Selbstgemachter Bokashi mit Sauerteig als Wurmfutter

Bokashi: Das kompostieren mit effektiven Mikroorganismen (EM)
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Selbstgemachter Bokashi mit Sauerteig als Wurmfutter

Beitrag von Sprießknurps » Mi 12. Mär 2014, 22:54

Hallo zusammen,

hab diesen Winter ein DIY Bokashi Experiment meiner Meinung nach recht erfolgreich durchgeführt und möchte hier gern davon erzählen. Hatte größere Mengen an Orangenschalen, die ich nicht einfach wegwerfen wollte und auf diese ganz einfache Weise in Wurmfutter verarbeitet habe.

Benötigt werden:
- Sauerteigkulturen (wer kein Brot backt und deshalb keinen Sauerteig selber führt: gibts auch als Pulver im Supermarkt)
- leere 1kg Joghurteimer mit Deckel

Die Eimer befüllen (alles was ein Bokashi so schluckt), Sauerteig mit etwas Wasser verdünnen (bzw. das Spülwasser der Teigschüssel verwenden) und in den Eimer gießen, Papier (hab immer die leeren Mehltüten nach dem Brotbacken genommen :D ) oben drauf und fest anpressen, bis das Sauerteigwasser nach oben kommt. Dann Deckel drauf und warm stellen.

Nach ca. 4 Wochen hab ich die Eimer dann meistens direkt in der Wurmkiste verfüttert (der Geruch besonders bei fermentierten Orangenschalen ist unglaublich gut, fast besser als frische Orangen). Ich habe eine selbstgebaute Wurmkiste aus Holz mit zwei Abteilen. Den fermentierten Eimerinhalt habe ich flach in einem Abteil ausgebreitet, mit Steinmehl oder Kalk bestreut und mit Rohkompost aus der anderen Hälfte abgedeckt. Nach ca. 3-7 Tagen waren meist sehr viele Würmer im neuen Futter zu finden, und nach insgesamt 14 Tagen waren die Orangenschalen häufig schon komplett umgesetzt.

Aufpassen muss man bei zu feinen, breiartigen oder zu nassen Sachen. Hier kann es in der Kiste bei Sauerstoffmangel zu Fäulnis kommen, auch wenn die Sachen vorher milchsauer vergoren wurden. Falls das passiert hilft ein Verteilen und dadurch Belüften der Faulstellen (oder Entfernen wenns zu viel ist) und Beigabe von Steinmehl.


Da bei dieser Methode einige Dinge recht unkonventionell angegangen wurden
- Sauerteig statt EM Kulturen
- keine Entwässerung des Bokashieimers, sondern sogar eine Bewässerung (mit verdünntem Sauerteig)
- direkte Verfütterung in der Wurmkiste
möchte ich um Vorsicht bei der eventuellen Nachahmung bitten. Bei mir hats aber bisher bestens funktioniert und vor allem nichts extra gekostet!

Viele Grüße,
Seb

Nachtrag Februar 2015: wahrscheinlich kann es durch die Verfütterung von Bokashi zu einer stärkeren Entwicklung von Fruchtfliegen kommen.
Zuletzt geändert von Sprießknurps am Mo 2. Feb 2015, 18:05, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Selbstgemachter Bokashi mit Sauerteig als Wurmfutter

Beitrag von Krebsnebelwesen » Mi 12. Mär 2014, 23:12

Wie jetzt? Also die Zutaten hätte ich. Die Schalen der Saftorangen, den Sauerteig vom Brot backen, Papier findet sich immer...
Kannst Du mal bitte eine Mengenangabe zum Sauerteig machen? Und zur "Füllhöhe" des Eimers?
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Re: Selbstgemachter Bokashi mit Sauerteig als Wurmfutter

Beitrag von Sprießknurps » Do 13. Mär 2014, 12:41

Hallo,

die Eimer mache ich meist voll mit zerkleinerten Küchenabfällen, geht bei der Größe der Eimer (1kg) ja schnell. Macht aber bei mir im Ergebnis auch keinen Unterschied wenn sie etwas leerer sind, stopfe dann einfach mehr Papier oben drauf.
Sauerteig gebe ich ca. einen Esslöffel auf 100ml Wasser.
Wobei ich das in der Praxis nicht abmesse: es funktioniert wirklich genau so gut, wenn man die Schüssel, in der der Sauerteig gegangen ist, mit nicht zuviel Wasser ausspült und das in den Eimer kippt!
Man kann dann gut sehen wie die Fermentierung CO2 entstehen lässt. Die Eimer werden richtig prall und fast immer wird auch der Deckel in den ersten Tagen ein paar Mal hochgedrückt, so dass der Überdruck entweichen kann. Übergelaufen ist mir aber noch keiner...

Viele Grüße,
Seb
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Re: Selbstgemachter Bokashi mit Sauerteig als Wurmfutter

Beitrag von Pfiffikus » Do 13. Mär 2014, 13:52

Hallo Seb,

es sieht demnach für mich so aus, als ob Du Deine Speiseabfälle sauer eingelegt und dadurch konserviert hast. Das macht man bei Kraut oder bei Gurken nicht viel anders. Und auch diese Sachen werden, sofern es richtig gemacht worden ist, nach einigen Wochen nicht stinken.


Sprießknurps hat geschrieben:Sauerteig gebe ich ca. einen Esslöffel auf 100ml Wasser.
Würde es Dir etwas ausmachen, für uns einen Versuch durchzuführen? Wir sind hier sehr wissbegierig. Du könntest mal einen Eimer testweise statt mit Sauerteig lieber mit derselben Menge Sauerkrautsaft versetzen. Etwa Mitte April berichtest Du uns dann, wie sich die Abfälle verhalten haben und wie sie den Würmern schmeckten.
(Gurkenbrühe würde auch gehen, sofern die Gurken nicht eingekocht waren.)


Sprießknurps hat geschrieben:Man kann dann gut sehen wie die Fermentierung CO2 entstehen lässt. Die Eimer werden richtig prall und fast immer wird auch der Deckel in den ersten Tagen ein paar Mal hochgedrückt, so dass der Überdruck entweichen kann.
Ja. Von hier aus erscheint mir das wie eine Milchsäuregärung, die in Deinen Abfällen vor sich geht. Du darfst nur keinen Sauerstoff heran kommen lassen. Nach einigen Wochen hast Du sauer eingelegte Abfälle. Sämtliche lebenden Zellen, die sich bisher noch in den Pflanzenresten befunden hatten, sollten nach vier Wochen das Zeitliche gesegnet haben.

Nach den vier Wochen versetzt Du dieses saure Zeug mit Kalk. Dieser puffert die Säure, so dass es für Würmer genießbar wird. In der Wurmfarm kommt auch Sauerstoff an das Substrat. Sofort können sich die in der Wurmfarm üblichen Mikroben an die Arbeit machen und das Pflanzenmaterial zersetzen. Sie stoßen in den Zellen der ehemaligen Pflanzenteile auf keinerlei Gegenwehr mehr, weil das Material inclusive Immunsystem bereits abgestorben ist. Deshalb wird es sehr schnell für die Würmer genießbar.




Für mich stellt sich die Frage, ob hier Aufwand und Nutzen in einem gesunden Verhältnis stehen. Wahrscheinlich könntest Du durch bloßes Überbrühen einen ähnlichen Effekt mit weniger Säure und viel schneller erzielen. Schließlich mögen die Würmer den niedrigen pH-Wert nicht besonders.
Natürlich steht hier auch die Frage, ob man den Würmern die Ware (nicht gerade Orangenschalen) sogar roh zerkleinert servieren könnte.



Pfiffikus,
der keine Ahnung hat, ob dieses Material dann auch den Namen "Bokashi" verdient
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Re: Selbstgemachter Bokashi mit Sauerteig als Wurmfutter

Beitrag von Sprießknurps » Do 13. Mär 2014, 19:19

Hallo Pfiffikus,

freut mich, dass mein Experiment Dich interessiert! Auf Sauerkrautsaft bin ich bisher noch nicht gekommen, vielleicht auch deswegen, weil ich sowas nicht daheim hab...aber ich gucke mal beim nächsten Einkauf ob ich da einen finde!

Deinen Einwand, dass Aufwand und Nutzen Dir nicht in einem gesunden Verhältnis zu stehen scheinen, möchte ich gerne kommentieren: ich verwende diese Methode in der Regel nur zur Kompostierung von Speiseresten und Küchenabfällen, die sonst nicht in die Kiste dürfen, namentlich Orangen- und Mandarinenschalen, Zwiebelreste, Knoblauch und alles andere, das Würmer frisch verschmähen. Das reduziert meinen Restmüll (und sein Potential vor sich hinzuschimmeln :shock: ...) nocheinmal ein wenig. Alle normalen Gemüseabfälle wandern unverarbeitet aufs Wurmbuffet!

Überbrühen oder auch Einfrieren von Wurmfutter ist in meinen Augen nicht mit meinem Energiesparanspruch vereinbar, aber sicherlich auch sehr wirksam.

Ich habe halt versucht mit den Zutaten, die ich ohnehin schon hatte und die sonst direkt in den Restmüll/Ausguss gewandert wären (alte Joghurteimer, Spülwasser von Sauerteigschüsseln und Orangenschalen), was sinnvolles zu machen.

Zur Definition von Bokashi findest Du hier was: http://www.em-berlin.de/bokashi.htm, wobei ich ausdrücklich nicht behaupten möchte, dass das, was ich da angerührt habe, das gleiche wie ein EM-Bokashi ist! ;)


Viele Grüße,
Seb
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Re: Selbstgemachter Bokashi mit Sauerteig als Wurmfutter

Beitrag von Pfiffikus » Do 13. Mär 2014, 20:50

Hallo Seb,
Sprießknurps hat geschrieben:Auf Sauerkrautsaft bin ich bisher noch nicht gekommen, vielleicht auch deswegen, weil ich sowas nicht daheim hab...aber ich gucke mal beim nächsten Einkauf ob ich da einen finde!
bitte denke daran, dass Du diesen Saft nicht in Flaschen abgefüllt angeboten bekommst. Vielmehr kaufe frisches, rohes Sauerkraut. Das Kraut selber verzehrst Du und die Brühe wandert in den Eimer. Selbst wenn Du kein Sauerkraut magst, so kannst Du das Kraut als Zugabe in Deinen Eimer legen. Es dürfte Dich nicht ruinieren.

Solltest Du einen Laden finden, der das Kraut lose verkauft, so kannst Du Dir nach dem Abwiegen des Krauts noch eine gewisse Menge Saft zusätzlich in den Becher geben lassen.


Sprießknurps hat geschrieben:Deinen Einwand, dass Aufwand und Nutzen Dir nicht in einem gesunden Verhältnis zu stehen scheinen, möchte ich gerne kommentieren: ich verwende diese Methode in der Regel nur zur Kompostierung von Speiseresten und Küchenabfällen, die sonst nicht in die Kiste dürfen, namentlich Orangen- und Mandarinenschalen, Zwiebelreste, Knoblauch und alles andere, das Würmer frisch verschmähen. Das reduziert meinen Restmüll (und sein Potential vor sich hinzuschimmeln :shock: ...) nocheinmal ein wenig.
Ich sag ja immer: Jeder muss sich über den Zweck seiner Wurmzucht im Klaren sein.
- Erzeugung von Wurmhumus
- Entsorgung von Abfällen
- Erzeugung von Würmern für diverse Zwecke.

Du verfolgst offensichtlich das 2. Ziel. Wenn Du derartige Speisereste los werden möchtest, ohne die Restmülltonne zu belasten, so gibt es auch diverse Möglichkeiten. Schneide das Zeug in Fingernagelgroße Stücke und ab ins Klo damit. Und wenn Du Wasser sparen möchtest, dann gib es zu Deinem ohnehin fälligen Geschäft dazu, wenn Du ohnehin zu spülen pflegst. Die Kompostierung/Fermentierung erfolgt dann in der Kläranlage, die bei uns Biogas aus diesem angeschwemmten organischen Material herstellt.
Das spart Aufwand und Wohnfläche.



Pfiffikus,
der diese Art der Aufbereitung trotzdem recht spannend findet und im April auf die Ergebnisse wartet
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Re: Selbstgemachter Bokashi mit Sauerteig als Wurmfutter

Beitrag von Sprießknurps » Fr 14. Mär 2014, 00:43

@ Pfiffikus: Ich hoffe das mit der Toilette war nicht ernst gemeint...
http://www.bavweb.de/abfallberatung/abf ... -ist-kein/
Pfiffikus
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Re: Selbstgemachter Bokashi mit Sauerteig als Wurmfutter

Beitrag von Pfiffikus » Sa 15. Mär 2014, 07:10

Sprießknurps hat geschrieben:@ Pfiffikus: Ich hoffe das mit der Toilette war nicht ernst gemeint...
http://www.bavweb.de/abfallberatung/abf ... -ist-kein/
Doch doch.

Danke für die verlinkte Seite. Da ist bei den von Dir zu entsorgenden Abfällen zu befürchten: "Führen zu Rohrverstopfungen, Eutrophierung"

Du erinnerst Dich an meinen Tipp, das Zeug klein zu schneiden? Lies noch einmal nach! Wenn Du das Zeug nicht in die Spüle, sondern wie von mir empfohlen, ins Klo schmeißt, wird es nur Rohre zu passieren haben, die 100mm und mehr Durchmesser haben. Was soll da verstopfen?

Und das mit der Eutrophierung soll wohl ein Witz sein? Abwasser an sich ist ja schon die Eutrophierungsursache an sich. Eben um Eutrophierung des Vorfluters zu verhindern.
Ein Beispiel für eine analog sinnlose Empfehlung: Du solltest auch kein Salz ins Meer schmeißen, weil das sonst zu Salzwasser wird.



Das einzige Problem von klein geschnetzelten Speiseresten in der Kanalisation, das die Autoren der von Dir verlinkten Seite verschweigen sehe ich an anderer Stelle. Wenn da regelmäßig solche Leckereien vorbei schwimmen, dann binden sich die Kanalratten schon mal das Lätzchen um.



Pfiffikus,
der das Zeug zu Hause auch nicht angemessener recyceln kann, als das die Profis in der Kläranlage machen
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Re: Selbstgemachter Bokashi mit Sauerteig als Wurmfutter

Beitrag von dynamind » Di 18. Mär 2014, 12:56

Ich finde den Ansatz interessant um den Würmern weitere Futterquellen im heimischen Haushalt zu erschliessen.
So richtige Essensreste - also gekocht und gewürzt - verarbeitest du aber nicht, oder?

Das ganze ohne die teuren EM Produkte zu betreiben gefällt mir auch sehr gut. Die milchsaure Vergärung ist ja wirklich nicht in japanischen Laboren erfunden worden :P

Die Menge Kalk wäre noch interessant. Braucht man da nicht sehr viel um das saure Zeug für die Würmer geniessbar zu machen?
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Re: Selbstgemachter Bokashi mit Sauerteig als Wurmfutter

Beitrag von Pfiffikus » Di 18. Mär 2014, 13:17

Mich interessiert noch etwas anderes.

Bei uns fallen noch Schalen von Erdnüssen, Haselnüssen, Walnüssen usw. an. Die Kerne von Aprikosen, Pfirsischen und Kirschen gehören in dieselbe Kategorie. Die verwesen sehr langsam, man findet sie auch noch nach einem vollen Jahr im Wurmhumus. Demnach können auch Würmer kaum von solchen Abfällen profitieren.

Wird solches Nussiges Material durch saures Einlegen von den Mikroben verwertbar gemacht? Werden sauer eingelegte Nusschalen für Würmer verwertbar?


Pfiffikus,
der diese Schalen derzeit vollständig im kommunalen Biomüll entsorgt
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