Die Würmer kommen bald - Fragen zu Papier und Pflanzenresten

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Hulk
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Die Würmer kommen bald - Fragen zu Papier und Pflanzenresten

Beitrag von Hulk » So 15. Jan 2017, 14:47

Hallo zusammen!

Im Februar ziehen wir endlich in eine Wohnung in der das Betreiben des Wurm Cafes kein Problem ist: Zu Beginn stehen die Kollegen wohl in der Abstellkammer, wenn es läuft wandern sie vielleicht in den Keller.
Ich konnte bisher schon einiges hier lesen und viele Fragen sind schon beantwortet.

Organischer Abfall fällt in unserem zwei Personen Haushalt einiges an: Die "Rüstabfälle" (Hier gelernt, lustiges Wort) vom Kochen natürlich. Dann der Kaffeesatz aus dem Vollautomaten (da werde ich hoffentlich nicht zu viel produzieren), loser Tee und Trester aus dem Entsafter. Was ich bisher gelernt habe ist das ganz gut, weil schon sehr weit zerkleinert. Außerdem haben wir einen kleinen Garten, dessen Grünschnitt teilweise auch in das Cafe wandern wird. Als Füllmaterial habe ich immer wieder die Streifen aus dem Aktenvernichter zur Verfügung.
Hierzu die erste Frage: Wir selbst drucken mit Tinte, es kommen immer wieder die üblichen (alten) Dokumente in den Aktenvernichter, die man so von Banken/Versicherungen zugeschickt bekommt: Sind diese unbedenklich?
Außerdem beschäftigt sich meine Freundin gerne mit nicht heimischen Pflanzen, vor allem Sukkulenten und Frangipanis. Sind die Blätter oder Reste dieser Pflanzen (oder allgemein nicht heimische Pflanzen) für die Würmer unbedenklich? Und umgekehrt: Können wir mit Wurmtee und Humus diese Exoten später düngen?
Ansonsten verwenden wir die Ergebnisse der Wurmfwarm zum Düngen der kleinen Salat-, Tomaten- und Kräuterbeete.

Ich freue mich auf jeden Fall sehr und bedanke mich schon mal für die Hilfe! Viele Grüße aus Rheinland-Pfalz!
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Peter_86
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Re: Die Würmer kommen bald - Fragen zu Papier und Pflanzenresten

Beitrag von Peter_86 » Mo 16. Jan 2017, 22:30

Erstmal herzlich willkommen in der Gemeinschaft der Wurmfarmer!
Nun zu deinen Fragen:
Zitat von Hulk:
„Wir selbst drucken mit Tinte, es kommen immer wieder die üblichen (alten) Dokumente in den Aktenvernichter, die man so von Banken/Versicherungen zugeschickt bekommt: Sind diese unbedenklich?“
Laut dem Buch „Kompost aus der Kiste“ (Autoren: Lydia Brucksch, Jasper Rimpau. Verlag: Eugen Ulmer KG, Stuttgart. 2013) sollte man für Wurmfarmen nur ungebleichtes Papier verwenden, da die chemischen Bleichmittel den Organismen in der Wurmkiste schaden können.
Laut Buch sollte man bei bedrucktem Papier/bedruckter Pappe nur solche verwenden, die NUR mit schwarzer Farbe bedruckt sind. Schwarze Druckerfarbe (z. B. in der Zeitung) besteht aus Ruß. Andere Farben (z. B. in Buntdrucken, Hochglanzprospekten, bunten Servietten) sollte man nicht verwenden, da diese oft Schwermetalle enthalten, die in größeren Mengen toxisch wirken.
Bei Pappe von Paketen würde ich keine Bereiche verwenden, wo noch Klebeband (Plastik, zersetzt sich nicht) oder Kleberreste (Kleber könnte giftige Lösungsmittel enthalten) vorhanden sind.
Unbedenklich sind also ungebleichtes und ungedrucktes Papier/Pappe. Wichtig ist noch, dass Papier u. Pappe in kleine Stückchen/Streifen gerissen/geschnitten wird, damit dazwischen noch Luft kommt. Vermeiden sollte man z. B. eine Zeitung ganzseitig aufzulegen. Wenn nämlich mehrere Blatt Papier aufeinanderliegen, kommt im nassen Zustand nur noch wenig Luft hindurch, so dass es darunter schnell zu Sauerstoffmangel und Fäulnis kommen kann.

Zitat von Hulk:
„Sukkulenten und Frangipanis. Sind die Blätter oder Reste dieser Pflanzen (oder allgemein nicht heimische Pflanzen) für die Würmer unbedenklich?"
Generell kann man Pflanzenreste aller Art in die Wurmfarm geben. Sehr holziges und hartes Material braucht allerdings sehr lange, bis es zersetzt wird. Stacheln und Dornen (z. B. von Kakteen) würde ich nicht hineingeben, nicht dass sich später jemand sticht.
Harte und ledrige Blätter zersetzen sich schneller, wenn man sie in kleine Stücke reißt / zerschneidet.
Die Zersetzung in der Wurmfarm kann man beschleunigen, indem man gleich beim Start einige Handvoll halb zersetzten Kompost in das Substrat der Farm mischt. Dieser enthält nützliche Mikroorganismen, und Tiere mit Mundwerkzeugen, die das Futter für die Kompostwürmer zerkleinern u. vorverdauen.

Frangipanis gehören zu den Hundsgiftgewächsen (Apocynaceae), diese Pflanzen haben ähnlich wie z. B. Euphorbien (Wolfmilch) einen Milchsaft, der auf Menschen u. andere Säugetiere giftig wirkt, z. B. bei Kontakt mit Haut u. Schleimhäuten (darum beim Verschneiden solcher Pflanzen Handschuhe tragen und aufpassen, dass nichts ins Auge spritzt).
Da ich nicht weiß, ob frischer Milchsaft auch auf Kompostwürmer giftig wirkt, würde ich Reste von Pflanzen mit Milchsaft immer längere Zeit luftig vorkompostieren, bevor ich sie in die Wurmfarm gebe. Dann ist der Milchsaft schon eingetrocknet und die Giftstoffe wurden evtl. schon durch das Trocknen oder durch Mikroorgansimen zersetzt. Manche natürlichen Giftstoffe werden auch durch Hitze (z. B. Kochen) zerstört.

Zitat von Hulk:
„Können wir mit Wurmtee und Humus diese Exoten später düngen?“
Wurmhumus enthält Kalk, den nicht alle exotischen Pflanzen vertragen. Auch der Wurmtee enthält (etwas) Kalk, da Mineralien aus dem Substrat gelöst bzw. herausgespült werden.
Wenn du (z. B. im Internet) zu Pflanzen Angaben findet wie „Substrat sauer, pH-Wert 4 - 5“ und/oder „nur mit Regenwasser gießen, nicht mit kalkhaltigem Leitungswasser“, dann würde ich diese Pflanzen nicht mit Wurmhumus/Wurmtee düngen (oder höchstens in minimalen Dosen).

Bei Kakteen und anderen Sukkulenten musst du mal nachsehen, ob die am Naturstandort auf kalkhaltigem Gestein / Böden wachsen und wie der pH-Wert des Substrats sein sollte.
Die meisten Sukkulenten wachsen relativ langsam. Je langsamer eine Pflanze wächst, und je weniger Blattmasse u. Blüten- /Fruchtmasse sie bildet, desto weniger Nährstoffe braucht sie. Daher würde ich langsam wachsende Sukkulenten, die Kalk vertragen, nicht mit Wurmhumus u./o. Wurmtee überdüngen.

Keinen Kalk vertragen z. B. folgende Exoten (Liste nicht vollständig):
- alle Moorbeetpflanzen, z. B. Azaleen, Kamelien, Karnivoren
- Myrtengewächse z. B. der Zylinderputzer (Callistemon)
- die meisten Orchideen (jedenfalls die, die in Rinden-Substrat wachsen)
- Sauergräser, z. B. Zypergras
- Kaffee

Dagegen brauchen Zitrusgewächse - entgegen älteren Angaben - doch Kalk, um gut zu wachsen. Man sollte nur etwas Schwefel düngen, und darf nicht zu viel Phosphor düngen.*
*Quelle: [www.]floramediterranea.de/Infos/Citruspflanzen,QUlEPTE5NjEyNDAmTUlEPTk3NjMz.html unter „Wasser und Dünger“.
Zitrusgewächse können daher mit Wurmhumus u./o. Wurmtee gedüngt werden. Schwefel wird z. B. freigesetzt, wenn man Haare (kleingeschnitten) in das Substrat mischt.

Salat, Tomaten und die meisten Kräuter vertragen Kalk.
Tomaten sind Starkzehrer, da kann man ruhig 20 % (- max. 30 %) % Wurmhumus unter das Substrat mischen. Starkzehrern (z. B. auch Kürbis, Zucchini, Gurke, Kohlgewächse) kann man im Frühling u. Sommer bei Tagestemperaturen ab etwa 20°C alle 2 Wochen Flüssigdünger (Wurmtee 1:10 mit Wasser verdünnt) geben (wenn es kühler ist, seltener düngen).
Salate, Liebstöckel, (Schnitt-)Lauch, Petersilie, Pfefferminze sind Mittelzehrer, da würde ich max. 10 % Wurmhumus unter das Substrat mischen. Wurmtee 1:10 kann alle 3-4 Wochen gegeben werden (in der Wachstumszeit ab etwa 20°C).
Die allermeisten Kräuter sind Schwachzehrer und brauchen nicht so viel stickstoffhaltigen Dünger. Bei Kräutern kann man etwa 5 – 10 % Wurmhumus unter das Substrat mischen. Mit Wurmtee würde ich Kräuter in der Wachstumszeit nur max. 1-mal im Monat düngen. Nur wenn die Pflanze relativ oft beerntet wird, kann man etwas öfter düngen (wie bei Mittelzehrern).
Die ganze Masse des oberflächlichen Humus ist durch die Körper der Regenwürmer hindurchgegangen. Man kann bezweifeln, dass es noch viele andere Tiere gibt, welche eine so bedeutende Rolle in der Geschichte der Erde gespielt haben. (Charles Darwin)
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Re: Die Würmer kommen bald - Fragen zu Papier und Pflanzenresten

Beitrag von Hulk » Fr 20. Jan 2017, 20:44

Guten Abend und vielen, vielen Dank für die ausführliche Antwort!

Also beim Papier werde ich dann erstmal nicht auf die geschredderte Sammelei zurückgreifen. Wenn verfügbar wird es dann die normale Zeitung sein oder eben was so ungebleichtes, maximal schwarz bedrucktes Papier bzw. Pappe sein.
Zunächst hatte ich beim Füllmaterial über Haare nachgedacht, aber die scheinen ja doch etwas lange zu dauern. Dann bleibt noch das getrocknete Gras aus dem Garten.

Die Infos zu den Pflanzen sind super :-) Bei den Frangipanis werde ich dann sehr zurückhaltend sein, so viel fällt da im Vergleich aber eh nicht ab. Das wäre vielleicht auch erst was, wenn sie gut eingefahren ist und ich mache einen kleinen Eimer nebenher als Test.

Dann werde ich schon mal etwas von dem anfallenden Material vorsammeln und das dann in die neue Wurmfarm mischen. Wenn ich es richtig verstanden habe: Ein bisschen Material aus einem alten Komposthaufen im Garten schadet auch nicht?
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Re: Die Würmer kommen bald - Fragen zu Papier und Pflanzenresten

Beitrag von Peter_86 » Do 26. Jan 2017, 21:23

Zitat von Hulk:
„Dann bleibt noch das getrocknete Gras aus dem Garten.“
Getrocknetes Gras ist als Futter gut geeignet, gröbere Grasstücke (wie Stroh) auch als Strukturmaterial. Selbst wenn das Gras schon sehr trocken ist (Heu/Stroh), wird es in der Wurmfarm wieder angefeuchtet und zersetzt. Wenn die Grasstückchen relativ klein sind, so dass es dazwischen kaum Luftzwischenräume gibt, sollte man das Gras mit gröberem Material mischen, da sonst in einem größeren Batzen o. einer dicken Schicht Gras schnell Fäulnis entstehen kann.

Zitat von Hulk:
„Ein bisschen Material aus einem alten Komposthaufen im Garten schadet auch nicht?“
Das Material aus dem Komposthaufen sollte man besten schon halb zersetzt bis noch etwas stärker zersetzt sein, so dass dazwischen schon Erdstückchen sind. Im Kompost sind viele Bakterien und Pilze enthalten, die für die Zersetzung in der Wurmfarm nützlich sind. Erdstückchen enthalten Mineralien (Spurenelemente), die die Würmer für ein gutes Wachstum und für die Vermehrung benötigen. Weitere Quellen für Mineralien sind der „Mineral Mix“, Kalkpulver, Urgesteinsmehl, mineralstoffreiche Kräuter.
Wen man Material aus dem Kompost entnimmt, sollte man darauf achten, dass man möglichst keine (Nackt-)Schneckeneier (meist weiß, kugelig, einige mm groß) oder Regenwürmer (in Komposthaufen kommen oft Tauwürmer, Lumbricus terrestris, vor) mit in die Wurmfarm bringt. Falls doch (Nackt)Schnecken schlüpfen sollten, findet man diese später oft an den Wänden oder sogar am Deckel und kann sie dann aus der Wurmfarm entfernen.
Die ganze Masse des oberflächlichen Humus ist durch die Körper der Regenwürmer hindurchgegangen. Man kann bezweifeln, dass es noch viele andere Tiere gibt, welche eine so bedeutende Rolle in der Geschichte der Erde gespielt haben. (Charles Darwin)
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Re: Die Würmer kommen bald - Fragen zu Papier und Pflanzenresten

Beitrag von Hulk » Di 28. Feb 2017, 21:31

Guten Abend zusammen!

Seit einer Woche sind die Würmer da! Ich hatte fleissig vorgesammelt, leider auch eine zerkleinerte Zwiebel dabei, so dass dieses Material doch in den Biomüll gewandert ist, war für den Start nach Bedienungsanleitung eh zuviel. Wir hatten aber sowieso einen frischen Saft gemacht und der Trester kam dann direkt in die neue Wurmfarm.
Fluchtversuche gab es bis heute keine, sehr zum Gefallen meiner besseren Hälfte.
Am Wochenende habe ich dann das erste Mal Kaffeetrester beigegeben, welches wohl gut angenommen wird. Ich hatte das Substrat aus dem Versand in die eine Ecke gegeben, den Kaffeetrester dann bewusst in die die andere Ecke.
Heute habe ich mal wieder geschaut: Die Würmer sind nicht nur ziemlich aktiv, sondern auch (scheinbar) wohl genährt und dick. Bei Stücken des Safttresters hat es geschimmelt. Deshalb habe ich es vorsichtig untergehoben. Habe ein bisschen Angst um die neuen Mitbewohner und will sie mit der kleinen Gartenharke nicht verletzen.
Ich habe auf die Hanfmatte einen (billigen) Luftfeuchte-Messer gestellt, der stand heute bei 99%, das wäre wohl etwas viel, allerdings traue ich dem Gerät auf der feuchten Matte nicht so ganz. Das Substrat hat meines Erachtens eine gute Feuchte, eben wie ein nasser Schwamm.
In den nächsten Tagen gibt es dann ein paar Teebeutel.
Scheint mir bisher ein erfolgreicher Start zu sein.
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