Projekt: Pferdestall -> Biomeiler -> Wurmkompost -> Terra Preta/Bioponik/Pilzzucht

Hier geht es darum den Pferdemist möglich schnell zu verkleinern.
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buchenhainer
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Projekt: Pferdestall -> Biomeiler -> Wurmkompost -> Terra Preta/Bioponik/Pilzzucht

Beitrag von buchenhainer »

Hallo liebe Enthusiasten,

erstmal vielen Dank für die Möglichkeit, mich an eurer Erfahrung und eurem Wissen laben zu dürfen :)

Mein Name ist Joel, ich bin 31, dies ist mein erster Beitrag hier, ich hab die halbe Nacht gelesen und bin etwas aufgeregt im Moment, weil mich die Idee jetzt schon einige Jahre begleitet, mir kürzlich gekündigt wurde und ich mich gerne nochmal komplett umorientieren möchte, ich voller Begeisterung stecke.

Es ist so, meine Familie hatte mal einen Baubetrieb mit knapp 200 Mitarbeitern und ich hab die Immobilie dazu "bekommen". Die Halle besteht aus Abteilen à 6m Breite, 18m tief und ist insgesamt 132m lang. Etwa ein Drittel ist momentan an einen Busunternehmer und einige Autoschrauber vermietet, ein Drittel steht leer und ist doppelgeschossig, ein Drittel ist eine offene Halle von 42m Länge.
Wäre ich damit in der Nähe einer Großstadt, hätte ich vermutlich mit 20 aufhören können zu arbeiten, aber mein Hauptquartier ist weit ab vom Schuss, in einem kleinen Tale im schönen Frankenwald.

Deswegen war die Überlegung, wie ich diese Immobilie sinnvoll nutzen kann. Erster Gedanke war, die offene Halle und die anliegenden Flächen für einen Pferdeaktivstall zu nutzen. Die Reithalle steht ja schon. Ich hab da schon einiges in die Wege geleitet, hab den Sachkundenachweis Pferdehaltung erbracht, hatte einen netten Herren vom Landwirtschaftsministerium da, der mir die Zusage für eine Genehmigung zum Führen eines Pensionstalles für 12-15 Großpferde erteilt hat.
Prämisse war, dass ich eine Halle nutze, um den Mist zu lagern, da ich sonst nirgends 20m zu einem öffentlichen Oberflächengewässer habe, was Vorschrift ist.

Die Idee wäre nun, Biomeiler zu bauen, die die Abwärme der Heißrotte nutzen, um Warmwasser zu erzeugen. Platz für Pufferspeicher habe ich ja. (Ob man das entstehende Methan auffangen kann??)

Nach der Heißrotte würde ich gerne mit Würmern arbeiten, um Wurmkompost herzustellen.

Jetzt habe ich ja noch knapp 2500m2 Dachfläche, wovon die Hälfte gut Sonne bekommt. Das Dach hat nur eine Neigung von 10°, man kann also problemlos darauf stehen und gehen. Leider ist meine Familie zerstritten und auf eventuell noch existierende Baupläne habe ich keinen Zugriff, aber ich habe ein paar Erfahrungswerte. Alle 6m steht je an der Hallenvorder- und Rückseite ein Betonpfeiler. Darauf liegt ein Betonträger von 19m Länge. Auf den Betonträgern wiederum liegen Gasbetonplatten und darauf dann das Blech.
Das Trapezblech kam damals in Paketen zu 1,8t und ich stellte sie mit dem Autokran immer halbwegs mittig auf die langen Betonträger, das hat gehalten :) Deswegen gehe ich davon aus, dass ich etwa 1m links und rechts vom Träger Erdbeete anlegen kann. Die 4m zwischen den Beeten möchte ich nutzen, um NFT-Rinnen aufzubauen (Nutrient Film Technology) und Salat, Kräuter, Erdbeeren usw in Bioponik zu züchten. Ich denke hier an den "Wurmsaft" als Dünger und - das hat so aber glaube ich noch niemand realisiert - den Pferdeurin.
Im optimalsten Fall würde ich noch Pflanzenkohle im großen Stiel erzeugen, um meine eigene Terra Preta zu erzeugen, für die Beete auf dem Dach und meine 10-15h Grasland zur Heugewinnung. Noch etwas weiter gesponnen, könnte man auch Kulturpilzzucht in der oberen Etage des einen Hallendrittels betreiben, wir haben ja noch das Warmwasser!

Ich hab auch noch nicht verstanden, ob man Würmer sozusagen "ernten" kann, als Futter für Geflügel, Fisch usw.

(willkommen) in meiner Welt (umwelt)


Schätze das ist jetzt sehr viel Weltbild, Träumerei, unausgegorene Planung und schlechte Erklärung gepaart mit Halbwissen, was ich euch da meterlang serviere.. Sorry :P
Aber vielleicht hat es ja 1,2 Enthusiasten, die mir irgendwie weiterhelfen können und abgesehen davon musste ich mir das jetzt einfach mal von der Seele schreiben (wall)



Bei 10 Pferden à 600Kg braucht man ca 35t Heu und 150m3 Wasser zum Tränken im Jahr. Das werden dann 25-75t Mist und 20-40m3 Urin, so ungefähr hab ichs gelernt.

Mein erster Gedanke war es, mir Stahlcontainer zu bauen, in denen schon Wasserohrwendel fest verbaut sind, die ich mit frischen Pferdemist befülle. Vielleicht 3m3 pro Container, dann kann man sie noch mit einem 5t Radlader bewegen?
Ich weiss nicht, ob man das zeitgleich als Biogasanlage betreiben kann, wenn man einen luftdicht verschließbaren Deckel vorsieht.
Würde denn der Wassergehalt im Mist für den Prozess der Heißrotte genügen? Oder muss man da evtl nochmal zuführen?

Und jetzt bitte die Wurmverständigen.. ich habe keine Vorstellung davon, wie ich die Würmer jetzt effektiv ins Spiel bringen kann. Also ob ich den Mist aus der Heißrotte einfach irgendwo hin kippe, mir riesige Wurmfarmen baue oder wie ich das am dümmsten anstelle.


Dankeschöööön!
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Wurmcolonia
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Re: Projekt: Pferdestall -> Biomeiler -> Wurmkompost -> Terra Preta/Bioponik/Pilzzucht

Beitrag von Wurmcolonia »

Hallo Joel,

zuerst einmal ein herzliches (willkommen) auf dem Forum der Wurmenthusiasten.

Bei Wumwelten, dem Betreiber dieses Forums, gibt es einen Blogartikel zu dem Thema, wie man mit Kompostwürmern Pferdemist entsorgen kann:

https://www.wurmwelten.de/pferdemist-entsorgen/

Vielleicht kennt sich ein Forist hier mit dem Thema aus und kann dir ein paar Tipps geben. Was das Entsorgen von Pferdemist angeht, kannst du hier auch gerne mal berichten, wie es bei dir läuft, wenn du damit losgelegt hast. An interessanten Projekten sind wir hier immer interessiert :D .

Im Übrigen würde ich mir an deiner Stelle, wegen der Komplexität deines Projekts, eine*n Unternehmensberater*in suchen, die/der sich mit deinen Projektbestandteilen auskennt. Eventuell kannst du für seine/ihre Arbeit auch Fördermittel bekommen und vielleicht sogar für dein Projekt. Bei Fördermitteln müsste ein Mensch, der vom Fach ist, ebenfalls helfen können.

Herzliche Grüße
Wurmcolonia
Kompostwürmer, die kleinen Meister des Recyclings.
Otto, der Kompostwurm, erzählt von seinem Leben in der Wurmkiste auf https://wurmcolonia.blogspot.de
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Re: Projekt: Pferdestall -> Biomeiler -> Wurmkompost -> Terra Preta/Bioponik/Pilzzucht

Beitrag von Pfiffikus »

Hallo Joel,

sei uns herzlich willkommen in diesem schönen lehrreichen Forum!
buchenhainer hat geschrieben: So 25. Jul 2021, 14:05Pferdestall -> Biomeiler -> Wurmkompost -> Terra Preta/Bioponik/Pilzzucht
diese vielen Teile in einer Kette zu verbinden, klingt erstmal hervorragend und ökologisch. Die größte Kunst sehe ich in diesen beiden Herausforderungen:
  1. Du willst die Sache so aufbauen, dass wenigsens eine schwarze Null unter dem Strich stehen wird.
  2. Die einzelnen Teile der Nahrungskette müssen so dimensioniert werden, dass sie zueinander passen.
    Man muss nicht viel Zahlenvorstellung haben, um zu erkennen, dass Du mit der angedachten Bioponik und der Pilzzucht nicht die Mengen Mist verwerten kannst, die 12-15 Pferde täglich hinterlassen.


Prämisse war, dass ich eine Halle nutze, um den Mist zu lagern, da ich sonst nirgends 20m zu einem öffentlichen Oberflächengewässer habe, was Vorschrift ist.
Irgendwann wirst Du diesen nach der Lagerung auch irgendwo entsorgen müssen.

Die Idee wäre nun, Biomeiler zu bauen, die die Abwärme der Heißrotte nutzen, um Warmwasser zu erzeugen. Platz für Pufferspeicher habe ich ja. (Ob man das entstehende Methan auffangen kann??)
Im Prinzip könntest Du mit dem Mist eine Biogasanlage füttern. Den Lagerplatz in der Halle brauchst Du dann kaum, denn die Pferde äpfeln ja täglich.
Die Technologien zur Nutzung von Wärme und Biogas sind inzwischen vorhanden und erprobt. Das Biogas wird schon in großen Anlagen aufgefangen, gereinigt, aufbereitet und ins öffentliche Gasnetz eingespeist. Hier habe ich meine Zweifel, ob Forderung 1 erfüllbar ist, wenn nur der Mist von 15 Pferden zur Verfügung steht.
Für eine Beratung wären offensichtlich die Betreiber von Biogasanlagen in Deiner Nähe gute Ratgeber, wenn es sein muss auch Handelsvertreter für diese.

Ich hab auch noch nicht verstanden, ob man Würmer sozusagen "ernten" kann, als Futter für Geflügel, Fisch usw.
Diese Würmer großtechnisch vom Mist abzutrennen und zu reinigen, wird schon schwerer. In meiner Wurmfarm passiert das manuell, Kosten spielen keine Rolle. In Deinem Falle wird wieder die Forderung 1 im Wege stehen.
Und nach der Ernte hättest Du zwar ein wunderbar ökologisches Hühner- oder Fischfutter. Doch Du solltest Dich auch mal erkundigen, ob die Eurokraten es den Hühnerhaltern und Fischzüchtern gestatten, diese Würmer als Futtermittel einzusetzen.



Pfiffikus,
der Dir die Daumen drückt, dass Du wenigstens einige Teile von Deinem Vorhaben realisieren kannst
buchenhainer
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Re: Projekt: Pferdestall -> Biomeiler -> Wurmkompost -> Terra Preta/Bioponik/Pilzzucht

Beitrag von buchenhainer »

Hey ihr,

vielen Dank für das herzliche Willkommen!

Hab heute den ganzen Tag recherchiert und gegrübelt und ich denke ein Durchlaufsystem wäre weit praktischer. Ich stelle mir vor, dass man einen "Bioreaktor" baut, Rotteturm nennt sich das wohl in Fachkreisen. Der hätte einen Durchmesser von 3,6m und wäre 4m hoch, nach Passivhausstandard isoliert. Zugerne würde ich natürlich die Biogasanlage - wie in folgendem Video zu sehen - integrieren.
https://www.youtube.com/watch?v=1x41h924IbI[/youtube]
In dem Rotteturm wären natürlich Leitungen verbaut, die Wasser führen. Demzufolge was ich so gefunden habe, könnte man theoretisch bei meinen Mistmengen 4kw bzw 35000kwh Thermoenergie pro Jahr erzeugen. Das sind 700m3 Wasser von 10° auf 60° oder 60m2 Gewächshausfensterfläche aus Doppelstegplatten ein ganzes Jahr auf 5° bei -20° Außentemperatur.

Alternativ zur klassischen Heißrotte habe ich für die CO2-Sparfüchse noch etwas gefunden, was ich aber noch nicht verstanden habe:
http://mc-bicon.de/die-fakten.php

Das fertige Wurmfutter kommt in jedem Fall unten raus.

Geht man davon aus, dass der Mist inzwischen 50% Volumen eingebüßt hat, bräuchte ich einen 1m tiefen und 13,5m langen Tisch, auf dem ich jeden zweiten Tag eine 3cm starke Schicht aufbringe, für die Würmer. Das ist doch hier clever realisiert oder? https://www.youtube.com/watch?time_cont ... e=emb_logo[/youtube]
Irgendwann wirst Du diesen nach der Lagerung auch irgendwo entsorgen müssen.
Wenn alles gut geht, kann ich bald 10-15ha im Nachbarort übernehmen und hoffe zusammen mit den Pferden ein kleines Ökosystem aufzubauen.. Also das Futter von den Wiesen (gerne als Terra Preta :D) zurück und das Ganze möglichst ausgereizt.
Ich sehe es ja bei der Reitanlage, zu der ich selber gehe.. die mussten jetzt eine Mistlege betonieren (aus irgendwelchen Gründen keine Jauchegrube) und der Mist wird 1-2mal im Jahr mit LKWs abgefahren.. Jetzt bei dem Starkregen ist die Wanne natürlich übergelaufen und die Brühe in die Reithalle :| ich sehe da so viel Potential
Diese Würmer großtechnisch vom Mist abzutrennen und zu reinigen, wird schon schwerer. In meiner Wurmfarm passiert das manuell, Kosten spielen keine Rolle. In Deinem Falle wird wieder die Forderung 1 im Wege stehen.
Und nach der Ernte hättest Du zwar ein wunderbar ökologisches Hühner- oder Fischfutter. Doch Du solltest Dich auch mal erkundigen, ob die Eurokraten es den Hühnerhaltern und Fischzüchtern gestatten, diese Würmer als Futtermittel einzusetzen.
Ich bin eigentlich sowieso eher Veganer, ansonsten würde ich auf jedenfall Richtung Aquaponik mit Garnelen gehen :D finde das ZU faszinierend.
Im Übrigen würde ich mir an deiner Stelle, wegen der Komplexität deines Projekts, eine*n Unternehmensberater*in suchen, die/der sich mit deinen Projektbestandteilen auskennt. Eventuell kannst du für seine/ihre Arbeit auch Fördermittel bekommen und vielleicht sogar für dein Projekt. Bei Fördermitteln müsste ein Mensch, der vom Fach ist, ebenfalls helfen können.
Das ist definitiv eine Überlegung wert, danke Dir!
Eberhard
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Re: Projekt: Pferdestall -> Biomeiler -> Wurmkompost -> Terra Preta/Bioponik/Pilzzucht

Beitrag von Eberhard »

So als Nebengedanke: Da gibt es auch welche, die aus Pferdemist (Pferdepension) direkt Terra Preta herstellen, zumindest in einer ursprünglichen Darstellung.
Inzwischen hat sich das etwas weiterentwickelt: bionero
Und gerade für Dich ist das so nah (Nähe Bayreuth), dass sich ein persönlicher Besuch anbieten würde.
Mit freundlichem Glück Auf!
Eberhard
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