begeht hier eine infame Unterstellung, wenn sie den Ursprung dieser Giftstoffe in den Plastikverpackungen sucht.

Die roten Kullern, die in dem Clip verbuddelt werden, die kommen aus anderen Abfällen als unseren Verpackungen. Spontan fallen mir die Polster, Armaturen und anderen Plastikgegenstände ein, die beim Recycling eines Autos anfallen. Natürlich landen die in der Müllverbrennung. Natürlich lassen sich daraus keine neuen Polster oder Armaturenbretter herstellen. Natürlich sind in diesen Teilen auch Flammschutzmittel drin, die nicht ohne Schwermetalle auskommen. Fraglich bleibt mir jetzt nur, womit sie diese ganzen Kunststoffartikel ersetzen will, wenn sie am Ende des Clips das ganze Plastik zur Seite schiebt. Welche Recycelbaren Alternativen hätte sie denn?

Sicherlich das Gegenteil von dem, was wir unter Recycling verstehen.
Die soll das nicht durcheinander verschwurbeln! Es wird versprochen, dass die Reststoffe "verwertet" werden und das werden sie tatsächlich. Aber diesen Unterschied erwähnte ich bereits.

Am Ende werden aus den 5,2 Millionen Tonnen Kunststoffabfällen nur 0,9 Millionen Tonnen Rezyklat - also recyceltes Plastik. Das entspricht rund 17 Prozent.
Und an dieser Stelle fehlt mir der Respekt vor den Leuten in der Abfallwirtschaft, die es schaffen, aus einem Gemisch von 100000 Sorten verschiedener Kuststoffe, die in bunter Mischung in den gelben Tonnen landen, sogar 17% wieder zu recyceln.



Ich schrieb es schon einmal und wiederhole es gerne noch öfters. Bis 2017 war Plastik eine wunderbare, preiswerte, hygienische Alternative zu Papier- und Pappe, mit der man den Wald schonen konnte, weil weniger Bäume für die Zelluloseproduktion gefällt werden mussten.
Seit Anfang 2018 gab es zwei Veränderungen. Einerseits hat sich der Hauptabnehmer China entschlossen, keinen Plastikmüll aus Europa mehr zu importieren. Und andererseits wurden die Wälder durch Trockenheit und Borkenkäfer massiv geschädigt, dass im Moment ein Überangebot an Holz auf dem Markt ist. Also wird seit Mitte 2018 so gegen das Plastik gehetzt und die Papiertüte ist wieder eine salonfähige Alternative. Zum Beispiel in diesem Clip.
(Ich kenne sowas noch aus DDR-Zeiten. Als die Vogelgrippe oder so eine Seuche ein paar KIM-Eierlegefabriken erfasst hatte, da durfte der Fernsehkoch auch keine Rezepte mit Eierspeisen vorstellen.)


Pfiffikus,
der erkennt, dass mit in den Jahren nicht viel geändert hat
Eberhard
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Re: Verwertung von Plastik

Beitrag von Eberhard » Mi 5. Feb 2020, 17:17

der erkennt, dass mit in den Jahren nicht viel geändert hat
Doch, eines schon. Die Verdopplung der Menge in einem kurzen Zeitraum wird als selbstverständlich hingenommen. Statt also plakativ No zu sagen, sollte man erst einmal Verschwendungen beseitigen, bei Plastik und bei Papier und bei Lebensmitteln und bei vielem anderen.
Allerdings hängen auch an einem Erzeugen, Verkaufen und Müllzurücknehmen Arbeitsplätze dran, Wirtschaftsleistung sozusagen, von dem Verdienst der Industrie mal ganz zu schweigen. Verpackung hat ja da einen besonders guten Durchfluss.
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
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Re: Verwertung von Plastik

Beitrag von Wurmipaul » Mo 10. Feb 2020, 11:46

Pfiffikus hat geschrieben:
Mi 5. Feb 2020, 16:27
Trulllla hat geschrieben:
Mi 5. Feb 2020, 09:49
Hier ein interessanter Kurzbeitrag der Tagesschau zum Thema Recycling von Plastik bzw. thermische Verwertung
schon klar, in der entsprechenden Zielgruppe wird dieser Beitrag wohlwollend aufgesogen und Beifall genießen. Doch was bleibt, wenn man sich aus dieser Blase heraus begibt, von diesem Kinderniveau abhebt und die einzelnen Sätze hinterfragt?


Beginnen wir mal ganz am Ende. Mitten im Halbsatz ist der Beitrag zu Ende. Die Dame verschweigt die Alternative. Der Baumwollbeutel etwa? Mit dem Wissen um den ökologischen Fußabdruck von Baumwolle?
Oder Verpackungsverzicht? Es gibt ja inzwischen einige "Unverpackt"-Läden. Doch könnte das die Alternative für die Massen von Lebensmitteln sein, die in Supermärkten verkauft werden? Nun ja, Hauptsache, es wurde wieder einmal gegen Plastik gehetzt!

Von diesem Müll landet so gut wie gar nichts mehr auf Mülldeponien. Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass 99 Prozent dieses Mülls "verwertet" werden.
Stimmt ja auch. Es wird ja sogar im Beitrag mit Zahlen belegt. Aber "verwerten" heißt nichts anderes, als dass die Reststoffe noch irgendeinen Wert erzielen. Und das tun sie ja, selbst wenn die Asiaten nur wenige Euros je Tonne bezahlen.
Die Dame tut so, als ob "verwerten" und "Gleichwertig zu einem neuwertigen Rohgranulat" dasselbe wären. Ist es aber nicht und behauptet auch niemand.

60 Prozent unseres Mülls werden "energetisch verwertet". Das klingt erst mal gut - heißt aber nichts anderes als: Der Müll wird verbrannt.
Das klingt nicht nur gut, das ist auch tatsächlich gut!
Denn mit jeder Tonne Plastik, die verbrannt werden kann, wird mindestens eine Tonne Kohle eingespart, die nicht aus der Erde gebaggert werden muss.

Allerdings gibt es hier viele Nachteile: Erstens kann diese Energie nur einmal gewonnen werden. Zweitens wird dabei viel Kohlendioxid ausgestoßen.
Die macht gerne Witze! Natürlich kann die Energie nur einmal gewonnen werden. Energieerhaltungssatz eben. Diese Bannalität wird hier nur in reißerischer Absicht erwähnt. Einen Nachrichtenwert hat sie eigentlich nicht.

Und der andere Witz: Würde der Zement im Zementwerk mit Kohle oder Erdgas erhitzt (wäre ihr das lieber?), dann würde wohl weniger CO² entstehen?

Drittens müssen die Giftstoffe, die bei der Verbrennung von Plastik unweigerlich entstehen, aufwändig aus dem Qualm gefiltert und die danach hochgiftigen Filteranlagen in Untertagedeponien eingelagert werden.
Richtig ist, dass die Abgase in Müllverbrennungsanlagen gewaschen werden müssen, um die Feinstaubanteile einschließlich der darin enthaltenen Schwermetalle nicht in die Luft zu blasen. In modernen Kohlekraftwerken wird dasselbe gemacht. Doch auch das ist doch wieder nur eine Nebelkerze!

Wenn in einer Müllverbrennungsanlage Gifte in den Abgasen sind, dann kommen die natürlich nicht von der Verbrennung der normalen Plastiktüte aus PE, kaum vom Johgurtbecher oder solchen Plastikverpackungen. Denn da sind ja garnicht so viele Schwermetalle drin enthalten. (Sonst wären sie nicht lebensmittelecht!) Vielmehr wird dort nicht nur Plastik verbrannt, sondern in großen Mengen auch anderer Hausmüll mit allem möglichen Zeug, was die Leute in die schwarze Tonne werfen. Die Sprecherin begeht hier eine infame Unterstellung, wenn sie den Ursprung dieser Giftstoffe in den Plastikverpackungen sucht.

Die roten Kullern, die in dem Clip verbuddelt werden, die kommen aus anderen Abfällen als unseren Verpackungen. Spontan fallen mir die Polster, Armaturen und anderen Plastikgegenstände ein, die beim Recycling eines Autos anfallen. Natürlich landen die in der Müllverbrennung. Natürlich lassen sich daraus keine neuen Polster oder Armaturenbretter herstellen. Natürlich sind in diesen Teilen auch Flammschutzmittel drin, die nicht ohne Schwermetalle auskommen. Fraglich bleibt mir jetzt nur, womit sie diese ganzen Kunststoffartikel ersetzen will, wenn sie am Ende des Clips das ganze Plastik zur Seite schiebt. Welche Recycelbaren Alternativen hätte sie denn?

Sicherlich das Gegenteil von dem, was wir unter Recycling verstehen.
Die soll das nicht durcheinander verschwurbeln! Es wird versprochen, dass die Reststoffe "verwertet" werden und das werden sie tatsächlich. Aber diesen Unterschied erwähnte ich bereits.

Am Ende werden aus den 5,2 Millionen Tonnen Kunststoffabfällen nur 0,9 Millionen Tonnen Rezyklat - also recyceltes Plastik. Das entspricht rund 17 Prozent.
Und an dieser Stelle fehlt mir der Respekt vor den Leuten in der Abfallwirtschaft, die es schaffen, aus einem Gemisch von 100000 Sorten verschiedener Kuststoffe, die in bunter Mischung in den gelben Tonnen landen, sogar 17% wieder zu recyceln.



Ich schrieb es schon einmal und wiederhole es gerne noch öfters. Bis 2017 war Plastik eine wunderbare, preiswerte, hygienische Alternative zu Papier- und Pappe, mit der man den Wald schonen konnte, weil weniger Bäume für die Zelluloseproduktion gefällt werden mussten.
Seit Anfang 2018 gab es zwei Veränderungen. Einerseits hat sich der Hauptabnehmer China entschlossen, keinen Plastikmüll aus Europa mehr zu importieren. Und andererseits wurden die Wälder durch Trockenheit und Borkenkäfer massiv geschädigt, dass im Moment ein Überangebot an Holz auf dem Markt ist. Also wird seit Mitte 2018 so gegen das Plastik gehetzt und die Papiertüte ist wieder eine salonfähige Alternative. Zum Beispiel in diesem Clip.
(Ich kenne sowas noch aus DDR-Zeiten. Als die Vogelgrippe oder so eine Seuche ein paar KIM-Eierlegefabriken erfasst hatte, da durfte der Fernsehkoch auch keine Rezepte mit Eierspeisen vorstellen.)


Pfiffikus,
der erkennt, dass mit in den Jahren nicht viel geändert hat
Deine Gedanken sind echt gut zu dem Thema. Man uss alles hinterfragen und nicht alles was glänzt ist gold...
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