Thermokompost - warum ungeeignet für die Wurm-Kompostierung?

Fragen zu Komposthaufen? Haben Sie einen Haufen Pferdemist der entsorgt werden muss?
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Pfiffikus
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Re: Thermokompost - warum ungeeignet für die Wurm-Kompostier

Beitrag von Pfiffikus »

Hallo Rainer,
rainer.gutkas@gmx.at hat geschrieben:Mein Versuch geht ja eigentlich weiter, ich möchte soviel Unterschiedlichen Würmer wie möglich in meinem Garten leben haben. Durch meinen stark Tonhältigen, schweren Boden fanden sich nur sehr selten Mehlwürmer im Boden, daher habe ich alle Arten die ich bekommen konnte im Garten ausgesetzt. Und auch im Kompost.
Mehlwürmer? Unter dieser Bezeichnung werden im Zoofachhandel die Larven des Mehlkäfers gehandelt. Die hast Du ganz sicher nicht in Deiner Wiese.


rainer.gutkas@gmx.at hat geschrieben:Die Debros leben in der Wiese, genauso wie die Tauwürmer, die sich vokalem im Frühjahr fleissig gepaart haben. Die Estidia haben den Thermo Komposter bevorzugt...
Es ist ein frommer Wunsch nach einem reichhaltigen Artenmix. Die Heimat der Tauwürmer ist die Wiese und das Beet. Die bilden dort Röhren und wohnen da, sie sollten sich auch gut vermehren können. Wenn Du zusätzlich mit Kaffeesatz usw. gemulcht hast, haben sie unter Umständen mehr zu futtern und können sich mehr vermehren, als bisher.

Aber Du meinst hier wahrscheinlich Dendrobena. Deren Heimat ist eigentlich das lockere, verwesende Laub am Boden. Die Eisenia foetida haben etwa denselben Lebensraum. Sie bohren keine Röhren, um sie dauerhaft zu bewohnen. Wenn Du solche Würmer auf Deinen Rasen schmeißt, werden die zwar möglicherweise eine Weile überleben. Aber sie werden sich nicht massenweise vermehren, sondern das Feld lieber den rasenbewohnenden Arten überlassen.



rainer.gutkas@gmx.at hat geschrieben:Wozu ich sagen sollte, nur weil das Ding Thermokomposter heisst, muss es nicht zwangsläufig zur Heißrotte kommen, weil wenn man abwechslungsreichen Kompost einbringt, so wie ich,
Zweite Möglichkeit: Es kam zu einer Heißrotte, aber einige Würmer fanden ein kühles Plätzchen, wo sie abwarten konnten, um sich bei angenehmeren Temperaturen wieder zu vermehren.

rainer.gutkas@gmx.at hat geschrieben:Do nebenbei habe ich entdeckt, dass Holzstumpen, die ich auf der Wiese liegen habe ein gefundenes Fressen für die Debros sind, sie legen darin sogar Ihre Eier ab ;-)
Genau! Das ist ja immerhin auch die Heimat der Dendros.


Pfiffikus,
der davon ausgeht, dass Du diese mit Deiner Bezeichnung gemeint hattest
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Re: Thermokompost - warum ungeeignet für die Wurm-Kompostier

Beitrag von rainer.gutkas@gmx.at »

Hallo Pfiffikus!

Ähm nein, ich meine nicht Dendros, die gabs bei mir vor dem Aussetzen im Frühjahr nicht, obwohl sie meinen Boden zu lieben scheinen, was mich inzwischen nicht mehr wundert, da sie ja Waldbewohner sind und ich einen Waldboden haben dürfte (immerhin wächst natürlich nur Kraut das sonst in Wäldern wächst,wie Walderdbeeren, Lungenkraut, Bärlauch, etc.). So nebenbei hat es gestern Nacht wieder vor Dendros gewimmmelt im Garten, also nehm ich mal an dass sie witterungsbedingt davor sich etwas mehr zurückgehalten haben...

Ich meine eine Sorte Würmer, die fast gar nicht an die Oberfläche kommt, und daher ganz weiß ist. Daher auch die Bezeichnung (bei uns Umgangssprachlich) Mehlwürmer. Zoologische Bezeichnung kenne ich leider nicht.
Der normale Lebensraum dieser Würmer ist der Mineralboden tief unten, den sie ständig umarbeiten und lockern, sie graben dabei fast nur waagrecht,also anders als Tauwürmer, die ja zwischen Mineralboden und Oberfläche hin und hergraben.

Zur Heißrotte, die kann ich definitiv ausschließen, da ich darauf geachtet habe, das Maximum im Komposter waren 30 Grad. Frischer Grasschnitt kommt bei mir nur sehr Sparsam und mit Holzhäcksel und Papierschnipsel und Ästen gemischt auf den Kompost, den Großteil staple ich daneben wo er heiß rotten darf (mit Ästen dazwischen als strukturmaterial) und der wird bei Bedarf erst später eingebracht.

So und jetzt werde ich mal wiederweiterarbeiten...

LG, Rainer
dem die pfiffigen Bemerkungen von Pfiffikuss sehr gut gefallen (wave)
Schnellkomposter
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Re: Thermokompost - warum ungeeignet für die Wurm-Kompostier

Beitrag von Schnellkomposter »

Hallo Tamara,

also ich habe tatsächlich die Erfahrung gemacht, dass die Würmer aus meinem Schnellkomposter ausgebüchst sind. Ich führe das in meinem Fall auf folgende Gründe zurück:

1) direkte Zugabe von meinen fertigen aber nicht zuvor vererdeten Bokashis.
2) zuviel Küchenabfälle und zuwenig trockenes und "luftiges" Material, wodurch der Kompost relativ nass und dicht war.

Beides zusammen brachte wahrscheinlich ein insgesamt zu saures und/oder anaerobes Milieu. Ich versuche jetzt mit Meerschweinstreu und jeweils 2 Wochen lang vererdetem Bokashi das Problem zu lösen.

Beste Grüße,
Raphael
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Monika
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Re: Thermokompost - warum ungeeignet für die Wurm-Kompostierung?

Beitrag von Monika »

Ich habe auch einen Thermokomposter, der ganzjährig Regenwürmer hat. Unten steht er auf dem Boden, so dass die Würmer türmen können, wenn es zu warm wird. Wie beschleunigt ihr die Kompostierung? Möchte diesen Kompost im Frühjahr nutzen.
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Peter_86
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Re: Thermokompost - warum ungeeignet für die Wurm-Kompostierung?

Beitrag von Peter_86 »

Zitat von Monika:
„Wie beschleunigt ihr die Kompostierung? Möchte diesen Kompost im Frühjahr nutzen.“
Im Winter kommt die Umsetzung des Kompostgutes fast zum Erliegen. Vor allem bei (Dauer-)Frost im Komposter findet keine Zersetzung statt. Das liegt vor allem daran, dass die meisten als „Thermo-Komposter“ verkauften Garten-Komposter zu klein und zu schlecht isoliert sind, um die Wärme zu halten.
Ich habe z. B. einen Garten-Komposter, der mit ca. 800 Litern zwar relativ groß ist, aber nur dünne Außenwände hat (ca. 5 mm Plastik). Vor ca. 4 Wochen habe ich Bioabfall reingekippt.
Die Außentemperaturen lagen in den ersten 2 Wochen bei maximal bei 10°C, es trat aber oft Nachtfrost auf, so dass sich die Würmer im Boden oder max. in den untersten Schichten des Komposters aufhalten. In den letzten Tagen liegen die Temperaturen zwischen -2°C und -20°C (cold). Der Kompost ist mindestens bis zur Mitte komplett durchgefroren und die Abfälle sind noch nicht zersetzt.

Um die Kompostierung zu beschleunigen, benötigt man höhere Temperaturen.
Wenn dein Komposter rel. groß ist, kannst du versuchen, eine Heißrotte zu starten. Eine Heißrotte benötigt stickstoffreiches Material und Sauerstoff.
Stickstoffreich sind z. B.:
  • - Pferdemist (entwickelt viel Wärme; ACHTUNG: keinen Mist von frisch entwurmten Tieren verwenden!)
    - viel (alter) Kaffeesatz vermischt mit Gemüseabfällen (plus Kalkpulver zum pH-Ausgleich)
    - Grasschnitt
    - Grünschnitt (kein Thuja verwenden, das verlangsamt die Kompostierung)
Damit noch Sauerstoff dazwischen kommt, vermische das stickstoffreiche Material mit luftigem Material, z. B.
  • - Zweige
    - (Holz-)Häcksel
    - Stroh
Oder du schichtet z. B. unten eine luftige Schicht min. 10 cm hoch auf (z. B. Äste u. Zweige), darauf 10-15 cm hoch stickstoffreiches Material (z. B. Pferdemist), darüber eine min. 10 cm dicke Schicht luftiges Material (z. B. Stroh), darauf wieder eine 10 - 15 cm hohe Schicht stickstoffreiches Material usw.

Damit nicht zu viel Wärme verloren geht, kannst du den Komposter isolieren. Wichtig ist, das die Isolation noch Luft durchlässt (also nicht in Noppenfolie einwickeln).
Im Komposter kann man obendrauf auf das Kompostgut und evtl. auch zu den Wänden hin eine dicke Schicht Laub packen.
Um den Komposter herum (Wände u. evtl. auch Deckel) kann Isolationsmaterialien stapeln.
Grundsätzlich gilt: Je dicker die Isolationsschicht, desto besser wird die Wärme im Inneren gehalten.
Zur Isolation eignen sich Materialien, die viele Luftzwischenräume besitzen:
  • - Strohballen (mit Steinen beschweren, damit sie bei Sturm nicht wegfliegen)
    - Laufhaufen, die mit Reisig u. evtl. Steinen (Windschutz) bedeckt werden
    - Zweige u. Reisig (evtl. dazwischen noch trockenes Moos, Laub, Heu etc. stopfen)
    - Lochziegel als Trockenmauer übereinanderstapeln
Aber auch Erde ist ein guter Isolator, wenn die Schicht dick genug ist:
  • - Grassoden wie eine dicke Mauer (30 – 100 cm breit) um die Seiten des Komposters herum aufeinander stapeln, Deckel frei lassen oder mit luftiger Isolierung (z. B. Reisig) schützen
    - Erdhaufen um die Seiten des Komposters herum aufschütten, Deckel frei lassen oder mit luftiger Isolierung (z. B. Reisig) schützen
Die ganze Masse des oberflächlichen Humus ist durch die Körper der Regenwürmer hindurchgegangen. Man kann bezweifeln, dass es noch viele andere Tiere gibt, welche eine so bedeutende Rolle in der Geschichte der Erde gespielt haben. (Charles Darwin)
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Monika
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Re: Thermokompost - warum ungeeignet für die Wurm-Kompostierung?

Beitrag von Monika »

Danke Peter, da hast Du Dir mit der Antwort viel Arbeit gemacht. Ich werde es versuchen noch mal eine Heissrotte zu starten. Danke!
Erfan
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Re: Thermokompost - warum ungeeignet für die Wurm-Kompostierung?

Beitrag von Erfan »

Hallo allerseits,
ich möchte an dieser Stelle nur mal einfügen, das die meisten der so genannten Thermokomposter in Wahrheit gar keine sind.
Einfache Würfelform mit Deckel, welche sich Thermokomposter nennen aber keine besonders hohen Temperaturen hervorbringen.
Thermokomposter die sich so nennen dürfen sind in der Regel doppelwandig und gewährleisten somit hohe Verrottungstemperaturen bei schneller Kompostierung.
LG
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Liane1
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Re: Thermokompost - warum ungeeignet für die Wurm-Kompostierung?

Beitrag von Liane1 »

Ich möchte das Thema hier mal aus der Versenkung holen.
Ich denke schon, dass ein Thermokomposter zur Wurmkompostierung unter bestimmten Bedingungen geeignet ist.
Sofern das zu kompostierende Material nach und nach eingebracht wird und es dadurch nicht zur Heißrotte kommt. Ich habe zwei doppelwandige Thermokomposter und hoffe auf einen Wärmeausgleich: Hält im Winter die Wärme und im Sommer heizt er nicht so schnell auf. Bei Doppelglasfenstern ist es ja ein ähnliches Prinzip.
Ich bin mir nur nicht sicher, ob die Luftzufuhr für die Würmer im Thermokomposter ausreichend ist.
Ich habe Anfang November diesen Jahres ca. 600 Stück Eisenea-Mix in den zu dieser Zeit zu 2/3 gefüllten Komposter entlassen. Inzwischen ist er fast fast voll und die Würmer scheinen sich pudelwohl zu fühlen. Schon knapp unter der Oberfläche tummeln sie sich. Und das bei 5-6 Grad Außentemperatur (cold) .
Bei uns im Norden zwischen den Meeren sind die Winter ja nicht so kalt, dann friert der Kompost auch vielleicht nicht durch ;) . Auch das Prinzip des Wärmeaustausches ;) .
Ich habe so ein Temperatursender im Gefrierschrank, der Empfänger ist draußen... wenn ich den in der Mitte des Komposthaufens verbuddle (in einer Plastiktüte) kann ich draußen die Temperatur ablesen, vorausgesetzt Sender und Empfänger sind stark genug. Ich glaube, dass werde ich mal probieren :? .
Interessant ist das auch im Sommer, wenn man sofort sieht, wenn es zu warm wird (hot) .

Liane, der es im Winter grundsätzlich zu kalt und der der Sommer nicht warm genug sein kann...
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