Fragen zu Bokashi?

Bokashi: Das kompostieren mit effektiven Mikroorganismen (EM)
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Fragen zu Bokashi?

Beitrag von Wurmmann » Sa 12. Nov 2011, 17:21

Hallo miteinander,
seitdem wir Bokashi Kompost Sets anbieten, gibt es auch Fragen dazu. Wir haben usn also dazu entschlossen ein Bokashi Forum zu eröffnen und die Fragen hier beantworten zu können, wo alle etwas davon haben.

Ich bin gespannt!
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Re: Fragen zu Bokashi?

Beitrag von Flomax » Di 15. Nov 2011, 18:57

Hallo Jasper,

tolle Idee ein Bokashi-Forum zu eröffnen. Momentan ist zwar nicht gerade viel los, aber es ist ja auch noch sehr jung - das Bokashi-Forum.

Ich hab' mich bis dato nur sehr theoretisch mit dem Thema milchsaure Vergärung beschäftigt, aber es würde mich interessieren warum die Wurmkompostierung und die milchsaure Vergärung sich gegenseitig ausschließen.

Das Endprodukt einer Wurmkompostierung ist direkt einsetzbar als Humus. Das Endprodukt der Vergärung muß erst vererdet werden bevor man es im Garten und bei Pflanzen einsetzt. Da stellt sich mir die Frage, kann die Vergärung nicht eine Vorstufe der Wurmkompostierung sein. Zumindest für die Stoffe für die eine herkömmliche Kompostierung nicht vorgesehen ist - wie z.B. Milchprodukte, Wurst, Fleisch, Brot, Zwiebeln, Zitronen- und Orangenreste bzw -schalen, etc, pp.

Gut die Endprodukte der milchsauren Vergärung haben einen extrem niedrigen ph-Wert (ca. 3,4 - 4), und in diesem Milieu würden die Kompostwürmer alle verenden. Aber einen ph-Wert kann man mit entsprechenden, natürlichen Stoffen anheben. Zum Beispiel durch Kalkzugabe. Abgelagerter Mist hat meist auch einen sehr hohen ph-Wert.

Wenn man also den ph-Wert auf Kompostwurmwohlfühlniveau anhebt (6-7), sollte der Bokashi doch auch für die Weiterverarbeitung in der Kompostwurmfarm interessant sein, oder?

Oder mache ich da einen Denkfehler? Hat es schon Versuche diesbezüglich gegeben?

Gruß
Flomax
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Re: Fragen zu Bokashi?

Beitrag von Wurmmann » Di 15. Nov 2011, 21:34

Hallo Flomax,
leider habe ich das ganze schon sehr ausgiebig getestet. Ja, theoretisch ist es möglich den pH Wert des fertigen Bokashis anzuheben und ihn dann von den Kompstwürmern verarbeiten zu lassen. In der Praxis sieht es leider so aus das das anheben sehr schlecht funktioniert.

Kalk dauert sehr lange bis er reagiert hat. Pferdemist habe ich auch ausprobiert, aber wenn man die beiden Materialien nicht sehr gut durchmischt, fressen die Würmer einfach am Bokashi vorbei. In anderen Situationen haben die Würmer das Wurmbett verlassen oder sind gestorben.

Ich persönlich sehe in der Kombination der beiden Methoden leider keine Zukunft für den Heimanwender (cry)
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Re: Fragen zu Bokashi?

Beitrag von Flomax » Mi 16. Nov 2011, 19:52

Hört sich nicht wirklich gut an! :-(

Aber den ph-Wert einer festen Fraktion mit einer ebenfalls festen Fraktion anzuheben ist auch schon eine Höchstleistung! Das Neutralisieren fester Stoffe miteinander funktioniert nicht wirklich gut. Es braucht schon eine gewisse Feuchtigkeit, wenn nicht sogar Flüssigkeit damit ein Ionenaustausch respektive eine Neutralisierung abläuft!

Hierzu würde ich vorschlagen, daß der neutralisierende Stoff (Mist/Kalk) erst einmal in den flüssigen Zustand gebracht werden muß, um den ph-Wert des Bokashi anschließend zeitnah bis auf etwa ph-7 anzuheben! 'Dabei muß der Bokashi in der Flüssigkeit physikalisch aufgeschlossen (zerkleinert) werden. Nach der Neutralisierung kann man das Gemisch wieder dehydrieren, damit die Wurmfarm nicht absäuft!!

Ich denke ich komme da um eigene Versuche nicht herum. Wobei die Chance etwas anderes heraus zu bekommen als Du - Jasper, ist eigentlich sehr gering! :-(

vorerst frustrierte Grüße
Flomax
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Re: Fragen zu Bokashi?

Beitrag von Krsna » Do 17. Nov 2011, 10:13

Flomax hat geschrieben: Ich hab' mich bis dato nur sehr theoretisch mit dem Thema milchsaure Vergärung beschäftigt, aber es würde mich interessieren warum die Wurmkompostierung und die milchsaure Vergärung sich gegenseitig ausschließen.
Tut's nicht! Hier mal ein Erklärungsversuch: Mich erinnert das Ganze stark an eine chemische Extraktionsmethode: Die abwechselnde Säure-Basen-Extraktion.
Auch unsere Verdauung läuft ähnlich, nämlich als ein Kammersystem: Der Magen ist stark sauer, der Inhalt wird durch den Pförtner vom Zwölffingerdarm getrennt, in dem ein stark alkalisches Millieu vorherrscht. Der nächste Abschnitt im Dünndarm ist wieder stark sauer, dann kommt wieder ein basischer Teil usw. Der Trick ist nun, die Prozesse herauszufinden, welche das Substrat von einem pH-Extremwert in den anderen bringen...
Flomax hat geschrieben:Das Endprodukt einer Wurmkompostierung ist direkt einsetzbar als Humus. Das Endprodukt der Vergärung muß erst vererdet werden bevor man es im Garten und bei Pflanzen einsetzt. Da stellt sich mir die Frage, kann die Vergärung nicht eine Vorstufe der Wurmkompostierung sein.
100 Punkte!! Milchsaure Vergärung ist eine Art "Vorverdauung", wobei die Enzyme und enzymatischen Prozesse der Milchsäure-Bakterien eine große Rolle spielen - auch ernährungstechnisch, ausführlich hier: Von der Mangelernährung zur gesunden Enzym-Mehrwerternährung
Und: in der Wurmfarm ist's ja ähnlich; da muss das "Futter" ja auch erst durch Bakterien und Pilze "vorverdaut" werden, bevor die Würmer rangehen
Flomax hat geschrieben:Gut die Endprodukte der milchsauren Vergärung haben einen extrem niedrigen ph-Wert (ca. 3,4 - 4), und in diesem Milieu würden die Kompostwürmer alle verenden. Aber einen ph-Wert kann man mit entsprechenden, natürlichen Stoffen anheben. Zum Beispiel durch Kalkzugabe. Abgelagerter Mist hat meist auch einen sehr hohen ph-Wert.

Wenn man also den ph-Wert auf Kompostwurmwohlfühlniveau anhebt (6-7), sollte der Bokashi doch auch für die Weiterverarbeitung in der Kompostwurmfarm interessant sein, oder?
Und nochmal voll ins Schwarze!
Allerdings halte ich nicht viel von zusätzlichen Anschaffungsmaterialien wie Kalk, ich bin mehr der Meinung, solche Prozesse sollten enzymatisch ablaufen --> größtmögliche Effektivität bei kleinstem Energieaufwand.
Meine Theorie dazu: Im Bokashi läuft eine anaerobe Milchsäurefermentation ab, wird dieser nun in Erde eingegraben (relativ neutraler pH-Wert, eigene Mikroorganismen-Population), läuft der Zersetzungsprozess weiter teils aerob ab, wobei ein Großteil der Milchsäurebakterien verendet und die erd-eigenen Mikroorganismen überhand nehmen. Auch ein Ionenaustausch durch die Erdfeuchtigkeit ist gegeben, sodass der Bokashi nach einigen Wochen einen "Wurmfarm-tauglichen pH-Wert" erreichen sollte.
Mein erster Versuch dazu ist unter Laborbedingungen (geschlossenes System) in einer I...A-Box (130l - dürfte für 10l Bokashi locker reichen) geplant.
Bild
Flomax hat geschrieben:Ich denke ich komme da um eigene Versuche nicht herum. Wobei die Chance etwas anderes heraus zu bekommen als Du - Jasper, ist eigentlich sehr gering! :-(
Ich meinerseits bin da sehr zuversichtlich! :P
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Re: Fragen zu Bokashi?

Beitrag von dynamind » Do 17. Nov 2011, 18:47

Nur Kurz:
Die milchsaure Vergärung wird von fast allen Kulturen der Welt erfolgreich eingesetzt um Lebensmittel HALTBAR zu machen also die Zersetzung durch Mikroben, Bakterien Pilze u.ä. zu VERHINDERN.
Unsere Würmer leben in Symbiose mit den Schlingeln die Lebensmittel ZERSETZEN und ZERSTÖREN...warum sollte also die milchsaure Vergärung den Prozess der Wurmkompostierung unterstützen?
Meine Meinung: Das passt nicht zusammen. Bokashi ist bei der Wurmkompostierung ein unnötiger Zwischenschritt den man getrennt durchführen sollte (wenn überhaupt...)
;)
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Re: Fragen zu Bokashi?

Beitrag von Wurmmama » Do 17. Nov 2011, 23:03

Dem kann ich mich nur anschliessen!
wurmige Grüße
Wurmmama
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Re: Fragen zu Bokashi?

Beitrag von hobbygaertner » Fr 30. Nov 2012, 13:34

dito

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Re: Fragen zu Bokashi?

Beitrag von Kurt Walter Lau » Mi 5. Dez 2012, 11:34

Hallo zusammen,
ich sehe das Bokashi als "Anbieter" von Enzymen und Antioxidanzien und lebenden (!) (Darm-)Mikroorganismen zum Wohle unserer Würmer. Es geht also nicht erstrangig um die Bokashis-"Flocken" als Futter, sondern um einen Mehrwert, den die Mikros in Form ihrer Ausscheidungsprodukte unseren Würmern liefern. Regenwürmer nehmen bekanntlich auch lebenden Mikroorganismen auf, die eben nicht alle verstoffwechselt werden, sondern als Symbionten genutzt werden. Unsere Würmer sind, genauso wie die meisten Lebewesen IMMER innen wie aussen Träger von lebenden Mikroorganismen. Buchtipps hierzu z.B.: Hennig, E.: "Geheimnisse der fruchtbaren Böden"; Francé; R.H.: "Das Leben im Boden/Das Edaphon"; Pommeresche, H.: "Humussphäre - Humus, Ein Stoff oder ein System?"

Mit mikrobiellen Grüßen! :)
Kurt Walter
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Re: Fragen zu Bokashi?

Beitrag von dynamind » Fr 14. Dez 2012, 01:05

@Kurt: o.k. - ich bin aber skeptisch, dass die Würmer wirklich was damit anfangen können denn die EM leben ja in einem komplett anderen Milieu als die Mikroorganismen mit denen die Würmer bereits effektiv Symbiosen eingegangen sind. EM bevorzugen einen anderen ph-Wert und sind wenn ich es richtig verstanden habe überwiegend anaerob. Also ich kann natürlich nicht ausschliessen, dass die Würmer nicht doch davon profitieren - aber dort wo unsere Würmer zuhause sind (wo es rottet und zerfällt) gibt es auch schon immer eine Vielzahl an Mikroorganismen (und selbstverständlich auch Hefepilze und die Bakterien für eine milchsaure Vergärung und vermutlich - wenn man alle Misthaufen zusammenrechnet - auch alle in EM enthaltenen Mikroorganismen) das heisst unsere Würmer haben auch ohne unsere Hilfe vermutlich mehre Millionen Jahre Zeit gehabt für sie vorteilhafte Symbiosen auszutesten und sie scheinen sich was Lebensraum u.ä. angeht evtl. für andere Freunde als EM entschieden zu haben.

Also ich verstehe den Ansatz - ich habe mich auch schon mit Überdosen an Vitaminen geflutet in der Hoffnung, dass da was nützliches bei mir hängenbleibt - aber mittlerweile bevorzuge ich insgesamt einen "natürlichen" Weg.

Ich habe meinen Würmern aber auch schonmal ein Beutelchen EM Flocken gefüttert - das Sickerwasser hat dann einige Tage interessant nach Sauerkraut gerochen - aber dann scheinen sich - zumindest dem Geruch nach - die milchsauren Bakterien wieder verabschiedet zu haben.
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