Biomeiler zum Heizen

Fragen zu Komposthaufen? Haben Sie einen Haufen Pferdemist der entsorgt werden muss?
Nelfine
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Biomeiler zum Heizen

Beitrag von Nelfine »

Hallo zusammen (wave)
Ich habe mich ein bisschen durchs Web gelesen und bin dabei auf Biomeiler gestoßen. Nachdem ich mich da ein bischen reingelesen habe, kamen ein paar fragen auf und mich würde interessieren ob jemand von euch damit Erfahrung hat.
Meine Fragen sind:
Kann man, wenn man alles richtig macht, sogar im Winter Salat ernten? (Dabei denk ich an Heizrohre unter einem Gewächshaus)
Wenn der Meiler einmal angelegt ist, muss man danach noch irgendwelche "Pflegearbeiten" vornehmen?
Was schichte ich alles auf diesen Meiler?

liebe Grüße Nelfine :)
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Krsna
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Re: Biomeiler zum Heizen

Beitrag von Krsna »

Hallo!
Hab ein paar Antworten für dich :D
Ja, in einem beheizten Gewächshaus könntest du auch im Winter Salat anpflanzen, je nachdem wo du wohnst - theoretisch auch direkt auf dem Biomeiler, wenn du ein Gewächshaus draufstellst.
Ich kenne jemanden, der legt im Herbst Reihen mit Mist in seinem Gewächshaus an um es zu beheizen. Und jemand anderes pflanzt in seinem Folientunnel den ganzen Winter Vogerlsalat, ohne irgendwelche Beheizung! Mit viel Sonne und mildem Klima kann man viel machen!
Ein Biomeiler funktioniert - je nach Größe - für etwa 1 bis 3 Jahre. Pflege ist eigentlich keine notwendig, dafür ist die Anschaffung anstrengend genug... Einen großen Biomeiler kann man, wenn die Heizleistung nachlässt (nach 1,5 bis 2 Jahren), einmal wenden, d.h. umgraben. Wieder sehr anstrengend, dafür funktioniert er für bis zu einem weiteren Jahr.
Eigentlich kannst du fast jedes Biomaterial für den Meiler verwenden, aufgrund der gigantischen Masse bietet sich Unterholz an: Das Unterholz von etwa 1 Hektar Wald muss gesammelt, gehäckselt, dann nochmal gehäckselt und anschließend aufgeschichtet und gewässert werden. Um ordentlich zu funktionieren, sollte eine gewisse Größe erreicht werden, je nach Anwendung. Mindestens 10m³ bis üblicherweise 30 m³ sind schon notwendig - also viele helfende Hände! ;)

Wenn's dir primär um Salat im Winter geht würde ich eher ein Untergrund-Gewächshaus empfehlen:
http://themindunleashed.org/2014/02/300 ... mates.html

Liebe Grüße (wave)
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Pfiffikus
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Re: Biomeiler zum Heizen

Beitrag von Pfiffikus »

Hallo Krsna,

möglich ist vieles, funktionieren kann mit viel Willen schon fast alles.

Krsna hat geschrieben:Ein Biomeiler funktioniert - je nach Größe - für etwa 1 bis 3 Jahre. Pflege ist eigentlich keine notwendig, dafür ist die Anschaffung anstrengend genug... Einen großen Biomeiler kann man, wenn die Heizleistung nachlässt (nach 1,5 bis 2 Jahren), einmal wenden, d.h. umgraben. Wieder sehr anstrengend, dafür funktioniert er für bis zu einem weiteren Jahr.
Eigentlich kannst du fast jedes Biomaterial für den Meiler verwenden, aufgrund der gigantischen Masse bietet sich Unterholz an: Das Unterholz von etwa 1 Hektar Wald muss gesammelt, gehäckselt, dann nochmal gehäckselt und anschließend aufgeschichtet und gewässert werden. Um ordentlich zu funktionieren, sollte eine gewisse Größe erreicht werden, je nach Anwendung. Mindestens 10m³ bis üblicherweise 30 m³ sind schon notwendig - also viele helfende Hände! ;)
Richtig. Du solltest Dich hier allerdings fragen, welchen Stundensatz (selbstverständlich unter Berücksichtigung des seit Kurzem geltenden gesetzlichen Mindestlohn) Du für Dich und Deine helfenden Hände ansetzen möchtest. Und dann musst Du Dich fragen, ob Du den unter diesen Bedingungen produzierten Salat wirklich essen möchtest oder ob das teure Zeug zum Verspeisen viel zu schade ist!
Krsna hat geschrieben:Wenn's dir primär um Salat im Winter geht würde ich eher ein Untergrund-Gewächshaus empfehlen:
http://themindunleashed.org/2014/02/300 ... mates.html
Schöne Illusion! Aber lass Dich nicht von dieser Grafik irritieren, die mag für Peru gelten. Im Winter, wenn Dein Salat wachsen soll, so kommt die Sonne in unseren Breiten kaum über 20° hinaus. Logischerweise muss dieses Plastikdach viel steiler sein, als in dieser Skizze dargestellt. Der Winkel, der hier mit 39° gekennzeichnet (in Wirklichkeit aber viel größer ist), darf bei uns nur 20° sein. Logischerweise müssten die Platten zum Boden eine Neigung von 70° haben.

Jetzt nimm mal einen Stift und zeichne Dir Sonnenstrahlen der winterlichen Mittagssonne mit übertriebenen 25° Neigung. Und dann schau Dir an, wo diese wärmenden Sonnenstrahlen den Boden berühren! Zeichne gleichzeitig die Plastikplatten ein, die 65° geneigt sein müssen, um die Strahlen im rechten Winkel durchzulassen! Damit ermittelst Du, wie breit das Gewächshaus sein kann, das mit dieser Doppelstegplatte abgedeckt ist.


Pfiffikus,
der davon ausgeht, dass er nichts mehr dazu schreiben muss, nachdem Du diese Skizze ausgewertet hast
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Re: Biomeiler zum Heizen

Beitrag von Nelfine »

Vorrangig geht es um Selbstversorgung, das mit dem Salat wäre nur ein schöner Nebeneffekt.
Helfende Hände sind zu genüge da, und Platz auch.
Ich habe von Grasschnitt, Pferdemist und Baumschnitt als Material gelesen, daran wird es uns sicher auch nicht mangeln :D Ich kann mir bloß noch nicht ganz vorstellen dass so ein Meiler so lang heizen kann... :?
Wie sieht es mit Geruch aus?
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Pfiffikus
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Re: Biomeiler zum Heizen

Beitrag von Pfiffikus »

Nelfine hat geschrieben:Vorrangig geht es um Selbstversorgung, das mit dem Salat wäre nur ein schöner Nebeneffekt.
Helfende Hände sind zu genüge da, und Platz auch.
Na gut, solange es keine Schwarzarbeit ist, dann ist alles in Butter.

Nelfine hat geschrieben:Ich habe von Grasschnitt, Pferdemist und Baumschnitt als Material gelesen, daran wird es uns sicher auch nicht mangeln :D Ich kann mir bloß noch nicht ganz vorstellen dass so ein Meiler so lang heizen kann... :?
Hier würde ich sagen, Du erkundigst Dich mal bei der Biogasanlage Deines Vertrauens. Die wissen ganz genau, wie viel Energie aus diesen Materialien heraus geholt werden kann und können das mit Zahlen belegen. Ob das Dir im Winter ausreicht, wirst Du erfahren, wenn Du die erfragten Zahlen mit den Dir zur Verfügung stehenden Abfallmengen multiplizierst und mit Deinem Wärmebedarf im Winter vergleichst. Genauer wird Dir niemand hier im Forum zur Seite stehen können.

Außerdem hast Du bei dieser Art der Verwertung die Möglichkeit, die Energieproduktion zeitlich zu strecken und dem Bedarf anzupassen. An besonders frostigen Tagen wirst Du wohl die meiste Wärme brauchen. Das kriegst Du mit einem herkömmlichen Misthaufen nicht hin.

Nelfine hat geschrieben:Wie sieht es mit Geruch aus?
Wenn Du die Biogasanlage aufsuchst, um Deine Frage zu stellen, zieh ganz einfach mal eine frische Prise durch die Nase!


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Re: Biomeiler zum Heizen

Beitrag von rainer.gutkas@gmx.at »

Hallo!

Schau mal hier:
http://experimentselbstversorgung.net/f ... ahr-ueber/

Was ich mir auch vorstellen kann, dass ein vor dem Winter frisch aufgesetztes Hochbeet mit Deinen Materialien und draufgesetztem Frühbeet-Abdeckung funktionieren könnte. Die eigentliche Heißrotte läuft zwar nur 2 Wochen, oder so, allerdings bleibt es bei mir dennoch ein Jahr lang wärmer in den Hochbeeten als im Boden, was dazu führt dass ich meine Letzte Ernte einfahre, wenn der erste Schnee fällt (heuer Ende Dezember) und der Ansatz vom Hochbeet ist vom vorletzten Frühjahr!. Allerdings habe ich den Frühbeetaufsatz noch nicht draufgesetzt...

Viel Erfolg, Rainer
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Re: Biomeiler zum Heizen

Beitrag von Nelfine »

Also wenn ich mir hier in der Umgebung eine Biogasanlage ansehe, bekomme ich zweifel... Die haben keine direkten Nachbarn die sich an dem Geruch stören könnten.
Diesen typischen Silagegeruch kenn ich ja schon wenn ich mal dran vorbei fahre, ich glaube die Nachbarn wären nicht sehr begeistert wenn es ständig vergoren riecht in ihren Gärten, mich reizt das auch nicht :(
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Re: Biomeiler zum Heizen

Beitrag von Krsna »

Pfiffikus hat geschrieben: Schöne Illusion! Aber lass Dich nicht von dieser Grafik irritieren, die mag für Peru gelten. Im Winter, wenn Dein Salat wachsen soll, so kommt die Sonne in unseren Breiten kaum über 20° hinaus. Logischerweise muss dieses Plastikdach viel steiler sein, als in dieser Skizze dargestellt. Der Winkel, der hier mit 39° gekennzeichnet (in Wirklichkeit aber viel größer ist), darf bei uns nur 20° sein. Logischerweise müssten die Platten zum Boden eine Neigung von 70° haben.

Jetzt nimm mal einen Stift und zeichne Dir Sonnenstrahlen der winterlichen Mittagssonne mit übertriebenen 25° Neigung. Und dann schau Dir an, wo diese wärmenden Sonnenstrahlen den Boden berühren! Zeichne gleichzeitig die Plastikplatten ein, die 65° geneigt sein müssen, um die Strahlen im rechten Winkel durchzulassen! Damit ermittelst Du, wie breit das Gewächshaus sein kann, das mit dieser Doppelstegplatte abgedeckt ist.


Pfiffikus,
der davon ausgeht, dass er nichts mehr dazu schreiben muss, nachdem Du diese Skizze ausgewertet hast
Hallo Pfiffikus,
ich brauch da nicht mal rechnen oder zeichnen (obwohl ich beides recht gerne mache), da ich in meinem Heimatort von Mitte November bis Mitte Jänner geschätzte 0 Minuten Sonne pro Tag habe, da sie es nicht über die Bergkette, die unser schönes Tal umspannt, drüberschafft. Dazu kommt, dass wir hier üblicherweise so um die 2 bis 3 Meter Schnee haben, meist noch bis in den Mai hinein... Ich bin zwar ein großer Anhänger der Permakultur, aber bei den Gegebenheiten ziehe ich es doch vor, lieber Winterruhe zu halten ;)

@Nelfine: Da der Biomeiler zum größten Teil aus Baumschnitt bestehen sollte, kann er auch so lange heizen, Holz braucht sehr lange zum zersetzen.
Über Geruch würde ich mir in etwa gleich viel Sorgen machen wie bei der Wurmkiste! :P
Der Biomeiler bekommt mit der Zeit eine harte 'Haut', die äußersten 20-40cm trocknen aus und bilden eine schützende Wand, die auch Gerüche recht effektiv am entweichen hindert, bzw werden die bei der Verrottung entstehenden Gase (etwas Methan und vieeel CO2) sehr langsam und konstant freigegeben und daher kaum mehr Geruchsbelästigung verursachen wie ein korrekt angelegter Komposthaufen.
Der Vergleich mit einer Biogasanlage hinkt, da werden ganz andere Mengen in gaaanz anderen Zeiträumen umgesetzt, zuzüglich das Material auch ständig gewendet.
Bezüglich Heizwert dürfte der Vergleich allerdings stimmen, der bakterielle Umbau ist vergleichbar, nur der Zeitraum (und daher auch die Geruchsbildung) liegt in einer ganz anderen Kategorie.
Nelfine
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Re: Biomeiler zum Heizen

Beitrag von Nelfine »

So also ich möchte mich erstmal herzlich für eure Antworten bedanken :)

Jetzt habe ich mich mal ein bisschen umgehört, da wird etwaqs erwähnt woran ich noch keinen Gedanken verschwendet habe. Das wohl einzig geeignete Material für die Rohre ist Kupfer, weil Kunststoff sich mitten in dem gärenden Material auflösen würde. :shock:
Der Gedanke gefällt mir gar nicht...
Hat vielleicht jemand was anderes gehört? Ich möchte die Idee eigentlich ungern so schnell schon verwerfen.

ganz liebe Grüße

Nelfine
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Krsna
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Re: Biomeiler zum Heizen

Beitrag von Krsna »

Kupferrohre für einen Biomeiler?! Für Millionäre vielleicht :D
Soweit ich gesehn hab, werden die meisten Biomeiler mit ganz normalem Gartenschlauch angelegt.

Es stimmt, Plastik wird spröde und zersetzt sich seeehr langsam, Weichmacher und kleinste Teilchen gelangen dadurch ins Substrat und ins Wasser - das ist der Grund warum radikale Ökos vor Plastik und Plastikflaschen warnen. Aber dieser Prozess ist sehr langsam und der Schlauch wird erst in Jahren wenn nicht Jahrzehnten unbrauchbar. Inzwischen ist die ganze Erde, das Meer und sogar schon das Blut von Eingeborenen, die nie Kontakt mit der Zivilisation hatten, schon mit Mikro-Plastikteilchen kontaminiert. Dieser Prozess ist unaufhaltsam und (bisher) irreversibel. Damit müssen wir und die kommenden Generationen leben. Aber die Natur wird (muss!) sich anpassen...

Die Sache ist die: bevor ich mir Gedanken mache über einen vergrabenen Plastikschlauch, überlege ich mir lieber Plastik im Alltag zu vermeiden, bei z.B. Trinkflaschen, Geschirr, Kosmetikartikel!! (alles mit "Peelingeffekt" beinhaltet Mikro-Plastikkugeln, was glaubst du wofür "Pearls" in "Pearls&Dents" steht? :roll:)

Gut, als nächstes der Vorgang der Zersetzung von Plastik:
Plastik "verrottet" nicht, d.h. es wird nicht biologisch verstoffwechselt. Im Kompost erfolgt also keine Zersetzung, vorausgesetzt es ist einigermaßen Säurestabil (bei einem Gartenschlauch üblicherweise gegeben).
Die Weichmacher im Plastik werden zu einem kleinen Teil ausgewaschen, verstärkt lösen sie sich erst bei höheren Temperaturen.
Das Plastik wird spröde durch:
mechanische Belastung (biegen, dehnen und abschürfen)
UV-Strahlung (schon mal einen Gartenschlauch 2-3 Jahre in der Sonne liegen gelassen?)
Luftkontakt - ich nehme an es reagiert mit dem Luftsauerstoff; Sauerstoff ist sehr aggressiv und zersetzt so ziemlich alles mit der Zeit (Oxidation/Rost/Verbrennung). Bei Plastik wird dieser Effekt allerdings erst nach 50+ Jahren sichtbar.

Worauf ich hinaus will: Solange das Plastik licht- und luftgeschützt gelagert wird und die Temperatur nicht über 100°C erreicht, ist es relativ stabil. Für so Anwendungen wie etwa den Biomeiler ist es eigentlich perfekt, vor allem weil es sich kaum zersetzt! Kupfer ist in diesem Fall natürlich genauso stabil, allerdings macht es einen Unterschied ob ich für 1 Meter Schlauch 10 Cent oder 10 Euro ausgebe! Weiters ist für das Aufbauen und Umschichten bzw. Abbauen des Biomeilers der Plastikschlauch definitiv einfacher zum Handhaben!

Fazit: Es ist schön dass du dir darüber Gedanken machst. Plastik wird viel zu häufig und für unnütze Zwecke eingesetzt. Aber es gibt Anwendungen für die Plastik einfach praktisch ist, gerade wenn es öfters feucht wird. Was wir als Menschheit noch lernen müssen ist verantwortungsbewusstes und intelligentes Ressourcenmanagement, und du bist mit deiner Frage auf dem besten Weg dahin ;)
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