Die häufigsten Mitbewohner einer Wurmkiste und Ihre Funktion

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Zusätzlich zu den hier bereits ausführlich besprochenen Kompostwürmern und Ihrer vielen Vorteile, leben noch viele anderen Tierarten in der Wurmkiste. Die meisten davon sind erwünscht (Enchytraen, Milben, Springschwänze, etc.) andere sind unerwünscht (Fruchtfliegen / Trauermücken) und weitere können als Indikator für die Gesundheit der Wurmkiste genutzt (Enchytraen, Ameisen) werden.

Springschwänze

Springschwanz

Springschwänze sind ein wichtiger Teil der „Destruenten Familie“, als der Organismen, welche das Kompostmaterial verkleinern und teilweise fressen. Sie sind 1-3 mm groß meistens weiß, bis grau-weiß.

Die kleinen Tiere leben in fast allen Böden weltweit und zerkauen Kompostmaterial zu Humus. Damit schaden sie erwachsenen Pflanzen nicht und sind auch kein Problem in der Wurmkiste.

Sollte man dennoch die Menge an Springschwänzen reduzieren wollen, oder Springschwänze als Futtertiere ernten möchten, finden Sie hier eine Anleitung.

Ameisen

Einige Wurmfarmer haben vielleicht schon Ihre Bekanntschaft gemacht: Ameisen in der Wurmkiste. Ob nun vereinzelt oder gar in Nestern sind diese kleinen Krabbeltiere gelegentlich anzutreffen und meist keine gern gesehenen Besucher.

Wie kommen Ameisen in die Wurmkiste und wie wird man sie los?

Ameise
Ameise

Zum einen sind Ameisen eine wichtige Indikatorspezies für eine zu hohe und lang andauernde Trockenheit in der Wurmkiste. Ist es trocken, fühlen sich Ameisen wohl.

Die Kompostwürmer mögen es etwas feuchter, also mischen Sie die Wurmkiste einmal durch und befeuchten Sie das Substrat mit einer Sprühflasche wenn es krümelig wirkt. Das Substrat ist am besten zwischen krümelig und matschig.

Zum anderen werden Ameisen von (viel) süßem Obst in der Wurmkiste angelockt; denn Apfel, Pfirsich und Co. sind für sie wahre Leckerbissen.

Wurmkisten Bein
So kommt keine Ameise mehr in die Wurmkiste

Obwohl es sehr vereinzelte Berichte gibt in denen die Ameisen Wurm Kokons wegtragen, stellen sie für die Kompostwürmer (Eisenia) keine Gefahr dar. Das Hauptproblem ist, das beide Arten das gleiche Futter mögen, so dass die Ameisen Futterkonkurrenten für die Kompostwürmer darstellen.

Um Ameisen zu vermeiden stellen Sie die Wurmfarm in Dosen mit Wasser. Möchten Sie Ameisen bekämpfen, welche mit der Wurmkiste von draussen ins Haus kommen (im Winter etwa), empfehlen wir diese Köder mit natürlichem Wirkstoff.

Assel

Kellerassel

Einheimische Asseln werden zwischen 0,3 und 1 cm groß. Ihr Körper ist vom Rücken bis zum Bauch abgeplattet und besteht aus mehreren Körpergliedern, die wie ein Kettengerüst wirken. Bei Gefahr können sie sich zu einer Kugel zusammenrollen.

Asseln kommen nur dann in der Wurmkiste vor, wenn sie entweder bewusst eingeführt wurden oder wenn sie aus Versehen über Laub und Gartenabfall in die Kiste gelangen. Die kleinen Krebstiere atmen mit Kiemen, die sie beständig feucht halten müssen, daher verlassen sie die Wurmkiste innerhalb einer Wohnung nicht.

Da Asseln mit ihren kräftigen Mundwerkzeugen auch frische und zähe Pflanzenabfälle gut zerstückeln und verdauen können, sind sie für die Humusbildung hoch bedeutsam. Ihr Auftreten stellt somit kein Problem dar und kann ignoriert werden.

Milben / Raubmilben

Milben in einer Wurmfarm
Milben in einer Wurmfarm

(Horn)Milben gehören zu den häufigsten Mitbewohnern einer Wurmfarm. Größe, Färbung und Beweglichkeit können sich bei den unterschiedlichen Arten stark voneinander unterscheiden.

Sie gehören zusammen mit den Weberknechten, den echten Spinnen, den Skorpionen und einigen anderen Gruppen zur Gruppe der Spinnentiere. Daher haben sie einen zweigeteilten Körper und acht Beine. Besonders schnelle Arten der Milben sind sogenannte Raubmilben, welche sich teilweise von anderen Milben, z.B. den Spinnmilben ernähren.

Die Larven der Milben haben dagegen 6 Beine, das kann manchmal etwas zur Verwirrung führen. In der obersten Bodenschicht tragen Milben zusammen mit Springschwänzen, Asseln und Regenwürmern entscheidend zum Abbau von organischem Material bei. Auch zerfallender Holzmulm wird von einer Unmenge von Milben besiedelt. Ein Kubikdezimeter Boden kann zwischen 100 und 10.000 Milben beherbergen. Neben den Springschwänzen gehören Hornmilben und Raubmilben daher zu den individuen reichsten Bewohnern in der Wurmkiste. Horn und Raubmilben sind nicht mit den Pflanzenschädlingen Wurzelmilben zu verwechseln!

Flüchtlige Milben vertrocknen in der trockenen Luft unserer Wohnungen in kürzester Zeit. Man kann diese Winzlinge also ganz entspannt beobachten. Sollte es aufgrund von einseitigem Futter zu Situationen kommen, in denen sich die Milben sehr stark vermehren, kann man die Population reduzieren, indem man eine Scheibe Toastbrot über Nacht in die Wurmkiste legt. Am nächsten Tag wird diese dann zusammen mit den draufsitzenden Milben entsorgt. Starke Schwankungen in der Bevölkerung sind zum Beispiel direkt nach dem Starten der Wurmkiste völlig normal.


Hornmilben (auch bekannt als Raubmilben) und Wurzelmilben sind zwei verschiedene Arten von Milben, die in unterschiedlichen Umgebungen vorkommen und unterschiedliche Auswirkungen auf Pflanzen haben.

Hornmilben vs. Wurzelmilben

Hornmilben (Raubmilben):

  • Hornmilben gehören zu den Raubmilben und sind Nützlinge im Gartenbau.
  • Diese Milbenarten ernähren sich von anderen schädlichen Milben, Insekten oder deren Larven, die Pflanzen schädigen können.
  • Hornmilben können dazu beitragen, das ökologische Gleichgewicht im Garten aufrechtzuerhalten, indem sie Schädlinge natürlicherweise kontrollieren.
  • Sie sind für Pflanzen in der Regel nicht schädlich.

Wurzelmilben:

  • Wurzelmilben hingegen sind Schädlinge, die sich auf den Wurzeln von Pflanzen festsetzen.
  • Sie können Pflanzen schwächen, indem sie sich von den Nährstoffen in den Wurzeln ernähren oder Krankheiten übertragen.
  • Wurzelmilben können zu Gelbfärbung, Welken und einem allgemeinen Rückgang der Pflanzengesundheit führen.
  • Einige Arten von Wurzelmilben können schwerwiegende Schäden an Pflanzen verursachen und erfordern Maßnahmen zur Bekämpfung.

Insgesamt sind Hornmilben nützliche Organismen, die helfen können, den Befall schädlicher Insekten oder Milben zu kontrollieren. Wurzelmilben hingegen sind Schädlinge, die direkt die Wurzeln von Pflanzen angreifen und ernsthafte Schäden verursachen können. Bei der Pflege von Pflanzen ist es wichtig, zwischen Nützlingen und Schädlingen zu unterscheiden, um angemessene Maßnahmen zur Erhaltung der Pflanzengesundheit zu ergreifen.

Enchytraen

Enchytraen

Enchytraen sind sehr kleine Würmchen mit einer Körperlänge von 0,5 – 3 cm. Sie sind weiß bis hellgelb gefärbt und wesentlich dünner als Kompostwürmer, sodass sie sich deutlich von diesen unterscheiden. Auch sie ernähren sich von abgestorbener Materie, bevorzugen jedoch ein eher saures Milieu. Enchytraen sind zu schwach um sich selbst Gänge im Boden zu Bohren.

Wenn sich in Ihrer Wurmkiste wirklich sehr viele Enchytraen einfinden, ist das Substrat zu sauer. Hier können Sie Abhilfe schaffen, indem Sie Kalk oder Mineralmischungen (Mineral Futter) zugeben.

Enchytraen werden übrigens oft als Futtertiere für die Aquaristik und Terraristik gezüchtet. Dies ist auch in einer Wurmkiste möglich, wenn spezielles Futter eingesetzt wird.

Trauerfliegen

Trauerfliegen gehören zur Gattung der Mücken. Sie werden bis zu 7 mm groß und sind dunkel gefärbt mit einem schlanken Körper. Ihre Flügel sind charakteristisch dunkel, deren die Mittelader sich glockenförmig aufteilt. In eine Wurmfarm kommen sie meist über Blumenerde und können sich von dort aus in der ganzen Wohnung ausbreiten. In der Wurmfarm erfüllen sie keine sinnvolle Funktion.

Am einfachsten wird man die Plagegeister mit Neemöl oder Nematoden wieder los. Auch Gelbtafeln können helfen, bei einem akuten Befall die Plage einzudämmen. Bitte vermeiden Sie Erde aus unbekannter Quelle (Baumarkt, Gärtnereien) in die Wurmkiste zu geben.

Fruchtfliegen

Fruchtfliege

Die kleinen Fliegen können schnell mal zur Plage werden. Sie können schon mal vorkommen (auch in einer Wurmfarm), sind aber leicht zu beseitigen. Fruchtfliegen kommen bereits in der Schale von Obst in die Wurmfarm und sind somit schwer zu vermeiden.

Es gibt aber ein paar Möglichkeiten das Risiko einer Invasion sehr zu reduzieren. Die beste Waffe im Kampf gegen die Fruchtfliegen ist die Hanfmatte, der Gelbstecker und die Fruchtfliegen Falle (mehr dazu in diesem Beitrag).

Hundertfüßer/Tausendfüßer

Äußerst selten kommen im Kompost auch Hundertfüßer vor, die zu der Familie der Tausendfüßer gehören. Sie haben jedoch längere Fühler und Beine als die Tausendfüßer und können zudem sehr schnell rennen, womit sie sich ebenfalls von den langsamen Tausendfüßer unterscheidet.

Hundertfüßer leben räuberisch und schnappen sich hin und wieder auch mal einen jungen Regenwurm. Dies stellt jedoch keine ernsthafte Gefahr für die gesamte Wurmbevölkerung dar und gehört in der Natur zum Lebenskreis dazu.

Ohrenkeifer

Ohrenkeifer Forficula auricularia
Ohrenkeifer Forficula auricularia

Ohrwürmer (Dermaptera) sind eine Ordnung der Insekten und gehören zu den Fluginsekten (Pterygota). Ohrwürmer bevorzugen warme Gebiete und Habitate. Sie ernähren sich von Pflanzenteilen und Bestandsabfall, einige Arten sind jedoch auch Räuber und jagen kleinere Insekten. Die Zangen werden, je nach Art, bei der Jagd auf kleine Insekten, zur Flügelentfaltung und zur Verteidigung genutzt, nicht zum Kneifen in Ohren, wie der Name Ohrkneifer suggerieren könnte.

In der Wurmkiste sind sie selten zu finden und gelten höchsten als Futterkonkurrenten. Ein Entfernen ist nicht nötig.

Kompost aus der Kiste
Kompost aus der Kiste

Möchten Sie noch mehr über Wurmkisten erfahren? Dann lesen Sie das Buch „Kompost aus der Kiste“ von Jasper Rimpau, welches bereits in der zweiten Auflage im Ulmer Verlag erschienen ist. Wer jahreszeitlich passende Information per email bevorzugt., trägt sich hie rin den Wurmpost Newsletter ein.

Bildnachweise: Wurmwelten.de, Werner David, Wikimedia

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Wurmmann

Über den Autor

Jasper hat Wurmwelten.de im Jahr 2006 gegründet. Nach einer Ausbildung im Kompostieren und einem Buch über Wurmkisten, widmet er sich in letzer Zeit neben dem Versandhandel, der Forschung über Regenwürmer und Komposttee.


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  1. "Äußerst selten kommen im Kompost auch Hundertfüßer vor"
    In meiner Wurmkiste scheinen sich die Hundertfüßer extrem wohl zu fühlen, ich habe extrem viele.
    In welche Richtung scheint mein ökologisches Gleichgewicht hier verschoben? Zu sauer, zu trocken oder zu feucht?
    Ich wüsste gerne, was ich tun kann, damit auch meine Würmer sich wieder wohler fühlen und nicht den Hundertfüßern das Feld bzw. die Kiste überlassen.

    Beste Grüße, Annina

    1. Hallo Annina,
      das Problem ist einfach zu lösen: Leg ein Brett auf das Substrat in der Wurmkiste und sammel die Hundertfüßler welche sich unter dem Brett sammeln morgens ab. Das wiederholst Du ein paarmal und schon ist Ruhe.
      Viel Erfolg!
      Jasper

  2. Hab noch einen kleinen Hinweis zu den Asseln, den Ihr vielleicht einfügen könnt. Asseln sind nicht nur im Kompost sehr nützliche Tierchen sondern "verdauen" wohl auch irgendwie Blei und Quecksilber aus dem Boden welches sie beim Fressen aufnehmen. Leider kann ich die Quelle nicht mehr nennen, aber das fand ich sehr intressant.

  3. Hallo,
    Wir hatten eine zeitlang (ohne Hanfmatte) ziemlich viele Schmetterlingsmücken, die in Schwärmen aus der Kiste flogen beim Öffnen. Absaugen mit dem Staubsauger und Hanfmatte haben das "Problem" aber schnell wieder behoben.
    Viele Grüße

    1. Wir haben zur Zeit massenhaft Schmetterlingsmücken, trotz Hanfmatte. Absaugen hilft nicht. Vor ein paar Tagen habe ich beim Absaugen in der unmittelbaren Umgebung des Wurmcafes bei über 400 aufgehört zu zählen. Was ist hier zu tun?
      Liebe Grüße

      1. Hallo Petra,
        in dem Fall würde ich die Oberfläche der Wurmkiste mit Steinmehl oder Kalk einstäuben und ein paar Wochen gar nichts mehr füttern. Schick uns aber Bilder über WhatsApp um sicherzugehen dass es sich wirklich um Schmetterlingsmücken handelt.
        Bis dann,
        Jasper

        1. Danke Jasper, für Deine Info. Habe sie gerade erst gesehen. Dachte, ich bekomme eine Info per E-Mail, wenn auf meine Frage reagiert wird. Werde die Tipps ausprobieren. Habe gegen die Larven gerade noch Neudomück Stechmückenfrei darüber gegossen. Mal sehen, ob das auch hilft.
          Ich hatte vor ein paar Wochen auch das Auffangbecken gründlich gereinigt und getrocknet. Das hat kurz geholfen.
          Wir haben unseren Wurmkompost ja schon viele Jahre, aber erst in den letzten 2 Wintern, wenn wir ihn ins Haus stellen, richtige Problem mit diversen Mitbewohnern. Die anderen Tipps gegen Trauermücken und Fruchtfliegen haben geholfen. Das mit den Schmetterlingsmücken kriegen wir auch noch hin. Es sind eindeutig Schmetterlingsmücken.
          Schmetterlingsmücken lieben ja Verfaulendes. Das würde bedeuten, dass unsere Abfälle anaerob wären. Es riecht aber überhaupt nicht sauer oder faulend, sondern schön nach Erde. Ich gebe Bescheid, wenn etwas geholfen hat. Aber bald steht er eh wieder draußen. Dann müssen wir es für den nächsten Winter wissen 😉

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