Das passende Saatgut für den Garten auswählen: 5 Tipps





Gemüse, Obst sowie Heil- und Zierpflanzen im eigenen Garten selbst zu kultivieren ist etwas ganz Besonderes. Man kann den Pflanzen beim Wachsen und Gedeihen zusehen und weiß genau, unter welchen Bedingungen sie entstanden sind. Doch das Wichtigste ist zuallererst die Auswahl des passenden Saatgutes und dabei gibt es einiges zu beachten. Wir haben die wichtigsten Tipps zusammengefasst.

1. Samenfeste Sorten wählen

Beim Kauf von Saatgut, insbesondere bei Nutzpflanzen, sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die Sorten samenfest sind und es sich nicht um Hybridsorten handelt, welche in der Regel auf der Verpackung mit dem Zusatz „F1“ (erste Tochtergeneration) gekennzeichnet sind.

Hybridsorten entstehen im Labor und sind so gezüchtet, dass sie zwar im Garten angebaut werden können, aber nicht mehr vermehrungsfähig sind. Wer sich also beim Saatgutkauf für Hybridsorten entscheidet, zahlt nicht nur einen stolzen Preis, sondern muss jedes Mal aufs Neue Saatgut kaufen. Außerdem gehen durch die Hybridsorten immer mehr ursprüngliche Sorten verloren.

Samenfeste Sorten werden hingegen nicht künstlich verändert und entstehen ausschließlich durch natürliche Vermehrung. Die Bestäubung erfolgt über Insekten oder den Wind und diese Sorten weisen eine breite genetische Basis auf.Aus samenfestem Saatgut lassen sich immer wieder Samen gewinnen und neu aussähen und man erhält wieder die gleiche Pflanze mit den gleichen Eigenschaften.

2. Vom Aussterben bedrohte
Pflanzen bewahren

Die Zeiten, in denen die Saatgutproduktion noch in den Händen von Bauern und Gärtnern war, sind längst vorbei. Heutzutage wird der Markt von einigen wenigen Großkonzernen dominiert, die immer mehr Hybridsorten produzieren. Dadurch sind im letzten Jahrhundert angeblich 75 % der landwirtschaftlichen Sortenvielfalt verloren gegangen.

Umso wichtiger ist es nun, die noch vorhandenen, alten Sorten zu bewahren. Wer seinen Garten mit verschiedenen standortangepassten und robusten Pflanzen bepflanzt, anstatt auf Monokulturen zu setzen, macht diesen auf ganz natürliche Art und Weise widerstandsfähig gegen verschiedene Umwelteinflüsse.

Als
verantwortungsbewusster Hobbygärtner sollte man also seine Finger vom Angebot
der Großkonzerne lassen und stattdessen sein Saatgut von kompetenten Pflanzenhändlern und Züchtern beziehen, die
hochwertige samenfeste Sorten vertreiben
und viel Wert auf die Bewahrung
alter Sorten legen.

3. Auf Bio-Saatgut setzen

Wem Umweltbewusstsein, Nachhaltigkeit und die eigene Gesundheit am Herzen liegen, sollte unbedingt auf Bio-Saatgut setzen. Bei der Bewirtschaftung des eigenen Gartens geht es nämlich nicht nur darum, selbst keine Kunstdünger und Pestizide zu verwenden, sondern auch um die Herkunft der verwendeten Samen.

Jene Sorten, die seit mehreren Generationen ausschließlich biologisch gezogen wurden, gedeihen auch ohne den Einsatz von Chemikalien ganz hervorragend und sind besonders robust, gesund und wohlschmeckend. Leider sind diese Voraussetzungen auch bei Samen mit Bio-Siegel nicht immer garantiert.

Um ein Biosiegel zu erhalten, muss nämlich lediglich die Mutterpflanze eine Saison lang unter biologischen Bedingungen angepflanzt worden sein. Dabei spielt es auch gar keine Rolle, woher die Samen stammen, und ob die Pflanzen im Gewächshaus oder im Freien gezogen wurden. Das Bio-Siegel ist auch kein Garant dafür, dass es sich um samenfeste Sorten handelt. Diese Informationen müssen gesondert eingeholt werden.

4. Saatgut von erfahrenen
Züchtern kaufen

Wo Bio draufsteht, muss also nicht immer Bio drinnen sein. Der beste Weg, um an hochwertiges und natürliches Saatgut zu kommen, ist beim Züchter bzw. Händler seines Vertrauens zu kaufen. Es gibt auch heutzutage noch einige Züchter, die ihre Sorten seit Jahren rein biologisch anbauen und daher „echtes“ Bio-Saatgut erzeugen.

Neben der biologischen Herkunft sollte vor dem Kauf unbedingt zusätzlich kontrolliert werden, ob es sich auch wirklich um samenfeste und standortangepasste Sorten handelt. Nur wenn alle diese Kriterien erfüllt sind, kann von natürlichem und ursprünglichem Saatgut die Rede sein und das schmeckt man auch.

5. Sorten selbst vermehren

Das Schöne am eigenen Garten ist, dass man selbst Hand anlegen und verschiedene Kultur- und Nutzpflanzen anpflanzen kann. Noch größer ist das Glücksgefühl, wenn man mit den Samen der aktuellen Pflanzen im nächsten Jahr wieder neue Pflanzen gedeihen lassen kann. Dadurch weiß man nicht nur, woher das Saatgut kommt, sondern spart zudem eine Menge Geld.

Im eigenen Garten Samen zu ernten und im nächsten Jahr wiederzuverwenden, funktioniert aber wie gesagt nur bei samenfesten Sorten. Je nach Samensorte ist die Vermehrung mehr oder weniger kompliziert. Besonders unkompliziert ist zum Beispiel die Vermehrung von Tomaten, weil es sich dabei um sogenannte Selbstbefruchter handelt, die sich nicht gegenseitig befruchten. Relativ leicht lassen sich zum Beispiel auch Erbsen und Bohnen vermehren.

Bei Salat muss man hingegen etwas vorsichtiger sein, weil es leicht passieren kann, dass sich die verschiedenen Sorten kreuzen. Am besten pflanzt man also jedes Jahr nur eine bestimmte Sorte an. Etwas aufwändiger ist das Vermehren auch bei Gemüsearten, die erst im zweiten Jahr blühen, wie zum Beispiel Möhren, Kohl oder Rote Beete. Diese müssen dann ein Jahr im Keller überwintern.

Die Wahl des passenden Saatgutes ist also nicht nur für die eigene Gesundheit und die des Gartens von großer Bedeutung, sondern hat weitreichende Auswirkungen auf unsere Umwelt. Denn wer sich für biologische und samenfeste Sorten entscheidet, unterstützt den Erhalt der Pflanzenvielfalt und kann sogar vom Aussterben bedrohte Nutzpflanzen retten. Außerdem ist der Geschmack von natürlichem, selbst angebautem Gemüse einfach unvergleichlich.

Bildnachweis: ID 120057236 © Picstudio | Dreamstime.com

Über den Autor:

Jasper hat Wurmwelten.de im Jahr 2006 gegründet. Nach einer Ausbildung im Kompostieren und einem Buch über Wurmkisten, widmet er sich in letzer Zeit neben dem Versandhandel, der Forschung über Regenwürmer und Komposttee.
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