7 Probleme beim Betrieb einer Wurmkiste

Wir werden oft gefragt, welche Fehler am häufigsten gemacht werden wenn man mit einer Wurmkiste kompostiert. Basierend auf mehr als 14 Jahren Erfahrung mit Wurmkisten, hunderten Kundengesprächen, emails und WhatsApp Konversationen, sowie einem Netzwerk an Experten (Pro-Wurm.org) können wir das inzwischen recht gut beantworten 🙂

Wurmkisten aus Holz oder Plastik
Wurmkiste oder Wurmfarm?

Viele Kunden haben Angst vor schlechten Gerüchen oder gar einer Wurmflucht. Dies ist aber überaus selten. Die wirkliche Gefahr ist eine andere, aber dazu mehr später. Überhaupt sind Probleme selten und wenn man diese möglichen Fehlerquellen kennt, noch viel unwahrscheinlicher.

Bei einer Wurmkiste handelt es sich um eine unglaublich praktische Hilfe im Garten- und Pflanzenalltag. Die Kompostwürmer sind sehr stabile und eifrige Organismen. Sie wissen was Sie an pH Wert, Temperatur, Feuchtigkeit und Sauerstoffgehalt mögen. Solange diese Parameter stimmig sind, sind die Kompostwürmer Weltmeister im Umsetzten von Komposterde. Je stabiler die Umwelt um sie herum, desto besser.

Daher gilt: Die Wurmkiste kann Experimente vertragen, aber es fördert den Kompostprozess meist nicht. Steht sie warm, wird sie regelmäßig mit ähnlichen Abfällen und Mineral Mix gefüttert, läuft es einfach.

Also was kann schiefgehen?

Gleich vorweg: Die folgenden Fehler beschreiben wir, damit unsere Kunden ein besseres Verständnis der Wurmkompostierung haben. Nicht weil Sie oft auftreten. Tatsächlich machen die allerwenigsten Wurmkisten Probleme.

Die folgenden „Fehler“ haben wir selber viele Male begangen. In den meisten Fällen haben wir repliziert was Kunden uns schilderten; manche Fehler haben wir selbst „herausgefunden“. So konnten wir die Probleme, Ergebnisse und Lösungen testen um, um daraus  viele Anleitungen und letztendlich auch ein Buch zu schreiben.

Diese Anleitungen wurden dann von anderen Wurmfarmern unseres Vertrauens und später natürlich der Öffentlichkeit in Form unseres Kompost Forums, der Facebook Gruppe und natürlich des Kompost Newsletters gezeigt und gegebenenfalls revidiert.

Jetzt möchten wir unser Wissen mit Ihnen teilen: Im Folgenden haben wir die sechs häufigsten Fehler, die im Zusammenhang mit einer Wurmkiste gemacht werden, zusammengefasst.

1. Die Wurmkiste wird überfüttert

Viele Anfänger begehen im Zusammenhang mit Wurmkisten den Fehler, den Würmern zu viel Futter bereitzustellen.

Damit dies vermieden wird, gilt es, die folgende Faustregel zu beachten: ein Wurm verdaut circa die Hälfte seines Eigengewichtes, welches wiederrum bei circa 0,4 Gramm (im ausgewachsenen Stadium) liegt. Junge Würmer fressen daher naturgemäß weniger. Der Appetit steigert sich mit dem Lebensalter.

Diese Rechnung wird allerdings sehr durch die vorherrschende Temperatur verzerrt. Ist es nah am ideal (20-25°C) wird sich diese „Leistung“ auch steigern.

Eine andere Faustregel lautet daher: Bei einer Startmenge von 1000 Kompostwürmern, gib 3x pro Woche etwa 2 Handvoll Küchenabfälle. Erhöhen Sie diese Menge um 1-2 Handvoll nach 3 Moanten, danach alle 3-6 Wochen bis alle möglichen Bioabfälle im Haushalt verarbeitet werden. Bleiben Abfälle lange liegen, oder bildet sich Schimmel, entfernen Sie diese und verringern Sie die Abfallmenge um 1 Handvoll wöchentlich für 6 Wochen.

2. Es wird zu wenig kompostiert

Wer in Haufen füttert, erkennt was wie schnell kompostiert wird.

Die gefürchtete Wurmflucht tritt meistens aus diesem einfach zu vermeidenden Grund auf: Wer seinen Kompostwürmern zu wenig Futter zur Verfügung stellt, gefährdet die Gesundheit seiner Tiere. Das lassen die sich nicht gefallen und suchen wo anders etwas Verwertbares.

Hier gilt es auch zu bedenken: Nicht alles was in die Kiste geworfen wird, ist auch gleich verwertbar! Selbst das weichste Salatblatt muss 2-3 Tage angammeln, um von den Bakterien genug zersetzt zu werden, damit es die Würmer letztendlich aufschlürfen können.

Daher ist es wichtig, dass immer eine Menge Biomüll in verschiedenen Stadien des Verrottens vorhanden ist.

Wer ein besonders gutes Gefühl bekommen möchte, wie schnell seine Wurmkiste arbeitet, sollte in kleinen Haufen füttern, welche nebeneinander platziert werden. So kann man erkennen, wie viele Wochen vergehen, bis die Haufen ganz verschwunden sind.

3. Kompostwürmern große Mengen an neuen Dingen füttern

Ebenso wichtig wie die passende Menge ist selbstverständlich auch die Zusammensetzung des Futters und ein an die Bedürfnisse der Würmer angepasster „Aufbau“. Doch was bedeutet das im Detail?

Generell gilt, dass durchaus eine Art „ideale Speisekarte“ besteht, die durchaus Raum für Variationen bietet, die jedoch auch nicht allzu spontan verändert werden sollte. Am gesündesten und natürlichsten für die Würmer ist ein Mix aus…:

  • Gemüseresten
  • Obstschalen
  • Zeitungspapier (kein Hochglanzpapier!)
  • Tee & Kaffeesatz (in Maßen)
Kürbis wächst gut auf dem Komposthaufen, aber zu viel davon in der Wurmkiste mach Probleme

Starke Variationen, z.B. viele Wassermelone im Sommer, gefolgt von viel Kürbisschale im Herbst oder gefolgt von monatelanger Abwesenheit von Obst, machen es den Würmern und den helfenden Kompostbakterien durchaus schwer, sich auf das Kompostgut einzustellen. Solches Material wird erst zögerlich verarbeitet werden und die Schwankungen im pH Wert, beeinflussen die gesamte Wurmkiste.

Um die Aufnahme entsprechend zu erleichtern, ist es wichtig, das Futter etwas klein zu schneiden. Um Fruchtfliegen vorzubeugen, wickelt man die Abfälle am besten in Zeitungspapier ein. Das freut die Würmer und erschwert es den Fliegen zu schlüpfen. Weiterhin zeigt sich schnell, dass die Würmer ein eher nasses Futter bevorzugen.

4. Spurenelemente: Mineral Mix

Weil es scheinbar lange ohne geht, werden die Spurenelemente und Mineralien, welche die Würmer für die Fortpflanzung benötigen, oft vernachlässigt. Tatsache ist, dass die fleissigen Würmer auf engen Raum leben ohne die Möglichkeit, weiträumig in der Natur nach Mineralien zu suchen. Alles was in die Wurmkiste kommt, bestimmen wir. Genau dieser Vorteil bringt aber auch Verantwortung mit sich.

Die Wümer benötigen Calzium (Eierschalen sind keine Alternative) zur Produktion on Kokons und um den pH Wert ihrer Umwelt anzupassen, sowie Eisen und andere Spurenelemente, welche im durchschnittlichen Haushalt nicht in genügender Menge vorkommen.

Spezieller Mineral Mix liefert diese zusammen mit pflanzlichem Protein welches die Würmer fetter und aktiver werden lässt. Das wiederum erhöht Ihre Leistungsfähigkeit und Fortpflanzungsbereitschaft.

5. Staunässe in der Wurmkiste

Regenwurm im Regen mit Regenschirm

Eine weitere wichtige Regel: Würmer mögen feuchtes, jedoch kein allzu nasses Substrat. Dieses birgt immer das Risiko in sich, bei zu langem Liegen und einer mangelhaften Belüftung zu schimmeln, so dass im schlimmsten Fall der Inhalt der Kiste ausgetauscht werden muss. Wasser drückt den Sauerstoff raus und es beginnt ein Faulen, anstatt eines Verrottens.

Achten Sie daher immer darauf, dass immer etwas trockene Kartonage gefüttert wird und lassen Sie den Wurmtee regelmäßig ab, wo dies möglich ist. Sollte die Wurmkiste aus Holz bestehen ist die Kontrolle der Feuchtigkeit etwas schwieriger, aber dennoch machbar. (Unterschiede Wurmkiste aus Holz vs. Wurmfarm aus Plastik)

6. Die Wurmkiste wird zu  warm

Auch wenn Kompostwürmer in der Regel vergleichsweise robust sind, fühlen Sie sich in einem bestimmten Temperaturbereich besonders wohl. Dieser liegt zwischen 15°C und 25°C. Darüber oder darunter ist zeitweise kein Problem, wird jedoch vor allem auf lange Sicht schwierig.

Eine kurze Brause

Ab 30°C fangen die Würmer jedoch langsam an zu sterben und andere Kompostprozesse beginnen, welche die Wurmkiste erheblich stören würden. Sollte die (schwarze) Wurmfarm im Sommer länger als 1 Stunde in der prallen Sonne stehen, empfehlen wir Sie umzusetzen oder diesen Artikel zu lesen; Wurmkiste im Sommer. Dort finden Sie noch weitere Tipps um die Wurmkiste vor Hitze zu schützen.

Bitte beachten Sie auch immer die Notwendigkeit, den Feuchtigkeitsgehalt zu überprüfen. Dieser liegt im Idealfall zwischen 60 und 85 Prozent. Das ist wie ein ausgedrückter Schwamm oder „zwischen krümelig und matschig“. Die Oberfläche trocknet gerne mal aus, aber gießen Sie nicht allzuviel! Das Meiste Gießwasser wandert in die Tiefe…

Um den Kompostprozess an der Oberfläche vorranzutreiben benutzen Sie am besten einen Blumensprüher und/oder eine Hanfmatte. Die Abfälle werden dann unter die Hanfmatte gelegt, wo ideale Kompost Bedingungen herrschen. Dank des Kapillar Effektes ziehen die Fasern der Matte die ideale Feuchtigkeit aus dem Substrat, so das eine Besprühen überflüssig wird.

Wurm Truhe Wurmkiste
Wurm Truhe Wurmkiste aus FSC Holz

Die Wurmkiste/Wurmfarm steht am besten im Haus. Dort ist die Aussentemperatur und Feuchtigkeit gleichmäßig und ideal. Es treffen keine ungebetenen Gäste ein und sollte ein Wurm trotzdem mal die Wurmfarm verlassen, kommt er aufgrund der trockenen Wohnraumluft nur wenige Zentimeter. Gleichzeitig hat man die Wurmfarm im Blick, kann Sie einfach füttern und hat schnellen Zugriff auf den Flüssigdünger.

7. Die Wurmkiste steht zu kalt

Wie bereits in Punkt 6 erwähnt, sind Kompostwürmer weitestgehend robust und verzeihen auch den ein oder anderen „Temperaturabsturz“. Fallen die Temperaturen jedoch länger unterhalb von 0°C, muss die Wurmkiste an einem wärmeren Ort aufgestellt werden. Sonst kann die gesamte Wurmkiste „kippen“.

Da von der Kiste selbst keine starke Geruchsbelästigung ausgeht, kann sie problemlos im Haus aufgestellt werden. Aber Achtung: Holt man die Kiste aus dem kalten Winter in die warme Wonung, sollte man folgendes wissen: Oft wurde während des Winters fast gleich viel gefüttert, aber die Wurmfarm stand kälter. Die Bakterien und die Würmer kamen nicht hinterher und es bildete sich eine Schicht aus fast unkompostiertem Abfall.

Ab 0°C wirds zu kalt

Jetzt erwärmen sich die Abfälle und es kommt zu einem schlagartigen Freisetzten von Nährstoffen und Sickerwasser, während gleichzeitig der Sauerstoff von den Bakterien verbraucht wird. Treffen jetzt eine hohe Temperatur (>18°C ) und 2-3 Tage Unachtsamkeit aufeinander, kann die Kiste Geruch entwickeln.

Obwohl es sich hier um eine Kombination aus zu viel Wasser und Überfütterung handelt, passiert dies eigentlich nur in den ersten Frühlingstagen und auch dann nur selten. Bei einem Umzug Mitte Januar in die warme Wohnung oder den warmen Heizungskeller ist es öfter passiert.

Glücklicherweise ist die Lösung recht einfach: Entfernen Sie alle Stellen die besonders stark riechen. Graben die das komplette Substrat einmal um und arbeiten Sie dabei etwas trockene Kartonage unter. Das entwässert und belüftet das Substrat.

Füttern Sie auf jeden Fall weiter, jetzt stimmt die Temperatur ja. Nach 2-4 Tagen sollte alles wieder in Ordnung sein. Geht gar nichts mehr, empfehlen wir das Rettungsset mit WhatApp Support.

Das „unlösbare“ Problem?

Fruchtfliegen (Drosophila melanogaster). Sie sind die Achilles Sehne der Wurmkiste weil sie extrem nerven können. Während andere Fliegen der Kiste fern bleiben – solange sie im Haus steht und kein tierisches Protein gefüttert wird – kommen Fruchtfliegeneier bereits in der Schale der Obstreste mit in die Wurmkiste.

Orange auf dem Komposthaufen

Ob sich bereits Eier in der Schale befinden, lässt sich kaum ausmachen. Erfolgreicher sind präventive Massnahmen, wie das oben erwähnte Einwickeln der Abfälle mit Zeitungspapier. (Mehr über Fruchtfliegen und ein Rezept für eine Falle)

Wird oft Obst gefüttert, kann auch Steinmehl eingesetzt werden. Ein regelmäßige bepudern der Oberfläche behindert Fruchtfliegen auch.

Diese Maßnahme sollte aber nur länger als 8 Wochen durchgeführt werden, wenn der pH Wert der Wurmkiste gemessen wird und viel Obst oder Kafffeesatz in der Wurmkiste kompostiert wird. Sonst könnte das Substrat zu akalisch werden.

Über den Autor:

Jasper hat Wurmwelten.de im Jahr 2006 gegründet. Nach einer Ausbildung im Kompostieren und einem Buch über Wurmkisten, widmet er sich in letzer Zeit neben dem Versandhandel, der Forschung über Regenwürmer und Komposttee.
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