EM1 selber machen

Bokashi: Das kompostieren mit effektiven Mikroorganismen (EM)
Eberhard
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Re: EM1 selber machen

Beitrag von Eberhard » Fr 20. Jul 2018, 18:59

@Rüdiger: Interessante Geschichte, Deine EM-Ersatzvariante. Vielen Dank für die Darstellung.

Interessant weiter, dass man mit praktische den gleichen Zutaten und etwas Geblubber statt der anaeroben Vermehrung zu Komposttee kommt mit einem anderen Anwendungsspektrum:
Komposttee nach Dr. Ingrid Hörner
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Re: EM1 selber machen

Beitrag von Rüdiger » Fr 20. Jul 2018, 19:03

Die Temperatur beschleunigt ja die Prozesse, je näher wir da an die Körpertemperatur kommen.

Bei der Fermentation werden genauso die Milchsäurebakterien die Oberhand gewinnen, auch Hefen sind enthalten, dass bemerkt man wenn das Produkt länger steht, da bildet sich wie beim originalen "EM" auch so eine Kahmhaut aus. Die profitieren halt von den löslichen Kohlenhydraten im Ansatz.

Die Bakterien stammen ja aus dem "Darm" unserer "Regenwürmer", da ist "alles" beisammen was für die Humusbildung gebraucht wird.

Auch beim "EM" sind die Milchsäurebakterien die "Hauptzutat".

Nun wirken diese Produkte aber mehr durch ihren Gehalt an Nährstoffen statt ihrer biologischen Aktivität.

Mit "Brottrunk" ist wohl das billigste "Ferment" was du zur Bokashi Herstellung verwenden kannst, am Ende ist das ja wie die Herstellung von Silage.

Sauerkrautsaft dürfte entgegen dem Brottrunk meist pasteurisiert sein und nur noch wenige lebende Organismen enthalten.

Inwieweit die "Sickersäfte" als Dünger verwendbar sind, kommt hier auch auf die Ausgangsstoffe an, wenn man hier auch Speisereste zugibt könnte der hohe Salzgehalt nicht überall zuträglich sein.

Für die Humifizierung von biologischen Abfällen ist das "Einsäuern" aber ein Umweg, sondern mehr nur zur "Haltbarmachung" und "Hygienisierung" gedacht.

Für die Kompostierung hingegen ist der effektive Abbau von Zellulose bedeutsamer. Hier verwende ich mit gutem Erfolg das Eokomit. Das ist ein Pulver mit Sporen von drei "Zellulosezersetzern" die teilweise auch wärmeverträglich sind und durch die Aufspaltung vom "Holzstoff" erst weitere Umwanlungen ermöglichen. Da reicht ein Kilo für 200 Kubikmeter Kompostmaterial.

Aber das ist mehr was für die Grüngut oder Mistkompostierung als für Küchenabfälle.

Den Bacillus subtilis kannst du auch aus einem "Heuaufguss" gewinnen und durch genaues Erhitzen sicher isolieren.

Dieser lässt sich dann auch relativ einfach weiter vermehren und als Komposthilfsmittel verwenden.

Das ist alles einfache "Schulbiologie", wie die "EM" auch, nützlich aber keine große Sache, um die eben nur viel (kostspielige) Werbung gemacht wird.
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Re: EM1 selber machen

Beitrag von Rüdiger » Fr 20. Jul 2018, 19:35

@Eberhard

Ja, der Komposttee (-extrakt) ist eine feine Sache und für den "Wurmkompostierer" in großen Mengen preiswert herzustellen.

Viele Bodenbakterien können bei anaeroben Bedingungen ihren Stoffwechsel "umstellen".

Ich muss gestehen das ich zur Herstellung keine "Luftpumpe" verwende. Sondern den Ansatz inerhalb einer Stunde einfach mehrmals umrühre.

Der frische Wurmhumus löst sich ja schnell fast vollständig auf.

Eventuell kann man mit "Holzkomposten" auch Bodenpilze fördern, wie gesagt alles mehr noch "Forschung".

Das bei dem "Rezept" verwendete "Bio Aktiv" ist "informiertes" Bittersalz (Magnesiumsulfat), was auch für Immergrünes als Dünger angeboten wird.

Ob nun die Information den Mehrpreis rechtfertigt muss jeder selber sorgfältig entscheiden oder gegebenenfalls das Salz selber informieren.
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Re: EM1 selber machen

Beitrag von Eberhard » Sa 21. Jul 2018, 12:53

Super Beiträge. Ich bin auf einem ähnlichen Weg, aber lange noch nicht so weit. Da hilft jede Richtungsweisung und jede Erfahrung.

Apropos Erfahrung: Kannst Du etwas über die Haltbarkeit Deiner Lösungen sagen?
Neben dem Finden von geeigneten Ausgangssubstraten für die gewünschten Mikroben und dann dem Vermehrungsprozess hat man ja das Problem der Bereitstellung der Mikrobenlösung zur gewünschten Zeit in dann ausreichender Menge bei gleichbleibender Qualität. Die professionellen Firmen müssen ja vor allem auch den dritten Punkt beherrschen, wenn sie handeln und Geld verdienen wollen.
Aber auch der Kleinerzeuger hat ja bspw. frischen Wurmhumus durchaus dann, wenn er ihn in diesen Mengen nicht benötigt und umgedreht. Die technischen Prozesse benötigen dann Mindestmengen, die auch vom Bedarf deutlich abweichen können. Also wird das Halten eines Vorrats mit ausreichender Qualität immer ein Thema sein.
Hier verwende ich mit gutem Erfolg das Eokomit
Eokomit: Vergessen und wiedergefunden, basierend auf den Forschungen und daraus resultierenden Impfziegeln von Annie Francé-Harrar. Da geht mir das Herz auf.
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Re: EM1 selber machen

Beitrag von Rüdiger » So 22. Jul 2018, 11:03

Die professionellen "EM"-Bereiter bestellen bei spezialisierten Firmen einfach die gewünschten Mikrobenkulturen und setzen daraus ihre Stammlösung an.

Das passiert dann einfach etwas größer in so IBC Containern.

Wie gesagt die "Silierung" dient zur Konservierung der Eiweiße in feuchten und nährstoffreichen Substraten oder eben zur Hygienisierung mit entsprechend langer Fermentationsdauer.

Für die nachgeschaltete Kompostierung ist das nicht immer nötig. Die Idee war, den zerkleinerten Kompostmaterial, häufig Obst- und Gemüsereste vom Einzelhändler, dann gleich mit mit Mikroben zu versehen um die Entstehung eines verwertbaren Biofilms zu beschleunigen. Hier ist aber keine lange Fermentation vorgesehen.

Die Lösung ist wie so ein "EM"-Ansatz kühl unter Luftabschluss auch einige Wochen lagerbar. Die Lösung ist stabil, bestenfalls die "Wirksamkeit" lässt nach, was aber für meine Anwendung dann auch weniger Bedeutsam ist.

Die bedarfsgerechte Herstellung von Wurmkompost wird durch die Größe und verfügbare Materialmenge begrenzt. Wenn man kontinuierlich Wurmhumus benötigt braucht man einen "Durchflusskomposter" ("flow through"). Kompost oben rein und Humus unten raus.

Gucke mal hier da stellt der SWR so eine "Hobbyproduktion" im Kellerabteil vor. Aus meiner Sicht der Beleg das wir überall dezentral Humus in beliebiger Skalierung erzeugen können.

https://www.swr.de/landesschau-rp/kompo ... index.html

Die Würmer nehmen uns das die mechanische, chemische und biologische Arbeit ab. Also wenn man von dem Aufwand und Kosten erfährt die nunmehr die vorgeschriebene getrennte Entsorgung von biologischen Haushaltsabfällen bereitet, fragt man sich wieso man solche Lösungen nicht präferiert. Das gebe auch noch Zuverdienste für den einen oder anderen Frührentner her.

Ich betreibe die Kompostierung wegen eingeschränkter Platzverhältnisse in zwei gewöhnlichen Thermokompostern und einem Hochbeet, da ist die Ernte von Humus nicht so optimal, dazu noch ein Silo mit einem knappen Kubikmeter als "gewöhnlichen" Kompost nach der "quick return method", für grobes Grünmaterial und Laub was sich hier auf der wilden Kleingärtnerkippe stapelt. Selbst da findet eine geordnete Kompostierung nur noch im Ausnahmefall statt. Thuja, Efeu oder Miscanthus mit Eokomit wie ich finde kein Problem, wenn die Feuchte kontrolliert wird.

Wenn sich mal kein gutes C/N Verhältnis ergibt helfe ich mit billigen Ammoniumstickstoff ("Combiflor Schnellkomposter") nach.

Da mein Kleingarten durch Mist und Volldünger an Kalium und Phosphor noch Vorrat für mehrere Generationen beinhaltet, benötige ich den Kompost eigentlich nur noch zum Erhalt der Humusversorgung und dünge nur einzeln mit Stickstoff nach.

Den meisten Humus lagere ich auf brachliegenden Parzellen ab und beobachte nunmehr wie sich aus den verdichteten und verschlämmten Böden mit spärlichem Aufwuchs an typischen Beikräutern, eine artenreiche Pflanzengemeischaft der Ruderalflora ergibt. Auch wilde Tomatenkeimlinge mögen diese Standorte.

So das ich mich irgendwann mal der Untersuchung widmen werden, ob hier nicht mit frühen und "resistenten" Tomatensorten (Freiland-Tomten-Projekt Uni Göttingen) nicht ein extensiver Tomatenanbau möglich ist.

Was insofern vielleicht spanend ist, da der besprochene "Heubazillus" (Bacillus subtilis) auch professionell zur Kontrolle der Krautfäule eingesetzt wird.

Der Dr. Reckin vermehrt diesen übrigens mit Urin (irgendwo im Internet ist auch eine Anleitung dazu).

Kennst du Hier schon den "Humuspionier" Hans Söhl (Soehlmetall) der bietet auch Equipment zur Kompostbereitung an. Da gibt es zwei neue durchaus bemerkenswerte Beiträge beim "Neulich im Garten" Blog.
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
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Re: EM1 selber machen

Beitrag von Rüdiger » Di 24. Jul 2018, 16:17

Was man hier noch feststellen muss, ist die Tatsache das in der "EM" Lösung lediglich "Zersetzer" beinhaltet sind. Also mehr geeignet um die schnelle (Wieder-) Verfügbarkeit von (Pflanzen-) Nährstoffen zu dienen.

Also Effektiv im Sinne einer schnellen Umsetzung und ist vom "Entsorgungsgedanken" getragen. Das hat nichts mit den "Aufbauvorgängen" zu einer ausgereiften Gemeinschaft an Bodenlebewesen zu tun, sondern ist nur eine Vorstufe.

Auch die Heißkompostierung wie auch die Wurmkompostierung hinterlassen ein von abbauenden Organismen dominiertes Milieu.

Auch die "eiligen" EM Rezepte zur Bereitung von "Terra preta" dürften kaum geeignet sein um diese komplexen Lebensgemeinschaften herauszubilden.
Zumal diese bei den hohen Temperaturen der Tropen ja auch mehr durch Bodenpilze gekennzeichnet sein dürfte. Man vermutet ja auch die "Terra preta" würde sich selber vermehren, was ja zu diversen Spekulationen in diese Richtung animiert.

Gerade die Milchsäuregärung dufte gar zur Hemmung der Entwicklung anderer Arten beitragen.

Also die Auslobungen kommerzieller Produkte sind deutlich vereinfacht auch unbesehen der Nutzungsmöglichkeiten die es hier gibt, ist doch alles mehr vom Marketing getragen.

Das wird auch deutlich wenn wir die genaue Zusammensetzung von "EM" uns anschauen. Die Fa. Mikro Veda kultiviert in ihrer Stammlösung fünfzehn Arten von Mikroorganismen.

(Bacillus subtilis, Bifidobacterium animalis, Bifidobacterium bifidum, Bifidobacterium longum, Lactobacillus acidophilus, Lactobacillus bulgaricus, Lactobacillus casei, Lactobacillus delbrueckii, Lactobacillus diacetylactis, Lactobacillus fermentum, Lactococcus lactis, Lactobacillus plantarum, Rhodopseudomonas palustris, Saccharomyces cerevisiae, Streptococcus thermophilus)

Da haben wir den "Heubazillus" (Bacillus subtilis) den finden wir in der oberen Erdschicht, wie auf jedem Komposthaufen vor.

Dann eine ganze Latte an verschiedenen Milchsäurebakterien (Bifidobacterium, Lactobacillus, Streptococcus) die im Darm von Säugetieren vorkommen oder zur Zubereitung von fermentierten Milchprodukten (Jogurt, Buttermilch) eingesetzt werden.

Die Purpurbakterien (Rhodopseudomonas) findet sich auch in der Losung unserer Kompostwürmer.

Die Hefe (Saccharomyces cerevisiae) kennen wir auch als Backhefe für 9 Eurocent je 42 Gramm.

Also die Mikroben haben wir alle zu Hause beim Einzelhändler oder setzen sie jeden Tag frei. Nur damit man mal ein Gefühl für die Qualität und Quantität der hier kostspielig angepriesenen Lösungen bekommt.

Das ist mehr die "Probiotika" für den Garten. Auch sind diese Mikroorganismen auch mehr nur auf die leicht löslichen Nährstoffe aus dem Kompostmaterial spezialisiert, sozusagen die Junkefoodverwerter. Hingegen machen doch gerade die Zersetzung der "Holzstoffe" einen Schwerpunkt in der Kompostierung aus.
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Re: EM1 selber machen

Beitrag von Wurmmann » Mi 25. Jul 2018, 12:41

(gut) wirklich tolle Beiträge Ihr beiden! Soo interessant! Ich wünschte ich hätte mehr Zeit...
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Re: EM1 selber machen

Beitrag von Eberhard » Mi 25. Jul 2018, 19:15

Alles alles sehr interessant. In einem Forum (mittlerweile abgeschaltet) las ich mal den inhaltsschweren Satz: Der Einstieg in EM ist der Beginn des Ausstiegs. Immerhin beginnt man auch da, sich mit Mikroben und dem Leben im Boden und vielen damit zusammenhängenden Dingen zu beschäftigen und kehrt ab von mineralischem Kunstdüngern und Giften, viele erstmals. Dass man das dann anders, billiger und einfacher machen könnte und dann auch solche Wege einschlägt, wird dann vorkommen.
Mancher will aber auch einfach etwas Fertiges einsetzen und sagt sich, das Geld verdiene ich woanders und meine Interessen liegen auch woanders.

Ehe man also die EM kaputtredet (und da könnte ich auch mittun): Ich persönlich habe auch EM im Einsatz, und zwar aktiviertes EM, das eine Haltbarkeit von größer 2 Jahren aufweist. Die Arbeit da beschränkt sich auf die Verwendung. Dieses setze ich nicht zur Kompostierung & Co. ein, jedenfalls nicht direkt. Ich unterstütze damit meinen Sauerteig für Brotherstellung sowie mein Sauerkraut in Eigenherstellung. Verschiedenes gekauftes Obst und Gemüse wird mit einer verdünnten Lösung zwecks Fäulnisabwehr eingesprüht. Ich habe da Lebensmittelqualität, wenn auch nicht zertifiziert und offiziell. Ob man da jetzt den beschriebenen Ersatz aus Wurmkompostherstellung dafür einsetzen wollte, weiß ich nicht. Einen gewissen Mut bräuchte man da schon.
Es gibt auch wirklich erfolgreiche Verwendungen, z.B. in der Medizin: Dr. Zschocke - Heilen mit Bakterien
Für anderes wie Behandlung der Küchenabfälle gegen Geruch oder die Zugabe zur Unterstützung der Kleinkläranlage oder auch Schimmelabwehr und sowieso alles im Zusammenhang mit Boden und Kompost macht eine solche Eigenerzeugung Sinn, und spätestens wer EM1 (die Urlösung) selber aktviert und vermehrt, hat dann die technischen und materiellen Voraussetzungen für die Vermehrug aus dem Wurmkompost.

Manche wollen aber auch gleich fertig sein und keine Arbeit haben, und so haben auch Kauflösungen wie auch der Shop vom Wurmmann ihre Berechtigung. Der eine schnippelt und kocht, der andere will einfach nur die Beine unter den Tisch stecken, und ein paar tun beides.

Die Hinweise auf den mit Nährstoffen überversorgten Garten kann ich nachvollziehen, das geht mir genau so, und das soll in deutschen Gärten gar nicht so selten sein. Also ist meine Zielrichtung auch weniger ein Düngen oder Nährhumus, der ab Erreichen eines von verschiedenen Faktoren abhängigen Fließgleichgewichtes dann doch in die Mineralistion geht, sondern in Richtung Dauerhumus und Bodenbildung an sich. Beim Humusanteil mit 3 Prozent habe ich laut Bodenanalyse noch deutlich Luft nach oben (8 Prozent sollten möglich sein). Da scheint Holz aus Ausgangsstoff eine gute Basis zu sein. Ich mische da auch verkohltes Holz (Pflanzenkohle) mit ein.
Einiges, was mich da umtreibt, wird hier beschrieben:
Die Frances haben eine Reihe von Patenten erteilt bekommen, die zum Ziel die Herstellung einer nachhaltig fruchtbaren "Kultur-Erde" haben.
Die Verfahren beruhen auf der biologischen Umwandlung von organischen und anorganischen Materialien in Humus. Das geschieht mittels Kompostierung und Zusatz von Mikroorganismen in 2 Phasen: in der ersten Phase erfolgt der Abbau der organischen Materialien, in der zweiten Phase werden Mikroorganismen zugesetzt, die den fertigen Kompost in Humus umwandeln.
Mit freundlichem Glück Auf!
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Re: EM1 selber machen

Beitrag von Rüdiger » Do 26. Jul 2018, 11:01

Es liegt mir völlig fern, die Aktivitäten der "EM-Gemeinde" irgendwie zu werten. Mit dem Hinweis auf die materiellen Bedingungen wollte ich nur auf die deutlichen Kostenunterschiede aufmerksam machen. Das ist ein objektiver Fakt, der ausgesprochen werden muss. Was damit anzufangen ist muss jeder selber entscheiden.

Aber wenn die "Rettung der Welt" oder "Die letzte Chance" an einem guten Dutzend ("effektiven") Mikroorganismen hängt sollten wir daraus kein Geheimnis oder Wundermittel machen, dass ist alles Nebensache.

Fürs Protokoll können wir festhalten, "EM" ob zu Verzehr oder zur Abfallbehandlung, kann jeder überall einfach herstellen, Punkt.

Es geht um die Zusammenhänge, weit über den Umfang von Haushaltsanwendungen hinaus. Da kratzen wir an der Oberfläche mehr nicht. Für die entscheidenden Lösungsansätze müssen wir noch ein ganzes Stück weiter kommen. Die "EM" Technologie endet ebnend auch dort, wo die Anderen aufgehört haben, die Nährstoffe werden aus ökonomischen Antrieb eilig aufbereitet und auf den "Acker" gekippt und dann ist auch hier Schluss. Da geht es aber erst richtig los und wir wissen davon nur sehr wenig.

Ob ich jetzt eine "isolierte" Ansicht mit einer anderen tausche, es bringt noch lange nicht die notwendige Klarheit.

Wenn wir durch Humus die Produktivität der menschlich genutzten Böden dauerhaft erhöhen möchten, müssen wir dann bei der "Phase 2" weiter machen. Und diese Produktivität wird ihre natürliche Begrenzung finden, deswegen wird es auf jede Kleinigkeit ankommen.

Das werden wir alles in Ruhe ordnen müssen, ein paar Sachen dürfen wir ja als gesichert annehmen. Dazu später vielleicht mal eine Aufstellung.

Nur um einen Ausblick auf das Dunkelfeld zu geben, so ist Fakt das die Lebensgemeinschaft Boden nach der Humusforschung der Eheleute Francé zu mehr als zehn Prozent aus "Algen" besteht, das ist keine Trivialität, sondern ein Schlüssel, den die Algen sind als autotrophe und Fotosynthese betreibende Organismen die Energieversorger des Bodens.

Wo nun beschreibt die "EM" Technologie diesen Sachverhalt. Wie kommen die Algen in die "Terra Preta"? Über Urin und Zuckerwasser?

Hier müssen wir Ordnung reinbringen. Die Sache ist auch spannender als jede Raketenwissenschaft. Auch die Menschheit wird ihren steigenden Energiebedarf anders decken müssen.

Stellen wir uns vor es gelänge die Fotosynthese künstlich mit nur leicht verbesserten Wirkungsgrad nachzuahmen. Also Licht zusammen mit anorganischen Substanzen, die aus Spurenkonzentrationen aus der Umwelt akkumuliert werden, zu nutzen um damit energiereiche organische Verbindungen herzustellen und zu speichern. Wenn wir dann diese Energie, nicht nur aus der chemischen Bindung (Heizwert) nutzen, sondern uns es gelingt die elektrochemischen Potenziale voll auszunutzen, die sich dann weiter "emissionslos" in beliebige Energieformen mit hohen Wirkungsrad wandeln lassen, dann schlagen wird Entropie ein gewaltiges Schnipp­chen.

Um auch nur hier ein Beispiel vor Augen zu haben, mal hier gucken, dass ist nur der Anfang.

https://www.energiezukunft.eu/umweltsch ... -gn103562/
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Re: EM1 selber machen

Beitrag von Eberhard » Do 26. Jul 2018, 12:09

Mit dem Hinweis auf die materiellen Bedingungen wollte ich nur auf die deutlichen Kostenunterschiede aufmerksam machen.
Da hast Du völlig recht. Bei vielen Dingen, die man eigentlich unbesehen kauft, kann man feststellen, dass man das mit etwas Interesse und eigener Zeit oftmals genau so gut oder besser und dann auch deutlich billiger herstellen kann. Essen gehen oder selber Kochen ist da ein markantes Beispiel dafür.

Bei einem Balkongärtner, der jetzt nur 1 Liter Mikrobenlösung im Halbjahr braucht, schlagen allerdings die Festkosten für die technischen Voraussetzungen sowie der eigentlich gleiche Aufwand für die Überwachung des Herstellungsprozesses höher ins Gewicht. Auch ist es schön, wenn man sich vor dem Aufbau einer Produktion schon mal von Sinn, Ergebnis und Vorteil des Prozessergebnisses selber praktisch überzeugen konnte.

Wer dann aber in größerem Stil arbeitet, kann und wird auch ernsthaft rechnen und sehr schnell seine Schlussfolgerungen ziehen. Vorher muss man sich aber mit der Biologie des Bodens auseinander setzen. Leider sind sehr viele weit entfernt davon. Politische Entscheider und landwirtschaftliche Betriebe, die einen größeren Anteil an der Rettung der Welt leisten könnten als ein paar Balkongärtner, Häusler und Kleingärtner, beschäftigen sich mit anderen Dingen, siehe Petition zur Mikrobiellen Gülleveredelung.

Richtig ist dann auch, dass die beschriebene Phase 2 (Boden- und Humusbildung) üblicherweise so gut wie gar nicht betrachtet wird. Da geht es nur (grob gesagt) um das Entsorgen von Abfällen und dem Füttern von Pflanzen, denen man parallel die natürliche Eigenversorgung erschwert oder ganz nimmt. Die Humusbildung wird im allgemeinen Glauben schon irgendwie über stoffliche Bilanzen oder ganz von alleine funktionieren - aber sehr wenige können das aus eigener praktischer Erfahrung und Tätigkeit nachweisen.

Interessanterweise nehmen bei den Francés auch Regen- und Kompostwürmer bezüglich der Humusildung nur eine untergeordnete Rolle ein. Auch diese mit ihrer Tätigkeit und ihrem Ergebnis (Wurmhumus) sind also nicht das allein seeligmachende Wundermittel für alle Probleme im Pflanzenbau. Ich hoffe, ich werde jetzt nicht gesteinigt von den Wurmfarmern, die quasi Streichelzoos betreiben und für ihre Lieblinge nicht nur besondere Namen haben, sondern auch extra kochen und mixen und dafür einkaufen - hier im Forum kann man die eine oder andere Stilblüte diesbezüglich lesen.
Mit freundlichem Glück Auf!
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