Thermokomposter: Ein heißes Ding





Steht auch in Ihrem Garten ein halbvoller Thermokomposter rum, welcher seit Jahren nichts zu tun scheint? Da sind Sie nicht alleine! Hier können Sie lesen wie es anders geht:

Thermokomposter versprechen (Frisch-) Kompost innerhalb weniger Monate mit wenig Aufwand. Tatsächlich aber stehen viele dieser Modelle halbvoll mit trockenem Laub rum, ohne irgendetwas ausser Staub zu produzieren.

Woran liegt das? Die kurze Antwort ist: Meistens liegt es am fehlenden Wasser zum richtigen Zeitpunkt. Leider ist es ausserordetnlich schwierig dies zu korrigieren, wenn dieser Zeitpunkt einmal überschritten wurde. Ist der Kompost richtig trocken, wird er hydrophob, also wasserabweisend. Was man dann tut und wie man das in Zukunft verhindert ohne viel zu tun, erfahren Sie hier.

Thermokomposter Anleitung

Möchten Sie wunderschöne Komposterde produzieren? Dann zeigen wir Ihnen hier gleich 2 Möglichkeiten, wie Sie Ihren Thermokomposter wieder für Sich arbeiten lassen können.

Aber zuerst etwas Hintergrundsinformationen damit klar wird, warum der Thermokomposter nicht so funktioniert wie erwünscht.

Der Thermokomposter: Die Theorie

Wer unseren Newsletter kennt, weiss dass es verschieden Arten zu Kompostieren und fast unzählige Komposter- Modelle zu kaufen gibt (Hier eine kleine Auswahl erprobter Geräte).

Die Grundlage aller Thermokomposter ist, dass sie die Wärme im Inneren zu fördern versuchen, um möglichst die Thermophilen (hitzeliebenden) Bakterien zu fördern. (Was es mit diesen Bakterien auf sich hat ) Das kann durch verschiedene „Tricks“ erreicht werden:

schwarzer Thermokomposter ohne Bodenanschluss
schwarzer Thermokomposter ohne Bodenanschluss
  • Dunkles Material nimmt mehr Wärme von Sonnenstrahlen auf als Helles
  • Wandstärke, Riffelung und Material der Thermokomposter sollen isolierend wirken
  • Ein Deckel verhindern das Ausdampfen nach oben
  • Besonders viele Lüftungsschlitze lassen viel Sauerstoff rein
  • Der Einsatz von Kompostbeschleunigern wird empfohlen

Wie befüllt man einen Thermokomposter?

Laubkompost ist noch einfacher

Im Idealfall hat man genügend zu kompostierendes Material, um den Komposter zumindest zu ¾ zu füllen. So dämmt sich das Material von selbst gegen Wärmeverlust.

Es lohnt sich also bereits im Herbst einen Haufen trockenes Laub neben dem Komposter zu lagen (Nur Laub kompostieren?), welches dann im Sommer unter Zugabe von Mutterboden, zusammen mit Grasschnitt und anderen Gartenabfällen in Schichten im Komposter gehäuft werden. (Mehr zum Schichten Komposthaufen Aufbauanleitung).

Kompost Bakterien: Die wahren Helden

Diese abwechselnden Schichten aus „braunen / kohlenstoffhaltigen“ und „grünen / stickstoffhaltigen“ Material sorgen für eine optimale Ernährung der Rotte-, oder Kompostbakterien, welche mit der Erde verteilt werden.

Um diese Bakterien geht es im Thermokomposter; je besser es Ihnen in den ersten 6 Wochen geht, desto schneller wird der Abbauprozess stattfinden.
Ist die Mischung aus Stickstoff und Kohlenstoff ideal (20:1 – 25:1 C:N Verhältnis) und ist es feucht genug (80%), vermehren sich diese, überall vorkommenden, Rottebakterien in großer Geschwindigkeit (Phase 1).

Das sorgt für Wärmentwicklung im Komposter. Verstärkt durch die Dämmung und eventuelle Sonnenstrahlen werden schnell Temperaturen von über 45°Celsius erreicht. Ab dieser Temperatur kommen jetzt die thermophilen Bakterien hinzu. Diese lieben die hohen Temperaturen und können das Kompostgut besonders schnell verarbeiten. (Phase 2).

Dabei entwickeln sich jetzt noch höhere Temperaturen. Im besten Fall werden 60 °C über ein paar Stunden erreicht. Und das hat einige Vorteile: Die Rotte geht nun sehr schnell von statten. Dabei sackt der Kompost in sich zusammen und verliert stark an Volumen. Jetzt könnte sogar etwas nachgelegt werden.

Und auch für das Ergebnis (die Komposterde) hat die Erhitzung Vorteile: Unkrautsamen und Sporen werden bei diesen hohen Temperaturen unschädlich gemacht, so dass es beim Ausbringen des Kompostes weniger Verschleppung von Unkräutern gibt. Weiterhin lockern die hohen Temperaturen die hölzernen Ligninen, so das auch härte Pflanzenteile besser Kompostieren.

Es dampft: Thermokomposter mögen es heiss

Jetzt (Phase 2) wird sehr viel Sauerstoff und Feuchtigkeit verbraucht. Kommt man nah an das Mischungsideal, sieht man den Komposter dampfen.

Möchte man jetzt diese thermophile Kompostierung aufrechterhalten, müssen Feuchtigkeit und Sauerstoff nachgeliefert werden. Dies macht man am besten 2-3 Tage nach der ersten Hitzentwicklung, indem man die Kompostmasse innerhalb des Thermomposters einmal wendet (Compost Mate Link) und dabei mit einer Gießkanne mit brausekopf begiesst.

  1. Phase (mesophile Anlaufphase)
  2. Phase (thermophile Rottephase, 45-70 °C)
  3. Phase (mesophile Abklingphase)
  4. Phase (Reifephase)

Wahrscheinlich erhitzt sich der Kompost jetzt noch einmal. Danach lassen Sie ihn 4-12 Wochen ruhen und Sie haben Frischekompost. In der gesamten Zeit müssen Sie drauf achten, dass der Komposter nicht austrocknet und ggfs noch einmal wässern.

Nachdem sich der Kompost abgekühlt hat, muss man anderen Bakterien und den Regenwürmern Zeit geben, die Nährstoffe in dem Kompost zu festigen und gegen ein Auswaschen zu schützen. Erst wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, spricht man von Reifekompost. Dieser Zeitpunkt ist zuverlässig errreicht, sobald der Kompost einen Kressetest besteht.

Kressetest
Rechts war der Kompost noch unreif

Vorteile des Thermokomposters

Wenn man ihn richtig anwendet, leistet der Themokomposter einiges:

  • Frische Kompost bereits noch weingen Monaten
  • Reduziert schnell das Voluemen von Gartenabfällen
  • Sterilisiert Unkrautsamen
  • Schützt vor Ungezwiefer

Die Nachteile

Die Nachteile liegen in der nötign Aufmerksamkeit während der heissen Phase, sowie der nötigen Vorratsplanung von den verschiedenen Materialien.

Zudem hat die Geschwindigkeit, mit der die thermophilen Bakterien den Abbau des Kompostgutes vorrantreiben auch einen Preis in Form von Nährwert. Je mehr Hitze entstand und je schneller der Abbau stattfand, desto mehr Nährstoffe verflüchtigen sich während des Abbaus (Quelle). Diese stehen dann später den Pflanzen nicht zur Verfügung.

Eine weiterer wichtiger Hinweis: Der nach wenigen Monaten entstandene Kompost ist dann allenfalls Frischkompost und noch nicht völlig ausgereift. da heist er würde junge Pflanzen verbrennen und den Kressetest nicht bestehen.

Kompost Temperatur und Reifekurve
Kompost Temperatur und Reifekurve

Was tun, wenn er austrocknet? Ist der Thermokomposter einmal komplett durchgetrocknet, ist meist ein Zusand der Hydrophilie des Kompostgutes entstanden. Das heisst, das Wasser perlt förmlich an der halb verottenden Erde ab.

Abhilfe schafft hier weiches Wasser (Regenwasser), welches besser einzieht, oder eine große Menge Leitungswasser. Beides wird am besten mit einem Brausekopf ausgebracht, während das Kompostgut gewendet wird.

Muss es besonders schnell gehen, nimmt man den Nährstoff Verlust in Kauf und verwendet Kompostbeschleuniger. Darf es etwas langdsamer ablaufen, setzt man Kompostwürmer ein, welche von selbst dafür Sorgen, dass das Klima stimmt.

Kompostbeschleuniger UND Kompostwürmer einzusetzten macht nur in den allerseltensten Fällen Sinn und darf auch dann nur in dieser Reihenfolge, nicht umgekehrt eingesetzt werden, da sonst die Wärme des Rottebeschleunigers die Regenwürmer vertreiben würde.

Die faule Methode: Kompostwürmer

Wenn Sie nicht sicher sind, ob Sie die Feuchtigkeit im Thermokomposter dauerhaft kontrollieren können, gibt es eine alternative Kompostierungsmethode, welche etwas länger dauert, aber dafür auch ein besseres Ergebnis erzielt: Funktionieren Sie Ihren „Thermo-„Komposter zu einem herkömmlichen um, indem Sie den Deckel entfernen und den Standort so wählen, dass weniger Sonnenlicht auf ihn fällt.

Aus Neu mach Tradition

Danach widmen Sie sich dem Inhalt. Nehmen Sie den alten Inhalt und mischen Sie ihn mit frischem Grassschnitt, etwas Schnellkomposter, 2-3 Tassen Kaffeesatz (also frischem Stickstoff) und 3 Händen voller Gartenerde. Füllen Sie diese (feuchte) Mischung in den Komposter und mischen Sie sie unter.

Je nach Menge kann sich diese Mischungin den nächsten 3 Tagen etwas erwärmen, aber das ist zweitrangig. Wichtig ist, dass Sie nach 3 Tagen einen aktiven Kompost haben, welcher jetzt von Kleinstlebewesen und Kompostwürmer von alleine zersetzt werden kann.

Auch hier kann es passieren, dass der Komposthaufen austrocknet. Nicht nur daher sollte regelmäßig etwas „gefüttert“ werden. Aber da hier auf eine „Thermo“phase verzichtet wird, wird der Komposter viel langsamer trocken. Eine atmunsaktive Plane, hilft ein wenig Regenwasser und Luft hereinzulassen, verhindert aber ein auswaschen durch zu viel Wasser.

Das hat viele Vorteile und einen großen Nachteil. Der größte Vorteil ist das Ergebnis. Dieser „kalt“ kompostierte Kompost ist viel nährstoffreicher als heissgerotteter. Die Geschwindigkeit hat Ihren Preis in Form von Nährstoffen, welche von den Mikroorganismen verbraucht werden.

Neben der etwas langsameren Geschwindigkeit (so werden Sie 9-24 Monate benötigen, bis der Humus fertig ist) gibt es allerdings noch einen großen Nachteil: Da sich das Kompostgut kaum erhitzen wird, werden auch keine Samen sterilisiert. So kann es passieren, dass Tomatensamen, usw. später aufgehen. Das ist bei einer Kompostierung mit über 60°C, nicht der Fall.

Wichtig ist hier, dass der Deckel ganz fehlt oder mit einer atmungsaktiven Kompostplane abgedeckt ist. So kann eine kleine Menge Regenwasser dafür sorgen, dass der Komposter nicht austrocknet. Helfen Sie dennoch mit einer guten Brause aus der Geisskanne nach, sollte es an mehreren Tagen hintereinander sehr heiss sein.

Ist die heisse Phase vorbei (und auch nur dann) kommen die anderen Lebewesen, welche den Kompost für Sie umwandeln und zerkleinern. Asseln, Springschwänze und Regenwürmer sind die wichtigsten Indikatoren dafür, dass sich noch viele unverwertete Nährstoffe im Kompost befinden. Erst wenn alles verottet und wieder gefestigt wurden verlassen die Krabbeltiere den Kompost. Dann spricht man von reifem Kompost.

Kompostwürmer im Thermokomposter?

Dendros
Dendros

Regen,- bzw Kompostwürmer (z.B. „Eisenia“ oder „Dendros„) werden auf Dauer von alleine kommen, benötigen aber direkten Bodenkontakt, wenn sie sich im Winter in den Boden flüchten sollen können. Im Frühjahr tauchen Sie dann wieder auf und setzen den Kompost weiter für Sie um.

Möchten Sie nicht so lange warten, werden 1000 Würmer völlig ausreichen, um Ihren Komposter zu impfen und auf die Beine zu bringen. Machen Sie sich ruhig die Mühe Kompostwürmer beim Nachbarn zu erfragen. Die emsigen Würmer belüften den Kompost für Sie, verteilen die optimalen Rottebakterien und festigen zudem die Nährstoffe auf nachhaltigste Art im Boden.

Reife Komposterde ist krümelig

Das Ergebnis wird Ihnen Freude bereiten. Frischer Kompost ist so voller Nährstoffe und Leben, dass jede Handvoll hilft Ihre Pflanzen zu schüzen und zu nähren, sowie den Boden zu beleben.

Möchten Sie mehr über den Einsatz von Kompost im Garten erfahren? Dann tragen Sie sich für unseren Newsletter ein.

Über den Autor:

Jasper hat Wurmwelten.de im Jahr 2006 gegründet. Nach einer Ausbildung im Kompostieren und einem Buch über Wurmkisten, widmet er sich in letzer Zeit neben dem Versandhandel, der Forschung über Regenwürmer und Komposttee.
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