Regenwürmer in Deutschland sind laut WWF-Studie in Gefahr

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Peter_86
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Regenwürmer in Deutschland sind laut WWF-Studie in Gefahr

Beitrag von Peter_86 » Mi 4. Jan 2017, 21:36

Durch einen Artikel in der Zeitung bin ich auf eine Studie des WWF aufmerksam geworden, in der das Vorkommen von Regenwurm-Arten und deren Häufigkeit auf landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland untersucht wurde. Vor allem auf konventionell bewirtschafteten Flächen war die Anzahl der Regenwürmer zum Teil deutlich geringer als auf Flächen mit biologischer Landwirtschaft.
Informationen dazu findet ihr hier:
http://www.wwf.de/themen-projekte/landw ... -manifest/
Dort kann man auch eine PDF („Regenwurm-Manifest“) herunterladen.

Es werden folgende Faktoren genannt, die die Anzahl der Regenwürmer verringern:
  • - manche Pestizide töten bzw. schwächen Regenwürmer z. B. Glyphosat, Kupfer-haltige Fungizide (Mittel gegen Pilzkrankheiten)
    - zu intensive und zu häufige Bodenbearbeitung
    - Bodenverdichtung durch schwere Maschinen
    - es werden zu viel Mineraldünger und zu viel Gülle (führt zu Ammoniak-Vergiftung) ausgebracht
    - fehlender Mulch (= keine/kaum Nahrung für Würmer)
Die Folgen einer geringen Regenwurm-Häufigkeit sind vor allem eine Abnahme der Bodenfruchtbarkeit und Bodengüte:
  • - Pflanzenabfälle werden langsamer zu Humus u. Mineralstoffen abgebaut, dadurch stehen den neuen Pflanzen weniger Nährstoffe zur Verfügung.
    - die Neubildung von Humus u. Ton-Humus-Komplexen nimmt ab, dadurch sinkt die Nährstoff- u. Wasserspeicherkapazität des Bodens. In Trockenphasen trocknet der Boden schneller aus, dann drohen Ertragseinbußen.
    - es wird weniger nährstoffreiche Erde aus der Tiefe nach oben befördert, was zu einem möglichen Mangel an Spurenelementen im Wurzelbereich der Pflanzen führt.
    - Regenwasser kann schlechter versickern, es fließt mehr oberirdisch ab: verringerte Wasseraufnahme des Bodens (wodurch den Pflanzenwurzeln weniger Wasser zur Verfügung steht), verstärkte Bodenerosion, bei Starkregen erhöhte Hochwassergefahr
    - schlechtere Durchlüftung des Bodens (da es weniger Wurmröhren gibt), durch Sauerstoffmangel erhöhtes Vorkommen von Fäulnis, schlechtere Durchwurzelung (da Pflanzenwurzeln Sauerstoff brauchen)
    - Sind weniger Wurmröhren vorhanden, wird der Boden flacher durchwurzelt, weil Pflanzenwurzeln oft entlang von Wurmröhren wachsen (Pflanzen werden anfälliger gegenüber Trockenheit, Boden wird in der Tiefe weniger gelockert).
    - erhöhte Häufigkeit einiger Schädlinge (z. B. Schadpilze, die sonst von den Würmern gefressen werden), Abnahme einiger Nützlinge, die Regenwurm-Kot benötigen (z. B. Steinernema-Nematoden)
Infolge der abnehmenden Bodenfruchtbarkeit werden auf vielen konventionellen Flächen noch mehr Mineraldünger u./o. Gülle und – da die Pflanzen anfälliger werden - zum Teil auch mehr Pestizide eingesetzt, was zu einem Teufelskreis führt.

Aber was kann man selbst für Regenwürmer tun?
Im Garten:
  • - Verzicht auf Pestizide wie z. B. Glyphosat („Roundup“). Selbst einige für den Biolandbau zugelassene Mittel können für Regenwürmer schädlich sein, wie z. B. Kupfermittel gegen Pilzkrankheiten. Auch bevor man „natürliche“/“naturidentische“ Mittel kauft und einsetzt, sollte man die Gebrauchs-Informationen genau durchlesen, ob Regenwürmer oder andere Nützlinge geschädigt werden.
    Pflanzenstärkend zur Vorbeugung von Pilzkrankheiten helfen Kieselsäure-haltige Mittel, z. B. Wurmhumus, Spritzen von verdünntem Wurmtee und verdünnter Ackerschachtelhalm-Brühe. Sind Pflanzen von Pilzen befallen, helfen Spritzen von verdünnter Ackerschachtelhalm-Brühe, Knoblauch-Kaltwasserauszug, Meerrettich-Kaltwasserauszug o. -brühe, Zwiebel--Kaltwasserauszug /Zwiebelschalen-Tee.
    - Krankheitsbefall im Garten eindämmen durch den Anbau von resistenteren Pflanzen-Arten u. Sorten, Mischkulturen satt Monokulturen und die Einhaltung von Fruchtfolgen.
    - Wenn Böden mit Kupfer belastet sind: Nur ein Teil des Kupfers ist im Boden biologisch aktiv, der Rest ist inaktiv, da er fest an Humus- o. Ton- o. andere Mineral-Partikel gebunden ist. Laut http://www.bioland.de/im-fokus/intervie ... 01c5b.html kann Kupfer im Boden ruhiggestellt (immobilisiert) werden kann, indem man den pH-Wert deutlich über 5 hält und indem man mehr organische Substanz im Boden einbringt, z. B., durch Gründüngungs-Einsaaten, Mulchen.
    - Boden möglichst wenig bearbeiten, z. B. Grabegabel u. Sauzahn statt umgraben u. fräsen
    - Boden möglichst wenig verdichten: Beete so schmal anlegen, dass man sie nicht betreten muss. Bei Nässe Beetflächen nicht betreten. Auf den Wegen kann man Bretter auslegen, diese verteilen das Gewicht.
    - Bei schwerem / verdichtetem Boden diesen belüften: mit Grabegabel lockern, tiefwurzelnde Gründüngungspflanzen (z. B. Ackerbohne, Lupine, Luzerne, Ölrettich, Perserklee, Sonnenblumen) säen.
    - Verzicht auf mineralischen Dünger, stattdessen Kompost verwenden. Bei Mist als Dünger möglichst keinen Mist aus konventioneller Tierhaltung verwenden, dieser kann belastet sein (z. B. Schweinemist mit Kupfer). Keinen Mist von Tieren ausbringen, die frisch entwurmt wurden.
    - Ständig eine Mulchschicht liegen lassen. Auch die Wege zwischen den Beeten kann man mulchen, z. B. mit Stroh (dann werden auch die Schuhe nicht so dreckig).
    - Im Herbst Laub liegen lassen. Dort wo Laub o. andere Pflanzenabfälle stören, diese von den Flächen entfernen und anderswo im Garten kompostieren.
    - einen (Wurm-)Kompost im Garten anlegen.
Außerhalb des Gartens:
  • - Indoor-Wurmkompost: Wurmhumus u. evtl. Wurmtee zur Bodenverbesserung u. Düngung im Garten verwenden. Wenn man keinen Garten hat, dann auf dem Balkon o. für Zimmerpflanzen. Oder man gibt Wurmhumus u. -tee (u. evtl. auch Würmer) an Gärtner ab (u. erhält im Austausch einen Teil der Ernte ;) ). Wer Zeit u. Lust hat, kann auch bei einem Gemeinschaftsgarten mitmachen.
    - Produkte aus biologischem Anbau kaufen. Und zwar wenn möglich solche, die aus der Region oder zumindest aus Deutschland kommen. Bisher ist in Deutschland die Nachfrage nach „Bio“ größer als das Angebot, da bisher auf zu wenig Flächen Biolandbau betrieben wird (die große Nachfrage wird teilweise durch „Bio“-Importe befriedigt, was aber wegen der langen Transportwege auch wieder zu einer Umweltbelastung führt). Würden mehr deutsche Bioprodukte gekauft, dann würden mehr Landwirte in Deutschland auf biologischen Anbau umstellen.
    - beim Bio-Einkauf auf die Art der Siegel achten. Die Richtlinien mancher Anbauverbände sind strenger als die EU-Bio-Verordnungen. Z. B. setzen Bioland, Demeter und Gäa weniger Kupfer-Mittel ein als andere Bio-Anbauer. Bioland, Demeter u. Gäa erlauben max. 3 kg Kupfer pro Hektar und Jahr, für Hopfen max. 4 kg/ha u. Jahr. Demeter-Bauern dürfen im Kartoffel-Anbau gar keine Kupfer-haltigen Mittel einsetzen.
    Die EG-Öko-Verordnung (6-eckiges Bio-Siegel) erlaubt max. 6 kg/ha u. Jahr.
    In der konventionellen Landwirtschaft dürfen noch sehr viel höhere Kupfermengen eingesetzt werden [Quellen: h[url]ttp://www.biokraemer.de/P011.htm[/url], Gäa-Richtlinien für Erzeuger Stand 11/2015].
    - Evtl. den Kauf von Produkten aus besonders pilzanfälligen Kulturen reduzieren, wie z. B. Hopfen, Kartoffeln, Pfirsich, Tomaten (außer Wildtomaten), Wein. Beim Wein gibt es aber auch Sorten, die gegen bestimmte Pilzkrankheiten (wie Mehltau) resistent o. tolerant sind.

    - sich an Politiker wenden und sich dafür einsetzen, das die Kommune keine Pestizide (z. B. Glyphosat) auf öffentlichen Flächen einsetzt und dies auch auf privaten Flächen verbietet o. stark einschränkt (z. B. Abgeordnete kontaktieren, Online-Petition starten, Unterschriften sammeln).

    - Bäume sponsern / pflanzen: Bäume fördern Regenwürmer durch das Abwerfen von Streu (z. B. Laub, Zweige, Früchte) und durch die Durchwurzelung des Bodens. Kommunen, Parks, (Forst-)Botanische Gärten, Streuobstwiesen-Betreiber u. andere Flächenbesitzer bieten oft an, dass man Geld für das Pflanzen von Bäumen spendet. Wenn man will, kann man auch selbst die Bäume/den Baum (mit)pflanzen. In vielen Regionen Deutschlands gibt es z. B. den alten Brauch, zur Hochzeit und/oder zur Geburt eines Kindes einen Baum zu pflanzen.
Die ganze Masse des oberflächlichen Humus ist durch die Körper der Regenwürmer hindurchgegangen. Man kann bezweifeln, dass es noch viele andere Tiere gibt, welche eine so bedeutende Rolle in der Geschichte der Erde gespielt haben. (Charles Darwin)
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Re: Regenwürmer in Deutschland sind laut WWF-Studie in Gefahr

Beitrag von hagazustra » Mi 28. Feb 2018, 20:05

Danke für diesen schönen Beitrag <3
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Re: Regenwürmer in Deutschland sind laut WWF-Studie in Gefahr

Beitrag von 's Biberweibchen » Fr 11. Okt 2019, 22:22

Es liegt an jedem einzelnen von uns, unsere Natur zu erhalten. Wer sagt, dass der Einizelne keinen Unterschied macht, weil "alle anderen" das eh nicht tun, ist Teil des Problems.
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Re: Regenwürmer in Deutschland sind laut WWF-Studie in Gefahr

Beitrag von Trulllla » Sa 12. Okt 2019, 11:20

(gut)
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Re: Regenwürmer in Deutschland sind laut WWF-Studie in Gefahr

Beitrag von freestyle » Mi 16. Okt 2019, 19:32

Wir wohnen ländlich, Straße ist etwas abschüssig. Vor einigen Jahren war nach einem Regenguß die Straße noch voller Würmer, die es nicht rechtzeitig zurück ins Gras geschafft haben.

Heute findet man nur noch vereinzelt Würmer. Ich nehme sie auf und lege sie auf die Wiese. Natürlich belächelt von meinen Nachbarn :P .
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Re: Regenwürmer in Deutschland sind laut WWF-Studie in Gefahr

Beitrag von Trulllla » Mi 16. Okt 2019, 21:02

freestyle hat geschrieben:
Mi 16. Okt 2019, 19:32
Wir wohnen ländlich, Straße ist etwas abschüssig. Vor einigen Jahren war nach einem Regenguß die Straße noch voller Würmer, die es nicht rechtzeitig zurück ins Gras geschafft haben.

Heute findet man nur noch vereinzelt Würmer. Ich nehme sie auf und lege sie auf die Wiese. Natürlich belächelt von meinen Nachbarn :P .
(wave)
Das mache ich auch. Meine Kinder auch.
Arme Würmchen.
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Re: Regenwürmer in Deutschland sind laut WWF-Studie in Gefahr

Beitrag von Pfiffikus » Mi 16. Okt 2019, 23:27

freestyle hat geschrieben:
Mi 16. Okt 2019, 19:32
Vor einigen Jahren war nach einem Regenguß die Straße noch voller Würmer, die es nicht rechtzeitig zurück ins Gras geschafft haben.

Heute findet man nur noch vereinzelt Würmer.
Das dürfte vor allem am diesjährigen Wetter liegen.

In normalen Jahren kannst Du im Frühjahr am ersten kräftigen Regentag, nachdem der Frost aus dem Boden heraus ist, einen Tag der Regenwürmer beobachten. Meist ist das Anfang oder Mitte März. Nachdem die Würmer fast ein halbes Jahr unter der Erde waren und nicht raus konnten, geht an diesem Tag das Temperament mit ihnen durch, gewiss gehen sie auch auf Brautsschau. Das fiel in den letzten beiden Jahren mehr oder weniger aus, weil wir zwei sehr trockene Frühlinge erlebt haben.
Solange sich an dem Gras neben dem Weg nichts weiter verändert hat, wüsste ich auch nicht, warum weniger Würmer im Boden sein sollten.

Dieser Tag ist üblicherweise ein Fest für die Singvögel. Amseln, Meisen, Sperlinge, die es bis zu diesem Tag geschafft haben, haben den Winter überstanden. An diesem Tag fressen sie sich zum ersten Mal wieder richtig voll.

Auch ich sammle an diesem Tage gerne Würmer ein, damit sie nicht zerlatscht oder zerfahren werden. Die Wurmpopulation wird den Verlust in jedem Falle verkraften. Wie schnell sich Würmer vermehren können, erleben wir ja in unseren Kisten.



Pfiffikus,
der sie natürlich nicht wieder zurück ins Gras schmeißt
Eberhard
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Re: Regenwürmer in Deutschland sind laut WWF-Studie in Gefahr

Beitrag von Eberhard » Do 17. Okt 2019, 09:09

Korrekt ist, dass die zwei vergangenen Jahre (in unserem Gebiet) extrem trocken waren. Bereits im vergangenen Herbst wurden öffentlich und privat Massen an Fichten abgesägt, weil die durch Trockenschäden nicht mehr zu retten waren. In der Landwirtschaft sah es entsprechend ähnlich kärglich aus.
In dieses Jahr sind wir mit der Trockenvorlast gestartet, und wieder war es sehr trocken. Als ich dieses Jahr meine Frühkartoffeln geerntet habe, war der Boden tiefentrocken, die beim Umgraben gefundenen Regenwürmer lagen in Trockenstarre - da kommt so schnell keiner an die Oberfläche.

Aber auch:
Solange sich an dem Gras neben dem Weg nichts weiter verändert hat, wüsste ich auch nicht, warum weniger Würmer im Boden sein sollten.
Es ist schon auch eine Frage des Bodenbewirtschaftens. Der "Regenwurmbauer" Josef Braun zählt auf seinem Grünland bis zu 120 Regenwürmer pro Quadratmeter. Das können viele, die über Wiese/Rasen verfügen, sicherlich nicht, nicht mal in Ansätzen. Somit haben dann diese vielen die Möglichkeit, nicht nur mit dem Finger auf andere zu zeigen, sondern real selber etwas zu bewirken.
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
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